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Zwei wie Hammer und Amboss - Vermächtnis

von Lobezno
Kurzbeschreibung
GeschichteFantasy, Freundschaft / P6 / Gen
OC (Own Character)
08.01.2017
08.01.2017
1
943
 
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08.01.2017 943
 
Erneut zogen vier Andergaster eine Rotze auf. Mit einem trockenen Ächzen antworteten hierbei die beiden massiven Torsionsbündel im Holzrahmen des Geschützes auf das Spannen der Sehne.
Die Männer waren es eigentlich nicht gewohnt, in der Nacht zu arbeiten.
Obwohl, so dunkel war diese auch wieder nicht. Denn am Himmel füllte sich der Kelch des Madamals schon und kaum eine Wolke trübte den Blick auf die Sterne.
Aber hier und jetzt kam die Tageszeit ihren Absichten ziemlich entgegen. Und nicht einmal das laute Knirschen und Knacken des schweren Feldgeschützes hätte sie verraten können. Da der Lärm aus der belagerten Wasserburg vor ihnen alles andere übertönte und sogar weit über den See hinaus hallte. Feuer loderte hier nicht nur aus dem vorderen Innenhof hinter der landeinwärts gerichteten Mauer, ebenso stand das Dach des großen Turmes neben der einst überdachten Zugangsbrücke in Flammen.
Und davor johlten ihre Landsleute.
Irgendwie empfanden sie es als zutiefst befriedigend, Nostrier auf solch martialische Art und Weise mitten in der Nacht aus den Federn zu holen.
Ihr Geschützmeister bereitete im Licht einer Laterne gerade eine Tonkugel vor, als er neugierig aufstand. „Dort steht doch irgend so n’Knilch?“
„Wo?“
„Auf dem Dach des Wehrganges, zwischen den ersten zwei Wehrtürmen.“
„Ja, jetzt seh ich ihn auch. Der sucht sehr wahrscheinlich uns. Kommt, zielen wir dieses Mal auf ihn!“
Als der Geschützmeister grinsend nickte und seinem Gehilfen ein dementsprechendes Zeichen gab, meldete sich ein weiterer der Vier, die immer noch mit dem Spannen der Sehne beschäftigt waren, zu Wort. „Zielt der nicht seinerseits mit einem Bogen auf uns?“
„Kann sein“, bemerkte der Geschützmeister unbeeindruckt, als er sich wieder der Tonkugel widmete, „wir sind dennoch außerhalb der Reichweite ihrer Waffen. Und es ist dazu Nacht. Was will der überhaupt mit Pfeilen gegen eine voll funktionstüchtige Arbala erreichen? Bei einem Typ mit einem Magierstab würde ich mir vielleicht Sorgen machen. Aber bei einer Flunderfresse?“
„Ist es ein Elf?“ Fragte der Gehilfe unsicher.


Der Halbelf Phas vom Lagunenhügel atmete tief durch. Auf dem Dach des Wehrganges stehend spannte er einen Bogen. Dabei musste er daran denken, wie sehr sich Murro der Schmied ins Zeug gelegt hatte, die Spitze der Pfeile in so kurzer Zeit noch weiter zu schärfen. Gleichzeitig bemühte er sich, den Lärm hinter sich komplett auszublenden, der davon stammte, dass die Burgbewohner verzweifelt versuchten, die ausbrechenden Brände zu löschen.
Zumindest war die Rotze, mit der man sie unter Beschuss genommen hatte, dank einer Laterne, sowie seinen momentanen Adleraugen, gut auszumachen.
Aber dennoch raste sein Herz vor dem Schuss. Auch, weil er wusste, dass er beobachtet wurde. Und nicht nur von diesen Vollidioten von Andergaster.


