Küss mich, Potter!  Die Fortsetzung

von Hitti02
GeschichteHumor, Romanze / P12
James "Krone" Potter Lily Potter OC (Own Character)
15.01.2017
01.07.2019
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Hallo Menschen...
Ich hab beschlossen, nicht so viel vorweg zu sagen, da, naja... was will man nach einem halben Jahr noch sagen oder? *lach**wein* Mhhh. Ich hoffe auf jeden Fall das den verbliebenen das Kapitel gefällt (ist nicht lang für so viel Zeit, aber sehr wohl lang für meine aktuelle Motivation) :)
Apropos, ich glaube übriens, dass ich meine Motivation und meine Kreativität wiedergefunden habe, ich hab keine Ahnung wo die beiden waren, aber... sie sind wieder da. Ich hoffe, sie bleiben noch ein bisschen, zumindest bis das  letzte Kapitel geschrieben ist. Also. Viel spass beim lesen, ich freue mich über Reviews mit konstruktiver Kritik, LG Hitti


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„Ich glaube, James ist beleidigt.“ Sagte ich, und blickte in die Runde. Niemand sagte etwas, aber das brauchten sie auch gar nicht. Emilie und Michelle sahen mich zustimmend an, und Julies Blick sagte ganz deutlich: Und dazu hat er jedes Recht. Ich beschloss, sie vorläufig zu ignorieren. Nachdem James zu Jonathan und mir gestoßen war, war mal wieder das passiert, was immer passiert wenn James und Jonathan aufeinander trafen. Beide hielten inne in ihren Bewegungen und erstarrten vollkommen während sie sich gegenseitig mit steinharter Miene und zusammengebissenen Zähnen musterten. Auf mich wirken sie dann immer als wären zwei Raubkatzen, die sich gegenseitig geduckt umkreisten um auf den perfekten Augenblick zu warten, zum Sprung anzusetzen und sich gegenseitig in der Luft zu zerfetzen. Glücklicherweise war es aber bis jetzt noch nie so weit gekommen, und dass sollte auch diesmal nicht passieren, da Jonathan sich anscheinend besonnen und sich an seine Entschuldigung erinnert hatte. Genauso schnell, wie er seine verkrampfte Haltung eingenommen hatte, hatte er sie auch schon wieder gelockert, seine Hände betont lässig in seine Hosentaschen gesteckt und ein spöttisches, überhebliches lächeln aufgesetzt. James hatte einen Moment lang ausgesehen, als hätte Jonathan ihm ins Gesicht geschlagen, doch er hatte sich sofort wieder gefasst und es Jonathan gleich getan, indem er seine Arme vor der Brust verschränkt und seinen Ärger mit einem arroganten  Blick überspielt hatte. „Ich denke, jetzt wäre der Richtige Moment um zu gehen, Twist.“  James´ Stimme hatte ruhig und kühl geklungen, und ich war mir sicher, das alle anderen bei seinem Gesicht sofort die Flucht ergriffen hätten, nicht aber Jonathan. Er hatte nichts getan als spöttisch eine Augenbraue zu heben. „Ich wüsste nicht, warum du zu entscheiden hast wann ein guter Moment ist zu gehen, Potter.“ Die letzten zwei Silben hatte er ausgesprochen, als seien sie die miesesten Schimpfworte die er jemals in den Mund genommen hatte. James schien sich allerdings nicht daran zu stören. Ich hatte eigentlich gedacht, dass James auf seinen Posten als Schülersprecher zurückgegriffen hätte, so wie es meine Antwort darauf gewesen wäre, doch das tat er nicht. Stattdessen… „Du kannst uns gerne in mein Zimmer begleiten, wenn du unbedingt willst, aber ich weiß nicht, ob dir das was du dort zu sehen bekommen wirst, so gut gefallen würde.“ Man hatte Jonathan in diesem Moment deutlich ansehen können, das er zwar versucht hatte, seine unbekümmerte Mine aufrecht zu erhalten, er aber nicht hatte verhindern können, dass ihm das Lächeln im Gesicht gefror. „Weißt du, Twist, eigentlich hätte ich erwartet, dass du inzwischen begriffen hast, dass Lily nichts von dir will. Irgendwie sind deine, wenn auch hoffnungslosen Bemühungen bewundernswert aber, ich schlage dennoch vor, dass du deine jämmerlichen versuche ein Mädchen rumzukriegen an jemand anderem fortsetzt, die bereit ist sich auf dein Niveau herabzusetzen…“ Bis dahin hatte ich die Szenerie aus sicherem Abstand von außen mit großen Augen verfolgt, immer bereit, einzugreifen, falls die Situation eskalieren sollte. Trotzdem war ich überrascht gewesen, als Jonathan auf einmal seinen Zauberstab gezückt und warnend auf James gerichtet hatte. James allerdings hatte zu meiner Verärgerung nicht im Geringsten so erschrocken gewirkt wie ich mich gefühlt hatte. Stattdessen wirkte er zufrieden, als hätte er genau das erreicht, was er wollte. „Jonathan!