Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Learn To Trust Again

KurzgeschichteDrama, Familie / P16
Christopher Hermann Gabriela Dawson Kelly Severide Leslie Shay Matthew Casey Peter Mills
05.01.2017
13.04.2017
3
8.787
3
Alle Kapitel
5 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
05.01.2017 3.119
 
Hallo liebe Chicago Fire Fans :)

Dies ist meine erste Kurzgeschichte in dieser FF-Kategorie und ich habe die Serie erst Ende November 2016 für mich entdeckt. Vom ersten Moment an war ich völlig gefesselt und habe mir innerhalb von drei Wochen alle Folgen angesehen. So geflasht war ich schon lange nicht mehr und natürlich hat es mir Dawsey angetan ;)

Diese fünf Kapitel umfassende FF widme ich meiner lieben Kritikerin Sarah pünktlich zu ihrem 25. Geburtstag. Happy Birthday, du Rechtschreibungeheuer, ich hab dich lieb :*

Natürlich wünsche ich auch allen anderen viel Spaß und freue mich auf Euer Feedback :)


1. Kapitel: Ein Tag, der alles verändert

2 Jahre zuvor

Ein Blick auf die To Do Liste an meinem Kühlschrank brachte mich dazu meinen Kaffee auszuspucken. Verdammt, ärgerte ich mich und stellte die Tasse mit Schwung auf die Anrichte, wo sie umkippte und den Inhalt verschüttete.
„Verdammt, verdammt, verdammt“, fluchte ich und griff schnell nach einem Küchentuch. „Dafür habe ich doch keine Zeit.“
Schnell wischte ich das Gröbste weg, damit es nicht auf den Boden tropfte und alles verklebte, dann rannte ich zu meiner Jacke, tauschte meine Hauspantoffeln schnell gegen meine Lieblingssneakers und stürmte zur Haustür, an der Gott sei Dank meine Handtasche hing, die ich im vorbei gehen einfach schnappen konnte.
Auf dem Weg die Treppen runter biss ich mir gedanklich selbst in den Hintern, denn obwohl mein Badezimmerspiegel und der Kühlschrank mit Notizzetteln tapeziert waren, hatte ich Matt's Geburtstagsparty völlig vergessen. Ich sollte die Salate machen und Plastikbesteck und -teller besorgen. Außerdem – und das war das schlimmste – musste ich pünktlich vor neun Uhr bei Macy's sein, um sein Geschenk abzuholen, dass ich mir extra hatte zurück legen lassen. Leider war das nun der dritte Tag, den ich mit familiären Albernheiten verschwenden musste und die Verkäuferin hatte mir genau diese drei Tage als Reservierung zugesichert. Es war völlig albern, aber wenn ich es nicht schaffte, würde sich auch der Rest der Party für mich erledigen, denn es war einfach das perfekte Geschenk und ich wollte so sehr, dass Matt es von mir bekam, bevor er es sich selbst kaufte. Von den ganzen Handwerksmaterialien, die er benutzte, hatte ich nicht wirklich Ahnung, aber ich würde nie seine Begeisterung vergessen, als er verzückt über ein Prospekt saß und meinte: „Das darf doch nicht wahr sein, sie haben es wieder. Ich muss unbedingt dort hin, bevor wieder alles ausverkauft ist.“
Ohne zu zögern war ich in die Frauenumkleide verschwunden, rief bei Macy's an und ließ mir die Maschine zurück legen. Die nette Frau sagte sogar noch, dass sie nur noch eine auf Lager hatten. Ich fühlte mich glücklich und euphorisch und stellte mir vor, wie Matt sich freuen würde und ob er endlich merkte, dass ich mehr für ihn empfand als bloße Freundschaft.
Seit drei Jahren arbeiteten wir in der selben Schicht auf der Feuerwache 51. Er als Lieutenant auf der Drehleiter und ich als Rettungssanitäterin.
Schnell merkte ich, was für ein toller Mensch Matt Casey war und er imponierte mir. Seine Freundlichkeit und wie er mit seinen Kameraden umging, waren aufrichtig und jeder mochte ihn. Er war der stille Anführertyp, dem man gerne sein Leben anvertraute, der aber nicht gerne im Mittelpunkt stand. Er war ein erstklassiger Feuerwehrmann.
Leider war er in einer festen Beziehung. Mit einer Ärztin. So klischeehaft, dachte ich immer, dabei war ich nur eifersüchtig. So wie er Hallie immer anschaute und sie an sich drückte, war wundervoll und sanft. Ich stellte mir automatisch vor, dass man mit Matt Pferde stehlen konnte.
Privat trafen wir uns auch oft – zusammen mit den anderen von der Wache – und erlebten tolle Zeiten. Es war eine spaßige Truppe und ein Teil davon zu sein war etwas ganz besonderes.
Und weil ich wollte, dass Matt mich auch einmal so liebevoll ansah wie seine Freundin, musste ich nun wirklich Gas geben um es vor neun zu Macy's zu schaffen.

