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(6) Urlaub im Auenland

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Bilbo Beutlin Kili OC (Own Character)
12.01.2017
15.01.2017
2
8.284
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Dieses Kapitel
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12.01.2017 3.982
 
Hallo, meine Lieben,

heute beginnt eine kleine Kurzgeschichte, die ich auf Wunsch von Luise geschrieben habe, da ich von ihr mein 100. Review bekommen habe :-) Noch einmal ein ganz herzliches Dankeschön dafür :-) <3 <3

Amilia und Kíli machen Urlaub bei ihrem guten Freund, Bilbo Beutlin. Und sie kommen nicht alleine zu Besuch ;-) Es ist eher eine kurzweilige Geschichte mit kürzeren Kapiteln (als gewohnt). Mir ist auch bewusst, dass es zu jener Zeit für eine kleine Familie nicht komfortabel gewesen sein muss, vom Erebor bis ins Auenland zu reisen. Von den Gefahren mal ganz abgesehen… Aber vielleicht konnten sie die Dienste der Adler in Anspruch nehmen, sodass keine Gefahren zu befürchten waren und dies für das Gepäck ebenfalls nützlich wäre ;-) Aber wie gesagt…Es geht dieses Mal um kurzweilige Unterhaltung und nicht um den Reiseweg. Und dennoch habe ich Details aus den Filmen und Büchern eingebaut. Ich kann es einfach nicht lassen ;-)

Es handelt sich wieder um mein Pairing aus der Haupt-FF. Die Haupt-FF ist für das Verständnis nicht notwendig. Ich würde es aber empfehlen, die „Kleinen Monster“ und „Windelzwerge und Schneezwerge“ zu lesen. Und auch hier gilt wieder: Fluff-Alarm, aber keine Gefahr, dass hierdurch das Ende der Haupt-FF verraten wird, da es sich um eine Wunschgeschichte handelt.

Viele liebe Grüße und viel Spaß wünsche ich Euch.

Eure Ela <3



***

Urlaub im Auenland

1) „Tee gibt’s um 4“



Es war ein warmer Sommerabend, an dem sich Bilbo Beutlin in seiner gemütlichen Hobbithöhle befand. Die Abenddämmerung hatte bereits begonnen, doch dies störte den Hobbit nicht, da sein Heim über mehrere Lampen und Kerzen verfügte und ein prasselndes Kaminfeuer ebenfalls Licht spendete. Am selben Tag hatte er den Marktplatz besucht und sich mit frischem Fisch versorgt. Bilbo war ein ausgezeichneter Koch. Und dennoch hatten die Zwerge seine Dienste niemals in Anspruch genommen, wenn es um das Zubereiten von Mahlzeiten gegangen war. Hierfür hatte meistens Bombur die Sorge getragen.

Der Auenlandbewohner hatte vor wenigen Augenblicken an dem kleinen Küchentisch Platz genommen und gerade damit angefangen, den gebratenen Fisch mit den besten Gewürzsorten zu verfeinern, als es an seiner Tür klingelte. Völlig verdutzt schaute er von seinem Teller auf, da er an dem heutigen Tag mit keinem Besuch gerechnet und schon seinen Morgenmantel angelegt hatte. Wer kam auch schon auf die Idee, zu einer solch späten Stunde einen Besuch abzustatten? Viel Besuch bekam er generell nicht. Nach seiner Rückkehr von der unerwarteten Reise hatte er das Gefühl, dass Besucher meistens nur ungebetene Gäste waren. Die Beutlins beäugten ihn eher argwöhnisch, da Mitglieder dieser Familie zu den angesehensten Hobbits gehörten, denen nie etwas Unvorhergesehenes passierte. Die Tuks betrachtete ihn heimlich mit anderen Augen, da Angehörige dieser Familie öfter in Abenteuer verstrickt waren. Es kam allerdings vor, dass diese Abenteuer peinlichst geheim gehalten wurden. Im Auenland herrschte die verbreitete Meinung, dass man keinen Ärger bekäme, solange man seine Nase aus dem Ärger heraus hielt. Unvorhergesehene Abenteuer brachten nur Aufruhr, unnötige Scherereien, ein verspätetes Essen und waren folglich nicht gerne gesehen.  

