Hello Hurricane

von zaara
GeschichteHumor, Romanze / P16 Slash
13.01.2017
21.06.2018
38
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40
Dieses Kapitel
6 Reviews
 
 
 
Ihr Lieben,
ich freue mich, dass ihr mal vorbeischaut und hoffe, euch gefällt, was ich da so fabriziert habe. Die Idee spukte schon etwas länger in meinem Kopf herum und dann habe ich eine andere wunderbare Fanfiktion zu diesem Pairing gelesen, die mich inspiriert hat, sodass ich gar nicht mehr anders konnte, als mich vor meinen Rechner zu klemmen und zu schreiben.
Für die Geschichte gilt wie immer: Ich kenne keine der Personen persönlich, heißt die Handlung entspringt nur meiner Fantasie und hat nichts mit der Realität zu tun.
Über Rückmeldungen würde ich mich wirklich freuen und jetzt wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen!

Und hier noch eine kleine Musikempfehlung, wer es mag, kann ja mal reinhören, sonst einfach ignorieren ;)

Theory of a deadman- Hate my life
https://www.youtube.com/watch?v=vKHM8RN99xY

1.

***
I hate everyone to the bitter end
Nothing turns out right
There's no end in sight
I hate my life

***




„Hey Kleiner! Du sollst aufstehen! Frühstück fängt schon in zehn Minuten an und Goran kann es nicht leiden, wenn wir zu spät kommen!“, forderte Anze seinen Zimmerkollegen auf, endlich seinen Arsch aus dem Bett zu bewegen. Er hatte keine Lust, schon wieder wegen dieses Frischlings Ärger mit seinem Chef zu bekommen. Das war in letzter Zeit öfter vorgekommen. Genaugenommen seit sein Zimmerkollege zur Mannschaft dazugekommen war, der es offensichtlich mit Pünktlichkeit nicht so hatte. Und so früh am Morgen war es nun ja auch nicht mehr. Goran hatte sie schon zu wesentlich nächtlicheren Zeiten aus dem Bett gepelzt, als neun Uhr morgens.

Er sah sich in ihrem Hotelzimmer um. Überall lagen ihre Sachen verstreut. Anzüge hingen am Kleiderschrank, Schuhe standen quer im Zimmer, auf dem Boden lagen ihre Klamotten verstreut und auf dem Tisch standen noch ihre geöffneten Wasserflaschen neben ihren Laptops. Anze griff nach seinem Pullover, lief zu den Fenstern und zog die Jalousien nach oben, um etwas mehr Tageslicht in den Raum zu lassen, immerhin schien draußen die Sonne. Domen jedoch zog sich nur knurrend die Kissen über den Kopf, statt endlich aufzustehen.  

„Los jetzt!“, zischte er erneut, diesmal etwas lauter und stellte sich nun direkt vor das Bett von Domen, während er sich seinen Pullover überzog.

„Hau ab! Ich bin müde!“, drang ein unfreundliches Knurren durch die Kissen zur Oberfläche. Domen hasste es, so zeitig aufstehen zu müssen. Sein Training konnte er auch noch in zwei Stunden beginnen und frühstücken konnte er auch gut auf dem Weg dahin. Warum nur, benahm sich sein Zimmerkollege manchmal wie eine Gouvernante? Sollte er doch pünktlich zum Frühstück erscheinen. Anze würde ihn schließlich nicht vermissen. War ja nicht so, dass er ihn füttern musste. Und ihm sollte es nur Recht sein, wenn er endlich verschwand. Kaum konnte er in Ruhe noch eine Stunde weiter in diesem Traum von einem Bett schlafen.

Da spürte Domen ein Ziehen an seiner Decke. „Wag es ja nicht!“, brummte er finster und klammerte sich mit all seiner Kraft an seiner Decke fest. Wäre nicht das erste Mal, dass sein Zimmerkollege sie ihm einfach wegnahm und ihn so zum Aufstehen zwang.

„Bitte, dann komm halt zu spät! Mir doch egal. Aber sag bloß nicht, ich hätte es nicht versucht“, hörte er Anze verstimmt brummen. Kurz danach fiel die Tür ins Schloss und endlich machte sich eine angenehme Stille breit. Zufrieden kuschelte er sich tiefer in die Kissen. Blöder überkorrekter Sack, dachte er sich. Hauptsache Anze konnte den Coach am Arsch lecken, aber er hatte das nicht nötig. Seine Leistungen sprachen für sich und niemand würde es wagen, ihn so richtig zusammenzustauchen. Und selbst wenn: Was wollten sie schon großartig tun? Ihm das Springen verbieten? Wohl eher nicht. Die Zuschauer mochten ihn. Er hatte in der kurzen Zeit eine ansehnliche Fangemeinde um sich geschart, die seinen Trainer in der Luft zerreißen würden, wenn er das wagen sollte. Ganz zu schweigen von der Reaktion des Verbandes. Kurz: Das würde niemals passieren. Und vor einer extra Trainingseinheit hatte er sich noch nie gescheut. Immerhin bedeutete sein Erfolg auch harte Arbeit. Mit einem zufriedenen Lächeln drehte er sich noch einmal um.