Der Verkehr war furchtbar, doch so kannte ich Chicago. Hier zu leben war gleichzeitig Geschenk und Fluch. Es war eine mittelschöne Stadt mit viel Historie, doch die ganzen Gangs und Banden verdarben den guten Kern vieler Menschen, die hier lebten. Ich erlebte es zu oft, dass wir zu Einsätzen gerufen wurden, bei denen unschuldige Personen verletzt behandelt werden mussten. Manche schafften es erst gar nicht lebend auf die Trage und das waren Momente, wo ich es hasste ein Teil dieser Stadt zu sein. Manche behaupteten Chicago wollte nicht gerettet werden, doch wenn man jeden Tag in die Einsatzkleidung schlüpfte, bekam man das alles ganz anders mit.
Außerdem war es ein großer Traum von mir einmal Feuerwehrfrau zu werden. Zu sehen, wie die Jungs jeden Tag in ihrer schweren Uniform ausrückten und in brennende Gebäude rannten um Leben zu retten, war der ultimative Gedanke, den ich mir auch vorstellen konnte. Rettungssanitäterin zu sein hatte natürlich seinen Reiz, aber irgendwie wollte ich noch so viel mehr aus meinem Leben machen.
Mit einem Bruder bei der Polizei lag uns diese Art von Service für Chicago in der Familie.