Bilbo störte es ganz und gar nicht, wenn ihn viele der Auenlandbewohner als kauzigen Mann bezeichneten. Schließlich sah er die Lebensweise der Hobbits auch mit anderen Augen, nachdem er wieder nach Beutelsend zurückgekehrt war und vieles in der Welt erlebt hatte. Gandalf hatte mit seiner Aussage Recht gehabt, dass er als ein anderer Hobbit zurückkehren würde.

Einige der Leidenschaften der Hobbits teilte Bilbo jedoch immer noch. Zu einer geordneten Lebensweise gehörten die sieben Mahlzeiten unausweichlich dazu. Aber auch einem guten Bier war der kleine Hobbit niemals abgeneigt. Genauso saß er jeden Tag längere Zeit auf der Bank in seinem gut bestellten Garten, um das beste Pfeifenkraut im ganzen Südviertel zu rauchen.

Wenn er auf der Holzbank saß, war er der Meinung, dass es nicht das Schlechteste war, sich am einfachen Leben zu erfreuen und die Ruhe und Stille im Auenland zu genießen. So wie die meisten Hobbits damit zufrieden waren, die Welt des großen Volkes zu meiden und von ihr gemieden zu werden, war auch der Braunhaarige damit zufrieden, wenn ihn seine Verwandtschaft in Ruhe ließ, die ihm den letzten Nerv zu rauben drohte. Anstatt ihn zu vermissen, hatten einige seiner Angehörigen ihn für tot erklären lassen, um seinen Besitz zu versteigern. Lobelia Sackheim-Beutlin hatte prompt die Gunst der Stunde genutzt, um sein gutes Silberbesteck einzuheimsen. Dieses hatte er ihr bei seiner Rückkehr gerade noch entwenden können. Genauso war es ihm sprichwörtlich im letzten Moment gelungen, die Versteigerung seines Habes und Gutes zu verhindern.  

Im Auenland fehlte es ihm an nichts. Schon vor der Reise war er ein wohlhabender Hobbit gewesen und hatte sich in einem verhältnismäßig jungen Alter zur Ruhe setzen können. Als er von dem Abenteuer mit Gandalf zurückgekehrt war, hatte er mit dem Zauberer in der Trollhöhle die Schatzkiste gefunden, welche Glóin vergraben hatte. Bilbo hatte von der Existenz dieser Truhe nichts gewusst, da er den Trollhort nicht betreten hatte. Gandalf hatte ihn darauf hingewiesen, dass er zumindest die Truhe mit den Wertgegenständen mitnehmen sollte, da er auf seinen Anteil am Goldschatz verzichtet habe. Jene Zwerge, die damals die Truhe gefüllt und versteckt hatten, um sich später das Gold und Silber auszuzahlen, würden wahrscheinlich nie wieder an diesen Ort zurückkehren. Bevor jemand anderes die Wertsachen finden würde, hatte Gandalf darauf bestanden, dass der gutmütige Auenlandbewohner diese mitnahm. Oftmals betrachtete Bilbo diese Truhe mit Wehmut, auch wenn sie nach all den Jahren immer noch nach Troll stank. Schließlich erinnerte sie ihn an die Ereignisse der Reise. Sowohl an die guten Geschehnisse, als auch an die Schlechten. Und oftmals fragte er sich, ob ihn nicht doch eines Tages erneut die Abenteuerlust packen und er wieder Berge sehen wollen würde. Bis jetzt hatte er aber nur in den Erinnerungen, Wünschen und Sehnsüchten geschwelgt, noch einmal Thal und den Ereber zu besuchen. Womöglich würde er dann erneut in Bruchtal eine Pause einlegen, sofern er sich wieder auf die Reise begab.    

