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El Dorado

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Dimitri Belikov Rosemarie "Rose" Hathaway Tasha Ozera Vasilisa "Lissa" Dragomir
13.01.2017
20.05.2018
36
123.964
33
Alle Kapitel
123 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
04.02.2017 4.098
 
Es ist tatsächlich schon wieder Samstag. Was heißt ein neues Kapitel kommt. Danke an alle, die diese Woche an mich gedacht haben, in Form von Reviews. Ich freue mich wirklich immer riesig darüber.
Deshalb auch mal wieder dieser Aufruf. Liebe Schwarzleser, kommt doch einfach mal ins Licht und meldet euch. Wir Autoren danken es euch. Immerhin wollt auch ihr gerne lesen und freut euch über regelmäßige Updates. Da freuen wir uns auch über nette Kommentare. ;)
Jetzt aber viel Spaß beim lesen.
Eure Martina



Eine Dreiviertelstunde später klopfte es wieder an seiner Tür. Am liebsten hätte er es laut gebrüllt, aber er begnügte sich mit einem gesitteten „Herein“. Daraufhin öffnete sich die Tür und Rose trat in seinen Trailer. 

„Also ich bin fertig“, erklärte sie ihm. Kurz aber intensiv schaute er an ihr herunter. Sie hatte sich umgezogen, anstelle der Reithosen trug sie jetzt dunkelblaue Jeans. Und das T-Shirt, was ihm schon sehr gut gefallen hatte, war einem engen, dünnen Rollkragenpullover gewichen. Auch dieser wieder, so eng, so exakt. So wie der Stoff sich ihrem Oberkörper anpasste, lies er nicht viel Platz für Spekulationen.  Und er heizte seine Fantasie noch mehr ein. Doch er hatte sich vorgenommen, sich wie ein gesitteter Mann in seinem Alter zu verhalten und den 15-jährigen Teenie hatte er an die Kandare genommen.

Sein „Gut“ fiel daher freundlich, zuvorkommend aber auch betont neutral aus. Zufrieden mit sich, fuhr seinen Laptop noch runter und stand auf. Zeit allein mit Rose Hathaway verbringen zu können, hob seine Stimmung ganz erheblich.
„Wegen mir können wir ebenfalls los.“ Als sie allerdings gemeinsam vor die Türe traten, bekam seine Euphorie einen Dämpfer. Denn Eddie und Mason waren ebenfalls mit von der Partie und nein sagen, war leider keine Option. Das Problem war nur, sein Auto war ein Zweisitzer. Er hatte  zwar einen Notrücksitz, aber Dimitri war sich nicht sonderlich sicher, ob die beiden Jungs da drauf passten. 

Aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg! Und am Ende gelang es Rose und ihm, den beiden Herren genügend Platz für eine kurze Fahrt einzuräumen. Dimitri war dennoch ziemlich froh, dass der Weg bis zu der Pension nicht sonderlich weit war.
 „Ich gebe Morgen Bescheid, damit ihr einen eigenen Wagen bekommt“, informierte er die Truppe nach der Ankunft, nachdem er und Rose zuerst wieder aus dem Auto ausgestiegen waren. Bei Mason und  Eddie war das alles andere als einfach. 

Rose beobachtete amüsiert, wie Eddie und Mason erst sich und dann auch ihre Taschen aus dem Auto zerrten, nachdem sie diese vorhin tetris-mäßig „verbauen“ mussten.  Grinsend summte sie die Melodie mit, was von Mason mit einem amüsierten, von Eddie jedoch mit einem bösen Blick bedacht wurde.
 