Als hätte Antonio geahnt, dass ich gerade an ihn dachte, klingelte mein Handy und sein persönlicher Klingelton brachte mich schon zum grinsen.
„Hey, Bruderherz“, flötete ich in den Hörer. „Ich bin gerade unterwegs zu Macy's um Matt's Geschenk abzuholen und habe nicht viel Zeit bis meine Schicht beginnt. Was gibt es denn?“
Ich hörte zuerst gar nichts und dann drang ein leichtes Röcheln an meine Ohren. „Gabby“, sagte Antonio so leise, das er kaum zu verstehen war. „Ashland Avenue, schnell“, röchelte er und im nächsten Moment war die Leitung tot.
„Antonio“, brüllte ich ins Handy, doch er antwortete nicht mehr. Ich wählte seine Nummer, doch direkt ging die Mailbox ran.
So schnell ich konnte setzte ich mich in Bewegung zur Ashland Avenue. Lange musste ich auch nicht suchen, denn vor mir war ein totales Verkehrschaos. Zwei Wagen steckten übel ineinander und überall auf der Straße lagen Autoteile verstreut. Es hatte weitere Karambolagen gegeben, doch in manchen Autos saßen schon keine Leute mehr.
Ich rannte zu den beiden Wagen rüber, die es am schlimmsten erwischt hatte und verschaffte mir einen Überblick. Im ersten Wagen saß ein älterer Mann. Als ich nach seinem Puls fühlte, konnte ich nur noch seinen Tod feststellen, also ging ich zum zweiten Wagen. Eine junge Frau schaute mich panisch an und ihre blutigen Lippen bewegten sich auf und ab, doch kein verständliches Wort verließ ihren Mund.
Ich griff nach meinem Handy und wählte den Notruf. „Gabby Dawson, Feuerwache 51, ich brauche Hilfe in der Ashland Avenue, ein Verkehrsunfall mit Massenkarambolage.“  Im nächsten Moment erstarrte ich und sah über das Autodach hinweg einen Mann mit einem Maschinengewehr laufen. Seine langen Haare verdeckten sein Gesicht und er ging zielstrebig auf einen Wagen zu, der in ein Schaufenster gefahren war. Es war Antonio's Auto, wurde mir bewusst und sofort rannte ich los, ohne nachzudenken.
„Antonio“, schrie ich und der bewaffnete Mann drehte sich zu mir um. Ohne Vorwarnung fing er an zu schießen und ich sprang schnell hinter einem Kleinbus in Deckung. Er schoss viermal hintereinander und ich kauerte mich zusammen.
Als ich wieder nachsah, wo der Mann war, wurde mir das Ausmaß seiner Gewalt bewusst. Der Mann und die Frau in dem Wagen, hinter dem ich mich versteckte, sanken beide in ihren Sitzen zusammen. Der Mann hatte einen gut sichtbaren Kopfschuss abbekommen, doch die Frau schaute zu mir und blinzelte. Aus einer Halswunde floss Blut und ich riss die Tür auf um ihr zu helfen.
„Shht“, sagte ich hektisch, voller Adrenalin. „Mein Name ist Gabby und ich werde ihnen helfen.“
Die Frau blinzelte erneut und wollte was sagen, doch das Blut floss noch schneller, also beeilte ich mich die Wunde abzudrücken.
Nur einen kleinen Augenblick schaute ich nach dem Schützen, der wieder bei Antonio's Wagen stand, dass ich in Panik geriet und nicht mehr in der Lage war klar zu denken.
Mein Bruder war in Gefahr, er saß in dem Wagen, der demoliert aussah und war wahrscheinlich verletzt. Und dieser kranke Irre mit dem Maschinengewehr hatte es auf ihn abgesehen!
Wenn ich es zuließ, dass der Mann meinen Bruder tötete, könnte ich mir das niemals verzeihen.
Ich griff nach der Hand der Frau und schaute sie flehend an. „Bitte drücken Sie das hier so feste Sie können auf ihre Wunde. Hilfe ist unterwegs.“
Ihre andere Hand streifte noch kurz meinen Arm, als ich mich von ihr löste und sofort zu meinem Bruder sprintete. Der Killer sah mich gar nicht kommen, also griff ich nach dem erstbesten – einem Teil eines Autodaches – und schlug mit aller Kraft zu. Das Gewehr ging los, als der Mann zu Boden ging, doch er verletzte niemanden.
So schnell ich konnte, rannte ich zur Fahrertür und mein Herz setzte aus.
Antonio war blutverschmiert. Sein Arm hing schief und er wurde eingequetscht. Ich versuchte die Tür aufzuziehen, doch irgendwas blockierte sie.
„Antonio“, brüllte ich und griff durch die zerschossene Scheibe nach seinem Gesicht. Eine Kugel steckte in seinem Hals und als er mich endlich wahrnahm, wurden seine Augen noch größer.
„Ga...bby“, brachte er gerade so hervor, bis sein Blick hektischer wurde.
„Shht“, sagte ich. „Bleib ganz ruhig sitzen, Hilfe kommt.“
„Ne...in“, protestierte er und ächzte auf, als er seinen Kopf drehen wollte.
„Antonio, bitte, bleib ganz ruhig. Der Schütze ist bewusstlos, ich habe ihn erwischt.“
Mit großer Willenskraft fasste er nach meiner Hand und schubste mich weg. „Geh. Zu... zweit.“
„Sie sind zu zweit?“, fragte ich, als ich aufschrie und in die Knie ging, was den Schmerz noch vergrößerte. Entsetzt sah ich, dass meine Kniescheibe vorne aus der zerfetzen und blutigen Hose raus ragte. Ich versuchte mich umzudrehen, doch meine Beine trugen mich nicht mehr und ich glitt an der Autotür herunter. Antonio, dachte ich, unfähig etwas zu sagen. Ich war ihm so nah und dennoch konnte ich nichts tun, um ihm zu helfen.
Ein Mann mit Sturmhaube und Maschinengewehr stand direkt über mir und schaute mich lange an. Heute würde ich also sterben... Ich würde Matt's Gesicht nicht mehr sehen, wenn er mein Geschenk öffnete. Ich würde Peter Mills nicht mehr sehen, der mir auch nach unserem Beziehungsende ein wertvoller Freund gewesen war. Auch Leslie Shay würde ich vermissen, genauso wie alle anderen der Wache. Meine zweite Familie. Und natürlich meine Eltern, die beide Kinder betrauern würden...
Ich wollte so gerne aufstehen und diesem Mistkerl aufrecht entgegen treten, doch mein Bein gehörte nicht mehr zu mir – es war nur noch zerfetzte Dekoration meines Körpers.
Der Mann mit der Sturmhaube beugte sich zu mir herunter und flüsterte: „Eigentlich schade, dass so ein hübsches Mädchen wie du auch draufgehen musst.“
Ich wollte ihn anspucken, treten, anschreien, doch mir fehlte jegliche Kraft.
„Gabby“, hörte ich die schwache Stimme meines Bruders, als der Angreifer aus meinem Sichtfeld verschwand. „Ich... liebe dich.“
Die Tränen tränkten meine Augen und das letzte Blinzeln meines Lebens, verschüttete Angst, Traurigkeit und Hilflosigkeit über meine Wangen. Noch nie zuvor fühlte ich mich so alleine, obwohl Antonio so nah war.
Ich wollte ihm antworten, doch meine Lippen brachten keinen Ton heraus.
Im nächsten Moment ging alles so verdammt schnell: Benzingeruch fraß sich in meine Nase und aktivierte die letzten Paniksensoren in meinem Gehirn. Ich musste hier weg, dachte ich noch, als ich mich schmerzerfüllt vornüber beugte und die Hände als Stütze nutzte. Antonio... Ich konnte ihn nicht alleine lassen...
Zwei starke Hände hoben mich hoch und für einen kurzen Moment konnte ich Antonio in seinem Auto sehen. Sein Kopf war zu mir gewandt und er... lächelte... Im Augenwinkel konnte ich die Flammen sehen, die sich bereits näher an ihn heran fraßen und meine Lunge nahm ihre letzte Kraft zusammen um nach ihm zu rufen. „Antoniooo, nein!“
Doch statt auf ihn zu, bewegte ich mich in der Luft von ihm weg. Mein Körper wurde unsanft durchgerüttelt und als ich runter sah, sah ich die Farben einer Feuerwehrjacke. Auf dem Kopf konnte ich noch lesen, wie die Person hieß, die mich von meinem Bruder forttrug: Lieutenant Casey.

