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El Dorado

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Dimitri Belikov Rosemarie "Rose" Hathaway Tasha Ozera Vasilisa "Lissa" Dragomir
13.01.2017
20.05.2018
36
123.964
33
Alle Kapitel
123 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
28.01.2017 4.581
 
Wieder ein neues Kapitel. Entgegen jeder Planung ist es doch wieder länger geworden. ;) (ich kann einfach nicht kurz und meine liebe Sethereth auch nicht)
Viel Spaß beim Lesen und hinterlasst doch mal einen Kommentar, damit ich weiß, wie euch bisher die Geschichte gefällt. Mit drei Kapiteln ist ja langsam eine kleine Einschätzung möglich.
LG Martina


Am nächsten Morgen schaute Dimitri als erstes beim Set vorbei. Ein großer Fehler! 
Kaum war er da, stürmte auch schon Mia Rinaldi, sein weiblicher Hauptstar, höchst erregt auf ihn zu. Dimitri machte sich nicht die Mühe zu fragen, er wusste bereits schon, um  was es ging. Und natürlich.

„Dimitri, Adrian muss endlich aufhören jeden Abend Partys zu machen!“ wütete sie los. Ihre Augen blitzen vor Ärger.

„Er hat schon fünfmal die Szene verpatzt, dabei muss er doch nur da stehen und nicken, verdammt noch mal! So kann ich nicht arbeiten, er raubt mir noch den letzten Nerv!“, beschwerte sie sich wütend und Dimitri seufzte. Adrians Ausschweifungen und Eskapaden waren noch der Nagel zu seinem Sarg!
Doch noch beherrschte er sich, atmete innerlich einmal tief durch und wandte sich dann Mia zu.

„Ich habe schon mit Tasha geredet“, erklärte er. „Sie wird das regeln! Und zwar sofort!“
„Wenn sie weiß, was gut für sie ist!“ Diese Worte sagte er aber nur zu sich selbst. Dimitri war sauer und  Mias Reaktion trug nicht sonderlich dazu bei, seine Laune zu heben. Denn sie wirkte nicht ansatzweise besänftigt, ganz im Gegenteil!
 
„Das hoffe ich Dimitri. Das hoffe ich sehr, für dich, für mich und besonders für ihn. Denn wenn er sich nicht bald besinnt, werde ich einen Anwalt konsultieren müssen. Du bist Geschäftsmann, du weißt, dass Vertrag nicht gleich Vertrag ist, und dass man unter bestimmten Umständen Verträge auch ändern oder sogar beenden kann! Und ich hasse nichts mehr, als mit alkoholisierten, eingebildeten Stümpern arbeiten zu müssen, die der Meinung sind, ihr Ruhm wäre groß genug und sie könnten sich alles erlauben.“ Ihr Ärger flaute etwas ab, als sie ihm direkt in die Augen sah. Dimitri konnte darin Zuneigung erkennen.

„Ich mag dich Dimitri und ich mag die Art, wie du Filme drehst. Ich schätze dich als als Produzent und als Mensch, aber meine Geduld hat Grenzen! Und besagte Geduld wurde vor allem die letzte Zeit von Adrian deutlich überstrapaziert!“  Mias Warnung war nicht zu überhören. Sie war mehr als nur angepisst und Dimitri akzeptierte. Auch er schätze die angehende Schauspielerin. Mia war wirklich gut in dem was sie tat, auch wenn sie in ihrer Karriere noch ganz am Anfang stand. Zudem war sie auch ein lieber Mensch, der gut mit anderen auskam. Vorausgesetzt natürlich, man reizte sie nicht!

Und er konnte sie nur allzu gut verstehen! Im Vergleich zu Adrian, der schon einen großen Namen hatte, war sie noch ein Niemand. Aber das würde nicht so bleiben, da war sich Dimitri ganz sicher. Sein Film sollte ihr Sprungbrett zum großen Ruhm werden. Zumindest erhoffte sie sich das.

Nun… wenn sie weiterhin so gut arbeitete wie bisher, würde sie es mit diesem Film schaffen.