„Also ein Familienauto ist das definitiv nicht“, kommentierte sie trocken und lachte. 
Dimitri reagierte mit einem Schulterzucken.
„Normalerweise bin ich damit auch allein unterwegs. Sollte tatsächlich mal meine Familie hier her kommen, so werde ich mir einen Jeep oder dergleichen besorgen. Vielleicht auch einen Rover oder so, aber ganz klar, werde ich eindeutig ein größeres Auto brauchen!“ 
„Sie haben eine Familie?“ Am liebsten hätte sich Rose für diese wirklich dumme  Frage auf die Zunge gebissen. Natürlich hatte er eine! Irgendwie hatte doch jeder eine. Trotzdem hörte es sich einfach seltsam an, wie er es sagte. 

Zu ihrer Erleichterung schien Dimitri ihr es nicht übel zu nehmen, im Gegenteil. Ein leichtes, etwas schiefes Lächeln, war in seinem Mundwinkel, als er sich ihr zu wandte.
„Oh ja“, erzählte er weiter.
„Eine sehr große sogar. Meine Mutter, drei Schwestern, einen Neffen und zwei Nichten. Nicht zu vergessen meine Großmutter, ohne sie geht niemals irgendwer, irgendwohin! Aber sie haben mich leider bisher noch nie hier besucht.“ Erstaunt starrte Rose ihn an. Und sie konnte sich das „Warum?“ einfach nicht verkneifen.War da ein kleiner Hauch von Bedauern in seinem Blick?
 
„Wann haben Sie Ihre Familie denn das letzte Mal gesehen?“, für eine Sekunde war Rose sich sicher, dass er gar nicht antworten würde, doch Dimitri legte den Kopf leicht schief und schien richtig darüber nachzudenken, als er den Wagen abschloss. Während Eddie und Mason, die ihre Tetris-Taschen endlich aus dem Auto befreit hatten, ihr Gepäck schulterten und losgingen, hielt Dimitris Blick Rose gefangen, die noch immer auf eine Antwort wartete.
„Es ist tatsächlich wieder schon fast drei Jahre her. Ich komme leider selten dazu, sie zu besuchen.“ Rose war nicht sehr angetan von dieser Antwort.

„Also für meine Familie würde ich mir die Zeit nehmen. Schließlich hat man nicht ewig Zeit miteinander!“, entgegnete sie und zu ihrer Verblüffung stimmte Dimitri ihr zu, indem er nickte. 

„Ich stimme mit Ihrer Einstellung überein, aber leider ist das manchmal nicht so einfach, wie es scheint. Allerdings... ich habe mir bereits fest vorgenommen, wenn dieser Film fertig ist, fliege ich zu ihnen.“ Rose Lächeln wurde wieder eine Spur freundlicher.
„Das ist gut. Halten Sie an ihrer Entscheidung fest! Denn es gibt nichts wichtigeres, als die Familie.“ Ohne ein weiteres Wort drehten sich beide um und gingen gemeinsam zur Pension. Eddie und Mason hatten Rose Taschen für sie mitgenommen. 

Dimitri führte Rose direkt in den großen Raum, wo zur Zeit die Filmcrew ihr Essen einnahm. 

„Ah, da sind ja die Neuankömmlinge!“, ertönte sofort eine Stimme, nachdem Dimitri und Rose den Raum betreten hatten. Eine Stimmte, die Dimitri nur all zu gut kannte. Es passte ihm zwar gar nicht, aber trotzdem wandte er sich Adrian zu.
„Rose, darf ich Ihnen Adrian Ivashkov vorstellen?“, sagte er bemüht freundlich, Rose und Adrian schüttelten sich die Hand. Danach blickte Dimitri Adrian streng an. Eigentlich wollte er nicht vor Rose so eine Sache besprechen, aber da er Adrian gerade mal alleine antraf, konnte er auch gleich Nägel mit Köpfen machen
„Wir beiden müssen dringend reden.“ Adrian seufzte übertrieben.
„Lass mich raten, Miss Rinaldi hat sich wieder über mich beschwert! Was kann ich denn dafür, wenn sie mir immer das Stichwort falsch gibt. Beta-Schauspieler sollten einfach unter sich bleiben und die Profis machen lassen“ Dimitris Augen wurden zu Eis, die Temperatur im Raum sackte um etliche Grade ab und das spürte auch jeder im Raum. Dimitri beugte sich etwas vor.

