Flucht voller Schrecken

GeschichteAbenteuer, Fantasy / P16
OC (Own Character)
05.01.2017
05.01.2017
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05.01.2017 2.293
 
Der Handlungsort dieser Geschichte ist das „Arcane Age“, und damit der Kontinent Faerun vor tausenden von Jahren. Die mächtigen Menschenreiche der Altvorderen sind schon lange genug untergegangen, um als Mythen und Sagen zu gelten, doch die Menschen haben noch keine neuen Königreiche. Durch die Zerstörung der Reiche ist die Welt in ein neues, dunkles Zeitalter gestürzt. Bis das nächste Reich aufsteigt, wird es vielleicht noch Jahrhunderte dauern.
Über den Kontinent verteilt leben die Menschen in verschiedenen Stadtstaaten, Freistaaten und Baronien zusammen. Außerhalb dieser Orte gibt es aber nur die Wildnis, die nicht bloß von Tieren, sondern auch von Monstern und Ungeheuern bewohnt wird.
Menschen, Elfen und Zwerge blieben vorher meistens unter sich, außer, um Handel zu treiben, doch inzwischen haben sich ihre Armeen verbündet, um gegen die brutalen Raubzüge der Drow vorzugehen, und diese ins Unterreich zu jagen.


Es war früher Abend. Ciara rannte durch den Wald, und sah sich immer wieder um, ob sie verfolgt wurde. Doch sie konnte keinen Verfolger sehen. Das junge Mädchen sah trotz der Dunkelheit gut. Sie kniete sich neben einem Bach und trank ein wenig Wasser. In dem Wasser spiegelte sich ihr Gesicht. Eigentlich sah sie ganz hübsch aus, für ein Mädchen von fünfzehn Jahren. Doch trotzdem würde sie in einer menschlichen Siedlung wahrscheinlich nicht willkommen sein.
Denn sie sah aus wie eine Dunkelelfe. Wie eine Drow.
Ciara hatte eine hochgewachsene und schlanke Gestalt, ebenso wie spitze Ohren und mandelförmige Augen. Auch ihre Haut war völlig schwarz, während im Kontrast dazu, ihre Haare vollkommen weiß waren. Besonders auffällig waren jedoch ihre bernsteinfarbenen Augen.
Sie trug einen dunkelgrünen Kapuzenmantel, welcher ihren Körper bedeckte. Die meisten Dunkelelfen, insbesondere die Frauen, kleideten sich reichlich enthüllend. Ciara hingegen nicht. Je weniger sie mit den Drow gemeinsam hatte, umso mehr gefiel es ihr. Denn auch wenn sie wie eine Drow aussah, war sie keine. Oder zumindest nur zur Hälfte. Ciara war eine Halbdrow.
Die meisten Drow verachteten die anderen Elfen, die Menschen, und auch alle anderen Völker. Ihre Truppen waren für viele, grausame Überfälle auf Siedlungen verantwortlich. Doch inzwischen wurden sie immer häufiger von den vereinten Armeen der Menschen, Elfen und Zwerge zurückgeschlagen. Offenbar wendete sich so langsam das Blatt.
Im Grunde war der Einfluss der Göttin Lolth dafür verantwortlich, dass die Drow so grausam waren. Nicht bloß gegenüber anderen Völkern, sondern auch und vor allem gegeneinander. In der Gesellschaft der Drow musste man böse sein. Wer gut war, hatte grundsätzlich einen schlechten Stand. Die Kultur war rücksichtslos und brutal, nur Drow mit Autorität waren wertvoll. Im Grunde bestand das Leben eines Drow aus wenig mehr, als an den ständigen Kampf gegeneinander, die Macht über andere zu haben, und Intrigen zu spinnen. Nur die Stärksten sollten überleben dürfen.
Schon Kinder wurden dazu aufgefordert, ihre Probleme mit Gewalt zu lösen, da man sie sonst für zu schwach halten würde. In diesem Fall würde man sie töten oder an die Göttin Lolth opfern. Doch besonders wenn man ein Junge war, hatte man e schwer, denn Männer waren in der Gesellschaft nicht viel wert.
Ciara wurde von den Dienerinnen ihrer Familie erzogen und ausgebildet, seitdem sie zehn Jahre alt gewesen war. Doch sie war von ihrer Familie bereits für zu schwach gehalten worden. Ciara wollte nach ihrem Herzen handeln, und nicht nach dem Willen Lolths. Sie hatte darum gebeten, einen Angriffstrupp auf eine Siedlung anführen zu dürfen, um zu beweisen, dass sie würdig war. Und ihre Familie hatte dem zugestimmt.