“ Etwas Geistreicheres war mir in diesem Moment leider nicht eingefallen, aber das hätte eh niemand bemerkt, denn beide Jungs hatten mich seit dem James um die Ecke gerauscht war, keines Blickes mehr gewürdigt. Jetzt wo ich so darüber nachdachte, ziemlich unfair eigentlich, wenn man bedachte, dass es bei diesem Streit eigentlich hauptsächlich um mich ging. „Noch ein Wort Potter und ich bring dich um.“ Jonathans stimme hatte in meinen Ohren so ruhig und bedrohlich geklungen, das ich keine Sekunde daran gezweifelt hatte, dass er sie völlig ernst meinte, und ohne Zögern in die Tat umgesetzt hätte. „Nur zu.“ War James´ schlichte Antwort  gewesen. Er stand immer noch völlig gelassen da, doch der Anblick täuschte. Ich wusste, dass er hinter der lockeren Fassade unter Spannung stand und jeden Moment zur Tat schreiten konnte. „Na los. Mach schon. Zeig mir, was du so drauf hast, Twist.“ In dem Moment, in dem Jonathan seinen Zauberstab ein winziges bisschen geschwenkt hatte und kurz davor war, die entsprechende Zauberformel auszusprechen, hatten James und Ich gleichzeitig nach unseren Zauberstäben gegriffen. James war schneller und besser als Jonathan, doch trotz dieser Tatsache, schnellte ich vor, um Jonathan Fluch vor James abzuwehren. Und erst in dem Moment, in dem Ich wie ein Schutzschild mit erhobenem Zauberstab vor James gestanden hatte, war mir einer Sache bewusst geworden. James war schneller und besser als Jonathan. „Expelliarmus!“ hatte ich rufen wollen, um das schlimmste zu verhindern, doch dazu hatte ich bedauerlicherweise keine Zeit mehr gehabt. Wäre ich nicht dazwischen gegangen, hätte James Jonathan problemlos entwaffnen können, da war ich mir sicher. Doch jetzt hatte mich James´ Fluch, der eigentlich für Jonathan bestimmt gewesen war, mit voller Wucht in den Rücken getroffen. Sein Fluch hatte damit nicht wie geplant Jonathan entwaffnet, sondern mich. Und dass, bevor ich Jonathan hatte entwaffnen können. Somit hatte mich nicht nur James´ Fluch unbeabsichtigter Weise getroffen, sondern auch der von Jonathan, der unaufhaltsam auf mich zugerast war, und mich mitten in die Brust getroffen hatte. Anders, als Jonathan gedroht hatte, war es allerdings (Merlin sei Dank) kein Todesfluch gewesen, der mich getroffen hatte, sondern ebenfalls ein Entwaffnungszauber. Mein Zauberstab, war mir schon nach James‘ Fluch aus der Hand geflogen, wogegen mich Jonathans Fluch mit einer solchen Wucht zurückgeschleudert hatte, das ich wahrscheinlich durch den ganzen Flur geflogen wäre, wenn James nicht immer noch hinter mir gestanden hätte. Völlig überrumpelt von der Situation war ich mit meinem Rücken so hart gegen seine Brust geprallt, das es mir für einen Moment den Atem geraubt hatte. Ich war, dank der immer anwesenden Geistesgegenwärtigkeit meines festen Freundes, nicht ganz so hart wie erwartet gelandet, da er, kaum dass mich der Zauber getroffen hatte in der Luft die Arme um mich geschlungen hatte um mich schützend festzuhalten bis wir auf dem Boden aufschlugen. Trotzdem hatte der stoß ausgereicht, um mir sämtliche Luft aus den Lungen zu pressen. James, der unter mir mit dem Rücken auf dem Boden gelandet war, keuchte atemlos auf. Bei der Erinnerung daran, bekam ich doch ein kleines schlechtes Gewissen, das ich ihn, statt mich zu bedanken, dafür zur Schnecke gemacht hatte, das er auf Jonathan eingegangen war, statt das Gefecht zwischen beiden verbal zu lassen.