„Wir wissen beide, dass es nicht daran liegt. Und wer hier Beta ist oder nicht, entscheide ich, nicht du, verstanden! Ich erwarte, dass du dich gemäß den Konditionen in deinem Vertrag verhältst. Und das bedeutet, dass du nach dem Essen ins Bett gehst und dich ausschläfst, damit du am Set  in Topform bist. Und ausschlafen tust du alleine, ohne eine andere Frau darin!“ Ein dreistes Grinsen breitete sich auf Adrians Gesicht aus, und er starrte Rose direkt an. „Hmm... wenn keine andere Frau, dann vielleicht mit einer Freundin?“ Rose starrte den Mann an und schluckte kräftig an ihrer Empörung, Dimitri war allerdings schneller und hatte schon eine passende Antwort parat.
„Die Falsche Frau. Du hast schon Tasha.“ 
„Ja sicher“, erwiderte Adrian. „Aber Tasha ist eine Abgelegte von dir. Die hier ist ganz frisch.“ Kurz weiteten sich seine Augen, als er den Blick von Dimitri bemerkte, der alles andere als freundlich war.
„Was, die auch schon?“ Nun reichte es Rose. Sie hatte  zwar keine Ahnung, wer Tasha war, aber der Ton von Adrian gefiel ihr ganz und gar nicht. Berühmt hin oder her, dass musste sie sich nicht bieten lassen!
„Vorsicht mein Freund, pass auf was du sagst. Immerhin bist du in den nächsten Wochen von mir abhängig und da wollen wir doch nicht, dass unserem Prinzen etwas passiert!“ 
Rose wusste sehr genau um ihren Wert in diesem Film. Ohne sie ging gar nichts! Immerhin musste sie nicht nur sämtliche Stunts machen, sie sollte zudem auch dafür sorgen, dass Adrian auf einem Pferd passabel aussah. Schließlich war er es, der in gewissen Szenen Scheitans Doppelgänger reiten sollte.
„Ich könnte sonst dafür sorgen, dass ich mal die Pferde verwechsle. Und ich bin mir sicher, du willst nicht auf meinem Pferd landen.“ Dimitri unterdrückte ein Lachen. Die Vorstellung, dass Ivashkov mit Rose Liebling auf und davon ritt, nur damit er am Ende in irgendeinem Graben landete, gefiel ihm. 

„So anders wie andere Pferde kann dein Pferd gar nicht sein“, kam es großspurig von Adrian, doch die Reaktion von den beiden Kollegen von Rose, die in deren Nähe geblieben waren, irritierte ihn. Denn die Beiden fingen laut an zu lachen, sagten aber sonst nichts zu dem Thema. Misstrauisch geworden, wanderte sein Blick von Rose zu Eddie und Mason, ehe er bei Dimitris Gesicht hängen blieb, dass ausnahmsweise auch ausgesprochen vergnügt und zufrieden aussah. Er machte die Augen schmal, doch Rose gab ihm keinerlei Spielraum für Spekulationen, denn sie zuckte als Antwort nur mit den Schultern.
„Wenn du meinst!“, damit drehte sie sich zu Dimitri um. „Können wir essen?“ Sie war nicht bereit, diesem kleinen Großkotz jetzt zu erklären, was an ihrem Pferd so Besonders war. 
„Ja sicher“, antwortete Dimitri und, er wusste nicht welcher Teufel ihn gerade ritt, legte spontan seinen Arm um ihre Schultern. 
Das Letzte was er von Adrian bemerkte, waren dessen zusammengekniffene Lippen. Ein Triumphgefühl machte sich in Dimitri breit und er grinste. 
Bei ihrem Tisch angekommen, nahm er den Arm sofort wieder von ihr runter, doch diese paar Sekunden reichten ihm aus, damit er zwei Dinge feststellen konnte. Erstens: Sie hatte sich nicht gewehrt, dass er einen Arm um sie gelegt hatte. Und zweitens: ihr Haar war tatsächlich so weich, wie er es sich vorgestellt hatte! 

