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Meine kleine, verrückte Welt

Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Freundschaft / P12 / Gen
Andreas Schweiger Nils Egtermeyer OC (Own Character)
05.01.2017
12.10.2017
7
12.008
 
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05.01.2017 1.507
 
Der ganz normale Wahnsinn, aber wer genau ist Mr. X? Seid gespannt :)
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Eine halbe Stunde später trudelte ich im Roten Anker ein. Piet grinste breit. „Mein Mäuschen!“ „PIET! Hörst du wohl auf?“ Er trat hinter dem Tresen hervor, und zog mich in eine feste Umarmung. Er war wirklich ein Bild von einem Mann. Groß, muskulös, weizenblond, lustige blaue Augen, und einen Charme der den größten Eisblock zum Schmelzen bringen würde. Wie immer verursachte mir die Berührung weiche Knie. Piet grinste mich an. „Nils ist noch nicht da, er meinte, er würde sich um eine halbe Stunde verspäten-Basti ist wohl noch nicht aufgetaucht. Aber ich wüsste da ein Beschäftigungsprogramm?“  Ich zwinkerte dem smarten blonden zu. „Eure Spülmaschine ist wieder mal kaputt, richtig?“ „Nein, Mäuschen, die funktioniert prima.“ „Was…“ Er legte mir seinen Zeigefinger unters Kinn, und stahl sich einen Kuss von mir. „Piet Andersen, du wirst eines Tages mein Verderben sein“, schimpfte ich halbernst. „Das war der Plan“, raunte er, und beugte sich erneut über mich, um mich zu küssen. „Du bist verheiratet, schon vergessen?“ versuchte ich einen erneuten, etwas lahmen Einwand. Er murrte. „Wir leben in Scheidung, aber das hast DU wohl vergessen, Pia Henssler!“ Nun gab es kein Zurück mehr. Er schob mich in Richtung des Personalraums, aber nicht, ohne seinen Kollegen Ulf vorher instruiert zu haben, dass wir nicht gestört werden wollten. Der brünette grinste nur schmierig, und wünschte uns viel Spaß.
Den hätten wir auch gehabt,  wenn nicht gefühlte zehn Sekunden später Nils hereingeplatzt wäre. „UAH! So etwas will ich nie wieder sehen“, jammerte er. „Was platzt du hier auch rein?“ schimpfte Piet, der sich gerade sein Hemd wieder zuknöpfte. Ich zog mein Shirt zurecht, und musterte meinen besten Freund streng. „Die Kochprofis!“ „Was ist mit denen?“ „Ich bin der neue vierte Mann! Deswegen wollte ich auch mit dir feiern gehen, meine Knuddelente!“  Nun konnte ich nicht anders, als ihn zu umarmen. „Das freut mich so für dich! Immerhin war das ja dein großer Traum!“ „Mummy!“ krähte es da aus dem Gastraum. „Basti, du bist ja auch dabei? Hat Daddy dich dazu verdonnert?“ Der hübsche rotblonde Junge lachte los. „Unfug, der wollte erst gar nicht, dass ich mitkomme. Aber ich habe ihm versprochen, nur Cola zu trinken.“ Ich fuhr ihm liebevoll durch Haar. Er war tatsächlich in den Jahren so etwas wie mein Ziehsohn geworden. Zu Ella hatte er eher ein gespaltenes Verhältnis, und so nannte er mich Mummy und Ella war einfach nur Ella. „MUMMY! Ich habe eine halbe Stunde für meine Frisur gebraucht“, zeterte Basti, und Nils und ich brüllten wie auf ein geheimes Zeichen los vor Lachen. Mein Ziehsohn rümpfte nur die Nase.