Und auch wenn er absolut keine Lust hatte, sich so früh schon über Adrians Verfehlungen zu ärgern, so musste das Thema geklärt werden. Umgehend! 
„Ich rede, sobald ich kann, noch einmal mit Tasha. Ich verspreche dir Mia, Adrian wird sich ab jetzt benehmen!“, gab er unmissverständlich zur Antwort und nickte Mia zu. Er als Produzent hatte dafür zu sorgen, dass der Laden lief. Und wenn Adrian ihm weiter auf der Nase herum tanzte, dann würde er ihn feuern! Er war berühmt genug, er war nicht auf Adrian angewiesen. Er würde sich zwar dann nach einem anderen Hauptdarsteller umsehen müssen, sollte es hart auf hart kommen, aber das wäre  eben nicht mehr zu ändern! Und ganz offensichtlich wurde es Zeit, dass dieser Trunkenbold in seine Schranken gewiesen wurde!

Mia schien seine derzeitige Stimmung sehr wohl richtig zu deuten, denn sie schien beruhigt, bedankte sich und ging  davon. Und auch Dimitri wandte sich einem anderen Problem zu. 

Schon gestern Abend, nachdem er mit Lissa wieder zurück war, hatte er Anweisungen gegeben, dass in der Scheune die Boxen fertig gemacht wurden, damit alles fertig war, wenn Rose und ihre Männer hier ankamen. Also führte ihn der nächste Weg genau dorthin. Dort waren einige Männer schon tatkräftig am Arbeiten. Bisher hatten sie die Scheune nur zum unterstellen einiger Requisiten benutzt, nun kam Leben hinein. Dazu gehörte auch eine Koppel, da ja schon vorher klar gewesen war, dass die Schauspieler beim Dreh mit Pferden zu tun haben würden.

Sein anfänglicher Ärger über Adrian verflüchtigte sich langsam wieder und zufrieden schaute er sich um. Alles lief gut, so wie es sollte! 
Die Arbeiter versicherten ihm, dass bis zum Mittag alles fertig sein würde.
„Na geht doch!“ Zufrieden machte er sich auf den Weg ins Büro. 

Lissa wartete schon auf ihn, ganz oben auf ihrem Klemmbrett lagen Unterlagen, die er unterschreiben musste. Seufzend setzte er sich. Papierkram durchzuarbeiten war nicht seine Lieblingsbeschäftigung, aber ohne ging es eben nicht! Lissa wies mit dem Kinn auf das geänderte Storybook, das auf dem Tisch lag, damit er sich es anschauen konnte. 

„Danke Lissa, bringen sie mir bitte noch einen Kaffee“, bat er diese, während er besagte Papiere, ohne diese noch einmal durchzulesen, kommentarlos unterschrieb.
Seit gestern hatte er das Gefühl, dass sich ihr Verhältnis etwas verändert hatte. Lissa war nun nicht mehr ganz so steif, sondern lockerer. Das konnte ihm nur recht sein, denn Dimitri hatte vor, sie zu behalten.

Er vertraute Lissa, was die Arbeit anging, voll und ganz. Es war ihr Job Verträge und Unterlagen durchzusehen, diese wenn nötig zu bearbeiten, mit Agenturen und/oder Kanzleien zu korrespondieren um Aufträge in seinem Namen unter Dach und Fach zu bringen. Das war ihr Job und sie war ausgezeichnet darin. Lissa war fleißig, immer höflich und zu 100 Prozent korrekt. Doch sobald es um Verhandlungen ging, konnte sie, wenn nötig, hart wie Granit werden, unnachgiebig und ganz Geschäftsfrau. Das war absolut nicht ungewöhnlich in dieser Branche. Wollte man im Filmbusiness arbeiten und richtig Geld verdienen, brauchte man schon ein dickes Fell. Und dass Lissa ein solches besaß, hatte sie ihm schon mehrfach bewiesen. Diese Frau war jeden Cent ihres Gehalts wert!

„Natürlich Dimitri“ mit einem kleinen Lächeln sammelte sie die unterschriebenen Unterlagen wieder ein, und verließ dann den Raum.

Dimitri hatte das neue Storybook ungefähr zu einem Drittel gelesen, als es klopfte und Lissa mit einem Tablett in der Hand wieder herein kam. Dimitri konnte den Kaffee schon riechen, schwarz und stark, wie er es mochte. Zudem war da ein Teller mit einem belegten Bagle.

„Ich dachte, sie haben ganz gewiss Hunger.“ Lissa stellte alles auf einen freien Platz auf seinem Schreibtisch und zog sich dann diskret wieder zurück. Dimitri lächelte nur. Ja, wie er schon sagte, jeden Cent wert!

