Carry me slow home

GeschichteRomanze / P16 Slash
Dave Strider Karkat Vantas
06.01.2017
06.01.2017
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06.01.2017 2.177
 
Durch den Anblick eines Fanarts, ergriff mich ein Schwall Nostalgie und ich musste mich an eines meiner ersten Fandoms, Homestuck, zurück erinnern.
Es ist mittlerweile fast zwei Jahre her, dass ich diesen Comic zuletzt gelesen habe und mich mit dem Fandom auseinandergesetzt habe, also bitte ich um entschuldigung, falls es zu ooc wird.
Eigentlich bin ich kein Fan von Perspektivenwechseln, aber ich dachte hier könnte es ganz gut passen.
Der Titel entstammt relativ kontextlos Milky Chance‘s ‚Sadnecessary‘.
Außerdem: Frohe Weihnachten & alles gute nachträgliche an eine sehr gute Freundin von mir, der das wohl gewidmet sein könnte <3 (;

Dein Name lautet Karkas Vantas.

Du wärst am liebsten zuhause in deiner winzigen Einzimmerwohnung mit überfüllter Spülmaschine, dem zugigen Fenster und, ganz klassisch, ‚Tatsächlich...Liebe‘ oder sogar ‚Ein Chef zum verlieben‘, geblieben, auch wenn du, so egal Weihnachten dir war, gerne auf den Cameoauftritt Donald Trump‘s hättest verzichten können.

So oder so blieb dir der Anblick erspart, denn um pünktlich neun Uhr morgens am 22. Dezember stand Kanaya vor deiner Tür. Im Schlepptau hatte sie Rose Lalonde, natürlich, und  beiden sahen dich aus ihren dunklen, verständnisvollen Augen an. „Ich bleib‘ hier“, deine Stimme blieb abschätzig und du sahst zu, wie sich die Gesichter der beiden Frauen verzerrten, eine Mischung aus Mitleid und Amüsement.

„Ich glaube, das liegt nicht in deiner Hand“, Lalonde‘s Stimme blieb ruhig, wie sie es fast immer tat, und drückte dir eine längliche Geschenktüte in die Hand, in der nichts anderes sein konnte, außer einer Flasche mit wahrscheinlich alkoholischem Inhalt.

Natürlich lag das nicht in deiner Hand und nur zwei Stunden und drei Wutanfälle später saßt du in Kanaya‘s dunkelgrünen Toyota Yaris und ihr fuhrt nach Houston. Von allen Orten auf der Welt, für die du eine 24-stündige Autofahrt mitgemacht hättest, musste es Houston sein.

Für eine Hausparty. Oder, wie es niveauvolle junge Leute nannten, die Angst vor dem alt werden hatten, aber elegant bleiben wollte, eine Weihnachtsfeier. Du könntest kotzen.


Dein Name lautet Dave Strider.

Du trinkst dein drittes Glas Eierpunsch. Es ist noch nicht ein einmal vier Uhr, aber du weißt, dass es jeden Moment an der Tür klingeln wird und du bist..nicht bereit. Nicht, dass du es dir anmerken lassen würdest, was, nein, du schnaufst abschätzend beim nächsten Schluck.

Als Rose in die Familiengruppe eine Nachricht geschickt hatte, dass sie mit Gepäck kommen würde, war dir gleich klar, dass sie damit Kanaya meinte und du hast, halb beschäftigt, mit zwei Worten geantwortet (lol, ok) und warst wieder an den Pc gegangen.

Die nächste Nachricht kam wenige Minuten später und du verzogst die Augenbrauen beim Lesen. Ihr Gepäck erscheine im Doppelpack und es dauert..etwa gute sieben Sekunden bis dir heiß, dann kalt und dann beides zugleich wird.

Du antworstest nicht und du weißt, dass sie es auch nicht erwartet. Du solltest cool bleiben, stattdessen war das erste, was dir in den Sinn kam, den Eierpunsch aufzusuchen, auf den Pc konntest du dich eh nicht mehr konzentrieren.