Bisher erfreute er sich daran, wenn ihn die Raben des Erebor erreichten. Regelmäßig freute er sich über die mächtigen, schwarzen Vögel, da diese ihn immer mit Nachrichten über seine Freunde versorgten. Vermutlich hatten die Raben noch das Quäntchen zum Überlaufen gebracht, dass der Großteil der Hobbits ihn argwöhnisch beäugte. Denn unter ihnen galten diese Vögel als Tiere, die nur schlechte Kunde brachten. Für Bilbo war es genau das Gegenteil. Bisher hatte er sich immer an den Schriftstücken der Raben erfreuen können. Durch die Raben hatte er die Einladung zu Amilias und Kílis Vermählung erhalten. Ebenfalls wurde er durch die Briefe immer darüber unterrichtet, wie sich ihre kleine Familie entwickelte. Und aus den Briefen konnte er heraus lesen, dass das Zwergenreich wieder in altem Glanz erstrahlte.

In jenen Momenten, in denen er an Kílis Familie dachte, beschlich ihn immer die kleine Sorge, dass er keinen leiblichen Erben besaß. Er war damit zufrieden, sein Leben als Junggeselle zu verbringen, dies stand außer Frage. Allerdings war dadurch auch ein Sackheim-Beutlin sein rechtmäßiger Erbe. Und dass ein Sackheim-Beutlin in Beutelsend leben könnte, war für Bilbo unmöglich. Schon immer hatte ein Beutlin in Beutelsend gelebt. Und es war sein Wunsch, dass dies auch so bleiben würde.

Aber nun stellte sich Bilbo ganz alleine die Frage, wer sich vor seiner Tür befinden könnte. Kam Gandalf etwa zu Besuch? Gandalf mochte es nicht, wenn man unpünktlich war. Er selbst kam und ging allerdings, wie es ihm beliebte und behauptete stets, dass er immer genau dann auftauchte, wann er es beabsichtigte. Auf der Reise hatte dies zumindest oft zugetroffen und er war in der größten Not wieder zu ihnen gelangt.

Bevor sich Bilbo vom Stuhl erhob, um zur runden Tür zu gelangen, zog er noch einmal seine Nase kraus. Es war eine Angewohnheit, die er nach all den Jahren noch nicht hatte ablegen können. Kaum hatte er die Tür geöffnet, fiel sein Blick auf zwei kleine Gestalten, die dafür sorgten, dass er sich an die Ereignisse vor 14 Jahren erinnerte. Dieses Mal standen jedoch zwei Kinder vor seiner Türschwelle, die ihn anlächelten.

„Fílin“, sprach der Blondhaarige.

„Und Kílin“, fügte der Braunhaarige hinzu.

Dem Auenlandbewohner blieb bei diesem Anblick glatt der Mund offen stehen und es gelang ihm auch nicht, diesen zu schließen, als die beiden kleinen Zwerglinge mit einer Verbeugung hinzufügten:

„Zu Euren Diensten.“

Dieses Mal war es jedoch der Blonde, der mit einem schelmischen Lächeln sprach:

„Ihr müsst Herr Beuteler sein.“

Bilbo brachte lediglich stammelnd seinen Vornamen hervor. Daran, dass er seine kleinen Besucher im Morgenmantel empfing, verschwendete er nicht den Hauch eines Gedankens.

Die zwei Jungen hätten Bilbo nicht ihre Namen zu verraten brauchen. Er hätte es sofort gewusst, wer dort vor ihm stand. Es gab ohnehin nur zwei Möglichkeiten. Die unwahrscheinliche Variante wäre die gewesen, dass einer von Gandalfs Zaubertricks nicht funktioniert hatte und Fíli und Kíli mehrere Jahrzehnte jünger geworden waren. Aber es bestand kein Zweifel daran, dass die Zwillinge von Amilia und Kíli vor ihm standen. Sie verfügten über rote Pausbacken und hatten das gleiche wellige Haar, wie er es von den älteren Zwergenbrüdern kannte. Selbst die Augenfarben waren identisch. Doch der Anblick war einfach zu komisch, da sich dieser ihm schon einmal vor mehreren Jahren fast auf die gleiche Art und Weise geboten hatte. Damals waren es Fíli und Kíli gewesen, die mit dem gleichen Verhalten vor seiner Tür aufgekreuzt waren.