Während er seinen Kaffee genoss und seinen Bagle aß, las er über die neu eingefügten Absätze durch. Die meisten segnete er ab, bei ein paar hatte er noch Verbesserungsvorschläge, die er dazu schrieb. Lissa würde es dann in die Reinform bringen. 

Doch immer wieder, er konnte sich nicht helfen, wanderte sein Blick zur Uhr. Zu Anfang hatte er sich über sich selbst gewundert, doch inzwischen nicht mehr! Geduld war eigentlich immer einer seiner Stärken gewesen, doch langsam hatte sich eine Art nervöses Abwarten dazu gesellt. Sie müssten doch so langsam aber sicher eintreffen, vor allem Sie, diese ungewöhnlich Frau, die ihm mit ihrer Art von Anfang an imponiert hatte. Er wollte die Chance bekommen, sie näher kennen zu lernen. 

Wieder beschäftigte er sich mit seiner Arbeit, wurde aber sofort aufmerksam, als eine gewisse Unruhe auf dem Platz vor seinem Trailer entstand. Erneut ein kurzer Blick auf die Uhr,  pünktlich wie ausgemacht!  Er stand auf und nun machte sich die unterdrückte Vorfreude endgültig bemerkbar. Kurz vor Mittag, sie dürften also angekommen sein. Anschließend warf er einen Blick aus einem der kleinen Fenster. Tatsächlich stand ein großer Pferdetransporter draußen. Einer seiner Arbeiter gab gerade Anweisungen, dass der Wagen runter zur Scheune gefahren werden sollte. 

In diesem Moment musste er sich sehr zusammenreißen um nicht postwendend  raus zu rennen. Das ging nicht! Er war der Chef, das wäre viel zu auffällig! Zumal er sich sonst um solche Vorgänge eher selten kümmerte. 

Nachdem der Wagen aber weggefahren war, blickte er erneut aus dem Fenster und sah zu, wie jemand den Transporter geschickt vor die Scheune rangierte. Kam war der Transporter zum Stillstand gekommen, da sprang Rose von der Beifahrerseite auch schon heraus. Er konnte sie gut an ihren dunklen Haaren erkennen, die heute zu einem Pferdeschwanz  zusammen gebunden waren. Gemeinsam mit Mason ließ sie die Rampe herunter, damit sie die Pferde ausladen konnten. Dimitri trat nun doch aus der Tür,  noch würde er aber nicht zu den Neuankömmlingen gehen. Er war Neugierig und wollte vorerst nur zusehen, was als nächstes passierte. 

Eddie und Mason gingen die Rampe als erstes hoch, verschwanden einer nach dem anderen im Transporter und kamen kurz darauf mit ihren Pferden wieder heraus, die sich brav die Rampe herunter führen ließen. Nachdem sie die Tiere in die Scheune geführt und darin verschwunden waren, richtete Dimitri seine Aufmerksamkeit auf Rose. Diese war ebenfalls im Transporter verschwunden und führte nun einen Rappen heraus. Ein sehr schönes Tier, wie Dimitri zugeben musste. Eddie, der eben wieder aus der Scheune gekommen war, nahm ihr den Strick des Rappen ab, während sie zurück in den Wagen eilte. 

Und offensichtlich war Eile auch nötig, denn von drinnen, konnte selbst aus dieser Entfernung Dimitri hören, wie sich etwas laut polternd Gehör verschaffte. Er ahnte schon, dass dieses Tier wohl das Riesenbaby, Rose „kleiner Liebling“ sein musste. 

Kurz darauf tauchte auch Mason wieder aus der Scheune auf. Rose rief ihm aus dem Transporter etwas zu, was Dimitri aber von seinem Standpunkt aus nicht verstehen konnte. Dann kam Rose mit dem Pferd heraus und Dimitri stockte der Atem. 

Sie führte ein schwarzes Pferd die Rampe herunter. Nein, eigentlich führte das Pferd sie, zumindest hatte sie Probleme Schritt zu halten. Kaum hatten sie den festen Boden unter den Füßen, zeigte sich das gesamte Temperament des Tieres. Er stieg auf der Hinterhand nach oben. Gefährlich bewegten sich die Vorderbeine in der Luft. 