Du hast jetzt schon eine ganze Weile mit einem Mädchen, sie war ganz cool, geredet, die du öfters beim Feiern getroffen hattest und hast sie, ganz nebenbei, zu der Weihnachtsfeier von deinem Bro und dir eingeladen und jetzt stand dein Ex vor der Tür.

Der Ex, wegen dem du manchmal Songs aus deiner Playlist überspringen musst, so bescheuert es klang. Der Ex, wegen dem du kürzlich ein Youtubevideo schließen musstest, weil im Werbespot ‚Bridget Jone's‘ Baby beworben wurde und du mit so viel Melancholie erfüllt wurdest, dass du besagte Songs doch gehört hast.

Dann klingelt es an der Tür.

Du bist Karkat Vantas.

Obwohl Kanaya‘s Finger gerade den Knopf der Klingel verlassen, die 22. von ganz links, der Name ‚Strider‘ steht in roter Handschrift auf dem Schild, willst du innerlich glauben, dass du, wenn du dich jetzt sofort umdrehen würdest, zurück nach New York rennen könntest.

Es ertönt keine Sprechanlage, sondern sofort der Ton des Türöffners. Im Fahrstuhl wird dir schwindelig.

Die Wohnungstür steht offen, (das Schild ist das selbe, wie als du die Tür zugeschlagen hattest, es war mitten in der Nacht und du hattest aufgehört zu beleidigen, zu schreien. Dafür hatten sich viel zu viele Tränen in deinen Augenwinkeln gesammelt) als ihr sie erreicht und wäre da nicht die halbherzig aufgehängte Lamettagirlande hättest du gar nicht bemerkt, dass Weihnachten ist.

Als erstes tritt Rose in die Wohnung, dicht gefolgt von Kanaya, deren Hand gegen dein Schulterblatt drückt, eine sanfte Geste, wüsstest du nicht, dass sie nur da ist, damit du nicht abhaust.

„Dave!“ Rose Stimme hallt durch das Apartment und nur Augenblicke später tritt er aus der Küche heraus, du wagst es nicht einen Blick auf seine dämliche Sonnebrille oder die blondierten Haare zu werfen.

Die Begrüßung ist wie du sie erwartet hattest. Ihr wisst beide nicht, was ihr tun sollt und ignoriert die Existenz des anderen vorerst komplett. Eine geschwisterliche Umarmung bei Rose, eine höfliche, durchaus familiäre Umarmung bei Kanaya und als er bei dir ankommt nickt ihr euch zu, „Hi“, er macht einen Schritt zurück ehe du die Begrüßung erwiderst, „Hey.“

Ihr habt gerade eure Taschen weggeräumt, als der nächste Schritt kommt, den du verdrängt hast. Weihnachtspullover.
Mit ihrem allwissenden Lächeln drückt Rose euch dreien selbstgestrickte Pullover in die Hand und du grunzt, genervt und ziemlich irritiert.

Also war das schon länger geplant. Irgendwie machte das alles nur schlimmer. Das einzige, das dich tröstet, ist der Fakt, dass auf allen Pullover ein übergewichtiges Rentier ins Leere starrt, umgeben von ‚weihnachtlichen‘ Mustern aus Dreiecken und willkürllichen Kreisen.



Du sitzt auf der schwarzen Ledercouch und betrachtest die Flicken. Einige von ihnen, sind nicht mal genäht und dein Blick schweift hinüber zur Wand, an der ein Katana hängt.
Der Alkoholpegel war soweit gestiegen, dass die Songauswahl schrumpfte und zum hundertsten Mal Mariah Carey ihre Weihnachtswünsche besang.

Als du aufsahst entdeckst du Kanaya und Rose, ein Glas Wein in den Händen und noch recht ruhig tanzend, die Züge aber viel weicher als sonst.

Mit angehobenen Augenbrauen schluckst du den Rest deines Eierpunsches runter. Der Abend wird noch eine ganze Weile dauern und du hattest nicht vor, mit neuen Kontakten im Handy nachhause zu gehen.