Selbst die Kleidung der Kinder ähnelte jener, welche die Zwergenbrüder bei ihrer Ankunft in Beutelsend und während der Reise getragen hatten. Die Mäntel bestanden aus braunem Leder. Auf der Vorderseite, am Saum und an den Ärmeln waren diese mit Zwergenrunen reichlich verziert. Ebenfalls befand sich ein wenig Pelz am Mantelkragen und an den Armaufschlägen. Da es während des Sommers auch in den Abendstunden noch warm war, trugen sie ihre Mäntel offen, sodass jeweils eine Weste zu erkennen war, die mit Metallelementen bestück zu sein schien. Es standen wahrlich zwei kleine Prinzen vor ihm. Prinzen aus dem Zwergenreich, dessen Bewohner Edelmetall über alles liebten.  

„Du hast mal wieder nicht richtig zugehört, Fílin. Ich habe es dir schon so oft erzählt, dass der netter Herr Bilbo Beutlin heißt“, hörte der Hobbit eine Frauenstimme sagen. Obwohl er diese schon Jahre nicht mehr gehört hatte, wusste er sofort, dass sie Amilia gehörte.

„Natürlich habe ich gut zugehört. Papa hat gesagt, dass es zu Essen gibt. Und zwar reichlich.“

Mit diesen Worten ging Fílin forsch an Bilbo vorbei. Reflexartig hatte der Hobbit die Arme hochgehoben, da er schon damit rechnete, dass der Zwergling ihm Gegenstände in die Hand drückte. Damals hatte ihm Dwalin sofort seinen Mantel zugeworfen. Seine Waffen hatte er jedoch penibel bei sich behalten und nicht abgelegt. Fíli und Kíli hatten ihm in dieser Hinsicht von Beginn an mehr Vertrauen entgegen gebracht. Sie hatten ihm sofort ihre Waffen zur Verwahrung gegeben. Der Ältere hatte unzählige Klingen zutage gefördert und der Braunhaarige hatte ihm den Köcher mit Pfeilen umgehängt.

Das blonde Kind tat allerdings nichts dergleichen. Während es an Bilbo vorbei ging, schaute es sich mit großen blauen Augen in der Eingangshalle um, bis sein Blick auf der gewundenen Baumwurzel hängen blieb, die sich schon seit jeher in der Höhle befand.

Sein braunhaariger Bruder blieb nun vor der Tür stehen und griff nach der Hand seiner Mutter. Es wirkte beinahe so, als ob er nur in der Gegenwart seines Bruders mutig war. Zuvor hatte Bilbo noch geglaubt, dass die beiden Zwillinge noch unzertrennlicher, als Fíli und Kíli seien, sofern es denn überhaupt möglich sein konnte. Doch die Türschwelle schien die beiden zu trennen, da Kílin schon beinahe schüchtern nach der Hand der Menschenfrau gegriffen hatte. Aber wer platzte auch einfach bei einem Fremden ins Haus? Bis auf 13 Zwerge wäre dem gut erzogenen Hobbit niemand eingefallen. Niemals würde er es vergessen, wie Dwalin einfach sein Heim betreten hatte, nachdem dieser ihm auch noch bestätigt hatte, dass sie sich nicht kennen würden. Der junge, blonde Prinz tat es ihm nun gleich. Bilbo wusste nicht, ob es aufgrund der Erzählungen und des Vertrauens in seine Eltern geschah oder es der reinen Neugier geschuldet war.