Die Junge Frau ließ sich aber nicht beirren, sie lockerte den Strick etwas und gab dem Tier damit Luft, ehe sich die Vorderbeine wieder in den Boden bohrten. Sofort griff sie nach dem Halfter und klopfte ihm beruhigend auf den Hals. In diesem Moment kam Mason mit einem anderen Pferd aus dem Hänger, es war ein kleineres Pferd, in einem dreckigen Weiß. 

Kurz beschnupperten sich die beiden Tiere, ehe der Dunkle den Kopf hochriss und Rose tatsächlich einen Augenblick vom Boden hochhob.  Sofort hatte sie die Situation wieder unter Kontrolle. Sie packte fester zu und zog den Kopf des Pferdes zu sich herunter. Leise redete sie auf ihn ein, strich über seine Nüstern. Der Hengst schien für eine Sekunde zu überlegen, schließlich schnaubte er und beruhigte sich wieder. Rose lächelte und streichelte seinen Hals und setzte sie sich mit dem Tier in Bewegung.

Doch sie führte ihren Liebling nicht in die Scheune, sondern zu der eingezäunten Wiese. Das war der Moment, wo Dimitri sich ebenfalls auf den Weg zur Scheune machte. Dort angekommen konnte er beobachten, wie sie den Strick löste. Sofort rannte der Rappe im wilden Galopp über die Wiese, wobei er immer wieder voller Übermut nach hinten ausschlug. Mason, der den beiden gefolgt war, folgte ihrem Beispiel und ließ den Schimmel ebenfalls auf die Wiese. Kaum war auch dieser von dem Strick befreit, lief er schon los, nur viel gelassener als der Rappe. Sofort schlossen sie die Umzäunung und beobachteten die zwei Pferde,  übermütig über die Wiese tobten. Dimitri näherte sich ihnen langsam. 

„Guten Tag, Miss Hathaway“, begrüßte er die junge Frau förmlich, die sich direkt zu ihm umdrehte
„Herzlich willkommen am Set!“
„Hallo und danke, schön ist es hier! Ach ja, nennen Sie mich einfach Rose. Und die Anderen Eddie und Mason, so ist es einfacher!“ Ein kleines Augenzwinkern begleitete ihre Worte. 
„Gerne, dann aber von beiden Seiten. Ich bin Dimitri“, stellte sich Belikov da nochmals vor und nickte dann Richtung Wiese.
„Temperamentvolles Tier“, meinte er und deute auf den Schwarzen, der jetzt den Kopf gesenkt hatte und mit seiner Nase über das Gras strich. Nur sein Schweif schlug immer noch wütend hin und her.
„Sind sie sicher, dass er der Aufgabe gewachsen ist?“ Kurz hatte Rose den Blick auf ihren Liebling geheftet. Bei Dimitris Frage drehte sie sich allerdings lachend um. „Keine Sorge. Er weiß, was er zu tun hat. Er mag nur das Fahren nicht! Deshalb haben wir Napoleon dabei, er wirkt beruhigend auf ihn!“ Dimitri legte den Kopf schief
„Das habe ich gesehen!“, murmelte er vor sich hin, seine Worte trieften vor Sarkasmus, doch Rose hatte sie Gott sei Dank nicht gehört.
 
Gerade trat Eddie wieder aus der Scheune. „Alle haben was zu trinken und zu fressen. Willst du die Beiden hier draußen stehen lassen?“ Rose nickte bei seiner Frage. „Lass ihn sich etwas beruhigen.“ 
„Kann ich Ihnen erst Mal die wichtigsten Dinge zeigen?“, klinkte sich Dimitri wieder in das Gespräch.
„Zum Beispiel den Ort, wo es etwas zu Essen gibt?“ Sofort hatte er die gesamte Aufmerksamkeit aller Anwesenden und Rose stimmte lächelnd zu.
„Das hört sich gut an. Ich räume nur kurz meine Tasche in die Scheune. Ich übernehme die erste Nacht“, wobei die letzten Worte an Eddie und Mason gerichtet waren. 