Dimitri rückte, ganz Gentleman, einen Stuhl zurecht und bot ihr diesen an. Rose, über diese Geste mehr als nur überrascht, hob eine Braue, nahm sein Angebot aber gerne an. Sie fühlte sich sonderbar gut dabei, obwohl sie es überhaupt nicht gewohnt war, so hofiert zu werden. Ihr ganzes Leben hatte sie überwiegend mit Männern verbracht und war durch ihr Verhalten mehr und mehr als  einem von ihnen gezählt worden, als zu einer Frau. So einem Gentleman wie Dimitri, dem es offenbar auch noch völlig ernst war mit seinem Verhalten, war sie noch nie begegnet! Doch solange sie sich dabei so gut fühlte wie jetzt, würde sie nichts daran ändern!
Da dies trotz Pension auch ein Restaurant war, kam kurz darauf schon eine junge Frau zu ihnen an den Tisch, sie hielt einige Karten in der Hand, wobei sie jedem davon eine mit einem freundlichen Lächeln reichte. 

Zu trinken bestellte Rose sich eine Cola und die Jungs schlossen sich ihr an. Dimitri verlangte ein Wasser und einen Kaffee. Rose schmunzelte bei seiner Bestellung.
„Ohne kommen sie auch nicht aus.“ Und es war klar, dass sie ganz gewiss nicht das Wasser meinte. 

„Bei meinem Job braucht man einfach etwas, was einen wach hält“, kam die Erklärung prompt und Rose blickte Nachdenklich auf ihre Armbanduhr. „Verstehe ich ja alles, aber um diese Zeit noch?“ Dimitri zuckte mit den Schultern.
„Reine Gewohnheitssache. Wenn ich keinen trinke, werde ich nur unruhig. Und um mich vom Schlafen abzuhalten, müsste man mir Espresso schon intravenös verabreichen. Normaler Kaffee hat seine Wirkung bei mir längst verloren, er hält mich zwar nach wie vor munter, aber er hält mich schon lange nicht mehr vom schlafen ab!“ 

So wie er das sagte, hörte es sich so an, als hätte er wirklich keinen einfachen Job, stellte Rose fest. Es war wohl doch sehr viel mehr, als nur dafür zu sorgen, dass alles und jeder an seinem Platz war. Interessiert warf sie einen Blick in die Karte, hatte sich allerdings schnell für ein Essen entschieden. Da Pizza angeboten wurde, nahm sie dieses Angebot liebend gerne an. Mary war zwar eine hervorragende Köchin, aber Fast-Food hatte sie schon immer verabscheut. Und in diese Kategorie fiel bei ihr alles, was sich unter 15 Minuten zubereiten ließ.

Grinsend nahm Rose zur Kenntnis, dass die Jungs wohl ganz ähnliche Gedanken gehabt hatten, denn alle samt bestellten Pizza mit Salami, Schinken, scharfer Peperoni und Pilzen. Dimitri selbst bildete die Ausnahme, denn dieser bestellte sich einen Salat mit Medium gebratenen Rinderstreifen und Parmesan. Die Kellnerinnen nahm die Bestellung für alle auf, alle Karten bis die von Rose wieder an sich und verschwand sofort wieder. 
Dimitri sah sich die kleine Gruppe an dem Tisch an und lehnte sich dann entspannt zurück.

„Und wie sehen Ihre Pläne für die nächsten Tage aus?“, fragte er und nahm einen Schluck Kaffee.  

„Nun, eigentlich wird sich für uns nicht so viel ändern.“ antwortete Rose für die Gruppe.