Der Auenlandbewohner wusste ohnehin in diesem Moment überhaupt nicht, wie er reagieren sollte. Einerseits wollte er neugierig die anderen Neuankömmlinge betrachten, da er sie eine unglaublich lange Zeit nicht mehr gesehen hatte. Bisher hatte er von Amilia immer Briefe erhalten, die von den Raben Erebors zuverlässig in das beschauliche Hobbingen gebracht wurden. Umso mehr interessierte er sich dafür, endlich den Zwergenprinzen, die Menschenfrau und ihre erstgeborene Tochter Tharja sowie die Zwillinge von Nahem sehen zu können. Andererseits beschlich ihn die leise Vorahnung, dass der blonde Zwergling recht ungestüm in seiner Hobbithöhle zu Werke gehen könnte.

„Ich muss mich entschuldigen, lieber Bilbo. Fílin ist ein wenig aufgekratzt, wenn er hungrig ist und allgemein recht kühn. Kílin ist etwas vorsichtiger. Doch beide gleichzeitig zu bändigen kommt einem Abenteuer gleich, auch wenn sie noch so unschuldig dreinblicken können. Kommen wir etwa ungelegen?“, fragte Amilia.

„Du hast doch gesagt, dass es Tee um 4 Uhr gibt und wir nicht zu klopfen brauchen. Wir haben es zeitlich nicht ganz zum Nachmittagstee geschafft, aber dafür haben wir auch geklingelt“, ergriff Kíli nun das Wort.

Als Bilbo ihn daraufhin voller Verwunderung ansah, fügte er hinzu:

„Hat dich der Rabe nicht erreicht? Wir haben uns doch angekündigt. Wir wollten dich endlich für ein paar Tage besuchen und dir unsere 3 Kinder vorstellen, die du bisher nur aus den Briefen kennst. Unsere Zwillingsjungs hast du nun bereits kennengelernt. Und das ist unsere Tochter Tharja.“

Bilbo richtete seinen Blick auf das Mädchen und stellte sich nun ebenfalls vor. Tharja hatte auch dunkle, gelockte Haare von der väterlichen Seite vererbt bekommen. Die blauen Augen hatte sie allerdings von ihrer Mutter. Vermutlich würde das gesamte Königshaus alle Augen auf sie richten, wenn sie älter wurde. Und bei Fílin und Kílin hatte Bilbo sofort ein Bild vor Augen, wie diese jeweils auf einem Oberschenkel ihres Großonkels und Königs saßen. Während Kíli von seinen Kindern gesprochen hatte, war dem Hobbit nicht entgangen, dass der Vater fast vor Stolz geplatzt wäre.

„Kommt, kommt rein! Willkommen, willkommen, schön euch zu sehen!“, gab der Hobbit wild gestikulierend von sich. Eigentlich sollten es einladende Bewegungen sein, aber er freute sich dermaßen überschwänglich, dass sich seine Worte und Handlungen beinahe überschlugen.

Kaum hatten alle die Eingangshalle betreten, umarmte Bilbo die Menschenfrau und den Zwerg herzlich. Kíli verfügte nun über mehr Bartwuchs und trug diesen in der gleichen Art, wie es Thorin während der Reise getan hatte. Er wirkte nun viel reifer, jedoch lag dies wahrscheinlich nicht nur an der Gesichtsbehaarung, sondern überwiegend an seiner Familie. Bei Amilia hatte er auf den ersten Blick keine größeren Veränderungen wahrnehmen können. Vermutlich hatte er auch ein wenig Scheu davor, sie aufdringlich zu betrachten. Es gehörte sich nicht, eine Dame anzustarren.  

Bilbo nahm Tharja geschwind ihren Mantel ab, während Amilia und Kíli ihren Söhnen in derselben Zeit aus den Mänteln halfen. Der Hobbit hatte sich innerlich bereits gewappnet, dass innerhalb eines Wimpernschlages die Fliesen staubbedeckt wären. Schließlich trugen alle Reisenden Stiefel. Vor vielen Jahren hatten 13 Zwerge den Schlamm, der sich unter den Sohlen befunden hatte, in seinen Teppichen festgetreten. Kíli hatte sogar die Unverschämtheit besessen, seine Stiefelsohlen an der guten Aussteuertruhe von Belladonna Tuk zu säubern.