Irritiert blickte Dimitri von einem zum anderen. 
„Einer schläft immer bei den Pferden in der Scheune.“, klärte Rose ihn auf.
„Sie mögen zwar züchterisch keine wertvollen Tiere sein. Aber was ihren Ausbildungsstand angeht, sind sie unbezahlbar!“ 
Sofort schüttelte Dimitri den Kopf. „Wir haben einen Wachdienst hier...“ 
„Nein“, fiel Rose ihm ins Wort. „Nichts gegen Ihren Wachdienst Dimitri, aber das ist mir zu unsicher! Und so ungemütlich ist es nicht, wenn man weiß wie.“ Dimitri zuckte bei ihren Worten mit den Schultern.
„Ein Bett ist aber eindeutig bequemer.“ 
Schmunzelnd ahmte Rose ihn nach. „Ich habe schon unbequemer geschlafen. Ein paar Strohballen, einige dicke Decken darauf und es ist die wundervollste Lagerstätte überhaupt!“ 

Dimitri wollte ganz der Gentleman Rose die Tasche abnehmen, doch diese schüttelte nur lächelnd den Kopf. „Danke, aber selbst ist die Frau!“ Anschließend gingen sie den Weg zu dem Zelt, in dem die Cateringfirma das Buffet aufgebaut hatte. Die drei Neuankömmlinge stellten schnell zur allgemeinen Erleichterung fest, dass die Speisen in wirklich ausreichender Menge vorhanden waren, sie mussten sie also keine Sorgen machen, dass sie verhungern würden.

Was die Auswahl anging, blieben ebenfalls keine Wünsche offen. Es gab praktisch von allem, was satt machte, etwas. Da war ein kräftiger Eintopf, der leise vor sich hinblubberte. Steaks und Schnitzel in Warmhaltebehältern, Gemüse, Kartoffeln Nudeln, verschiedene Soßen, Salate, Brot, Brötchen & Bagles, Wurst- und Käseplatten, Müsli in verschiedenen Geschmacksrichtungen, Milch, Honig, Marmelade, Obstteller, Donuts& Muffins, Pfannkuchen mit Ahornsirup oder Erdnusscreme, gefüllte Teekannen mit dem passenden Sortiment und ein Kaffeevollautomat. Sprich, alles was das Herz begehrt - und das in Hülle und Fülle!

„Ich bin im Himmel!“, war das Erste, was Rose von sich gab, die sich mit leuchtenden Augen umsah. Auch ihre beiden Begleiter waren offensichtlich sprachlos von dem Aufgebot und Dimitri konnte nicht anders, er musste lachen. Sein Lachen war offensichtlich der Startschuss, denn für die drei gab es nun kein Halten mehr! Jeder griff sich einen Teller und dann wurden diese mit all den Köstlichkeiten beladen.

Alle setzten sich nach erfolgreicher Nahrungssuche an einen Tisch, Dimitris Portion war deutlich kleiner ausgefallen als die der anderen, und aßen. 
„Wenn wir hier fertig sind, dann würde ich gerne mit Ihnen einige Dinge durchgehen“, wandte er sich direkt wieder an Rose. Er hatte ihr zwar in groben Zügen geschildert, was er erwartete, aber mit Hilfe des Storybooks konnte er besser ins Detail gehen. 
Rose nickte, während sie sich eine Gabel voll Gemüse in den Mund schob.
„Kein Problem“, meinte sie, nachdem sie ein paar Bissen gekaut hatte. Dann sah Rose ihre Freunde und Kollegen an.
„Ihr beiden könnt die anderen drei Pferde auch rausstellen. So gewöhnen sie sich am besten an die Umgebung und so habt ihr sie alle im Auge, sollte was sein!“ Dimitri war von Rose Art völlig eingenommen. Sie mochte zierlicher und kleiner sein als ihre Kollegen, trotzdem war sofort klar, wer hier das Sagen hatte. 
Die Reaktion der Männer auf ihre Anweisung bestätigte Dimitris Vermutung noch. Denn Eddie und auch Mason nickten nur, Anscheinend waren sie es gewohnt, Befehle von ihr entgegen zu nehmen. 

Nachdem sich die Drei auch noch über die süßen Sachen hergemacht und restlos vernichtet hatten, waren sie fertig mit dem Essen. Dimitri lud Rose spontan zu sich in seinen Trailer ein. Er wusste selbst nicht genau warum und ihm entging die Blicke und besonders zwei Augenpaare, die ihnen beide folgten keineswegs. Das eine Paar gehörte Tasha, das andere ihrem Begleiter Adrian, wobei Adrians Blick eher auf Rose lag als auf Dimitri, was diese, zu Dimitris Zufriedenheit, aber nichts zu bemerken schien. Nachdem Rose und Dimitri gegangen waren, wandten die Beiden sich allerdings um und ebenfalls  dem Buffet zu. 