„Frühmorgens werden die Pferde versorgt, dann etwas Training, ehe die Reitstunden kommen für die Leute, die im Film reiten werden. Die Schauspieler müssen sich mit den Tieren vertraut machen und die Tiere sich mit ihnen!“ fügte sie hinzu und Mason übernahm.
„Nach der Mittagspause kümmern Eddie  und ich uns um die Vorbereitungen für die Stunts. Wir werden die Choreographie entwerfen und mit den Leuten, die dafür zuständig sind, einen Plan ausarbeiten, an welchen Tagen das Training stattfinden wird.“ Eddie war dran.
„Rose und ich werden abwechselnd mit den Schauspielern und den Tieren trainieren. So lernen wir die Probleme und Ängste der jeweiligen Personen kennen und können schnell eingreifen, sollte irgendetwas sein.
Dimitri war mehr als nur zufrieden, er war sogar sehr beeindruckt, mit welchem Engagement und Wissen diese jungen Leute ans Werk gingen. Er hatte die Richtigen für diesen Job gefunden, dessen war er sich ganz sicher.
„Hört sich für mich alles sehr gut an.“, antwortete Dimitri nach deren Ausführungen. 
Rose, die gerade einen Schluck von ihrer Cola trank, die ihnen eben die Kellnerin hingestellt hatte, stellte abrupt das Glas wieder auf den Tisch. „Zu dem Thema fällt mir gerade etwas ein“, und war schon aufgestanden.
„Bin gleich wieder da!“, und  lenkte ihre Schritte Richtung Adrian. Obwohl alle am Tisch schlagartig in eine absolute Stille verfallen waren, konnten sie dennoch nicht verstehen, was Rose und Adrian miteinander redeten. Aber dafür wurde doch recht schnell klar, dass Adrian nicht mit dem einverstanden war, was Rose zu ihm sagte.
Zuerst schien sie ihn etwas gesagt oder gefragt zu haben, woraufhin er den Kopf schüttelte, aber offenbar war Rose damit überhaupt nicht zufrieden. Anschließend wurde das Gespräch etwas hitziger und Dimitri grinste vor sich hin. Rose war definitiv keine Frau, die sich einschüchtern ließ. Sie wusste was sie wollte und setzte ihren Kopf durch. Selbst gegen jemanden der Adrian Ivashkov hieß. Sie redete weiter auf ihn ein, offenbar hatten ihre Argumente Hand und Fuß, denn schließlich hob Adrian, verzweifelt, beide Arme in die Luft und nickte zustimmend.
„Pünktlich“, ermahnte Rose ihn lauter, so dass man es auch etwas entfernter hörte. 
Jetzt lachte nicht nur Dimitri. Rose schien ihr Ziel definitiv erreicht zu haben, denn sie drehte sich mit einer schwungvollen Bewegung um und kehrte, offenbar hochzufrieden, zum Tisch zurück.

Eigentlich hätte Dimitri Rose für dieses Schauspiel nur zu gerne ein Lachen geschenkt, aber auf einmal stand eine Gestalt neben ihm am Tisch.
„Hallo Dimka“ Er hatte es schon vorher gewusst, dennoch sah er hoch. 
„Tasha“, er nickte, nicht sonderlich freundlich, aber auch nicht unhöflich. 
„Das sind also unsere neuen Stuntleute, die es jetzt hinbekommen sollen?“, erkundigte sie sich mit einem interessierten Blick auf Eddie und Mason. Die sahen interessiert zurück. 
„Und sie auch!“ Dimitri deutete mit dem Kopf in Richtung Rose, die sich gerade wieder an den Tisch gesetzt hatte. Ihr Blick hing ein paar Sekunden länger als nötig an Rose und diese fühlte sich ausgesprochen unwohl unter dem Blick der großen, dunkelhaarigen Frau. Sie sah eine sehr deutlich Warnung in Tashas Augen und diese sagte ihr, dass mit ihr nicht gut Kirschen essen war.