An diesem Abend erlebte Bilbo allerdings eine Überraschung. An seiner Garderobe waren reichlich Kleiderbügel vorhanden, sodass die 5 Mäntel der Gäste bequem Platz fanden. Doch nun standen ebenfalls 5 Paar Schuhe in den verschiedensten Größen unter der Garderobe.

Amilia war der überraschte Blick des Auenlandbewohners nicht entgangen, da sie ihm schmunzelnd zuflüsterte:

„Glaube mir, es hat länger gedauert, Kíli beizubringen, die Schuhe auszuziehen, als den Kindern.“  

Doch dann fügte sie ein wenig besorgt hinzu:

„Kannst du uns überhaupt alle in deiner Höhle unterbringen? Wir sind ohne zu überlegen davon ausgegangen, dass du unsere Familie hier beherbergen kannst, da bereits 13 Zwerge in deinem Heim übernachtet haben. Aber ich habe auch nicht viel überlegt, da Kíli die Räumlichkeiten in Beutelsend besser bekannt sind, als mir.“

„Das ist schon in Ordnung, Amilia. In Beutelsend hat schon fast die gesamte Gemeinschaft Platz gefunden. Du bist erst in Bruchtal zu uns gestoßen. Wärst du vorher schon Teil der Unternehmung gewesen, dann hättest du ebenfalls nicht beengt schlafen müssen.“

Als Kíli seine Gepäckstücke auf den Boden stellte, ergriff Bilbo erneut das Wort:

„Am besten zeige ich euch zunächst mein bescheidenes Heim, damit ihr euch heute Nacht zurechtfindet. Wie viel Zimmer wollt ihr denn beziehen?“

„Unsere zwei Rabauken möchten gewiss gemeinsam in einem Zimmer schlafen. Dies ist bei uns Zuhause auch immer der Fall“, antwortete Kíli.

„Und für die junge Dame und die Eltern sicherlich jeweils ein eigenes Zimmer?“

Bilbo gab der Familie nicht einmal die Zeit, nachzufragen, ob dies überhaupt möglich sei. Sein Heim verfügte über reichlich Gästezimmer mit Betten, sodass Tharja ein eigenes Zimmer bekam. Fílin und Kílin äußersten prompt den Wunsch, ihre Betten in ihrem Raum zusammenzustellen. Amilia und Kíli hatte der Hobbit das schönste Gästezimmer mit dem Fenster zum Garten zugedacht.

Nachdem die Zimmer verteilt worden waren, zeigte Bilbo ihnen das Bad, falls sie sich vor dem Essen noch ein wenig frisch machen wollten.

„Denkt dran, Fílin und Kílin. Die Rohre in diesem Bad sind nicht für Turnübungen gedacht. Sie sind nicht so stabil, wie im Erebor. Ihr dürft sie nicht herausreißen. Habt ihr das verstanden? Und der Badezuber ist nicht zum Planschen da. Er ist nicht so groß, wie unser Badebecken. Wir möchten doch nicht den Langen See in Bilbos Badezimmer umsiedeln“, gab Kíli mit einer Stimme von sich, die keinen Widerspruch duldete.

„Ja, Khagam“, sprachen beide wie aus einem Munde.

„Hast du überhaupt genug Vorräte für uns hungrige Bande?“, fragte Amilia aufrichtig besorgt, nachdem der erste Rundgang in der Höhle erfolgt war.

Kurzzeitig spielte Bilbo mit dem Gedanken, eine beleidigte Mine aufzusetzen, aber er wusste, dass die Menschenfrau es nur gut mit ihm meinte. Für einen wohlhabenden Hobbit gehörte es sich, einen geordneten Haushalt zu führen. Denn gebildete und wohlhabende Hobbits legten den größten Wert auf einen geregelten Tagesablauf, wozu unbedingt das Essen gehörte. Vor allem gehörte dazu gutes Essen, das reichlich und pünktlich eingenommen wurde. Sein Abendessen hatte sich nun durch die Gäste verzögert. Dafür würde er aber in den Genuss kommen, dieses in Gesellschaft zu verspeisen, sodass er das Essen von der Küche an den großen Esstisch verlegen würde.