Bevor sie seinen Wohnwagen betraten, bat Dimitri Lissa noch um Kaffee und Tee. Aufmerksam wie er war, hatte er Gestern schon bemerkt, dass Rose Tee trank. Er wollte, dass sie sich in seiner  Gegenwart wohl fühlte, wusste nur der Teufel warum. Normalerweise machte er sich für die Schauspieler nicht so viel Mühe. Aber zum einen, fiel und stand mit ihr die Action im Film und zum anderen, verdammter Mist, er mochte sie. Sie gefiel ihm und ja, er wollte diese Frau näher kennen lernen. War das etwa ein Verbrechen?

Nachdem Dimitri und Rose mit Getränken versorgt waren, zeigte Dimitri ihr die gewünschten Szenen, die sie und ihre Gruppe in die Tat umsetzten sollten. Mit den meisten Dingen war sie auch gleich einverstanden, nur bei zwei Szenen runzelte sie sie Stirn und strich sie schließlich ganz aus dem Skript, weil diese ihr doch zu gefährlich erschienen. Aber sie bot ihm direkt dafür Alternativen, machte konstruktive und machbare, vor allem aber umsetzbare Vorschläge für Team und Tier und schien in ihrem Kopf schon 5 Schritte weiter zu sein, als er. Vollkommen fasziniert und sehr aufmerksam lauschte Dimitri ihren Erklärungen, Vorschlägen und Gedankengängen und musste mal wieder feststellen, dass sich an seiner ersten Einschätzung, was diese Frau anging, nichts geändert hatte. Was sie tat, tat sie mit Leidenschaft, Wissen, Humor und Kraft. Und eins zeigte sich immer wieder: diese Frau wusste was sie tat!

Während des Gespräches gab er auch endlich dem Drang nach, sie unauffällig betrachten zu können. So eine Gelegenheit war selten und er musste nehmen, was er kriegen konnte. Ihre langen, braunen Haare hatte sie heute leider zu einem festen Pferdeschwanz zusammen gebunden, was ihrer Schönheit und Attraktivität allerdings keinen Abbruch tat. Er fand es lediglich schade, denn Gestern schon hatte er sich vorgestellt, wie es sich wohl anfühlen würde, wenn er seine Hände in diese Mähne vergrub. Ihr Duft würde ihn einhüllen und wenn er ihren Kopf  an den Haaren nach hinten ziehen würde und ihre Lippen... er zwang sich mit Gewalt an etwas anderes zu denken. Herr im Himmel, was war heute nur mit ihm los?

Aber es war aber auch verdammt schwer, sie nicht als Frau zu beachten. Auch wenn Rose schlank war, so war es doch auf eine ganz andere Art, als das, was er sonst oft zu sehen bekam. Die 08/15 Schauspielerinnen in der Branche waren für seinen Geschmack allesamt nicht interessant, schienen immer nach der gleichen Schablone gemacht zu sein und  daher reizlos und langweilig. Außerdem waren sie alle nicht mehr dünn, sondern regelrecht dürr, krankhaft dürr! Und selbst dann, oder gerade deswegen, das hatte er nie wirklich verstanden, jammerten sie unentwegt, dass sie immer noch zu viel Gewicht hätten, dass sie fett wären und überhaupt, es war das reinste Tollhaus! Und ständig machten sie eine Diät, durften dies nicht essen oder jenes, obwohl ihnen allen ein paar Pfunde mehr auf den Rippen absolut nicht geschadet hätten. Wäre es nach ihm gegangen, er hätte sie alle samt in eine Klinik einweisen lassen. Das war absolut nicht mehr tré chique, sondern abstoßend!

Bei Rose war das gewiss nicht der Fall! Allein wenn er sich erinnerte, wie viel und vor allem was sie aß, war er schon beruhigt. Bei dem Gedanken umspielte ein kleines Lächeln seine Lippen.

Ihr Körper war durchtrainiert und in Form. Heute hatte sie eine Reithose und ein T-Shirt ohne Ärmel an. Und er konnte sehen, wie sich unter der gebräunten Haut ihrer Arme, die sich sicher wie Samt unter seinen Fingern anfühlen würde, straffe Muskeln anspannten.