„Jetzt renn nicht so! Bis zur PK sind noch gut zwei Stunden. Das reicht locker zum Frühstücken!“

Konnten die nicht leiser an seiner Tür-

PRESSEKONFERENZ??!!?! DIE WAR HEUTE?! Ruckartig setzte er sich auf und starrte auf sein Handy. „Scheiße!“ Wie hatte er das nur vergessen können? Er zählte zu den Favoriten für die 4Hills und sollte sich vielleicht doch wohl besser etwas sputen. Eilig stürzte er ins Bad, putzte seine Zähne, zog sich an und richtete seine Haare in Lichtgeschwindigkeit. Goran wollte heute die Pressestrategie mit ihnen besprechen. Das war immens wichtig, um nachher nicht in Schwierigkeiten mit dem Slowenischen Skiverband zu geraten. Nicht, dass er irgendetwas ausplauderte, was die nicht wollten. Unabhängig davon, waren Informationen im Umgang mit der Presse nie zu verachten. Vor allem, wenn man so viel Wert darauf legte, wie er, ein professionelles Image zu pflegen. Vielleicht würde es die Welt da draußen dann auch endlich mal kapieren und nicht ständig auf seinem Alter herumhacken.

Schnell rannte er aus dem Zimmer in Richtung der Speisesäle. Dort angekommen sah er sich suchend um, dabei ignorierte er die neugierigen Blicke, die ihm jeder zuwarf. Inzwischen hatte er sich daran gewöhnt und irgendwie gefiel es ihm auch, im Mittelpunkt zu stehen. Nur vielleicht nicht gerade in solchen Momenten. Dadurch wirkte er viel zu gestresst und hektisch. Dabei war er doch stets cool und die Ruhe selbst. Und das Wichtigste natürlich: Er war erwachsen. So wirkte er doch nur wieder wie ein überfordertes kleines Kind. Nicht zuletzt dank seines noch sehr jungenhaften Aussehens, von dem sich immer wieder alle täuschen ließen, kamen die Menschen um ihn herum immer wieder auf den Gedanken, sie müssten ihn bemuttern.

Der Speisesaal war voll. Überall an den Tischen saßen Leute vom Skisprungzirkus, mit denen man den ganzen Winter zu tun hatte. Egal, ob Mannschaften aus anderen Ländern oder Service- und Skileute. Man wechselte zwar zwischen den einzelnen Weltcupstationen, aber die Menschen blieben meistens die Gleichen. Nur selten kam mal ein neues Gesicht hinzu. Was ihm jetzt allerdings schweißtreibend auffiel, war, dass er nirgends die grau-grünen Klamotten entdecken konnte, zu denen er eigentlich gehörte und die er dringend finden musste.

„Kann man dir helfen?“

Genervt bei seiner Suche unterbrochen worden zu sein, drehte er sich um. Den Besitzer dieser Stimme kannte er nur zu gut. Sie hatten in letzter Zeit öfter gemeinsam auf dem Podium gestanden. Dabei hatte Domen meistens die Nase vor dem Norweger gehabt, was ihm nur Recht war.

„Seh ich so aus, als bräuchte ich Hilfe?“, zischte er und hoffte inständig, dass sein gegenüber wieder verschwand. Er wollte einfach nicht darüber nachdenken. Und er wollte nicht für ein hilfloses Kind gehalten werden. Das war er nicht! Das hatte er in den letzten Wochen zu Genüge bewiesen. Er hasste es, das Küken zu sein.

„Fahr die Krallen ein, Prinzessin! Wollte nur helfen“, abwehrend hob Daniel die Hände, und grinste ihn an.

„Hör auf, mich so zu nennen“, forderte Domen nicht zum ersten Mal und er wusste, dass seine Chancen sehr gering standen, mit seiner Bitte Erfolg zu haben.

„Hör auf, dich wie eine zu benehmen“, rief Daniel ihm grinsend über seine Schulter zu, während er  hinüber zu seiner Mannschaft an den Tisch ging.