„Meine Speisekammer ist reichlich gefüllt. Ihr hättet auch zehn Kinder mitbringen können. Wir werden heute Abend ein richtiges Festmahl veranstalten.“

„Fílin, Kílin, packt mal mit an. Wir helfen Bilbo dabei, den Tisch zu decken“, rief Kíli seinen Jungs zu, nachdem er sich eigenmächtig auf den Weg zur Speisekammer begeben hatte.

Der Blonde lief sofort stürmisch zu seinem Vater. Der braunhaarige Junge schaute jedoch daraufhin fragend seine Mutter an. Bilbos Vermutung bestätigte sich einmal mehr, dass er zwar das Erscheinungsbild seines Vaters geerbt hatte, aber nicht über dessen Leichtsinn und Unbekümmertheit verfügte.

„Geh ruhig mit, Kílin. Khagam sagte, dass Bilbos Speisekammer mit denen im Erebor mithalten kann. Und da ihr hungrig seid und unser Freund reichlich auftischen möchte, braucht er deine starken Hände. Tharja und ich werden in der Zwischenzeit die Zimmer vorbereiten und ein wenig Gepäck verstauen“, ermunterte ihn Amilia.

Diese Worte zeigten sofort Wirkung, sodass recht schnell innerhalb des Bereiches von der Speisekammer bis zum Esszimmer das Trampeln kleiner Füße zu hören war. Die Kinder hatten trotz der langen Reise noch Spaß daran, mehrmals zwischen den Räumen hin und her zu laufen, um das Essen an den Tisch zu bringen. In der Zwischenzeit bekam Bilbo dadurch die Möglichkeit, sich seines Morgenmantels zu entledigen und hastig angemessene Kleidung anzuziehen.

Als Amilia und Tharja zu ihnen stießen, standen bereits Käse, Apfelkuchen, Himbeermarmelade, kaltes Huhn, Essiggurken, Biskuitkuchen, gebratene Eier, Kekse, Tomaten, Schwarzbrot, Kartoffeln, Kohl, Karotten, Wein und Bier auf dem Tisch. Neben dem guten Westviertelgeschirr von Bilbos Mutter befanden sich viele Kerzen auf dem Tisch, die dem Raum zusätzlich Gemütlichkeit verliehen und sich in den glänzenden Augen der Gäste widerspiegelten, als sie an dem Tisch Platz genommen hatten.

Nachdem der Auenlandbewohner seinen Besuch dazu aufgefordert hatte, kräftig zuzulangen, bot sich ihm ein Bild, das er nicht erwartet hatte. Neben einem Zwerg und einer Menschenfrau saßen drei Kinder am Tisch, die zwar alle beherzt zugriffen, aber ansonsten äußerst manierlich das Essen verspeisten. Neben kleineren Schmatzlauten war nicht das kleinste Geräusch zu hören. Es wurde nicht gerülpst und auch nicht mit Essen geworfen. Tharja und Kílin nahmen neben Fleisch auch Gemüse zu sich. Fílin tat es hingegen seinem Vater gleich und orientierte sich eher an fleischhaltigen Speisen.