„Aber mal ehrlich, Leute.“ Startete ich - bei Julie vermutlich nach wie vor aussichtslosen – Versuch, mich zu Rechtfertigen. „Was hätte ich denn tun sollen? Die beiden ihrem schrecklichen Schicksal überlassen und einander ausliefern, damit sie sich zu Tode duellieren?“ Fragte ich, und legte Theatralisch eine Hand an die Brust, als würde mich dieser Gedanke zutiefst berühren und mir unsägliche Schmerzen bereiten. „Und das alles nur, weil James seine übergroße Klappe mal wieder nicht halten konnte?“ alle drei nickten einvernehmlich, und ich verdrehte entnervt die Augen. „Das war eine rhetorische Frage.“ Stellte ich das offensichtliche klar, und lies meine Hand wieder kraftlos zurück in meinen Schoß sinken. „Jaja, schon klar Lily. Aber das ist doch sowieso egal, oder? James ist ja wohl nicht beleidigt, weil du ihn daran gehindert hast, Jonathan fertig zu machen. Und ich zweifle keine Sekunde daran, dass er das getan hätte. Es geht vielmehr darum, dass du den Beiden zehn Punkte abgezogen hast! Jeweils. Also, wenn du mich fragst: James hat jedes Recht der Welt, beleidigt zu sein. Du weißt wie wichtig ihm der Hauspokal ist.“ Ich wollte gerade auch am liebsten beleidigt sein. Beleidigt, weil Julie so stur war, und sich lieber auf James´ Seite schlug, als ihrer langjährigen Freundin beizustehen, wie es sich gehörte. Aber leider konnte ich mit der Zeit immer weniger leugnen, dass vielleicht doch mehr wahres an ihren Worten, als berechtigtes an meinem Verhalten war. „Tja, ich frage dich aber nicht.“ Erwiderte ich trotzig. Ja, ich wusste, dass ich mich lächerlich und einfach kindisch verhielt. Und ja, ich wusste auch, das ich langsam lernen sollte, mir die Fehler einzugestehen, wenn ich mal welche machte. Aber ich hatte grad einfach keine Lust mich reif zu benehmen. Und außerdem, ich war Schulsprecherin. War es denn nicht sogar meine Pflicht Punkte abzuziehen, wenn die Regeln verletzt wurden? Und das wurden sie eindeutig. Zaubern auf den Fluren war verboten. Und daran änderte nicht mal die Tatsache etwas, das ich indirekt schuld an dem Streit war, und ich eigentlich loyal gegenüber meinem Haus, und meinem Freund sein sollte. Ich seufzte tief als ich mich schlussendlich doch geschlagen gab. „Ich geh ihn dann mal suchen“.

„James?“ fragte ich zaghaft, und klopfte nun schon das zweite Mal an seine Zimmertür, auch wenn ich längst wusste, dass er nicht hier war. James war, außer zum Schlafen, fast nie in seinem Zimmer. Wenn er ruhe brauchte, reichte es ihm oftmals schon, einfach in unserem Gemeinschaftsraum zu sitzen und das zu tun, was auch immer er tun wollte. Manchmal war er bei unseren Freunden im Gemeinschaftsraum der Gryffindors, oder aber er streunte in den Fluren umher, auf der Suche nach Inspiration für neue streiche, die er mit Sirius aushecken konnte. Doch seit ich ihn und Jonathan allein im Flur zurückgelassen hatte, hatte ich ihn nicht mehr gesehen. Das war zwar eigentlich nicht sonderlich überraschend, zumal Ich auch gerade erst angefangen hatte zu suchen, doch trotzdem hatte ich irgendwie das Gefühl, James würde mir aus dem Weg gehen. Und da Julie es ja nicht hatte lassen können, mir ins Gewissen zu reden, konnte ich es ihm noch nicht einmal verübeln. Auch wenn ich das natürlich niemals zugeben würde. Ich klopfte ein weiteres Mal an die Tür, wartete einige Sekunden ab, und machte dann auf dem Absatz kehrt, um wo anders meine Suche fortzusetzen.

