Paradise City

GeschichteRomanze, Fantasy / P16 Slash
Izaya Orihara Shizuo Heiwajima
05.01.2017
09.01.2017
2
4.029
1
Alle Kapitel
3 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 Datenschutzinfo
 
05.01.2017 1.450
 
Er spürte wie sein Herz zitterte.
Regungslos stand er einfach nur da, lauschte, seinen gesamten Körper angespannt.
Es war nicht das erste Mal, dass er von der zierlichen Gestalt in den Bann genommen wurde, sein Blick regelrecht an ihn geheftet war vor Faszination.
Er kannte die Person nicht, die vor ihm stand, und trotzdem suchte sie ihn immer wieder in seinen Träumen auf, raubte ihm die Sekunden seines Schlafes und fesselte ihn mit ihrer Schönheit.

Die kalten, roten Augen stachen sich wie Nadeln in seine Haut, ließen ihn beben und er spürte wie seine Atmung sich erhöhte.
Nur ein einziger seiner kühlen Blicke konnte schon solch eine starke Reaktion in ihm hervorrufen, wie wäre es dann erst, wenn er ihn berühren würde?
Die schneeweiße, beinahe schon kränklich aussehende Haut, die dennoch so makellos schien, in einem perfekten Kontrast zu den rabenschwarzen Haaren, die ihm schräg über den Augen hingen.
Er war unglaublich schlank, und jede einzelne Bewegung von ihm schien elegant wie die einer jungen Katze, die sich im Sonnenaufgang räkelte.
Doch seine Aura war wie ein zugefrorener See.
Sie schirmte alles von ihm ab, während seine eisigen und dennoch feuerroten Augen unablässig seine eigenen, bernsteinfarbenen ergründeten, sich geradezu hypnotisch in ihnen verfingen.

Shizuo hatte den Jungen noch kein einziges Mal reden gehört, aber er war sich sicher, dass seine Stimme einen unglaublich schönen, ruhigen Klang haben musste. Er stellte sich so oft vor, wie es wohl klang, wenn er seinen Namen aussprechen würde...
Ob er jemals die Chance haben würde, ihn aus seinem Mund zu hören?

Doch gleichzeitig fühlte es sich sehr kalt an, um nicht sogar eisig zu sagen, wenn er sich ihm näherte.
Wie oft sollte er noch hier stehen? Gefangen von dem Anblick des Jungen, dessen Namen er nicht kannte, und der nicht zu ihm sprach- jede Nacht aufs Neue.
Das konnte unmöglich sein Ziel sein.
Unwillkürlich machte er einen Schritt auf ihn zu und bemerkte, wie der Schwarzhaarige fragend seinen Kopf schief legte, doch davon ließ er sich nicht beirren, sonder tat den nächsten Schritt.
In knapp zwei Metern Entfernung blieb er wieder stehen.
Von nahem sah er noch schöner aus, sodass er mit den Augen unwillkürlich den Konturen seines Körpers folgte. Er konnte deutlich sehen, wie sich das Schlüsselbein von der weißen Haut abhob und einen sanften Schatten formte, bevor der Rest von dem dunklen Pullover verborgen wurde.
Er würde so gerne mehr über ihn wissen.
Was ging in dem Kopf dieses Jungen vor?
Warum traf er ihn immer wieder in seinen Träumen, so oft, dass er sogar tagsüber an ihn denken musste?

Er kannte auf keine seiner Fragen eine Antwort, doch er wollte es wissen. Er wollte alles wissen, ihn berühren und hören, was er über sich erzählen würde- woher er kam und wie sein Name war.
Sein Herz pochte noch immer in seinem Brustkorb und er spürte, wie seine Handflächen feucht wurden vor Aufregung, als er vorsichtig die Finger nach der Gestalt vor sich ausstreckte, um sie zu berühren, um sie mitzunehmen- in seine eigene, kleine Welt, die aus so wenig bestand, aber die er ihm dennoch um alles auf der Welt zeigen wollte.

Und sein Atem setzte aus, als der Junge es ihm gleich tat. Er hob den Arm und reckte ihm unsicher die Finger entgegen, als könne er die Distanz zwischen ihnen auf diese Weise übergehen.
Und das erste Mal, seit er begonnen hatte, ihn in seinen Träumen zu verfolgen, sah er ihn lächeln. Unsicher und zerbrechlich zogen sich die Mundwinkel nach oben, ohne den sonstigen Anflug seiner unnahbaren Gefühllosigkeit, sondern so verdammt menschlich, dass Shizuo spürte, wie ein Schwarm von Schmetterlingen in seinem Bauch explodierte, sich in seine Blutbahnen drängte und seinen Kopf für diesen einen, kurzen Moment komplett leerfegte.





„Izaya...“, hörte er sich leise in sein Kissen murmeln als er von seinem Traum erwachte. Schlaftrunken richtete er sich in seinem Bett auf uns sah zu dem Fenster, in welches bereits die ersten Sonnenstrahlen fielen, um ihn an der Nase zu kitzeln.
Er war definitiv kein Frühaufsteher.
Ohne groß darüber nachzudenken legte er sich wieder hin und kuschelte sich in seine helle Bettdecke, die ziemlich gut zu seiner restlichen, kargen Zimmerausstattung passte.