Kurz starrte er ihm nach und malte sich aus, ihn in der Luft zu zerreißen, bevor er sich wieder auf das Wesentliche konzentrierte. Seine ausführlicheren Fantasien musste er sich für später aufheben, jetzt hieß es Prioritäten zu setzten. Er musste sein Team finden. Was hatte Goran gestern gleich noch gesagt?

„Wusste ich es doch, dass ich dich hier finde. War ja klar, dass du gestern nicht zugehört hast“, rief sein Bruder für alle hörbar quer durch den Raum. An den Tischen begannen sie zu kichern.  

„Danke, für deine Fürsorge“, zischte Domen wütend, eilte schnell zu Peter und zerrte ihn hinaus. Musste er ihn denn immer so blamieren?

„Hey, ich kann wirklich nichts dafür, dass du nicht zuhörst“, wies dieser jegliche Schuldzuweisungen zurück. „Goran ist auch schon wieder sauer. Du solltest echt aufpassen.“
„Auf was bitte? Ich bin doch da. Okay, ein paar Minuten zu spät, ich hab halt den Weg nicht gefunden, na und?“, siegessicher blickte er zu Peter und hoffte, dass sein Bruder die Botschaft verstanden hatte. Keine weitere Diskussion über seine angeblichen Verfehlungen, außerdem stand er sowieso über allem, bei seinem Erfolg.

„Wenn du meinst“, erwiderte dieser schlicht und zuckte mit den Schultern, bevor er die Treppen hinauflief und in den nächsten Raum abbog.

Drinnen erwartete sie die gesamte Mannschaft, die gemeinsam beim Frühstück saßen und auf die Präsentation starrten, die gerade an die Wand geworfen wurde. Dummerweise bedankte sich Goran gerade mit der letzten Folie für die Aufmerksamkeit seines Teams.

Mist. Er war also hoffnungslos zu spät gekommen.

Ein Blick zu Goran und er wusste, dass er ziemlich in der Scheiße saß. Finster hatte sein Coach die Augenbrauen zusammengezogen und seinen Mund verzogen. „Morgen, schön, dass du uns auch beehrst, Domen“, begrüßte er ihn deutlich verstimmt.

„Ähm, ja. Entschuldige, ich hatte ganz vergessen-äh…“ – „Aufzustehen?“, schlug Goran vor und er hatte so eine leise Ahnung, dass es besser war, jetzt die Klappe zu halten. Schuldbewusst senkte er den Kopf und verwünschte Anze. Wahrscheinlich hatte der alte Schleimbeutel ihn wieder verpetzt.

„Nun, da du ja das Briefing verpasst hast, wirst du es ja sicher verstehen, dass ich dich schwerlich auf die Presse loslassen kann. So ganz uninformiert.“

„Ich informiere mich einfach bei den Anderen“, bot er großzügig an. Das würde er locker hinbekommen.

„Nein, das glaube ich nicht. Jetzt ist Training, schon vergessen? Da sollt ihr euch aufs Trainieren konzentrieren und nicht auf den neusten Tratsch“, lehnte Goran Domens Vorschlag ohne mit der Wimper zu zucken ab und sah ihn herausfordernd an. Im ganzen Raum war es still geworden. Viele sahen die beiden interessiert an, wer dieses Duell wohl für sich entscheiden würde, andere wie Peter hielten ihren Blick peinlich berührt gesenkt. Was erlaubte sich dieser Jungspund eigentlich?

„Das kannst du nicht machen!“, fuhr Domen ihn ungläubig an. Was sollte das? Immerhin war er der Favorit schlechthin. Kein Name wurde öfter genannt als seiner, nicht dass er mitgezählt hätte, aber man musste nur einmal die Nachrichten einschalten und zuhören. Mal unabhängig von den ganzen Presseanfragen, die er bekommen hatte und unmöglich alle bewältigen konnte.

„Nun, da ich immer noch dein Coach bin, würde ich sagen, dass ich das durchaus kann. Und solltest du noch einmal zu spät kommen, wird das noch ganz andere Konsequenzen nach sich ziehen. Haben wir uns verstanden?“

Böse starrte er seinen Coach an, nickte allerdings. Er wusste durchaus, wann er am kürzeren Hebel saß. Für den Moment. Irgendwann würde er es allen zeigen. Und zwar wirklich allen. Auch diesem vermaledeiten Norweger. Der sollte sich nur warm anziehen. Er würde keine Chance gegen ihn haben. Und dann würde ihm sein dämliches Grinsen schon noch vergehen.
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