Mein Körper wurde erneut bewegt und mein Blick richtete sich wieder auf den Wagen meines Bruders, der lichterloh in Flammen stand. Ich sah Feuerwehrleute mit ihren schweren Geräten weggehen und Hermann, der seinen Helm vom Kopf riss und mit einem wütenden Aufschrei wegschmiss.

„Gabby, hey, Gabby, hörst du mich?“
Matt's Gesicht war nur ein paar Zentimeter von meinem entfernt und er sah mich mit geweiteten Augen an. Seine Lippen bewegten sich unaufhörlich, doch ich konnte ihm nicht antworten.

Für mich vergingen gefühlte Stunden, bis meine rauen Lippen und mein staubtrockener Mund in der Lage waren Antonio's Namen zu rufen. Ich brüllte ihn immer und immer wieder, als neben Matt's Gesicht auch Leslie's auftauchte.
Sie hielt eine Spritze in der Hand und Matt redete immer weiter auf mich auf, ohne das ich ihm zuhörte. Ich wollte einfach nur zu meinem Bruder, ich musste ihm helfen, jemand musste ihn doch schon raus gezogen haben.
Ich suchte die Umgebung ab und vergaß meinen eigenen Schmerz. Doch ich konnte keine Sanitäter sehen, die mit einem Mann auf einer Trage beschäftigt waren. Alles, was ich sah, waren meine Freunde und Kollegen, die teilweise um mich herum standen und teilweise gegen die höher schlagenden Flammen kämpften.
Die Gewissheit raste in meinen Körper, als würde mich eine Säge zerreißen. Ich schrie und kämpfte mit aller Macht gegen die Hände, die mich versuchten still zu halten.
Im nächsten Moment wurden meinen Gliedmaßen müde und ich schaffte es nicht mehr mich zu wehren. Auch meine Gedanken dümpelten in einem leichten Nebel, der meine Augenlider niederdrückte und meinem Bewusstsein nur noch einen kleinen Moment ließ, meinem Kummer Worte zu verleihen.
„Das ist... eure... Schuld... Ihr habt... ihm... nicht geholfen...“


Heute

Nur langsam bewegten sich meine Füße vorwärts, als würden sie mich fragen, ob ich wirklich schon dazu bereit war. Mein Herz pochte so stark, dass mir wieder schlecht wurde und ich am liebsten meine Beine in die Hand genommen hätte um abzuhauen.
Die letzten Wochen waren ein einziger gedanklicher Ringkampf gewesen, in denen ich immer wieder sagte Ja, ich gehe – Nein, ich bin noch nicht bereit dazu.
Manchmal wünschte ich mir, dass es wirklich eine Uhr gab, mit der man die Zeit zurück drehen konnte um vergangene Ereignisse zu ändern. Wenn so etwas möglich war, dann wollte ich meinen Bruder zurück holen. Ohne seinen Tod hätte sich nicht so viel verändert und mich in dieses kleine kümmerliche Wesen verwandelt, dass ihre Freunde verachtete und für seine Mitmenschen unerträglich war.
Ich hatte nur Feuerwache 51 – meine zweite Familie und meine engsten Freunde. Doch vor zwei Jahren, an einem Tag im Oktober, den ich längst aus meinem Kalender gestrichen hatte, war dieses Band gerissen. Meine Schere der Wut, Verzweiflung und Schuldzuweisung hatte es zerstört. Ich war unfähig einen von ihnen zu sehen, auch wenn sie nie aufgaben und sich immer wieder bei meinen Eltern erkundigten, wie es mir ging. Wenn sie zu Besuch kamen, tat ich so, als sei ich nicht da und hasste sie immer mehr – auch wenn mir nach acht Monaten bewusst wurde, dass ich mich völlig falsch verhielt. Ich wusste, was die Feuerwehrmänner jeden Tag leisteten und auch ich selbst immer geleistet hatte. Manchmal gab es Tage, an denen schlimme Dinge passierten und wir verarbeiteten sie gemeinsam und gingen erneut in unseren Dienst, wo wir stets mit weiteren schlimmen Dingen rechnen mussten – doch wir waren bereit dazu, weil wir Menschen helfen wollten und schließlich nicht alles nur schlimm war. Dennoch fühlte sich dieser damalige Tag einfach anders an.