Nachdem ich meine Suchaktion notdürftig  fortgeführt, und nach etwa einer Stunde lustlosem Herumstreunen und wahllosem Türen öffnen schlussendlich abgebrochen hatte, saß ich nun wieder auf dem Sofa des Schulsprechergemeinschaftsraumes im Schneidersitz, mit einem guten Buch auf dem Schoß und einem großen Becher Kakao auf dem Tisch. Ich hatte James nicht gefunden. Ich hatte weder ihn, noch Sirius, noch einen der anderen Rumtreiber gesehen, womit klar war, dass die vier in geheimer Mission unterwegs waren. Irgendwann hatte ich beschlossen einfach hier auf dem Sofa sitzen zu bleiben und zu warten, bis James von alleine wieder auftauchte. Als ich mich hingesetzt hatte, war es draußen hell gewesen. Die meiste Zeit hatte ich den eisigen Regen ruhig gegen die Scheibe prasseln hören können, während das helle, vom restlichen Schnee reflektierte Tageslicht den Raum in kühles Licht getaucht hatte. In der Dämmerung, als der Regen nachgelassen und ein paar Sonnenstrahlen sich einen Weg durch die dichten Wolken in den großen Raum gebahnt hatten, hab ich dann beschlossen, mir den Abend etwas mit einer Tasse Kakao zu versüßen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Als ich aus der Küche zurückgekommen war, war die Sonne bereits hinter dem Horizont verschwunden. Nun war es ganz dunkel. Durch das immer noch nasse Fenster konnte man den schwach leuchtenden Halbmond erkennen, der ab und zu zwischen den Wolken hindurchblitzte. Ich versuchte mich mit meinem Buch abzulenken, aber ich kam nicht umhin, mir Gedanken um James zu machen. Es war spät und er war immer noch nicht aufgetaucht. Einem Blick auf die Uhr nach zu urteilen durfte er sich auch gar nicht mehr lange auf den Fluren aufhalten. Aber wir sprachen hier von James. Den kümmerte es ja auch sonst nicht ob er etwas Verbotenes machte oder nicht. Ich seufzte. Ich konnte auch einfach schlafen gehen. Wenn er  jetzt kommen würde, wäre er vermutlich eh viel zu müde um noch zu reden. Und er wäre damit nicht der einzige. Aber andererseits war es schon komisch, dass er so lange weg blieb. Es war Mittwoch und morgen war Schule. Ich meine, auch wenn er womöglich sauer auf mich war, war das noch lange kein Grund einfach so wortlos zu verschwinden. Seufzend klappte ich mein Buch zu, legte es auf den Tisch und leerte mit einem letzten großen Schluck meinen Kakao, bevor ich ihn neben meinen Zauberstab auf den Tisch legte und mich auf dem Sofa langmachte.

Ich war auf dem Sofa eingeschlafen. Mal wieder. Und wieder wurde ich durch Störgeräusche geweckt, die eindeutig vom Flur kamen. Jemand klopfte an der Tür. Ich versuchte anfangs diese Tatsache zu ignorieren und mir einzubilden, dieser jemand sei entweder nicht existent, oder würde irgendwann die Geduld verlieren und sich davon machen. Doch leider entpuppte sich diese Taktik als nicht sehr effizient. Müde und genervt rappelte ich mich also auf indem ich mich unter größtem Kraftaufwand erst hinsetzte, dann meine Beine über die Sofakante schwang und aufstand. Ich rieb mir einmal kräftig übers Gesicht, streckte mich und stiefelte langsam zur Tür, um den dort wartenden jemand zu fragen, was ihm einfällt, mich zu wecken. Mit einem kräftigen ruck, über den ich, offen gestanden selber ein wenig erstaunt war, öffnete ich die Tür, und bekam einen nicht weniger erschrockenen Remus zu Gesicht. Ich wusste zwar nicht, wen ich erwartet hatte, aber ich war trotzdem ein wenig enttäuscht ihn zu sehen. Ich wusste zwar, dass es nicht James sein konnte, da er natürlich nicht klopfen musste, um hier rein zu kommen, aber dennoch…  „Ach du bist es.“ Sagte ich, und rieb mir mit einer Hand erneut über die müden Augen, die andere Hand noch immer auf dem Türgriff. Remus lächelte und schob die Hände in die Hosentaschen. „Ich freu mich auch dich zu sehen.“ Ich versuchte entschuldigend auszusehen. „tut mir leid. Komm rein.“ Ich machte einen Schritt zur Seite und bedeutete ihm reinzugehen. Er betrat den Gemeinschaftsraum und schaute sich um, während ich die Tür hinter ihm wieder schloss, nachdem ich einen letzten kurzen Blick auf den dahinterliegenden Flur geworfen hatte. Als ich mich zu ihm umdrehte, sah ich, dass er die Hände noch immer in den Hosentaschen hatte und mich abwartend ansah. „Ähhhm.“ Machte ich, da ich nicht wusste worauf er wartete. Denn das tat er offensichtlich. „wenn du James suchst, er ist nicht hier.“ Ich versuchte, meine Stimme nicht bitter klingen zu lassen. In Gedanken ermahnte ich mich, dass es nicht schlimm war wenn ich mal nicht wusste wo er war. Er war mein fester Freund und nicht mein Haustier. Er hat ein eigenes Leben. Es war nicht schlimm. „Ähh ja, ich weiß.“ Sagte er, wobei er offensichtlich um einen neutralen Ton bemüht war. Remus war immer Nett und lieb zu allen, aber diesmal klang es nicht nur wie die für ihn normale Höflichkeit und Freundlichkeit. Es klang eher, als versuche er aktiv mich nicht zu beunruhigen. „Ich hab eigentlich dich gesucht. Wollen wir los?“ Auffordernd schaute er mich an. Ich vergaß meinen vorherigen Gedankengang und versuchte mir nun Fieberhaft zusammenzureimen, wovon er sprach. Hatte ich irgendetwas verpasst? Hatte mir jemand Alkohol eingeflößt und ich hatte einen Blackout? - Unwahrscheinlich. Ich trank nie Alkohol. Und wenn jemand versucht mich gegen meinen Willen abzufüllen, wurde dieser so verhext, dass er sich wünsche es umgehend rückgängig  machen zu können. „Ähhm“ machte ich also erneut, und kam mir dabei reichlich dämlich vor. Normalerweise war ich nicht diejenige, die etwas nicht wusste und in Ermangelung einer Antwort irgendwelche Geräusche machen musste, nur um Zeit zu schinden. Zum Glück sprach ich mit Remus, der mir sofort auf die Sprünge half. James hätte mich zweifellos für meine Verpeiltheit ausgelacht. James. Ich seufzte. „Gonni hat uns doch für die Patrouille heute Abend eingeteilt. Weißt du nicht mehr?“ Ach ja. Am Anfang eines jeden Monats wurden die Pläne für die Patrouille ausgeteilt. Eigentlich betraf das nur Schulsprecher und Vertrauensschüler, aber Remus und die anderen Rumtreiber hatten sich bei McGonnagal freiwillig gemeldet. Sirius um bei James zu sein und weil er Spaß daran hatte, Slytherins zurechtzuweisen, Peter um bei Sirius und James zu sein und Remus, um die anderen davon abzuhalten, ihre Autoritäten zu missbrauchen. Wenn die Lehrkräfte es allerdings vermeiden konnten, trugen die Sirius und Peter nicht in die Liste ein. Dass ich aber für heute Abend eingetragen war, hatte ich tatsächlich völlig vergessen. Was war nur mit mir los? Ich schob diese kurzzeitige Vergesslichkeit auf mein außerplanmäßiges Nickerchen und mein noch nicht ganz anwesendes Gehirn, was vermutlich noch irgendwo auf dem Sofa rumhing. Ich räusperte mich. „Ahh ja. Ich Ähh – dachte, das wäre erst um Zehn.“ Ich versuchte so auszusehen als hätte ich mich tatsächlich nur in der Uhrzeit geirrt. Remus drehte seinen Kopf und schaute auf die große Wanduhr gegenüber der Sofazeile. Ich folgte seinem Blick und kniff meine Augen zusammen, um die schwarzen Zeiger auf dem Ziffernblatt erkennen zu können. Zehn nach zehn.  Ich schloss die Augen, um mich selbst zu beruhigen und davon abzuhalten, mein Gesicht in den Händen zu vergraben, was wahrscheinlich seltsam ausgesehen hätte. Als ich die Augen wieder öffnete, sah ich, dass Remus mich leicht besorgt musterte. „Alles in Ordnung?“ Ich versuchte zu lächeln. „Ja klar. Ich hab grad nur ein bisschen geschlafen und bin wohl noch etwas neben der Spur.