Doch sie hatte das Ziel das sie angreifen wollte, vorher gut ausgesucht. Es war keine Siedlung, sondern ein Heerlager. Und die Armee der Drow war zahlenmäßig weit unterlegen. Ciara war es gelungen, im Chaos der Kämpfe zu fliehen. Seitdem waren schon einige Monate vergangen.
Hohepriesterin Chadista, Ciaras Mutter, hatte ihr erzählt, dass sie das Kind eines Menschen sei. Ihr Vater sei ein mächtiger Magier gewesen, und die Hohepriesterin hatte gehofft, diese Macht in ihre Familie einzubringen. Doch da das Mädchen bislang keine besonderen Kräfte gezeigt hatte, außer den Fähigkeiten die jeder Drow besaß, hielt sie sie für schwach.
Ihre Mutter hatte Ciara dazu bewogen, sich als reine Drow auszugeben. Wenn die anderen Dunkelelfen erfahren würden, dass sie zur Hälfte ein Mensch war, würden sie sie töten, oder zumindest davonjagen. Denn schließlich hatte sie zur Hälfte das Blut einer für die Dunkelelfen minderwertigen Rasse in sich.
Ciara war geflohen, weil sie glaubte, dass die anderen Völker sie akzeptieren würden. Allerdings unterschieden sich Halbdrow äußerlich nicht nennenswert von reinen Drow. Allenfalls in ihrer Statur ähnelte sie eher einem menschlichen Mädchen. Für alle anderen Völker sah sie nur wie eine Drow aus. Sie gaben ihr nicht einmal die Chance sich zu beweisen, zu zeigen, dass sie anders war als die Drow. Doch Ciara war wild, wendig und selbstbewusst. Bis jetzt hatte sie unter den anderen Völkern überlebt.
Ciara hörte, dass sich etwas großes im Gebüsch bewegte. Sie sah sich um, doch sie konnte nichts erkennen. Und nur die Götter wussten, welche Kreaturen im nächtlichen Wald jagten, und für die ein junges Mädchen nur ein leckeres Essen war. Doch in weiter Ferne sah sie die Mauern einer Stadt. Wenn sie die noch erreichte, wäre sie zumindest vor den Tieren des Waldes in Sicherheit. Eilig lief das junge Mädchen los.
Es dauerte nicht lange, bis Ciara die Mauern erreicht hatte. Nun galt es, möglichst geschickt zu klettern. Sie wandte sich der Stadtmauer zu und tastete sich über jede Unebenheit, jeden Riss, und jede Lücke, die sie zum Klettern benutzen konnte. Langsam kam sie immer höher, bis sie schließlich den Wehrgang erreicht hatte, der auf den Mauern war.
Die junge Halbdrow schwang sich auf den Wehrgang und sah sich um. In einiger Entfernung waren zwei Wachleute, beides Menschen. Sie kamen langsam auf sie zu, hatten sie aber noch nicht erreicht. Ciara wunderte sich, eigentlich hätten sie sie längst sehen müssen. Aber vielleicht sahen Menschen bei Nacht auch nicht so gut wie Drow. Dennoch wollte sie es nicht riskieren, und unentdeckt bleiben.
Ciara hob eine Hand in die Luft und sagte: „Wolke der Dunkelheit!“
Dichter, schwarzer Nebel breitete sich aus, und hüllte alles in Dunkelheit. Nur sie konnte noch gut sehen.
„Was ist denn hier los?“ schimpfte plötzlich eine der Wachen.
„Wo ist das Licht der Fackeln?“ fragte die andere Wache.
Beide zogen ihre Schwerter und machten sich kampfbereit. Ciara sah sich um. Offenbar hatte ihre Aktion erst dazu geführt, dass die Menschen misstrauisch wurden. Jetzt galt es, eine gute Idee zu haben.
Ciara richtete ihre Hand auf einen etwas weiter entfernten Mauerabschnitt und rief: „Feenfeuer!“
Aus ihrer Hand schoss eine violette Kugel aus Licht, und heftete sich an die Mauer. Die beiden Wachen rannten sofort dorthin. Ciara lief in die andere Richtung. Sie war ihnen entkommen.
Und so sah das junge Mädchen nicht, dass gleich nach ihr eine Kreatur die Mauer erklommen hatte. Eine Kreatur, die sie schon lange verfolgt hatte, und im Wald beinahe erwischt hätte. Eine Kreatur, die die Absicht hatte, das junge Mädchen zu töten.
Die beiden Wachleute waren wieder zurückgekehrt. Sie konnten sich nicht erklären, was für ein seltsames Licht sie da gesehen hatten. Doch als sie ihre Fackeln hoben, sahen sie die abscheuliche Kreatur und schrien vor Entsetzen auf. Sie zogen ihre Schwerter und stürmten auf das Wesen zu. Doch es tötete sie beide mit nur einem Hieb seiner mächtigen Pranken.