„Eine Frau?“ Tasha konnte das Erstaunen nicht unterdrücken.
„Und wer leitet das Team?“ Rose war immerhin so höflich, dass sie ihr die Hand hinhielt zur Begrüßung.
„Ich“, beantwortete sie direkt die Frage. 
„Und du bist dir sicher, dass sie der Aufgabe gewachsen ist Dimka?“, schoss schon die nächste Frage wie Pistolenfeuer aus Taschas Mund. Rose ausgestreckte Hand ignorierte sie vollkommen. 
„Ich habe mich von ihren Fähigkeiten überzeugt“, antwortete Dimitri ruhig, doch seine Stimme hatte einen harten Unterton bekommen. Mit zusammengekniffenen Augen taxierte Tasha die junge Frau vor sich und hob dann spöttisch eine Augenbraue.
„Natürlich, da bin ich mir sicher!“, kam es in einem sarkastischen Ton von ihr und nun war es Rose, die eine Braue hob. Was passierte hier gerade? Offenbar ging es um etwas ganz anderes, als um die Arbeit. Doch noch ehe sie überhaupt etwas hätte sagen können, war Dimitri aufgestanden.
„TASHA! Ich warne dich, lass es einfach gut sein!“ Doch scheinbar glaubte Dimitri seinen eigenen Worten nicht, denn er sah kurz in die Runde.
„Entschuldigt mich kurz.“ Damit ergriff er Tashas Arm und zog diese grob hinter sich her, aus dem Speisesaal. Am Tisch war es erneut still geworden. Rose sah den Beiden hinterher und konnte sich so langsam einen Reim machen. Immerhin wusste sie nun, wer diese Frau namens Tasha war. Ihr Name war schon vorhin gefallen, bei dem Gespräch zwischen Adrian und Dimitri. Und wenn sie es richtig verstanden hatte, dann war sie die Ex von Dimitri und die Derzeitige von Adrian. Wunderbar! Das konnte ja noch lustig werden. 

Hinter Dimitri und Tasha fiel die Tür ins Schloss und Rose seufzte laut. 

„Hier geht es ja zu wie in einer Soap“, stellte Eddie grinsend fest.
„Sehen Sie in der nächsten Folge, meine sehr geehrten Damen und Herren, ob unser Brötchengeber seine Ex-Frau einfach nur die Leviten ließt, oder ob er sie am Ende doch umbringt. Bleiben Sie dran!“
Rose verpasste ihren beiden Freunden unter dem Tisch jeweils einen kleinen Tritt, doch es gelang ihr ja selber nicht, ernst zu bleiben.
„Seid bloß still, alle beide!“ Für eine Sekunde lang war es tatsächlich still, dann prusteten sie alle drei fast gleichzeitig los. Zu ihrem Glück kam kurz darauf das Abendessen. Und die Pizzen waren genau nach ihrem Geschmack. Riesig, gut belegt und heiß. 

Auch Dimitris Salat kam und Rose überlegte schon, ob sie Dimitri einfach suchen sollte, während sie einen mitleidigen Blick auf seinen Salat warf.
„Lecker aussehen tut er ja, aber ich habe wirklich keine Ahnung, wie man davon satt werden kann“, murmelte sie. Ihre Pizza war schon in hübsche Dreiecke geschnitten, so dass sie diese direkt in die Hand nehmen konnte. Ein paar Augenblicke später betraten Tasha und Dimitri wieder den Saal. Allem Anschein nach, war das Gespräch zwischen den beiden nicht gerade freundschaftlich verlaufen. Sie starrten sich gegenseitig böse an, ehe Tasha den Kopf in den Nacken warf, sich Divenmäßig einmal um die eigene Achse drehte und zu dem Tisch ging, an dem Adrian saß.
Doch kaum angekommen, verfiel sie sofort wieder in eine heftige Diskussion. Diesmal mit ihrem derzeitigen Freund. 