Der Typ, der neben dir auf der Couch liegt, schläft, wie du bei kurzem Hinüberluken feststellst. Der verschmierten Farbe im Gesicht zu urteilen, war er Opfer einer Gruppe Jugendlicher auf einer Party geworden, aber wie du gesehen hatte, war er schon mit der Farbe im Gesicht angekommen.

Da entdeckst du Dave, na ja, seinen Hinterkopf und die Rückseite des hässlichen Pullovers, wie er lose die Arme um jemandes Taille legt und ehe jemand von der ekligen, kalten Wut etwas mitbekommt, springst du von der Couch auf, das leere Glas so fest umklammert, dass du meinst, es würde zerplatzen, und eilst in die Küche.

Wenn du Glück hattest, konntest du eine ganze Weile hier ausharren, ehe es jemandem auffallen würde. Du spülst dein Glas aus und öffnest mit der freien Hand die obere Türe des Schränkchens, das an der Wand hängt. Mit einem gekonnten Griff holst du das erste raus, was deine Hände greifen. Eine Flasche Wodka, sie ist billig und geöffnet und du bist dir sicher, dass  die fehlende Hälfte zum gekauften Eierpunsch hinzugeschüttet wurde.

„Fühl dich wie zuhause“, die Flasche in der Hand färst du herum, die bekannte Stimme rattert in deinen Ohren und dein Herz fühlt sich an, als würde es aussetzen, ehe es umso schneller weiter schlägt. Du entdeckst Dave und verdrehst die Augen, „Muss ich wohl“, es ist schon den ganzen Tag so, als würde dein ganzer Körper sich dagegen währen Dave auch nur ein einziges Mal anzusehen.

Er nickt, und obwohl du es nicht siehst, hörst du das Grinsen auf seinen Lippen regelrecht, als er näher auf dich zu schreitet. Irritiert siehst du zu, wie das dicke Rentier auf seinem Pullover immer näher kommt, „Was wird das?“ Raunst du, vielleicht schreist du es auch, über die Lautstärke der Musik kannst du es nicht einschätzen, als das Rentier nur noch zentimeter von deinem Gesicht entfernt ist.

Wenn du ihn schon nicht ansahst, würdest du das Vieh eben zu Tode starren.

„Bild dir nichts ein“, obwohl die Worte schmerzen sollen, ist dir der Sarkasmus seiner Worte noch viel bewusster, aber sie hallen unaufhörlich in deinen Ohren und du bist immer verwirrter, als das Rentier aufeinmal nach oben rutscht und das Türchen über dir sich öffnet. Dir wird die Flasche Wodka aus der Hand genommen und durch eine Flasche Rum ersetzt.

Du bist Dave Strider.

Du bist froh, deine Sonnenbrille zu tragen, weil sonst auch der letzte Funken deiner Selbstachtung zerschmettert wäre, was dir nach dem weiß Gott wievielten Eierpunsch und den Jelly Shots eigentlich scheißegal ist, dir aber dennoch irgendwie Selbstvertrauen gibt.

Karkat reagiert, wie du erwartet hattest, vielleicht sogar ein wenig ruhiger. Nein, sogar viel zu ruhig. Du hattest mit einer Szene gerechnet, aber dann war da ja wieder der Alkohol, der nicht nur dich in einen bewusstseinsveränderten Zustand versetzte.

„Wir wollen ja weihnachtlich bleiben“, bemerkst du und deutest auf die Flasche, als du dich wieder entfernst und versuchst seine Reaktion auf die Nähe eben zu ignorieren. In dem Pullover wird es immer wärmer und du krempelst die Ärmel hoch, „Was ist, willst du uns verdursten lassen?“

Du weißt gar nicht, was dich auf diese wahnwitzige Idee gebracht, mit deinem Ex-Freund auf Weihnachten anzustoßen, aber die Uhrzeiger kommen der 12 immer näher und du weißt, dass es gerade elf war, als er aus der Wohnung gestürmt war, die Tasche gepackt hatte und irgendwie erfüllt es dich mit einem angenehmen Gefühl, dass er hier, an Weihnachten, in der Küche ist und sich noch so auskennt, wie er es vor zwei Jahren tat.

