The Hunter's Wrath

KurzgeschichteFantasy, Tragödie / P16
08.01.2017
08.01.2017
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Keth saß auf einem umgefallenen Baumstamm und fuhr ein weiteres Mal mit dem Wetzstein über seine Sturmsense, immer die gleiche monotone Bewegung machend, die das gleiche monotone Kratzen produzierte. Er wusste nicht, wie lang er dies schon tat, doch es lenkte ihn ab, beschäftigte ihn, sodass seine Gedanken nicht abschweiften.
In der Mitte der Lichtung flackerte ein Lagerfeuer, die Flammen warfen lange zuckende Schatten auf den Boden und gaben ihm das Gefühl ständig beobachtet zu sein.

"Dir reißt die Klinge, wenn du so weitermachst." sagte eine Stimme hinter ihm und er drehte sich um.
Ragon trat gerade aus dem Schatten eines Baumes hervor, dicht gefolgt von Listral.
Das Grinsen auf seinen Lippen hellte Keths Stimmung ein wenig auf.

"Für den Kuragumosu wird es reichen. Irgendwelche Neuigkeiten?" fragte er und steckte den Wetzstein weg.

Der Ausdruck auf Ragons Gesicht verhärtete sich.

"Das Nest ist ganz in der Nähe. Am Morgen sollten wir auf ihn treffen." sagte er und senkte den Blick.

Die Stimmung war seit heute Mittag angespannt; sie redeten kaum miteinander und jeder schien in seiner eigenen Welt zu sein, was Keth verstehen konnte.
Selbst wenn sie es nicht zeigten, hatten sie doch alle Angst vor dem morgigen Tag.
Drei Jahre hatten sie daraufhin gearbeitet: Körper und Seele gestählt, zahllose Monster erlegt und Ausrüstung geschmiedet, bis sie endlich die Zulassung der Gilde für die Abschlussprüfung bekamen.
Ihre große Stunde rückte unaufhaltsam näher und wenn sie den morgigen Tag überlebten, würden sie als Jäger zurückkehren, ein Ziel, welches sie alle verband.

Listral ging zur Feuerstelle, nahm den Köcher ab und ließ sich im Schneidersitz nieder. Aus ihrem Hüftbeutel holte sie eine kleine bauchige Phiole hervor, zog den Verschluss ab und nahm dann einen Pfeil aus dem Köcher.
Keth und Ragon schauten ihr dabei zu, wie sie die Pfeilspitze in die Flammen hielt, bis das Metall sich rot färbte, es dann rausholte und einen Tropfen der Tinktur vorsichtig drauftropfte.
Das Zischen der verdampfenden Flüssigkeit begleitete ein beißender Gestank, den sie alle nur zu gut kannten: das Gift eines Gypceros.
Von ihrer letzten Jagd hatten sie den Toxinbeutel zu einem Alchemisten in Loc Lac gebracht, der es dann für sie verarbeitet hatte.
Listral steckte den vergifteten Pfeil wieder in den Köcher und wiederholte den Vorgang, bis die Phiole leer war.
Niemand sprach ein Wort, nur das Knistern des Holzes war zu hören. Selbst aus dem Wald drang kein einziges Geräusch. Es wirkte, als wüssten die Tiere, welche Gefahr ihnen drohte.

Ragon holte ein Stück Fleisch aus seiner Provianttasche, brut es über dem Feuer und reichte jedem von ihnen ein Stück.

"Es ist zwar nichts besonderes, aber besser als mit leerem Magen zu kämpfen." sagte er und setzte sich neben Listral.

Keth verschlang das Steak und spülte mit einem Schluck aus der Feldflasche nach. Vielleicht seine letzte Mahlzeit, dachte er.

Die restlichen Stunden saßen sie ab, bis die ersten Sonnenstrahlen die Dunkelheit vertrieben und der Wald langsam aus seiner Todesstarre erwachte. Das Feuer war zu einer kalten Glut erloschen.
Aus der Ferne klang ein tiefes Dröhnen, wie ein ausbrechender Vulkan und die ganze Erde bebte.
Keth atmete tief ein und wieder aus und klappte das Visier seines Helmes runter.

Der Kuragumosu war nah.
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