Ein langer Heilungsprozess, körperlich und seelisch, begleitete mich zwei Jahre lang und als ich bereit war darüber nachzudenken, wieso ich an diesem Tag nicht zusammen mit meinem Bruder gestorben war, tauchte das vertraute Gesicht von Matt auf, das immer wieder zwischen einem Lächeln und dem Schock wechselte, in welches ich an jenem Tag sehen musste.
Matt hatte mich gerettet. Meinen Körper einfach hochgehoben und von dem Wagen weggeschleppt, das kurz darauf in Flammen aufgegangen war. Einen Kollegen oder eine Kollegin zu retten, war nichts, was an jemandem spurlos vorbei ging und genau dieses Entsetzen trug auch Matt in seinen Augen. Es war ein Anblick, von dem ich oft träumte und der mich so oft dazu brachte nach dem Telefon zu greifen und ihn anzurufen. Ich wollte, dass er wusste, dass es mir gut ging – so gut es mir eben gehen konnte – und das er sich meinetwegen keine Sorgen machte. Doch der letzte Mut fehlte. Ich war ein Feigling, weil ich unfähig war mich für meine Anschuldigungen zu entschuldigen.
Bis jetzt.
Denn heute stand ich auf dem riesigen Vorplatz der Wache und spielte nervös mit meinem Pulloverärmel. Seit zwei Jahren war ich nicht mehr hier gewesen und hatte keinen weiteren Gedanken daran verschwendet.
Hier zu stehen und den selben Weg zu gehen, den ich bereits so oft gegangen war, fiel mir sehr schwer. Mein Bein war wieder voll belastbar, aber die Schuldgefühle meiner Seele drückten schwer...

Ich wusste nicht, ob ich stark genug war weiter zu laufen, also nahm ich tiefe beruhigende Atemzüge und schloss kurz die Augen. Zumindest dachte ich das es ein kurzer Moment gewesen war, denn als ich wieder auf die Halle schaute, standen dort mehrere Personen und schauten mich an.
Casey, Severide, Otis, Mills, Shay, Boden, Mouch, Hermann, Capp und Cruz standen nebeneinander und ihre Gesichter zeigten eine deutliche Freude, doch sie hielten sich zurück.
Bis ich einen weiteren Schritt auf sie zuging und Shay sich aus der Gruppe löste, auf mich zu rannte und ihre Arme um mich legte.
„Dawson, wir haben dich so sehr vermisst“, seufzte sie in mein Ohr und meine Gefühle überrollten mich.
Das hier war meine beste Freundin und dort standen meine Freunde. Ich war hierher gekommen, weil ich es endlich geschafft hatte mich aus meiner Selbstisolation zu lösen und sie unbedingt wieder sehen wollte.
Mit aller Kraft drückte ich Shay an mich und ließ meinen Tränen freien Lauf.
Ihre Hände strichen sanft über meinen Rücken und sie ließ mich keinen Moment los.
Auch die anderen kamen zu uns und ehe ich mich versehen konnte, lagen noch mehr Hände um mich herum und direkt neben mir umarmten uns Casey und Mills. Ich sah beide an und Mills küsste mich auf die Wange.
„Endlich, Gabby“, sagte er nur und legte seine Stirn ganz kurz gegen meine. Als mein Blick auf Casey's traf sagte ich die Worte, die mir schon seit Monaten auf dem Herzen lagen.
„Danke für alles.“
Ich sah, wie seine Augen zu glitzern begannen und küsste ihn auf die Wange. Seine Augen schlossen sich und die Träne löste sich, wo sie direkt auf meine Lippen traf.
Endlich war ich wieder bei meiner Familie.
Der bevorstehende Weg mochte noch schwer sein, doch ich war bereit...
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast