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Die Geschichte der Minenkolonie

von CorKalom
GeschichteFantasy / P12 / Gen
Rhobar II.
14.01.2017
14.01.2017
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Die folgende Geschichte spielt sich in einem Land ab, wie es noch nie jemand zu Gesicht bekommen hat. Das Land, von welchem hier die Rede ist, wurde gemeinhin als Myrtana bezeichnet. Myrtana bestand aus einem einzigen großen Kontinent, der sich von den sengenden Wüsten Varants tief im Süden, über das grüne Mittelland mit seinen weitläufigen Wiesen und Wäldern bis hin zu den eisigen Gipfeln Nordmars erstreckte. In Richtung Osten schnitt das Meer alle drei Länder entlang einer einzigen langen Küste von einer Ansammlung Inseln tief im Süden ab. Aufgrund ihrer großen Anzahl und ihrer Größe waren deren einzelne Namen den Festlandbewohnern kaum bekannt. Im Volksmund nannte man sie der Einfachheit halber die 'südlichen Inseln'.
Lediglich eine Insel, die sich deutlich von den anderen abspaltete, war den meisten bekannt. Die Insel Khorinis lag nicht nur geographisch, sondern auch politisch auf dem Territiorium des Königreiches des Mittellandes und hatte für dieses auch eine Entsprechend große Bedeutung. Auf der Insel lag einerseits ein Spirituelles Zentrum der Volksreligion des Mittellandes - ein großes Kloster, in welchem die dort hausenden Feuermagier ihren Gott INNOS anbeteten, den Gott des Feuers, des Lichts und der Ordnung - und andererseits verfügte Khorinis über ein unglaublich großes Vorkommen magischen Erzes in einem Talkessel im Norden der Insel. Aus diesem magischen Erz konnten Schmiede, wenn auch nur die besten unter ihnen, Schwerter  von unglaublicher Qualität herstellen. Eine Solche Waffe ermöglichte es ihrem Träger
im Kampf selbst die mächtigsten Hiebe ohne Kraftaufwand abzuwehren und die härtesten Schilde und Rüstungen zu durchstoßen. Soldaten, ausgestattet mit diesen Waffen, gaben Rhobar II, dem König des Mittellandes die Möglichkeit, alle drei großen Reiche unter seinem Banner zu vereinen. Die starken Männer Nordmars waren dem König durch ihren gemeinsamen Glauben an INNOS bereits wohlgesonnen, sodass es eine Ehre für sie darstellte, für sein Königreich zu kämpfen. Sie unterstützten den König mit dem magischen Erz, das neben Khorinis auch in großen Mengen in den Höhlen tief unter Nordmar vorkam, sowie mit einigen der besten Schmiede, die die Welt jemals gesehen hatte. In Varant war es für den König schwerer, die dort Lebenden Assassinen zu überzeugen, sich ihm anzuschließen. Da ein Krieg in der Wüste vermutlich Unmengen an Ressourcen verschlingen würde, machte der König sich eine Eigenschaft zu Nutze, die im Wesen eines jeden Assassinen ruhte. Nahezu jeder Assassine war auf seine eigene Weise ein Geschäftsmann. Und gute Geschäfte zu machen gehörte laut den Assassinen zum Willen BELIARS, dem Bruder des Gottes INNOS. Somit konnte sich Rhobar - auch wenn es einige Male zu kleineren Scharmützeln zwischen seinen Truppen und den Assassinen kam - die Gunst des Herrschers der Wüste und den Besitz des Szepters von Varant erkaufen.
Als Rhobar sich wieder in seinem Palast zur Ruhe setzte, ging er fest davon aus, er habe ein Zeitalter des Friedens zwischen den Meschen Myrthanas eingeläutet... doch dem sollte nicht so sein.

Anders als in unserer Welt, waren die Götter Myrthanas reale Wesen. Da gab es INNOS, der beständig versuchte, der Welt Ordnung und Licht zu bringen, und es gab BELIAR, der Gott der Finsternis, des Chaos und der Heimtücke. Er war Herr über alle finsteren Wesenheiten und dunklen Gedanken, welche die Köpfe der Menschen durchstreiften, und es gab nichts, was ihm weniger missfiel, als das Werk INNOS.
Zwischen den beiden ewig zankenden Brüdern stand ADANOS. Er war der Gott des Wassers, der Ruhe und des Gleichgewichts. Seine Aufgabe war es jeher, keinen seiner beiden Brüder, je gewinnen zu lassen, denn dann, würde die Welt aus dem Gleichgewicht fallen.
Nachdem nun König Rhobar die Gesamte Welt im Namen INNOS geeint hatte, wurde Beliar zornig. Er wurde so zornig, dass er den Kreaturen, die in den dunklen Orten der Welt hausten, befahl, das Reich des Königs und somit die Ordnung INNOS zu zerschlagen. Und so brach, wie ein plötzlich aufziehender Sturm, das Chaos in Myrthana los. Aus den entferntesten Winkeln Nordmars stürmten ganze Horden Barbarischer Orks in die Siedlungen der Menschen und machten sie dem Erdboden gleich, noch bevor irgendjemand reagieren konnte. Trotz ihrer Erzklingen waren die Menschen Nordmars den Orks, die etwa drei Köpfe größer waren wie die größte Mann und stark waren wie Stiere, kaum im Vorteil. Es schien, als wären sie allein WEGEN ihrer Klingen den Orks ebenbürtig, auch wenn die Orks in diesem Fall das Überraschungsmoment auf ihrer Seite hatten.
Es dauerte nicht lange, bis die Orks ins Mittelland vordrangen, wo jedoch König Rhobar bereits mit einer Armee auf sie wartete, um sie  genauso schnell zu vernichten wie sie über das Land gekommen waren. Zum Entsetzen des Königs waren seine Soldaten mit ihren Erzklingen ebenfalls kaum im Vorteil; lediglich die Paladine mit ihrer Heiligen Magie und ihren meisterhaften Kampfkünsten konnten den Orks effektiv Einhalt gebieten. Dennoch war die schiere Anzahl der Bestien zu Groß, als dass der König sie allein in einer Schlacht besiegen konnte. Als der Kampf sich dem ende neigte und die gefallenen Soldaten den Boden des Schlachtfeldes zu bedecken begannen, sah sich der König gezwungen, den Rückzug anzutreten und in seinem Palast mit seinen Generälen und obersten Feuermagiern Kriegsrat zu halten.
Innerhalb kürzester Zeit verbreiteten sich die Orks in den Wäldern des gesamten Mittellands und errichteten dort Große Kriegslager, um Belagerungsgeräte und andere Kriegsmaschinen zu bauen. Immer wieder überfielen sie zahlreiche Dörfer und Bauernhöfe, um den königlichen Truppen die Ressourcen abzuschneiden. Am Königshof erschien die Situation ausweglos, doch Rhobar blieb standhaft. Sie waren nicht auf einen derart schnell ausbrechenden Krieg vorbereitet gewesen uns so wurden ihnen allmählich die Rohstoffe knapp. Allen voran: Das magische Erz. Allein mit Waffen aus magischem Erz waren die Armeen des Königs in der Lage, den Orks halbwegs stand zuhalten. Der König wollte sich nicht ausmalen, wie der Krieg verlaufen wäre, wenn sie diese Waffen nicht gehabt hätten. Der König wusste, dass sie ohne das Erz den Orks ausgeliefert waren. Eine Erzquelle - die in Nordmar - war bereits von den Orks überrannt worden, was bedeutete, dass es nur noch einen einzigen Ort mit genug Erz gab, auf den der König zugreifen konnte. Die Insel Khorinis. Da die Insel jedoch, außer der gleichnamigen Hafenstadt, nur recht dünn