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Ancient Egypt

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P16 / Gen
OC (Own Character)
15.01.2017
02.01.2018
20
14.530
5
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Dieses Kapitel
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15.01.2017 1.041
 
Gnadenlos brannte die Sonne auf die Wüste.
Die Menschen, die konnten, flüchteten in den Schatten der Plamen und hier und da brach ein Bauer auf dem Feld zusammen. Das Opfer einer Gesellschaftsform, die über nun mehr fast tausendfünfhundert Jahre bestand. In einiger Entfernung glitten Boote den Nil abwärts, hin zum großen Delta.
Der Fluss war die Lebensader des Ägyptischen Reiches und sollte er jemals versiegen, so würden alle Menschen um ihn herum sterben wie die Fliegen.
Wir schreiben das Jahr 1870 v. Chr. und befinden uns in einer kleinen Bauernsiedlung am Nil. Der Herrschende Pharao ist Amenemhet II. und seine Hauptfrau Senet hatte ihm soeben eine Tochter geboren, die wie verkündet worden war, Ita hieß.
Gerade als die Sonne ihren Zenit erreichte, ließ sich ein Mann in den Schatten einer Palme fallen und beobachtete das Treiben im nahen Hafen. Es war eine verwirrende Zeit für ihn, denn der Pharao hatte begonnen sein Grabmal zu errichten. Der junge Mann kannte zwar die Tradition, die nun schon so lange bestand, war aber mit sich selbst im Zweifel ob es gut sei zu Lebzeiten schon das Haus für den Tod zu bauen. Während er beobachtete wie ein reich geschmückter Mann von Bord eines Schiffes ging, ahnte er, dass nun alle Handwerker und auch viele Bauern zum Bau der Pyramide bestellt werden würden. Es war eine Ehre sich an dem Bau zu beteiligen, der den geliebten Pharao unsterblich machen würde.
Doch bei all der Euphorie und Freude, die andere dabei verspürten zu freien Sklaven gemacht zu werden, sträubte sich etwas in dem Mann der unter der Palme saß.
Wieso sollte er unter lebensbedrohlichen Bedingungen seine Kraft für einen Menschen verbrauchen, den er noch nie persönlich gesehen hatte?
„Bennu!“ Der Ruf riss den jungen Mann aus seinen Gedanken und er hob den Kopf.
Vor ihm stand sein guter Freund Apis, der ihn wie ein Honigkuchenpferd anstrahlte.
„Was ist los?“, fragte Bennu aufstehend.
Seit er sich erinnern konnte waren er und Apis Freunde. Schon als kleine Jungen hatten sie Streiche ausgeheckt und auch nun gehörten sie nicht zur ruhigen Sorte. Doch während Apis den angesehenen Beruf des Steinmetzes ergriffen hatte, war Bennu in eine andere Richtung gegangen. Viele Menschen in seinem Heimatdorf nannten es „vom Weg abgekommen“ und „illegal“, doch Bennu wusste es besser: Eines Tages würden sie erkennen, dass Schlangenjäger kein schlechter Beruf war.
Er verdiente sein Brot damit Händlern Schlangenhäute oder deren Zähne zu verkaufen. Viel erhielt er dabei nicht, aber es reichte, um zu überleben.
„Du wirst es nicht glauben, mein Freund“, strahlte Apis, „Ich wurde gerade zum Bau der Pyramide unseres geliebten Pharaos bestellt!“
Bennu zog eine Augenbraue hoch und betrachtete den strahlenden Apis für eine Weile. Sollte er sagen, was er dachte? Sollte er sagen, dass er es nicht gut fand für den Pharao sein Leben zu riskieren?
„Das freut mich für dich, Freund!“, lächelte er und klopfte ihm auf die Schulter, während er fragte: „Was wird aus Echidna? Wirst du sie jetzt zur Frau nehmen, oder nicht?“
„Ach, das kann warten, Bennu! Sie ist mir treu und ich weiß, dass sie auf mich warten kann!“ „Wann geht’s los?“ „Heute Nacht schon! Der Pharao will, dass sobald als möglich begonnen wird! Ich hoffe, dass du auch noch mitmachen darfst!“, sagte Apis ehrlich und Bennu antwortete: „Einen Schlangenfänger braucht man auf einer Baustelle nicht, Freund.“ Insgeheim war er froh und glücklich über die soeben erworbene Erkenntnis.
Gemeinsam gingen die beiden Männer zum Hafen, wo sich Apis zu anderen Berufenen gesellte während Bennu abseits blieb und überlegte wie es wohl sein würde, wenn sein Freund ging, für alle Zeit ging. Es war gemeinhin bekannt, dass viele Menschen beim Bau der Pyramide starben. Erschlagen. Erdrosselt. In den Tod gestürzt. Doch dieses Risiko nahmen die Männer hin, denn es war für den Pharao, für die Götter und für Ägypten. Bennu selbst war nicht in dem Glauben großgezogen worden, dass alles was geschah, im Göttlichen den Ursprung hatte. Er war ein kritischer Denker und gab sich nicht ohne eine Erklärung, eine logische Erklärung zufrieden!
„Mann!“ Er drehte sich um und sah den Boten des Pharaos, den er beobachtet hatte. „Was ist?“ „Welchen Beruf führst du aus?“, fragte der streng aussehende Kerl vor ihm. „Schlangenfänger“, antwortete Bennu und erfreute sich an dem abwertenden Blick, der in den Augen seines Gegenübers.
„Du bist nicht von Nutzen für die Bauvorhaben unseres geliebten, göttlichen Pharaos!“, schnauzte der Mann ihn an, „Welch unehrenhafter Beruf!“
Damit drehte er sich um und suchte nach weiteren Opfern. Bennu sah ihm grinsend hinterher.

Die Kerzen in der Hütte waren schon vor einigen Stunden angezündet worden, denn die Sonne hatte sich schon lange verzogen.
Bennu saß am Tisch und löffelte eine dünne Suppe, in die er hin und wieder sein Fladenbrot tauchte. Ihm gegenüber saß eine Frau, deren Hände Blasen von der harten Arbeit hatten. Ihre Augen waren müde und Dreck klebte überall an ihr, selbst das einst weiße Kleid war grau und braun. Sie starrte teilnahmslos in ihre Suppe und hob erst den Kopf als Bennu sie ansprach: „Was bedrückt dich so sehr, Echidna?“
Mit rauer Stimme antwortete sie: „Apis geht einfach und lässt mich alleine. Er hat nicht einmal den Anstand mich zu seiner Frau zu machen und mich bei ihm einziehen zu lassen.“ Nun erstickten Tränen ihre letzten Worte: „Vielleicht kommt er nie wieder.“
Bennu nahm ihre wunden Hände in die seinen und besah sich die Blasen. „Du arbeitest hart, Echidna. Sieh, Apis tut selbiges wie du, aber er stellt seine Kunst nun in den Dienst des Pharaos. Ich will nicht sagen, dass ich es gut heiße, aber du musst wissen, dass es ihn glücklich macht und dass er so seine Treue und Verehrung bezeugen kann. Er würde gehen, selbst wenn er in den sicheren Tod geschickt werden würde.“
Die Tränen zogen helle Bahnen in das verdreckte Gesicht der Frau und irgendwie wusste Bennu, dass sie und Apis nie Mann und Frau sein würden. Mit diesem flauen Gefühl im Magen stand er auf und ging zur Tür. Bevor er in die ägyptische Nacht hinaus trat, sagte er:
„Echidna, weine nicht, Echidna!
Bald ist der Morgen wieder da!
Und wenn dies viele Mal geschah,
dann ist alles wieder wie es war!“

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Ja, das erste Kapitel meiner ersten Fanfiction! Ich hoffe es gefällt euch.
 
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