Sie war höchstens 1,70m groß, trotzdem hatte sie lange, wohlgeformte Beine. Und auf einmal wanderten seine Gedanken in eine ganz andere Richtung. Wie würde es wohl anfühlen, wenn sich diese Beine um seinen Körper schlangen, wenn er und sie völlig verschwitzt und heiß, auf diesem Tisch und er tief und hart in sie... erneut riss er sich gewaltsam von diesem Bild weg! Was stimmte nur nicht mit ihm? Hatte er seine Libido in der letzten Zeit zu sehr vernachlässigt? Eigentlich nicht. Aber bei diesem Bild... hastig nahm er einen Schluck Kaffee aus seiner Tasse und beinahe wäre ihm als nächstes fast die Kaffeetasse aus der Hand gefallen. Verdammt noch eins, das Zeug in seiner Tasse war echt noch heiß.

So ein Misst und das auch noch ausgerechnet vor ihr. Sie lachte nicht, aber ihre Augenbraue hob sich ein Stück, bevor sie fortfuhr.

Verdammt! Schalt Dimitri sich.

Dieses Mal, bedeutend vorsichtiger, nahm er noch einen Schluck und während er trank und stellte die Tasse  lieber ab, bevor er Rose noch aus Versehen eine heiße Dusche der anderen Art verpasste. Obwohl ihr Shirt nass sicherlich auch nicht schlecht aussehen würde.

Das reicht jetzt!

Himmel er musste sich wirklich zusammenreißen! Dieses Verhalten war derart unprofessionell.

„Entschuldigung, ich war nicht ganz bei der Sache, wo waren wir?“, meinte Dimitri und versuchte wieder in den Arbeitsmodus zurückzufinden.

Konzentration, Dimitri.... Konzentration!

Er würde das Ding schon schaukeln, jedoch nur, wenn er sich wie ein erwachsener Mann benahm, der seine Triebe im Griff hatte und die Situation in geordneten Bahnen verlief.

Außerdem... wer wusste schon, ob ihr auch gefiel, was sie sah. Aber das würde er schon noch herausfinden, auf jeden Fall! Immerhin war sie jetzt ein paar Wochen lang in seiner Nähe.

Dieses Wissen beruhigte ihn mehr, als es sollte. Jetzt konzentrierte er sich wieder zu 100 % auf das, was sie ihm erklärte. Am Ende war er sehr zufrieden mit sich, mit ihr und vor allem ihren Vorschlägen. Er hatte sich zu jedem Vorschlag Notizen gemacht und ging sie dann noch einmal durch.

Bei einem Punkt hob er den Kopf und deutete auf eine Szene.

„Diesen Stunt sollten wir am letzten Tag machen, weil wir einiges in die Luft jagen müssen.“, Rose nickte zustimmend.

„Das sehe ich genauso. Es ist auch besser, außerdem lässt uns das  genügend Zeit für die Planung.“ Dieses Mal war es Dimitri der nickte. Dann arbeiteten sie weiter.

Während Dimitri noch immer mit der Liste beschäftigt war und Rose so gesehen nichts mehr beisteuern konnte, betrachtete sie die gerahmten Bilder an der Wand, welche Dimitri mit verschiedenen berühmten Schauspielern zeigte. Sie war nicht sonderlich überrascht.

„Ziemlich beeindruckend“, stellte sie fest, während sie die einzelnen Bilder anschaute. Dimitri sah auf, legte die Liste weg und stellte sich dann lächelnd hinter sie, während sie weiterhin die Bilder ansah. Und ohne sein Zutun, praktisch wie von selbst, streckte er leicht eine Hand aus. Wenn er jetzt nur ein kleines bisschen näher an sie heran käme, dann könnte er ihre Haare berühren. 

Doch da drehte sie sich schwungvoll zu ihm um und er zog hastig seine Hand wieder zurück.

„Sie kennen wirklich die Wichtigsten Leute in Hollywood“, es war eine Feststellung, doch in ihrem Worten klang Bewunderung mit. Und obwohl er von ihr bewundert werden wollte, missfiel ihm diese Art von Ruhm. Er winkte ab.