„Was ist denn los, lieber Bilbo? Du schaust ein wenig ungläubig drein“, sprach Amilia

„Nun ja….es ist so…. ich hatte eher erwartet, dass das Essen genauso abläuft, wie vor vielen Jahren.“

„Wie war denn das Abendessen vor Beginn deiner Reise?“

„Fíli ist mit Bierkrügen in der Hand über den Tisch gelaufen. Die Gemeinschaft hat sich gegenseitig mit Essen beworfen. Und Óin hat das Bier mit seinem Trichter zu sich genommen. Es war ein heilloses Durcheinander.“

Als Bilbo den fassungslosen Blick der Menschenfrau wahrnahm, beeilte er sich noch ein paar Sätze hinzuzufügen:

„Ich muss allerdings auch erwähnen, dass sie das gesamte Geschirr blitzeblank gespült und alles aufgeräumt haben. Selbst auf dem Boden lag kein einzelner Krümel mehr. Aber ich erinnere mich vage, dass ich dir dies in Bruchtal erzählt habe.“

„Du hast mir in Bruchtal erzählt, dass Kíli das Geschirr gespült hat. Du hast aber kein Wort darüber verloren, was vorher passiert ist. Es ist ohnehin seltsam. In Bruchtal habt ihr ein Schlachtfeld hinterlassen.“

„Da kannten wir auch nicht die Räumlichkeiten. Hier in Beutelsend hatten wir sofort die Küche gefunden“, gab Kíli mit einem Unschuldsblick als Antwort.

Das Abendessen verlief auch weiterhin recht schweigsam. Bilbo brannten zwar tausend Fragen auf der Seele, aber er sah es seinen Gästen an, dass diese von der Reise müde und erschöpft waren. Genauso würden sich die Besucher auch noch bettfertig machen müssen, sodass für viel Geplauder an diesem Abend nicht mehr viel Zeit blieb. Er würde sich noch eine Nacht gedulden müssen. Als alle mit dem Rücken satt und zufrieden gegen die Stuhllehne gesunken waren, entschied sich der Auenlandbewohner dazu, die folgenden Worte an die Familie zu richten:

„So meine Freunde, bevor ihr schlafen geht, habe ich noch ein paar Hinweise. Es gibt ein wenig zu beachten, wenn man bei Hobbits zu Gast ist. Es gibt ein erstes Frühstück und ein zweites Frühstück. Danach gibt es um 11 Uhr einen kleinen Imbiss. Später folgt dann noch das Mittagessen, das wir vorzugsweise mit dem 4 Uhr Tee und Kuchen verbinden können. Ich habe Rosinenkuchen und Kümmelkuchen gebacken. Im Garten sind die ersten Erdbeeren reif. Ich kann euch auch einen Erdbeerkuchen backen. Nach dem Abendessen werden wir ein gemeinsames Nachtmahl am Kaminfeuer einnehmen. Und in der restlichen Zeit werde ich euch meinen Garten und das Gasthaus zum Grünen Drachen zeigen. Wir können auch gerne den Markt besuchen und unter dem großen Festbaum ein Picknick machen. Wir haben zurzeit sehr warme Sommertage und der Baum wird uns Schatten spenden.“

An den strahlenden Gesichtern konnte er erkennen, dass seine Vorschläge von allen begrüßt wurden. Die Gründe waren hierfür sicherlich unterschiedlich. Von Amilia wusste er, dass sie im Erebor die Sonne vermisste. Und junge Zwergenkinder freuten sich vermutlich besonders auf das gute Essen. Aber eines wusste Bilbo bereits an diesem Abend. Es bestand kein Zweifel daran, dass die nächsten Tage für alle spannend und hoffentlich auch ein wenig erholsam wären.



***

Kleine Anmerkungen zum besseren Verständnis:

2941 D.Z. Bilbo hat die unerwartete Reise angetreten

2943 D.Z. Geburt von Tharja :-)

2949 D.Z. Geburt von Fílin und Kílin *.*

2955 D.Z. Besuch bei Herrn Beuteler

Bei der Beschreibung von Beutelsend habe ich mich ein wenig schwer getan. Dort gibt es nämlich widersprüchliche Quellen. Im Film gibt es eine Speisekammer, im Buch mehrere. Im Film sind die Räume auf der Vorderseite miteinander verbunden, im Buch nicht. Ich habe es ein wenig in dieser FF variiert, aber so gestaltet, dass es durchaus so im Film gewesen sein könnte. Schließlich sehen wir nicht alle Gästezimmer im Film.
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