Das Tier hinter dem Spiegel

OneshotSchmerz/Trost / P12
Alvin Olinsky Henry "Hank" Voight
10.01.2017
10.01.2017
1
1659
2
Alle Kapitel
noch keine Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
 
18. Revier 08:35 PM Verhörraum 1
Anwesend: Sergeant Nicholas Tover, Detective Allen Pears, Oliver Cox



Hank Voight ist wie erstarrt, dabei juckt es ihm in den Fingern. So sehr. Es wird unerträglich. Hanks Kiefer mahlt beinah schmerzhaft. Das Adrenalin jagt durch seine Adern, stachelt ihn zusätzlich an. Er atmet tief. Olinsky zu seiner Linken geht es eben so. Dessen Brustkorb hebt sich deutlicher als sonst. Nicht viel, aber Hank erkennt den Unterschied, dafür braucht er Al nicht einmal direkt anzusehen.

Das kann er auch gar nicht, sein Blick fixiert eine andere Person, nur ein paar Meter entfernt. Oliver Cox.

Der Mann hinter dem venezianischen Spiegel grinst abfällig, entblößt dabei eine Reihe schiefer Zähne. Cox wäre jetzt tot, hätte Voight ihn in die Finger bekommen. Immer wieder rast dieser Gedanke durch seinen Kopf. Voight und sein Team waren auf der richtigen Spur.

Die Cops des 18. Reviers haben ihn vor zwei Stunden verhaftet und deren Detective Pears und Sergeant Tover führen die Befragung durch. Auch dazu hätte es nicht kommen sollen. Es ist sein Fall. War sein Fall. Bis vor zwei Tagen. Jays Anruf war genau 50 Stunden her. Seitdem herrscht Ausnahmezustand. In der Unit, im 21. Revier.

Obwohl sie es nicht durften suchten sie nach ihr und Cox. Hank wollte ihn töten. Will es noch immer. Untätig hinter der Scheibe zu stehen ist nichts für Hank Voight, nicht dieses Mal. Nicht in diesem speziellen Fall.  

Die junge Frau im OP hat all das, was sie in den letzten 50 Stunden hat durchmachen müssen, nicht verdient. Mehr Tod als lebendig fand man sie in Cox' Versteck.
Offiziell sind Voight und Olinsky gar nicht hier. Die Intelligence Unit ist seit zwei Tagen raus aus dem Fall Oliver Cox.

Hank spürt die Befangenheit in jeder einzelnen Zelle seines Körpers. Sie alle schreien nach Rache, werden immer lauter, je länger er diesem Kerl zuhört. Cox muss sterben.

Mit Freude spricht das Schwein über seine Taten. Bei jedem Wort aus seinem Mund wird Hank schlecht. Detailliert schildert der schlaksige mit den schiefen Zähnen wie er seine Opfer folterte, dass er es gern tat. Immer wieder leckt er sich mit der Zunge über seine spröde Unterlippe. Einige der Frauen vergewaltigte er auch, manche mehrmals. Bereitwillig nennt er Namen. Hank kann nur eines Denken:"Nenn nicht ihren Namen. Nicht ihr Name. Bitte n-"

Voight ist heiß und kalt zugleich.

Total verkrampft, unfähig sich zu bewegen schießen ihm Tränen in die Augen. Wütend kämpft er dagegen an. Sie gehören nicht hierher, nicht jetzt. Sie sind nur einer Person vorbehalten. Dem vorerst letzten Opfer. Ihr Name.

Wie viel Spaß er mit ihr hatte.  Voight jagt es einen Schauer über den Rücken.
Was er alles mit ihr anstellte. Betont langsam wiederholt Cox entzückt ihren Namen. Ihr Name aus diesem dreckigen Maul.

Hanks Fingerknöchel sind weiß, so fest presst er seine Faust zusammen. Nur mit Mühe hält er sich unter Kontrolle, seine Unnahbarkeit aufrecht.