'Wieder nur ein Traum' Shizuo schloss seine Augen und versuchte vor seinem inneren Augen das Bild des Unbekannten wieder heraufzubeschwören, wollte am liebsten einfach weiter schlafen und nicht daran denken, wie seine alltägliche und graue Realität tatsächlich aussah.
Nichtsdestotrotz wurde es ihm nach einer gefühlten Ewigkeit zu langweilig, um stupide weiterhin den Tag zu verschlafen und das penetrante Licht ließ ebenfalls seine Bemühungen nicht locker, ihn aus seiner kleinen Kuschelhöhle zu vertreiben.
Also stand er seufzend auf, wechselte von seiner Schlafkleidung in eine Jeans und ein weißes Hemd und ging auf den kleinen Balkon seiner Einzimmerwohnung (welcher auch so ziemlich das einzig gute an dieser war).
Kühler Frühlingswind schlug ihm entgegen und er konnte regelrecht riechen, wie die frischen Blätter an den Bäumen sprossen.
Die Kälte wirkte belebend auf ihn und er sog sie tief in seine Lungen, woraufhin auch der letzte Rest seiner Müdigkeit verschwand.

Mit einer geübten Handbewegung nahm er sich eine Zigarette und zündete sie an.
Es war eine schlechte Angewohnheit und er mochte den Geschmack des Rauches nicht einmal im Vergleich zu seinem sonst eher süßen Speiseplan, aber er war so sehr daran gewöhnt, dass er letzten Endes immer wieder rauchte, ohne es selbst zu realisieren.
Er wusste gut genug, dass er die Art Mensch war, welche nicht einfach so mir nichts dir nichts aus Gewohnheiten heraus brechen konnte...
Ein leichter Anflug von Kummer überschattete kurz seine Augen, ehe er seinen Blick wieder auf die Menschenmasse unter sich richtete.

Plötzlich öffnete sein Mund sich leicht und seine goldenen Augen hefteten sich an eine Person, welche ohne Vorwarnung auf der Straße erschien.
'Nein, nein, das kann doch gar nicht sein...'
Instinktiv schüttelte er den Kopf, jedoch ohne den Blick auch nur eine einzige Sekunde abzuwenden.
Diese Gestalt hatte er schon viel zu oft gesehen, als dass er sie verwechseln konnte. Diese rabenschwarzen Haare und die eleganten Schritte, mit denen er sich bewegte...

Automatisch und ohne auch nur eine Chance zu bekommen, sich selbst zu stoppen rannte Shizuo aus der Wohnung, schnappte lediglich seinen Schlüssel und hechtete die Treppen herunter.
'Schneller!'
Seine Pupillen waren geweitet und seine Herz hatte für die nächsten Sekunden ausgesetzt, als er hinaus auf den Bürgersteig lief.
In seinem Kopf mahlte er sich jegliche Szenarien aus, während sich sein Puls immer weiter in die Höhe trieb.
Die Menschen um ihn herum starrten ihn verstohlen an, doch das war ihm egal. Es war ihm noch nie so egal gewesen wie in diesem Moment, als er endlich den schlanken Rücken entdeckte, versteckt unter der schwarzen, pelzigen Jacke, welche er sich schon so oft ausgemalt hatte.

Ohne über seine nächsten Schritte nachzudenken hastete er auf ihn zu, streckte seine Hand nach ihm aus um ihn nach all der Zeit endlich berühren zu können und schloss ihn in seine Arme. Tief vergrub er seine Nase in dem weichen Haar, sog den unglaublichen Duft ein, der geradezu berauschend auf ihn wirkte und drückte ihn fest an sich, als könnte er ihn jeden Moment wieder verlieren.
„Ich habe auf dich gewartet Shizuo.“ Lächelnd drehte sich der Schwarzhaarige in seinen Armen um und betrachtete ihn liebevoll aus den roten, unergründlichen Augen. „Und jetzt kann ich dich endlich sehen... Shizuo.“

„Shizuo... Shizuo...!“
Eine vertraute Hand packte ihn an der Schulter und schüttelte ihn, bis er wieder in der Realität angekommen war.
„Mensch, Shizuo, was ist denn mit dir los?“, fragte Tom vorwurfsvoll.
Der Blonde hatte die Situation noch immer nicht komplett erfasst, jedoch stand Tom, sein Arbeitgeber und einer seiner wenigen Freunde neben ihm und sah ihn hoffnungslos an.
Wie aus einer Trance erwacht blinzelte der Größere heftig.

„Huh?“ Sie standen mitten auf der Straße vor seiner Wohnung und er konnte deutlich sehen wie die Leute die an ihnen vorbeigingen lautstark tuschelten.
Ruckartig schnellte sein Kopf herum, aber der schlanke Rücken und die nachtschwarzen Haare waren nicht mehr zu sehen.
'Hab ich mir das nur eingebildet?'
Verwirrt schüttelte er seinen Kopf um die Gedanken frei zu bekommen und fuhr sich durch die blonden Haare.

„Entschuldige Tom, ich war wohl nicht ganz bei mir...“
„Ist schon okay. Aber das war schon echt ein seltsames Bild das du hier abgegeben hast. Ist wirklich alles in Ordnung?“ Die Sorge in der Stimme des Geldeintreibers war nicht zu überhören.
„Ja, alles bestens.“ 'Glaube ich.'

Ein letztes Mal ließ er den Blick über die Menschenmenge schweifen, ehe er seine Hoffnung aufgab und sich wieder seinem Gegenüber zu wand. „Ich geh noch einmal kurz hoch und mach mich fertig, dann können wir los.“



TBC
Review schreiben