“ Er gab sich mit der Antwort zufrieden und wir machten auf den weg, um alle umherstreunenden Passwort-Vergesser, nicht-auf-die-uhr-gucker, Mutprobenbestreiter und weitere Nestflüchter zurück ins Bett zu schicken. Wir begannen oben in der siebten Etage und arbeiteten uns so von Stockwerk zu Stockwerk langsam nach unten, während wir manchmal schweigend, manchmal uns leise unterhaltend nebeneinander her schlenderten, und ab und zu Türen öffneten, um die dahinterliegenden Räume zu überprüfen. Die Zeit verstrich schleichend und es gab nichts außer den, wenn auch meistens sehr guten Gesprächen mit Remus, die sie schneller hätten verstreichen lassen können. Die Flure waren ungewöhnlich lehr. Normalerweise gab es, auch außerhalb der Wochenenden, immer mal wieder kleinere treffen von Schülern die nicht dem gleichen Haus angehörten und somit gezwungen waren, sich außerhalb ihrer Gemeinschaftsräume zu verabreden. Entweder waren es kleinere Grüppchen mit drei oder mehr Personen, oder aber Treffen zu zweit. Wenn ich mit Sirius unterwegs war, dachten wir uns manchmal Geschichten zu Dates aus, die wir in der Nacht erwischt hatten. Das Funktionierte natürlich nur bei Schülern die wir nicht kannten, doch es war immer lustig und interessant gewesen, besonders, wenn wir die betreffenden Personen tagsüber wieder sahen, und uns die Geschichten wieder einfielen, die wir in der Nacht gesponnen hatten. Als wir alle in der fünften Klasse gewesen waren, -Remus und Ich waren Vertrauensschüler- hab ich jeden Morgen nachdem ich nachts auf Patrouille war, meinen Freunden von allen Dates erzählt, die wir, Mal mit schlechtem Gewissen, Mal mit größter Genugtuung haben platzen lassen. Wir haben damals eine große Übersicht auf einem Stück Pergament gezeichnet und mit einem Klebezauber an die Wand in unserem Schlafsaal gehängt, mit allen heimlichen Paaren, gekennzeichnet mit dünnen Linien, die die jeweiligen Namen verbanden, sowohl innerhalb der Häuser als auch Häuserübergreifend. Ich mochte es schon immer, den Überblick zu haben, ebenso ging es Julie, Emilie und Michelle, auch wenn diese Vorliebe bei ihnen weniger Ausgeprägt schien als bei mir. Irgendwann haben wir diese Übersicht allerdings abgehängt, da es uns doch irgendwann falsch erschien und weil die Angst, jemand könne sie zu Gesicht bekommen, ständig wuchs. Jetzt hatte ich diese Liste nur noch in meinem Kopf.

Wir kamen an unzähligen Türen vorbei, durchquerten unzählige Gänge und hörten zu, wie das leise Gemurmel der Gemälde allmählich verstummte. Ich dachte darüber nach, worüber wir noch sprechen konnten. Ich dachte darüber nach, worüber wir früher immer gesprochen haben. Remus ist der einzige Rumtreiber, mit dem ich mich seit der ersten Klasse in Hogwarts gut verstanden habe. Irgendwann habe ich mich auch mit Sirius angefreundet, doch sogar ihn konnte ich am Anfang nicht ausstehen. Er hat mich immer genervt mit seiner provozierend verwegenen Art, seiner Vorliebe für unnötige Risiken, das fast zwanghafte brechen von Regeln und der nicht enden wollenden Schar an Mädchen, die ihm und James schon immer zu Füßen gelegen haben und auch immer noch lagen. Damals habe ich nie verstanden, wie die Rumtreiber so gut befreundet sein konnten. Bei James und Sirius war es ja noch einigermaßen verständlich. Sie beide sind unglaublich leichtsinnig, wie aber auch intelligent. Sie neigen beide dazu, zu prahlen, und beide sind genau der Typ Mann, auf den der Großteil der Mädchen fliegt. Wenn sie nicht auf James stehen, dann stehen sie auf Sirius. Und umgekehrt. Und Beide waren dafür bekannt, Mädchenherzen im Flug zu zerbrechen. Remus und Peter sind anders. Remus ist ruhig, einfühlsam und immer freundlich. Er liest viel mehr als James und Sirius und er ist fleißig. Er ist Intelligent und Rücksichtsvoll. Ich mochte ihn schon immer sehr gerne, und ich war sogar eine kurze Zeit lang in ihn verliebt gewesen, doch ich habe festgestellt, dass mir, so ungern ich das auch zugeben mochte, ein bisschen von der berauschenden Abenteuerlust fehlte, die so charakteristisch für James war. Das habe ich mir aber natürlich nie eingestanden. Peter fiel in meinen Augen schon immer ein bisschen aus der Reihe. Auch ihn mochte ich mittlerweile, auch wenn wir kein gemeinsames Gesprächsthema hatten, über das wir uns unterhalten konnten. Manchmal habe ich mich sogar gefragt, worüber er sich mit James, Sirius und Remus unterhielt. Er war nicht so sportlich wie James, der Jäger und mittlerweile