Olinsky gelingt dies nicht mehr. Fassungslos murmelt er vor sich hin, schüttelt den gesenkten Kopf und reibt sich mit der rechten Hand das Gesicht. Zwei Schritte rückwärts lehnt Al sich erschüttert gegen die Wand, laut atmet der Detective aus.

Al quält sich in dem kleinen stickigen Beobachtungsraum, der für die drei Anwesenden viel zu klein wird.

Wäre dies der Fall der Intelligence Unit, stände Olinsky nicht hier. Einige von Cox’ Opfern waren in Lexies Alter. Es wäre ein kurzer Prozess am Fluss gewesen. Nur Alvin und Hank.

Stattdessen ist Al hier und er bleibt wegen Voight, dem es immer schwerer fällt nicht einfach zu tun was für diesen abartigen Kerl angebracht wäre.

Am liebsten würde Hank durch den Spiegel springen, dem Schwein seine Finger um den Hals legen, zudrücken und genau zusehen wie ihm das Grinsen aus dem Gesicht sowie das Leben aus den kalten Augen weicht. Etwas anderes als den Tod hat dieses Tier nicht verdient.

Cox gesteht - einfach alles. Jeden Schlag, jeden Schnitt, jede Verbrennung, jeden Tritt. Bei jedem einzelnem Opfer. Nein, das ist kein Mann. Ein krankes Schwein, das ist er.

Alvins Handy vibriert. Hanks Nackenhaare stellen sich auf. Sie warten auf Nachricht aus dem Krankenhaus. Völlig ausgelaugt nimmt Olinsky den Anruf an und schweigt dann. Kein gutes Zeichen.

Das Handy hält Alvin vor seiner Brust in der Hand als Hank über die Schulter schaut. Ihre Blicke treffen sich und Hank weiß es. Er weiß es sofort.

Sie hat es nicht geschafft.

Voight blickt dem grinsenden Schwein in die Augen und zieht seine Waffe. Sein ganzes Magazin feuert er auf Cox ab. Mit dem ersten Schuss bricht der Spiegel, die Kugel bohrt sich links neben dem Kopf des Täters in die Wand. Der Zweite trifft Cox knapp über dem linken Auge.
Hank wird zu Boden gerissen, kann nicht kontrollieren wo die restlichen Kugeln einschlagen, ob er ausversehen einen der Beamten trifft.

Officer Linch, der die ganze Zeit über mit Voight und Olinsky im Beobachtungsraum stand, hat ihn entwaffnet und kniet auf seinem Rücken. Hanks Kopf presst Linch gegen den dreckigen Boden. Routiniert werden ihm Handschellen angelegt. Weitere Beamte des 18. Reviers sind hinzugekommen. Es wird laut in den kleinen Raum. Hank kann keines der Worte festhalten. Unsanft wird er auf die Beine gestellt. Seine Rechte, darüber belehren muss man ihn nicht. Schweigen, es gibt nichts zu sagen. Cox ist auf seinem Stuhl in sich zusammengesackt. Sergeant Tover nimmt kopfschüttelnd seine Hand von Cox' Hals. Mehr wollte Voight gar nicht. Zufrieden sieht er nach Al.

Ein Officer hält Alvin mit vorgehaltener Waffe im Zaum und Hank dessen Blick stand bis er aus dem Raum geschoben wird. Al versteht es, er wird es verstehen, wenn die Aufregung sich erst gelegt hat. Voight ist egal was ab jetzt passiert, dass er wieder im Knast landet. Voights eigenes Leben zählt nicht mehr, denn sie hat es nicht geschafft. Alvin wird das verstehen. Irgendwann.

Sie hat es nicht geschafft.

"Hank?" Voight schmeckt Salz. Eine Träne hat es seine Wange hinunter zu seinen Lippen geschafft. Hank blinzelt. Direkt vor ihm steht Olinsky, versperrt ihm jegliche Sicht in den Verhörraum. Die Trauer in Alvins Augen wandelt sich in Sorge als er Hanks Hand erblickt. Wann hat Voight sie auf den Holster gelegt? Kein Wunder, dass der junge Polizist zu seiner Rechten nervös wird.

