Die Demut nach dem Fall

OneshotFreundschaft, Übernatürlich / P12
Baze Malbus Bodhi Rook Cassian Andor Chirrut Imwe Galen Erso Jyn Erso
07.01.2017
07.01.2017
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Die Demut nach dem Fall


„Gebüßt habe ich, bereut nichts.“
- Heinrich Böll (1917 – 1985)

Seit gefühlten Stunden beobachtet er seine eigenen Hände, wie sie ineinander gekrampft sind. Seine Knöchel treten weiß hervor und er spürt ein Kribbeln in seinen eingequetschten Fingern, die gleich sicherlich von der verkrampften Haltung schmerzen würden.
Er runzelt die Stirn.
Es kommt ihm falsch vor hier zu sitzen und sich Gedanken zu machen. Irgendwie ist es, als wäre es ihm untersagt so etwas zu tun, dabei liegt ihm nichts ferner sich an Verbote zu halten, die in seinen Augen nicht sinnvoll sind.
Cassian denkt nach.
Er denkt pausenlos und merkt, wie sein Körpergefühl einem Schwindel weicht und ihm den Eindruck verleiht, er würde sich pausenlos im Kreis drehen. Ihm wird schlecht, denn er verträgt die Geschwindigkeit der Drehung nicht.
Sind sie rechtzeitig dort gewesen?
Er weiß es nicht. Und er wird es auch nicht erfahren, denn es ist zu spät. Allerdings nicht zu spät, um nachzuhaken, Fragen zu stellen und sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Cassian seufzt tief und deutlich hörbar.
In seinen eigenen Ohren dröhnt das Geräusch, das er dabei erzeugt und er ärgert sich darüber, dass seine Eigenwahrnehmung so drastisch von der Außenwahrnehmung zu divergieren scheint. Es ist wieder einmal nur er selbst, der sich das Leben schwermacht.
Eines seiner größten Probleme, das er auch nicht mehr loswerden würde. Denn auch dazu hat er keine Zeit mehr.
Es ist das Nichts, das ihn umgibt und ihn in Einsamkeit einsperrt. Dabei ist ihm durchaus bewusst, dass er sich jene selbst auferlegt hat. Kein Mensch und auch kein anderes Wesen der Galaxis ist so gut darin wie er.
Glaubt er jedenfalls und er ist der festen Überzeugung, dass das von niemandem überboten werden kann. Nicht einmal von der Besatzung der Rogue One, die er bis in seinen Rückzugsort hören kann.
Sie lachen und erzählen sich Geschichten.
Eigentlich genau das, was er immer schon an Kameradschaft gemocht hat, doch heute ist es anders. Es stört ihn irgendwie, dass von ihm erwartet wird ein Teil davon zu sein, wo er doch bisher alles Mögliche versucht hat, um sich der Welt zu entziehen.
So viel Grausamkeit ist durch seine Hände verübt worden und er kann nicht umhin das vor sein eigenes Wohlbefinden zu schieben. Er fühlt sich schlechter denn je und er weiß, dass alle, die mit nach Scarif gekommen sind, genau so von sich denken.
Sie sind alle irgendwie zu schlechten Menschen geworden, doch wissen sie, dass sie es für einen guten Zweck getan haben. Heiligt der Zweck aber die Mittel?
Cassian weiß keine Antwort darauf und er schließt die Augen. Dann drückt er seine Nasenwurzel mit Zeige- und Mittelfinger zusammen, um den Schwindel zu unterdrücken, doch hilft das leider auch nicht. Es ist, als würde er umhergeschleudert werden.
Mit einem Mal schreckt er auf und fühlt sich beobachtet.
Er hebt den Kopf und sieht nach rechts, da steht sie – Jyn. Sie sieht besorgt aus, doch versucht sie es hinter einem Lächeln zu verbergen. Sie kann ihn jedoch nicht täuschen, denn er weiß wie ein ehrliches Lächeln auf ihrem Gesicht aussieht.