Ihr setzt euch beide an eine Seite des Tisches und grob schraubt er die Flasche auf, auch seine Feinmotorik lässt nach, vielleicht ist es aber auch der Frust, der sich auf den Adern, die auf seinem Handrücken zu erkennen sind, abzeichnet, aber du glaubst, die Hälfte des Rum‘s geht daneben.

Du lachst.

Du bist Karkat Vantas.

Du hältst inne und deine Hände zittern, als du Dave lachen hörst. Es ist nicht zum ersten Mal am Abend, dass er lacht, aber das erste Mal seit langer Zeit, dass es dir gilt

Er nimmt dir die Flasche schon wieder weg und sein Lachen nimmt ab, als er sein eigenes Glas befüllt, aber nicht viel weniger verschüttet als du und doch ein selbstzufriedenes „So macht man das!“ von sich gibt.

„Wow“, du versuchst desinteressiert zu klingen, aber da schwingt eine schrille Unsicherheit in deiner Stimme mit. Während du, ohne auf ihn zu warten, von deinem Glas den ersten Schluck nimmst, es brennt und hinterlässt einen angenehm aufdringlichen Geschmack in deinem Mundraum, der wenigstens die Vanille des Eierpunsches vertreibt, schaffst du es über den Rand des Glases zum ersten Mal einen Blick auf ihn zu werfen.

Sein krauses Haar, an den Seiten getrimmt, scheint frisch blondiert zu sein, als du ihn zuletzt gesehen hattest, hatte der Haaransatz schon wieder eine rötliche Färbung übernommen, ehe sie ins dunkelbraune überging.
Im hellen Licht der Küchenlampe erkennst du aber auch die Sommersprossen, die im gedämmten Licht im Wohnzimmer auf der dunklen Haut kaum zu erkennen wären und die Lippen die trocken und rau wirken, wie immer.

Über den Rand seiner hinab gerutschten Sonnenbrille, meinst du seine roten Augen erkennen zu können, aber da hast du dein Glas schon wieder abgestellt und den Blick abgewandt.
„Also“, beginnt beginnt Dave, er hat noch immer keinen Schluck von seinem Rum genommen und es macht dich zornig; nervös und zornig.

„Bei mir gibt‘s nichts neues“, unterbrichst du ihn, deine Hände verkrampfen sich und er hält inne. So oder so ähnlich verliefen eure Gespräche früher schon. Es schmerzt, während auf seinen Lippen ein Lächeln erscheint, eines, als wollte er dir Mitleid zeigen, schmerzt es so sehr.

Endlich, nimmt er auch einen Schluck. Er verzieht sein Gesicht. Dieses Mal schenkst du ihm den Ansatz von dem, was ein mitleidiges Lächeln sein könnte. Vielleicht ist es aber auch nur eine abwertende Fratze.

Du bist Dave Strider.

Du willst nicht weiter nachfragen. Du willst, dass die Nacht endet und die nächsten Tage gleich mit ihr verschluckt, damit du dein Gegenüber nicht mehr sehen musst. Gleichzeitig möchtest, dass dir das, was dir hier vorgesetzt wird, nicht einfach wieder gehen lassen.

Beleidigt wie ein Kind, dessen Eltern sein altes Spielzeug verkaufen wollen, kämpfst du mit deinem Inneren. Es ist dir egal, dass du ihn nie wieder sehen wolltest, du willst ihn jetzt haben und nicht loslassen, wo ihr doch alles hattet, wenn nicht sogar mehr.

Es ist nicht der Geschmack des Alkohols, der dich auch beim zweiten Ansätzen das Gesicht verziehen lässt, sondern die Art, wie sich dein Herz zusammenzieht, während dein Hals brennt und du Tränen unterdrückst.

Nachdem ihr eine Weile in Schweigen den Blick des anderen Umgeht, stehst du auf. Du musst raus. Die Küche und der Pullover und die Musik ersticken dich sonst. Er sieht nicht auf, als du wortlos aus der Küche stürmst.

Du bist Karkat Vantas.

Endlich bist du ihn losgeworden. Du könntest heulen.
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