"Er ist es nicht wert", flüstert Alvin mit gebrochener Stimme und schaut besorgt zu Officer Linch. Hank hört dessen Holster klicken.

Das Schwein ist es vielleicht nicht wert, Cox hat aber nichts anderes verdient. Das weiß auch Olinsky dessen braune Augen eine Reihe von Emotionen spiegeln. Hank wartet bis er sich für eine entschieden hat, während sein Kopf ihm wilde Szenarien vorschlägt. Cox muss sterben aber Al steht in Schussbahn.

"Hey Mann, es ist alles in Ordnung", versucht Al Linch zu beruhigen, der seine Waffe zwar zieht, aber noch gesenkt hält, "Wir werden gehen". Dabei hält Alvin den Augenkontakt zu Hank aufrecht.

"Gib sie mir, Hank"

Voight öffnet sein Holster. Er weiß, sobald er nach der Waffe greift, reagiert Officer Linch wie er es gelernt hat mit der Aufforderung sie nieder zu legen. Hank bleibt kaum Zeit.

Langsam wandert Alvins rechte Hand hinunter an seine Hüfte während er seine Linke nach Hanks Waffe ausgestreckt hält. Loyal bis zum Ende. Hank würde seine Waffe ziehen, einen Schritt nach links machen und den Abzug betätigen. Officer Linch würde auf Hank zielen, Alvin sich zeitgleich zur Seite drehen, auf den Officer zielen und somit in dessen Schusslinie stehen.
Cox würde sterben, Alvin höchstwahrscheinlich und Hank selbst hoffentlich auch.

Der junge Officer fordert über sein Funkgerät leise Verstärkung an als Hank kaum merklich den Kopf schüttelt. Es ist ein Kraftakt die Hände auf Schulterhöhe zu heben. Alvin nimmt Hanks Waffe an sich als die Tür auffliegt und zwei Pistolenläufe auf sie gerichtet sind.

Sie hat es nicht geschafft.

Es steht Alvin ins Gesicht geschrieben als Hank über die Schulter schaut und ihre Blicke sich treffen. Seine Fingernägel bohren sich schmerzhaft in seine Handinnenfläche weil Hank seine Faust noch fester schließt als er es die ganze Zeit über schon tat. Mit einem Wutschrei schlägt er gegen den venezianischen Spiegel.

Der junge Officer zieht seine Waffe. Sofort hat sich Alvin von der Wand abgestoßen und zwischen die beiden in die Schussbahn gestellt. Eine Hand in Richtung des Polizisten erhoben, eine beruhigend auf Voights Schulter gelegt. Deswegen ist Al hier.

"Hey Mann, es ist alles in Ordnung"

Detective Pears und Sergeant Tover unterbrechen das Verhör und stürmen zur Tür heraus. Das Schwein grinst ein letztes Mal in Hanks Richtung als könnte Cox durch den Spiegel sehen bevor er herzhaft zu lachen beginnt. Instinktiv dreht Alvin Hank vom Sichtfenster weg. Die Tür fliegt auf. Die aufgebrachten Beamten, Sergeant Tover und Detective Pears, versuchen die Lage zu erfassen. Beide sind unbewaffnet, da sie direkt aus dem Verhör kommen.

"Wir werden gehen", beschwichtigt Alvin.

Dicht an Hanks rechte Körperhälfte gepresst schiebt Alvin Voight aus dem Beobachtungsraum an den noch immer schimpfenden Beamten vorbei.

Sie hätten nicht im 18. Revier, nicht in diesem Raum sein, nicht das Verhör mit ansehen dürfen. Ein paar Gefallen hat Hank dafür eingefordert. Das hat er nur für sie getan. Die zu erwartenden Konsequenzen sind unbedeutend, alles total egal, denn Erin Lindsay hat es nicht geschafft.
Review schreiben