Piet kam mit drei Bier und einer Cola um die Ecke.  Ich nahm einen großen Schluck von meinem, und seufzte tief auf.  „Und wann hast du deinen ersten Fall?“ „Übernächste Woche, in Oldenburg. Ich bin schon ganz hibbelig. Kannst du nicht mitkommen?“ „Frag doch Ella?“ Nils rümpfte seine Nase-ich liebte es, wenn er das tat, denn das gab ihm das Aussehen eines Schuljungen. „Läuft gerade nicht so“, brummte er. Basti kicherte. „Ella ist eine blöde Kuh, Daddy! Aber das weißt du!“  Piet griff unter dem Tisch nach meiner Hand. „Aufgeschoben, ist nicht aufgehoben!“
Ich drückte seine Hand, und lächelte. Allerdings klingelte gerade mein Handy. „Henssler?“  „Hey, meine Kleine, wie geht’s dir?“ posaunte ein Mann direkt los. Irgendwoher kannte ich diese Stimme. Das konnte nicht möglich sein! Immerhin hatten wir seit 10 Jahren keinen Kontakt mehr gehabt. „Bist du es wirklich?“ fragte ich daher verwundert. Ein dröhnendes Lachen war die Antwort. Er war es. „Wer sollte ich denn sonst sein?“ „Oh mein Gott! Ich freue mich so! Wie geht’s dir? Was machst du? All die Jahre!“  „Der Reihe nach. Mir geht es gut, ich koche nach wie vor, bin inzwischen verheiratet, habe 2 Töchter, Pia und Sophie, und bin nächstes Wochenende in Hamburg. Wäre da ein Date mit dir drin? Der alten Zeiten wegen?“ „Für dich habe ich immer Zeit, mein Lieber. Treffpunkt wie immer? Und dann will ich Fotos sehen!“ Wieder lachte er dröhnend. „Na klar, bis dann!“ Und schon hatte er das Gespräch beendet. Dieser Teufel! „Wer war das denn?“ fragte Nils neugierig. „Niemand“, wiegelte ich ab. Dieser Mann war schon immer mein Geheimnis gewesen.
Während meines Abschlusses (ja, ich hatte tatsächlich einen Beruf erlernt) hatte ich ihn bei einem Stadtbummel kennen gelernt. Es war Liebe auf den ersten Blick gewesen, zumindest von meiner Seite aus.  Und so hatte sich eine kurze, aber heftige Affäre entsponnen. Ich war damals zu wild gewesen-nicht bereit für etwas ernsthaftes, und er hatte mich mit Heiratsplänen und ähnlichem in die Flucht geschlagen.
Waren es wirklich schon zehn Jahre? Warum meldete er sich auf einmal jetzt? Ich hatte mir noch nie viel aus Beziehungen gemacht, und konnte noch keine wirklich ernsthafte vorweisen. Ich bevorzugte nach wie vor lockere Affären, und diese am liebsten mit verheirateten Männern. Die klebten einem wenigstens nicht alle Nase lang am Schuh. Nils fand meinen Lebenswandel immer fragwürdig.
Ich war eben einfach nicht der Typ für Haus, Hund, Kinder und Jägerzaun. In dieser Hinsicht kam ich total nach Steffen, mit dem ich  die Wohnung und meine Lebenseinstellung teilte. Bob und Jan waren die sesshaften in der Familie. Papa nannte Steffen und mich schon immer „Nomadenvolk“, weil wir uns derart weigerten, uns fest zu binden, dass er es schon mit der Angst zu tun bekam.
„Du verrätst uns nichts?“ fragte nun auch Piet, und ich meinte, Eifersucht in seiner Stimme mitklingen zu hören. „Nein, und damit hat es sich“, bestimmte ich unwirsch, und wandte mich meinem Ziehsohn zu, der mir die neuesten Geschichten aus der Schule erzählte.
Basti war ein kluger Kopf, und seit Ewigkeiten Klassenbester. Nur seinem Aussehen hatte er zu verdanken, dass er nicht gnadenlos gemobbt wurde. „Und was macht deine Projektarbeit, mein Schatz?“ „MUMMY! Nicht in der Öffentlichkeit“, stöhnte er.  Nils kicherte, und wir zeigten ihm synchron die Zunge.
Nach zwei Stunden verließen uns die Herren Egtermeyer wieder, da Nils der Meinung war, Basti müsse früh zu Bett (der wiederum war der Meinung, sein Vater würde senil-und das mit 33 Jahren!).
Ich saß noch am Tisch, und schaute hinaus auf das geschäftige Treiben des Hafens, den ich so liebte.
„Und, Frau Henssler? Versuchen wir zwei hübschen noch einmal unser Glück?“ brummte Piet. „Nein, ich sollte auch nach Hause. Morgen habe ich eine große Gruppe-Hafentour mit Rundfahrt auf der Elbe. Das wird schon stressig genug.“
Kaum hatte ich eine halbe Stunde später die Wohnungstür aufgeschlossen, hörte ich eindeutige Geräusche aus Steffens Zimmer. Och nö, dachte ich so bei mir. Konnte er seine wöchentlich wechselnden Mäuschen nicht woanders begatten? Dem würde ich die Tour versauen. Ich schnappte mir zwei Flaschen Bier aus dem Kühlschrank und polterte kurze Zeit später einfach herein. „Ich wusste nicht, dass du Besuch hast“, säuselte ich mit Unschuldsmine. Steffen brummte. „Siehst du doch! Was willst du denn?“ Ich zeigte ihm die Bierflaschen. Die sehr blonde und sehr geschminkte Gespielin meines Bruders musste fassungslos mit ansehen, wie ich mich auf das Bett setzte. Steffen ließ sie los, und zog mich an sich. „Na dann gib mal her, Prinzessin!“ „Prinzessin?“ echote Blondie. „Ups, ich habe mich noch gar nicht vorgestellt. Pia Henssler mein Name.“ Ich reichte Blondie die Hand, doch sie schaute mich nur an, als wäre ich eine Küchenschabe. Steffen hatte inzwischen die Flaschen geöffnet, und küsste mich auf den Mund. „Wenn ich gewusst hätte, dass du so früh wieder da bist….“ „Hättest du das Häschen trotzdem mitgenommen. Mit mir kann man es ja machen“, brummte ich gespielt beleidigt und begab mich samt meiner Flasche auf den Balkon. Kichernd schaute ich über Hamburgs Dächer. „Na Hensslerin, dem Bruder wieder mal die Tour vermasselt?“ tönte es da vom Nachbar-Balkon. „Der Herr Liebig! Klar habe ich dem die Tour vermasselt. Der soll das woanders machen, erinnert der sich nicht mehr an Becky?“
Marc, unser Nachbar schauderte ebenfalls. Becky war eines von Steffens Betthäschen gewesen, leider hatte sie sich zu einer extremen Stalkerin entwickelt. Da sie inzwischen ein Kontaktverbot hatte, war unser Leben wieder in ruhigen Fahrwassern.
Blondies Gezeter wurde hörbar. „Du hast mir nicht gesagt, dass du verheiratet bist, DU SCHWEIN!“ Wütend stapfte sie in Richtung der Tür. „Aber das ist meine….“ „Deine WAS? SO gut warst du jetzt auch nicht, du Nullnummer!“ „…meine Ehefrau, du hast recht. Wir führen eine offene Ehe, herrje. Musst du dich deswegen so anstellen?“ Oh ja, Steffen wusste, wie man mit Frauen sprach. Marc prustete los, und ich tat, als würde ich diese Diskussion überhören.  Unter weiterem Gekreisch verließ Blondie die Wohnung. „Und was macht die Liebe bei dir?“ fragte Marc scheinheilig. „Nichts, wie immer. Du weißt doch, ich glaube da nicht unbedingt dran. Und bei dir?“ „Alles beim alten. Maria geht mir mit der Hochzeitsplanung schrecklich auf die Nerven.“ Ich gluckste. Maria war mir eine gute Freundin geworden, aber auch mich verschonte sie nicht mit Strumpfbändern, Candy-Bars und Notfall-Sets. Das wäre mir alles schon viel zu blöd.
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