„Ach wissen Sie, so beeindruckend ist das auch nicht. Wenn dieser Film fertig gestellt ist, dann wird es auch ein Bild mit Adrian auf dem Cover geben. Und dabei kann ich den Kerl nicht mal ausstehen, aber sein Name zieht die Leute ins Kino. Es wird heißen, dass ich den Film gemacht habe und dass er darin mitgespielt hat. Dadurch wird er schon jetzt als heiße Wahre gehandelt, obwohl noch nicht eine Sekunde des Films gedreht wurde!“kurz grinste er sie an.

„Und wissen Sie, was die Ironie an der ganzen Geschichte ist? Sein Onkel ist mein Vater. Aber er weiß nichts davon. Und wenn ich ehrlich bin, dann will ich auch, dass das so bleibt.“
„Sein Onkel?“, fragte Rose erstaunt nach und Dimitri nickte.
„Er war der Geliebte meiner Mutter. Die Geschichte ist aber nicht gut ausgegangen. Er ist ein herzloser Kerl, genau wie sein Neffe!“ Rose Bestürzung war echt.
„Das tut mir leid!“ Dimitri schüttelte den Kopf.
„Muss es nicht. Ich habe mir vor langer Zeit schon von ihm geholt, was mir zusteht. Auch wenn er ganz andere Pläne hatte.“
„Was meinen sie damit?“ neugierig sah Rose ihn an, doch Dimitri winkte ab. Dafür war jetzt weder die Zeit noch seine Stimmung.

„Vielleicht erzähle ich Ihnen irgendwann mal die Ganze Geschichte, aber nicht heute.“, gab er zur Antwort und Rose nickte. Es gab einfach Dinge im Leben, mit denen man nicht hausieren ging, das verstand sie sogar besser als viele andere. Es ging ihr da sehr ähnlich.

„Gut, ich sollte dann mal sehen, dass ich ein Nachtlager habe“, erklärte sie und wechselte zu Dimitris Erleichterung das Thema.

„Wann wird zu Abend gegessen?“ Dimitris Lachen hallte laut im Raum wieder.
„Sie lieben das Essen wirklich, nicht wahr Rose? Gegessen wird in der Pension, in der wir alle schlafen. Und wenn sie nichts anderes vorhaben, kann ich sie gerne gleich mit dahin nehmen.“

Rose hatte auf seine implizierte Frage nichts erwidert und würde es auch nicht. Sie schämte sich nicht dafür, dass sie gerne und viel aß. Mit dem vielen Training mit den Tieren und Menschen um sie herum, konnte sie ihr Gewicht gerade so halten.
„Und wie komme ich wieder hierher?“ Dimitri zuckte als Antwort nur mit den breiten Schultern.
„Auf die selbe Weise?“ schlug er vor und dieses Mal hob Rose beide Augenbrauen.
„Aber ich kann sie doch nicht als Chauffeur missbrauchen!“ Wieder musste Dimitri hart an seiner Reaktion arbeiten.

Fast hätte er geantwortet;
„Sie können mich noch für viel mehr missbrauchen, was auch immer Sie wollen Rose. Hauptsache Sie und ich sind dabei nackt, dann bin ich für alles offen!“, aber er hielt sich zurück. Man musste ja nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen!
„Warum nicht?“, gab er stattdessen spontan zurück und wartete gespannt auf ihre Reaktion. Für eine Sekunde starrte Rose ihn nur sprachlos an, doch dann tat sie es mit einem Schulterzucken ab. Hey, er war der Boss! Wenn er ihr dieses Angebot machte, dann würde er mit Sicherheit seine Gründe haben. Außerdem... freute sie sich insgeheim darüber, dass sie dadurch noch mehr Zeit mit diesem atemberaubenden Mann haben würde können. Sie lachte also nur leise und ging dann zur Tür.
„Also schön, Sie sind der Boss! Dann bis gleich.“ Dimitris zufriedenes Grinsen sah sie nicht mehr, da sie schon aus der Tür war.
„Klopfen Sie einfach an, wenn Sie fertig sind“, setzte er noch hinterher.
„Ist okay!“ kam es von ihr und weg war sie.
„Na also. So schwer war das gar nicht, alte Junge!“ lobte er sich selbst, während er sich entspannt in seinen Sessel zurück lehnte.

Rose Hathaway... wirklich eine bemerkenswerte Frau!
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