Dimitri war inzwischen wieder an seinem Tisch angekommen. Mit einem kleinen Seufzen setzte sich der Produzent, griff nach seiner Gabel und schob sich ein Stück Rindfleisch in den Mund. Offenbar schmeckte es köstlich, denn er schloss für ein paar Sekunden lang die Augen, kaute und genoss einfach nur.
„Alles in Ordnung?“, fragte Rose schließlich leise nach, nachdem Dimitri den Bissen herunter geschluckt hatte. 
„Ja sicher!“ war die trockene Antwort.
„Aber es sollte mich nicht wundern, wenn ich nicht bis Ende 30 schon ein Magengeschwür habe.“ Einen Impuls folgend tätschelte Rose beruhigend seine freie Hand.
„Ich weiß, das klingt jetzt naiv und dumm, aber ich verspreche Ihnen, ich und mein Team, wir werden alles tun, was Sie von uns verlangen, damit der Film ein Hammer wird. 

Offenbar waren ihre Worte die Richtigen gewesen, fast sofort schenkte er ihr ein Kleines, aber echtes Lächeln.
„Da wärt ihr allerdings die Einzigen.“ Nachdem er ein paar Bissen gegessen hatte, legte er erneut Messer und Gabel weg und entschuldigte sich, als er schon wieder jemanden sah, der eben den Speisesaal betrat. Er redete mit dem älteren Herren, der eben gekommen war und ihm am Ende des Gesprächs wortlos einen Schlüssel in die Hand drückte. 

Erneut am Tisch angekommen, wurde er mitleidig von Rose und den Jungs beäugt. Inzwischen war das Fleisch im Salat natürlich kalt geworden. Dimitri aß es trotzdem und Rose schüttelte seufzend den Kopf.
„Sie sollten vielleicht ihr Essen wo anders einnehmen“, meinte sie, nachdem er fertig gegessen hatte. Dimitri lachte leise.
„Sie werden lachen, normalerweise mache ich das auch.“ Mit diesen Worten legte er die Schlüssel auf den Tisch und schob sie zu den Jungs rüber. „Hier bitte, damit ihr hier mobil seid. Der Wagen steht auf dem Parkplatz.“ Dankend nahm Mason sofort die Schlüssel an sich.
„Perfekt!“, er sah Rose an.
„Wenn du fertig bist,  kann ich dich  gleich zum Stall fahren“,
 
„Lassen Sie es gut sein Mason, ich werde Rose nachher fahren“, lehnte Dimitri für Rose ab. Beide Männer schienen etwas überrascht, doch Rose winkte ab.
„Er hat  mir vorher schon versprochen, dass er mich bringt. Sozusagen um mir alles zu zeigen, es ist in Ordnung Jungs!“ Beide nickte und Mason sah nicht sonderlich traurig aus, dass er nirgendwo mehr hin fahren musste.
„Richtet euch heute Abend häuslich  ein. Ab Morgen könnt ihr das unter euch ausmachen, wer wann, wo schläft.“ 

Vom Essen waren tatsächlich zwei Stücke ihrer Pizza übrig blieben liegen, die sich Rose aber einpacken lies. Es könnte ja sein, dass sie in der Nacht noch Hunger bekam. 
Ein Kommentar, den Dimitri mit einem Lachen quittierte. Obwohl er ihn durchaus ernst nahm. Nachdem was er in den letzten Tagen mit ihr erlebt hatte. 

Schließlich verabschiedete sich Rose von ihren Jungs und begleitete Dimitri vor das Haus zu seinem Wagen. Er hielt ihr den Tür auf, damit sie einsteigen konnte, ehe er auf der Fahrerseite Platz nahm.

„Was hatten sie eigentlich noch mit Adrian zu besprechen?“, fragte er sie neugierig, während er gleichzeitig den Wagen anließ. In Rose Stimme schwang Amüsement mit.