Kapitän in der Hausmannschaft von Gryffindore war. Er war meines Wissens nicht einmal an Quidditch interessiert. Er war nicht so charmant wie Sirius, der nicht nur mit seinem Aussehen bestach, sondern auch mit seiner Wortgewandtheit, und seinem geradezu verschwenderischem Umgang mit Komplimenten und er war nicht so belesen wie Remus, der, wenn James und Sirius ihn nicht überredeten etwas mit ihnen zu machen, fast in jeder freien Minute las. Und dennoch hielten sie alle zusammen wie Pech und Schwefel. Wir kamen am Ende eines Ganges an, bogen um die Ecke und gingen weiter, bis wir an der großen Marmortreppe ankamen. Wir stiegen sie hinab und setzten unseren Rundgang im fünften Stockwerk fort. „Remus?“ Fragte ich flüsternd, plötzlich gelangweilt von meinen eigenen Gedanken. Ich hatte doch etwas, was ich ihn dringend fragen wollte, oder etwa nicht? Ich war mir sicher, dass er mir sagen konnte, wo James war. Er antwortete nicht, sodass ich einen Moment befürchtete, er hätte mich nicht gehört. Gerade als ich mich damit abgefunden hatte, drehte er seinen Kopf zu mir und sah mich auffordernd an. „Ja?“ Ich wartete ebenfalls noch einen Moment ab, da ich mir dummerweise noch nicht überlegt hatte, wie ich meine Frage formulieren sollte. Und je mehr ich über die Formulierung nachdachte, desto dümmer und naiver fühlte ich mich beim Gedanken daran, diese Frage laut auszusprechen. Ich hatte James seit heute Nachmittag nicht gesehen. Was dachte ich mir denn, wo er steckt? Dass er halb tot im verbotenen Wald liegt? Das er gerade in diesem Moment einem anderen Mädchen schöne Augen macht? Wieso. Weil ich ihn seit heute Nachmittag nicht  gesehen hatte? Ich kam mir dumm und lächerlich vor und fühlte mich schlecht, weil ich so wenig Vertrauen zu ihm hatte, so wenig Vertrauen in unsere Beziehung. Und dennoch konnte ich meine Sorge und den Gedanken an ihn nicht unterdrücken. Ich seufzte. „Ach, vergiss es.“ Sagte ich. Ich schaute geradeaus, während wir die Gänge entlang liefen, doch ich spürte Remus´ Blicke auf mir haften. Nach wenigen Augenblicken richtete er aber auch seine Augen wieder nach vorne, und wir gingen schweigend nebeneinander her. Wieder bogen wir um eine Ecke. „Du und Julie.“ Sagte ich, als meine Gedanken schon wieder in Begriff waren,  zu James zurück wandern. „Da läuft doch was, oder?“ Ich schaute fragend zu ihm hoch. Er seufzte, sagte aber nichts. Er hatte sein Gesicht von mir abgewandt, so dass es für mich unmöglich war, aus seiner Mimik zu lesen. Doch keine Antwort war für mich Antwort genug. „Und was genau läuft da, wenn ich fragen darf?“ Wieder seufzte er, schaute mich diesmal aber an. „Da läuft nichts.“ Sagte er, doch ich glaubte ihm nicht. Ich kannte Julie zu gut, als dass sie vor mir verbergen könnte wenn sie etwas mit einem Jungen anfing, geschweige denn mit wem. Und Remus kannte ich zu gut, als dass er mich anlügen konnte, ohne dass ich es merkte. Ich bildete mir ein, eine sanfte Röte auf seinen Wangen schimmern zu sehen. Ich schmunzelte und hob skeptisch die Augenbrauen. Kopfschüttelnd wandte er sich wieder ab. „Zumindest nicht viel.“ Gab er zögernd zu. „Wir sind nicht zusammen, falls du das denkst.“ Ja. Dachte ich das? Dass eine meiner besten Freundinnen verschwieg, dass sie einen festen Freund hatte? „Nein das dachte ich nicht.“ Sagte ich, und hoffte, dass es der Wahrheit entsprach. „Ich denke aber, dass ihr gut zusammen passen würdet.“ Es war dunkel auf den Gängen. Es brannten nur noch ein paar einzelne Kerzen und ich sah nicht viel, dennoch hätte ich diesmal wirklich schwören können, dass Remus errötete. Ich verstand dies als Aufforderung, weiter zu machen. „Und ich glaube, dass ihr beide das auch so seht. Also. Wer von euch beiden ist zu schüchtern?“ Er machte ein Geräusch, welches sich anhörte, als sei ihm die Situation unangenehm. Ich konnte mir nicht vorstellen, wieso. „bist du es?