besiedelt war, gab es auch nur entsprechend wenige Arbeitskräfte, die sich bereit erklärten, sich in den nicht ungefährlichen Talkessel zu wagen, um dort das Erz an die Oberfläche zu fördern. In den Augen des Königs war dieser Umstand ein Problem, das es so schnell wie möglich zu lösen galt. Rhobar musste einen drastischen Entschluss fassen: Wenn sich die Freien Bürger von Khorinis nicht in das Tal wagten, dann mussten es die Gefangenen des Reiches tun. In jeder Stadt und in jedem Dorf gab es zumindest ein paar Verbrecher, die in den Kerkern nutzlos vor sich  hin schmorten. Wieso also nicht sie zu einem Werkzeug für den Krieg machen? Bereits kurze Zeit später trafen im Hafen von Khorinis die ersten, schwer bewachten Konvois von Gefangenen ein, um sich auf den Weg in den Talkessel zu machen und ihrer Arbeit nachzugehen. So brachten allerhand Banditenanführer und ihre Gefolgsleute, Mörder, Schmuggler und andere Kriminelle schon bald haufenweise Erz ans Tageslicht und in die Schmelzöfen des Königs. Die Soldaten ließen die Gefangenen ohne Rücksicht auf Verluste in den Minen schuften, was allmählich dazu führte, dass immer mehr von ihnen unter Geröll verschüttet oder von Bestien, die in den Tiefen lauerten, gefressen wurden.
Die sich mehr und mehr problematische Situation auf Khorinis brachte den König ins grübeln. "Wenn unsere Schürftrupps weiterhin derart waghalsig vorgehen, steht uns sehr bald schon kein einziger Sträfling mehr zur Verfügung und die Erzförderung bricht völlig ab", versicherten einige Berater ihrem König, der mit nachdenklicher Miene auf seinem Thron im Anhörungssaal saß. "Wenn unsere Wachen weiterhin derart skrupellos mit den Gefangenen..." "Ruhe!", unterbrach Rhobar seine Gefolgsleute. "Die Gefangenen in Khorinis sind Schwerverbrecher, die kein anderes Schicksal verdient haben. Außerdem würde eine umgänglichere Vorgehensweise der Wachen die Erzförderung ebenfalls deutlich verlangsamen. Wir haben keine wahl, als so weiterzumachen, wie bisher." "Aber Herr, wenn wir sie derart weiterarbeiten lassen..." "...werde ich schon eine Lösung für das Problem finden", schob der König ein, bevor er seine Berater allesamt aus seinem Palast verjagte. Ihm kam ein Gedanke, der ihm jedoch kaum gefiel. So oft er versuchte, den Gedanken zu verdrängen, umso stärker schien er zu ihm zurückzukehren. Der König seuftzte tief, dann Zog er sich mit Feder und Pergament in sein Arbeitszimmer zurück. Er hatte ein Gesetz zu verfassen.
Den Morgen darauf fanden seine Berater auf dem Tisch seines Besprechungszimmers ein mit schwarzer Tinte beschreibenes Blatt Pergament, das sowohl Wachssiegel als auch die Unterschrift des Königs enthielt. Auf dem Pergament stand in sauberer Schrift geschrieben folgender Erlass:


Vom heutigen Tage an erlasse Ich, König Rhobar II,
Herrscher über Myrthana und Nordmar,
Träger des Szepters von Varant,
dass jeder Bürger des Reiches, der sich einer Straftat,
so gering sie auch sein mag, schuldig macht,
ohne jegliche Ausnahme und sofortig verurteilt wird,
bis Ende des Krieges sein dasein in den Erzminen von Khorinis
zu fristen hat,
um nach Kriegsende sein Urteil
am königlichen Gerichtshof
zu erwarten.
                                                                                                           gez.
                                                           Rhobar II
 
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