Wie erstarrt stand eine hochgewachsene Frau an einem Fenster des zentralen Wohnturms der Wasserburg. Es schien, als fröstelte es sie.
Sie weinte.
Corberrois grün-goldene Augen fixierten dabei unbeirrt den Halbelf auf dem Dach des Wehrganges weit unter ihr. Währenddessen rieb der auf ihrer Schulter sitzende Rabe tröstend den Kopf an ihre Wange.
„Ivrissel, mein Sternenglanz … gewähre ihm den Schuss. Du wärst wirklich stolz gewesen auf diesen außergewöhnlichen Streuner.“ Murmelte sie mit belegter Stimme.
Zeitgleich wandte sich Brea von Sappenstiel, die am anderen Ende des Zimmers neben Arasia Rietwinds Bett wachte, der eintretenden Waldelfe zu. Diese war gekommen, um die Frauen über die momentanen Löscharbeiten in der Burg zu informieren.
„Was meint sie damit?“ Fragte das Mädchen.
Erst jetzt wurde Brea gewahr, dass ebenso Steelsheen mit den Tränen rang. „Tue es für sie, Bhaselya.“ Flüsterte die Elfe nur.


Phas ´der Fuchs´ nickte kurz trocken, als bestätigte er etwas, dass er nicht in der Lage sein sollte zu hören.
In Wirklichkeit wiederholte er aber nur eine Melodie.
Eine, die er im Kopf hatte, seit er der Rotze habhaft geworden war, und die er bei jedem erneuten Feuern von neuem angestimmt hatte. Hierbei war er in Gedanken schon -zig Male die mögliche Flugbahn des Pfeiles und seine Dauer bis zum Ziel durchgegangen.
Er schwitzte.
Denn er hatte augenblicklich eine Heidenangst.
Vor dem, was man von ihm erwartete und was er so leichtfertig zu können behauptet hatte. Irgendwie zweifelte er inzwischen an allem. Hauptsächlich jedoch an seinen Fähigkeiten. Hier zu sein war wohl nicht gerade eine seiner brillantesten Ideen gewesen.
War er überhaupt Ivrissels Bogen würdig?
Er streichelte das einzigartige, warme Holz der Waffe. Ein echter Yara.
Dabei kam ihm sein Lehrmeister in den Sinn. Und dessen Worte: „Dreckiger, kleiner Feytala, denke, träume und singe, wenn du willst. Habe auch Angst … aber störe nie damit die Ruhe des Bogens. Seine Vollkommenheit ist weit darüber erhaben!“
Er bereute es wirklich, dass er dieser ungewöhnlichen Steppenelfe niemals begegnen würde. Er konnte sie in den Erinnerungen ganz deutlich sehen, wie sie friedlich und wunderschön vor ihm lag. Und man förmlich hören konnte, wie Corberrois Herz in unendlich viele Stücke zerbrach.
„Ivrissel Sternenträumerin, führe mein Herz und Pfeil!“


Der Geschützmeister war gerade mit den letzten Handgriffen an der Brandbombe beschäftigt, die bereits auf der abschussbereiten Rotze lag, als einer seiner Bedienungsmannschaft erneut den Kopf schüttelte. Dieses Mal begründete er es sogar. „Die dämliche Flunderfresse hat den Pfeil echt irgendwo in die Sterne hochgepfeffert. Will wohl Phex ein Juwel abjagen!“
Während sich darüber der Gehilfe kaum vor Lachen halten konnte, sah der Andergaster nervös auf.
„Was?“
Schlagartig ließ den Tonfall des erfahrenen Mannes alle erstarrten.
Und in genau diesem Augenblick traf ein Pfeil einen der aus dem Holzrahmen der Rotze ragenden Torsionsbündel aus knirschenden Schnüren und tauchte tief hinein.
Als diese hierauf wie durch Geisterhand explosionsartig auseinander gerissen wurden, sprengten sie problemlos das hölzerne Gehäuse des Geschützes.
Und das Letzte, das dabei der Geschützmeister bewusst wahrnahm, war das Feuerzeug in seiner Hand und die bereits brennende Tonkugel vor ihm.
Dann flog ihnen die Rotze um die Ohren.
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