“ fragte ich ihn, mittlerweile nicht mehr aus reinem Interesse, sondern vielmehr aus dem Verlangen nach etwas Belustigung. Ich bekam ein kleines, schlechtes Gewissen, als ich mir dessen bewusst wurde, da ich mir dieses Vergnügen auf seine Kosten zu verschaffen versuchte, doch ich konnte mich nicht zurück halten. „du bist der Schüchterne“ stellte ich amüsiert fest und  lächelte. „du würdest aber schon-…“ er unterbrach mich. „Lily“ sagte er und schaute mich an. Er wirkte zwar nicht verärgert, doch sein Blick machte deutlich, dass er offensichtlich in diesem Moment genauso wenig Lust hatte, sich mit seinem Liebesleben zu beschäftigen, wie ich mich mit meinem. Remus sagte nichts mehr und auch ich brach das Schweigen nicht ein weiteres Mal. Wieder gingen wir langsam nebeneinanderher ohne ein Wort zu sagen. Wieder war nichts zu hören außer dem Geräusch von zwei Paar Schuhen, die in regelmäßigen Abständen auf dem Holzboden auftraten und wieder hatte ich zu wenig Ablenkung um meine Gedanken von ermüdenden Themen, wie James fernzuhalten. In Gedanken sang ich Lieder und beobachtete unsere Schatten, die, aufgrund der weit auseinanderhängenden Kerzen, wenn wir uns einer Kerze näherten hinter uns entstanden, uns überholten, immer länger wurden und dann vor uns verblassten, ehe sich der Prozess wiederholte und neue Schatten hinter uns entstanden. So beschäftigte ich mich ein paar Minuten, bis mir etwas einfiel. Ich hatte James vor ein paar Tagen nach dieser Karte gefragt, die er oder einer der anderen Rumtreiber immer mit sich herum trugen. Er hatte mir erklärt, wozu sie gut war, und wie man sie benutzte. „Remus“ flüsterte ich erneut, und stellte mir vor, wie genervt er wohl gerade von mir sein musste. Ich ignorierte diese Tatsache und lies mich nicht beirren. „Ihr habt doch diese Karte. Die Karte der Rumtreiber.“ Er blickte mich einen Moment lang erstaunt an, bevor er nickte. „James hat geplappert, nicht wahr?“ Er lächelte. „Ich hab ihn danach gefragt.“ Sagte ich, in der Hoffnung, ihn vor Remus nicht als Verräter von rumtreiberischen top-secrets dastehen zu lassen. „Ja, wir haben diese Karte.“ Sagte er, ebenfalls im Flüsterton. Sein Tonfall klang, als wählte er seine Worte mit Bedacht, so als wolle er so wenig Information wie möglich preisgeben. Ich seufzte entmutigt „Du wirst sie mir nicht geben?“. Ich kannte die Antwort bereits, doch ich musste es wenigstens versuchen. Er schaute mich prüfend von der Seite an, ehe er seinen Blick fest nach vorne richtete. „Nein werde ich nicht.“ Bestätigte er meine Vermutung. Er wirkte zwar entschlossen, aber ich bildete mir ein, auch ein gewisses bedauern in seinem Gesicht zu erkennen. Vielleicht gab es ja ein geheimes Unruhestifter-gesetz, welches es den Rumtreibern verbot, eben solche Dinge an Außenstehende weiterzugeben. Wenn ja, dann hatte James diese Gesetzt gebrochen, und ich verstand nicht, welchen Sinn es dann noch hatte, die Karte vor mir geheim zu halten. Es sei denn, er wollte, beziehungsweise sollte die Karte vor mir verbergen nicht der Karte wegen sondern wegen des Inhalts. Vielleicht gab es etwas auf der Karte zu sehen, was ich nicht sehen sollte. „Ich verstehe wirklich nicht, wieso. Ich weiß doch schon von der Karte. Was bringt es also, sie vor mir zu verstecken?“ Ich runzelte die Stirn. „Es sei denn, du willst nicht, dass ich sehe wo James ist.“ Fügte ich spaßeshalber hinzu. „Dann wäre es natürlich verständlich.“ Ich hätte vermutlich gelächelt, um der Ironie Ausdruck zu verleihen, wenn Remus´ Gesicht nicht so verdächtig gezuckt hätte. Ich sah an seinen angespannten Kiefermuskeln, dass er die Zähne zusammenbiss, um sich nicht durch seine Mimik zu verraten. Aber es war zu spät. Ruckartig blieb ich stehen. „Remus.“ Sagte ich, lauter als beabsichtigt. Er hatte mich zweifellos gehört, doch er ging noch ein paar Schritte,
bevor er langsam zum Stehen kam und sich zu mir umdrehte. „Remus“ Wiederholte ich. Er steckte seine Hände in die Hosentaschen und verzog sein Gesicht unbehaglich. „Gib mir die Karte.“
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