„Warum verkriechst du dich hier?“ fragt sie vorsichtig und bleibt im Türrahmen stehen. Näher kommt sie erst nicht, denn sie weiß, dass er gerne alleine sein will. Trotzdem ist sie hier.
„Du weißt warum“, antwortet Cassian und sieht wieder auf seine Hände, die jetzt doch tatsächlich schmerzen und sich endlich wieder mit Blut füllen.
„Erklär es mir trotzdem“, sagt Jyn ruhig und tritt auf ihn zu. Sie setzt sich neben ihn und blickt ebenfalls geradeaus, um ihn nicht zu verunsichern, wie er weiß.
Schweigend vergehen die Sekunden, die sich wie Ewigkeiten anfühlen und auch so langsam verrinnen. So ist das eben dort, wo sie sich befinden. Im Nichts.
„Es ist nicht so einfach in Worte zu fassen, weißt du“, murmelt er unsicher und wagt es, einen kurzen Seitenblick auf Jyn zu werfen, die immer noch vor sich auf den Boden starrt und langsam zu nicken beginnt.
„Du bist kein Freund vieler Worte“, raunt sie und lacht ein wenig, was ihm ein gutes Gefühl verleiht. Wenn sie lächelt oder lacht, dann fühlt er Wärme, weil sie nie viel zu lachen gehabt hat. Wenn sie lachen kann, dann könnte jemand wie er es eines Tages vielleicht auch.
„Nein, wahrlich nicht“, erwidert er ebenfalls lächelnd und seufzt danach noch einmal tief und geräuschvoll.
„Meinst du, wir...“, beginnt er leise und dreht den Kopf vollständig zu Jyn, die seinem Blick standhält und ihn nicht aus den Augen lässt.
„Was?“ will sie wissen und er merkt, wie es ihr langsam unangenehm wird ihn so direkt anzusehen.
„Meinst du, wir sind umsonst gestorben?“ stellt er dann die Frage, die ihm die ganze Zeit auf den Lippen liegt. Er weiß, dass das hier nicht echt ist, ein Hirngespinst ist, doch fragt er sich trotzdem, ob er mit seinem Tod etwas erreicht hat.
Jyn scheint einen Moment überlegen zu müssen, doch schüttelt sie überzeugt den Kopf.
„Nein, sind wir nicht. Wir haben alles gegeben und es war nicht umsonst. Du brauchst dich für nichts schämen, Cassian“, versichert sie ihm und steht plötzlich auf.
Sie streckt ihm eine Hand entgegen und wartet, bis er sie ergreift, um sich von ihr auf die Füße ziehen zu lassen. Für einen Augenblick bleiben sie so stehen, Hand in Hand, genau wie zuletzt auf Scarif.
Ihre Blicke treffen sich wieder und sie nähert sich ihm unvermittelt. Ganz sachte drückt sie ihn an sich und schließt ihre Arme um seinen Rücken. Genau wie zuletzt auf Scarif...
„Komm, Chirrut erzählt eine seiner Heldengeschichten. Das darfst du nicht verpassen“, murmelt sie, lässt von ihm ab und zieht ihn sanft hinter sich her zu den anderen, der gesamten Besatzung der Rogue One.
Es wird gejubelt und sich gefreut, als er zu ihnen stößt und Jyn beglückwünscht, dass sie ihn hat herbringen können.
Chirrut nickt ihm zu, denn er weiß genau, wo Cassian steht. Baze und Bodhi lächeln und K-2 steht hinter Galen Erso, der seiner Tochter zu zwinkert, was sie erwidert. Hier sind sie alle versammelt, um zu bleiben.
Cassian weiß nun, dass er nichts bereuen muss, denn er hat es mit den anderen geschafft etwas zu bewirken.
Etwas, das nur sie haben schaffen können.
Gemeinsam.

Anmerkung: Ich weiß, es klingt ein wenig banal im Zusammenhang mit dem tatsächlichen Inhalt dieses Oneshots, aber diese Idee hatte ich heute morgen beim Bügeln... Na ja, ich hoffe, man merkt dem Text diesen Fakt nicht an ;) Was haltet ihr davon? Wer Lust auf eine längere Erzählung über Cassian vor den Geschehnissen in Rogue One hat, der kann gerne bei Lebendköder vorbeischauen!
LG, Erzaehlerstimme
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