Am nächsten Tag

Drei junge Männer saßen in einem Käfig. Sie sahen reichlich ängstlich aus, und das war auch nicht weiter verwunderlich, denn sie waren einer Sumpfvettel in die Falle gegangen. Doch noch wussten sie nicht, dass bereits Rettung unterwegs war. Denn zwei Freunde, die ungleicher nicht hätten sein können, versteckten sich im Gebüsch, und beobachteten die Situation.
Aiven und Sileas jagten schon seit einiger Zeit die Monster, die für Menschen und Elfen gefährlich werden konnten. Sie hatten es sich zur Aufgabe gemacht, Unschuldige zu beschützen, unabhängig davon, in welcher Gefahr sie waren. Und nach dieser Vettel hatten sie schon eine ganze Weile lang gesucht.
Aiven war ein Drachengeborener. Die Drachengeborenen waren ein uraltes Volk und hatten einst eine mächtige Zivilisation gehabt, doch nun waren sie in viele kleine Clans zersplittert. Und so wie viele Drachengeborene, war auch Aiven auf der Suche nach Abenteuer.
Mit einer Größe von beinahe zwei Metern, und einer muskulösen und schweren Gestalt, sah Aiven sehr eindrucksvoll aus. Seine Finger und Zehen endeten in langen Krallen, zudem hatte er auch einen Schwanz. Sein Gesicht war deutlich drachenartig, mit einer stumpfen Schnauze und hornartigen Schuppen. Er hatte auch goldfarbene Augen und eine bronzefarbene Schuppenhaut.
Sein Körper war von einer leichten Lederrüstung verhüllt. An seinem Gesicht konnte man nicht erkennen, wie alt er war, aber Aiven sagte stets, dass er zwanzig Jahre alt war.
Sileas hingegen war ein Mensch, und noch dazu eine Frau von achtzehn Jahren. Sie hatte lange, rote Haare und blaue Augen, allerdings auch eine, für ein Mädchen, eher kräftige und muskulöse Statur. Außerdem trug sie auch eine leichte Rüstung, welche eher hellbraun war. Solche leichten Rüstungen machten ihre Träger in einem Kampf sehr flexibel.
„Es sind drei Männer.“ stellte Sileas fest, „Ist es denn meistens nicht bloß ein Mann, der einer Vettel zum Opfer fällt?“
„Vielleicht hat sie vor, sie alle drei zu schänden, damit es gleich drei neue Vetteln gibt. Vielleicht sind Frauen aber auch einfach unersättlich, was gewisse Tätigkeiten anbelangt.“ redete Aiven.
Den letzten Satz hatte er etwas amüsiert ausgesprochen, sodass seine Freundin ihn leicht knuffte. Doch schon kam Bewegung in die drei jungen Männer im Käfig. Sie wichen ängstlich zurück, als die Sumpfvettel auftauchte. Sie lachte hämisch, und schien sich einen der drei jungen Männern auszusuchen. Das war für Aiven und Sileas das Zeichen, sich kampfbereit zu machen, und an die Vettel heranzuschleichen.
„Kämpfe mit mir, Vettel!“ schrie Aiven und sprang auf das Monster zu. Dabei zog er seine Waffe. Es war eine doppelseitige Streitaxt.
„Ein Drachengeborener wagt es, mich zu stören? Was fällt dir ein?“ schrie die Vettel.
„Ich bin hier, um deine Gefangenen zu befreien.“ antwortete Aiven.
Die Sumpfvettel streckte eine Hand aus, und schleuderte einen giftgrünen Blitz auf ihren Gegner ab. Doch der Treffer machte Aiven nichts aus. Drachengeborene waren immun gegen einfachere Zauber. Aiven öffnete sein Maul und spie einen Schwall Säure auf die Sumpfvettel. Doch sie wich aus. Der Halbdrache schlug mit seiner Streitaxt zu, doch wieder wich seine Gegnerin aus.
Doch plötzlich sackte sie zusammen und fiel zu Boden. Hinter ihr stand Sileas und hielt ein Messer in ihrer Hand. Messer waren Waffen, die nur tapfere, schnelle und kluge Kämpfer benutzten. Sie waren nicht so gefährlich wie Schwerter und hatten auch eine geringere Reichweite als diese. Doch man konnte sie gut verstecken, mit ihnen schnell Lücken in der Rüstung des Gegners erreichen, und sie im Kampf sogar werfen.
Einer der jungen Männer im Käfig sah die beiden Freunde neugierig an und fragte: „Wer seid ihr denn?“
„So wie es aussieht, diejenigen, die euch gerettet haben.“ meinte der Drachengeborene nur.