„Ach nichts besonders. Ich habe ihm nur gesagt, er soll Morgen um 8 Uhr pünktlich beim Stall sein, weil er seine erste Reitstunde bekommt. Er war dann am tönen, er könnte schon reiten und das wäre vollkommen überflüssig. Außerdem wäre 8 Uhr noch mitten in der Nacht, ergo eindeutig viel zu früh!“ Verlegen kratzte sich Dimitri am Hinterkopf. „Nun... 8 Uhr morgens ist wirklich nicht seine Zeit. Ich bin wirklich mal sehr gespannt, ob er sich überhaupt so früh blicken lässt.“ Wieder zuckte Rose nur mit den Schultern.
„Glauben Sie es mir, er wird. Wenn er nicht kommt,  bekommt er Strafarbeiten von mir!“ Dimitri hob eine Braue. 

„Strafarbeiten? Und wie sehen die aus?“ Auch wenn es dunkel war, er konnte ihre amüsierte Mine sehen. „Keine Sorge, mir fällt schon das Richtige ein. Wenn ich Sie vorhin richtig verstanden habe, haben sie ihm eine ganz klare Anweisung zum Ausschlafen erteilt. Und wenn ich meinem Gefühl vertraue, kann er sich bei ihnen nicht mehr viel erlauben, bevor er raus aus dem Film ist. Also wird er kommen, im fehlen schlicht die Alternativen!“ Dimitri lachte über ihren Scharfsinn.

„Ich werde Morgen um 8 Uhr ebenfalls da sein, Mrs Hathaway. Das will, nein, das muss ich sehen!“ Nun lachten sie beide. Und Dimitri war schon sehr gespannt. Immerhin kannte er sein Sorgenkind. Adrian mochte gut sein als Schauspieler, aber seine Starallüren waren berühmt und bekannt, wenn auch nicht sehr gerne gesehen.

Dimitri lenkte den Wagen direkt zur Scheune, wo er schließlich anhielt.
„Und sie sind sich sicher, dass sie hier schlafen wollen?“, fragte er nochmals nach. Er selber konnte sich einfach nicht vorstellen, dass es hier gemütlich war. Rose stieg aus seinem Wagen und nickte.

„Keine Sorge, wir hatten wirklich schon ungemütlichere Plätze. Dagegen ist das hier Gold. Aber heute Nacht will ich die Tiere nicht allein lassen! Alles ist neu und unbekannt, da ist es besser, sie haben jemanden Vertrautes in ihrer Nähe.“ Leise seufzte Dimitri.
„Bei ihnen möchte ich auch gerne  Pferd sein“, murmelte er vor sich hin. 
„BITTE?“ Ganz genau hatte Rose ihn nicht verstanden. 
„Ach nichts, vergessen sie es!“, versuchte er sich heraus zu reden.
„Ich wünsche ihnen eine gute Nacht.“ Skeptisch betrachtete Rose Dimitri einen Moment, ehe sie sich doch zu einem Lächeln durchrang.
„Das wünsche ich Ihnen auch. Ich hoffe wir sehen uns Morgen.“

„Ganz bestimmt.“ Mit diesen letzten Worten trat er vorsichtig auf das Gaspedal und fuhr davon. Das er eigentlich noch etwas aus seinem Trailer holen wollte, hatte er vollkommen vergessen. Stattdessen schlug er direkt den Weg zur Pension wieder ein. 

Rose nahm sich die Zeit und blickte ihm hinterher, ehe sie in die Scheune trat. Aus einem Hahn holte sie sich Wasser, um sich zu waschen und die Zähne zu putzen. Ein paar Minuten stand sie noch bei ihrem Liebling und wünschte ihm am Ende auch eine Gute Nacht, ehe sie sich in eine Decke wickelte und es sich auf ihrem ungewöhnlichen Lager bequem machte. 

Der Wecker wurde noch gestellt, schon schloss sie ihre Augen. Ihr letzter Gedanke galten Dimitris letzte Worte. Was hatte er nochmal gesagt? Bei Ihnen möchte..... irgendwas in seinen Bart murmelte und Pferd sein. Seltsam! Aber schöne Augen hatte er ja. Dann war sie im Reich der Träume. 
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