Einige Stunden später

Sie hatten die Männer befreit, und diese hatten sie zu ihrer Stadt geführt. Es war einer der vielen Stadtstaaten, in denen die Menschen meist unter sich blieben, und die überall auf Faerun verstreut waren.
Sileas mochte Städte nicht besonders. Sie liebte die Natur, denn sie bot einfach soviel Unbekanntes, soviel Ungezähmtes. Aber von Zeit zu Zeit, war es eben doch notwendig, Städte aufzusuchen. Sei es um sich neu einzukleiden, um neue Ausrüstung zu kaufen, oder einfach um die eigenen Nahrungsvorräte wieder aufzufüllen.
Die Familien der drei Männer hatten sie beide gut bezahlt. Aiven wäre vermutlich darauf eingegangen, dass sie die Männer nicht des Geldes wegen gerettet haben, doch Sileas hatte ihm kurz zuvor klargemacht, dass die Händler in dieser Stadt ihnen das was sie brauchten, vermutlich nicht schenken würden. Offenbar hatten Drachengeborene es irgendwie mit der Ehre.
Doch plötzlich hörten sie einen Aufruhr.

Assadar hielt sich in einer schmale Gasse versteckt. Er hatte das Mädchen schon beinahe eingeholt, da wurde sie von den Menschen hier entdeckt. Zuerst wollte er die Menschen töten, doch er hatte den Auftrag bekommen, kein Aufsehen zu erregen, da das Mädchen sonst im Chaos der Kämpfe würde fliehen können. Aber sobald er sie getötet hatte, konnte er soviele Menschen töten, wie er wollte, bevor er zu Hohepriesterin Chadista zurückkehrte.
Und das Mädchen das er töten sollte, war ihre Tochter. Eine Halbdrow, welche ihre Kultur abgelehnt hatte, und einfach geflohen war. Es war nicht schwer gewesen, ihre Spur zu verfolgen, dennoch hatte sie schon einen großen Vorsprung, sodass er sie lange verfolgen musste. Dass nämlich Assadar derjenige war, der den Auftrag bekommen hatte, zeigte, wie wichtig der Familie der Erfolg seiner Mission war. Assadar war nämlich ein Draegloth.
Als solcher war er über zwei Meter groß, und sah auf dem ersten Blick einem Drow ähnlich. Er hatte eine schwarze Haut, weißgelbe Haare und kräftige Muskeln. Zudem verfügte er über vier Arme. Zwei von ihnen waren groß und endeten in mächtigen Pranken, die beiden anderen waren jedoch von normaler Größe und endeten in normalen Händen. Auch sein Gesicht sah sehr bestialisch aus. Es ähnelte noch am ehesten einer Hundeschnauze die jedoch mit scharfen Zähnen bestückt war.
Ein Draegloth entstand durch die Vereinigung einer Priesterin Lolths mit einem Dämon. Für die Drow ist ein Draegloth ein besonderer Segen von Lolth. Wenn eine Familie einen Draegloth hatte, so war sie stark genug, um verfeindete Familien vernichten zu können. Und wenn dann ein Feldzug gegen eine feindliche Familie gestartet wurde, war der Draegloth an den Kämpfen im höchsten Maße beteiligt. Sie liebten es einfach, ihre Opfer zu töten, und zwar unbewaffnet, denn für einen Draegloth gab es nichts schöneres, als sein Opfer mit bloßen Krallen und Zähnen zu zerreißen. Sie waren absolut furchtlos, allerdings nicht besonders intelligent. Aber das mussten sie, als so mächtige Gegner, auch nicht sein.
Assadar zog sich tiefer in die Gasse zurück. Er würde die Spur dieser abtrünnigen Halbdrow ganz gewiss wieder aufnehmen.
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