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Meine kleine, verrückte Welt

Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Freundschaft / P12 / Gen
Andreas Schweiger Nils Egtermeyer OC (Own Character)
05.01.2017
12.10.2017
7
12.008
 
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05.01.2017 1.144
 
Ich bin mit einer Kochprofis-Geschichte zurück! Okay, ich crosse leicht, und nehme Herrn Henssler dazu. Entstanden ist die Geschichte, bzw. die Idee dazu, aus einer Alberei mit Luischen heraus. Wie immer gilt das Zirpische Gesetz: Keine Bios, keine Tatsachenberichte, alles fiktiv :)
Und ganz wichtig: Meine OC's gehören alle mir! Wer sich einen davon für seine Geschichte ausleihen möchte, fragt mich bitte vorher, dann gibts auch das ja dazu. Wer sie einfach so verwendet, muss damit rechnen, dass die betreffende Geschichte gemeldet wird!
Aber jetzt geht's los!
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Schlecht gelaunt stapfte ich durch das winterliche Hamburg. Mein Chef hatte mir wieder einmal die Hölle heiß gemacht, wegen einer Nichtigkeit. Ich hasste ihn aus tiefstem Herzen und arbeitete eigentlich nur für ihn, weil die Bezahlung außerordentlich gut war. Manchmal glaubte ich, er hätte einen Gott-Komplex. Nein, eigentlich war ich sogar felsenfest davon überzeugt.  Aber nun gut, so etwas nannte man selbst gewähltes Schicksal. Mein Vater war damals ziemlich enttäuscht gewesen, weil ich, entgegen der Tradition unserer Familie nicht in der Gastronomie gelandet war, sondern mich dafür entschieden hatte, als schnöde Fremdenführerin zu arbeiten.
Leider hatte man mir damals nicht gesagt, dass der Leiter der Agentur ätzend war. Allerdings liefen schon Bewerbungen, immerhin gab es in Hamburg ja mehr als einen Anbieter für derlei Dinge.  Mein Hals brannte leicht, von den vielen Erklärungen, die ich den ganzen Tag über abgegeben hatte. Ich war für englisch- und italienisch sprachige Gruppen zuständig, selten durfte ich auf Deutsch referieren. Ich zog mir meine Mütze enger auf den Kopf, da der kalte Nordwind wieder einmal unerbittlich war, und vergrub mein Gesicht in meinem Schal. Er war das einzige, was mir von meiner Mutter noch geblieben war. Sie war vor 15 Jahren  verstorben, und ich vermisste sie immer noch schmerzlich.
So eingewickelt betrat ich das Restaurant meines großen Bruders, in dem auch mein Vater hinter dem Herd stand. Als der mich sah, kicherte er. „Mein Schatz, du siehst aus wie eine Mumie!“ „PAPA!“ schimpfte ich, was aber durch den Schal nur gedämpft wirkte. Er lachte nun schallend. „Setz dich, und iss. Du hast den ganzen Tag bestimmt nichts gehabt, Pia Henssler!“ Ich fügte mich, und ließ mich an meinen Lieblingstisch fallen. Kellner Sascha stand mit einem Glas Cola vor mir. „Du kannst hellsehen“, freute ich mich, während ich mich halbwegs aus meiner Jacke schälte. Er grinste. „Und du kommst wohl von einer Polar-Expedition?“ „Nein, aber wenn du stundenlang irgendwelche Touris durch Hamburg scheuchst, kühlst du aus.“ Mein Bruder Robert, den ich seit Kindertagen nur Bob nannte, kam angelaufen. „Kleine, wie oft noch? Hättest du was Anständiges gelernt!“ Ich schnaubte, und nahm einen Schluck von der Cola. „Habe ich doch. Was ihr immer zu meckern habt, wüsste ich gerne.“  Bob zog spielerisch an meinem Zopf. „Wir hätten dich eben gerne um uns, Kleine.“ „Nenn mich nicht immer so“, maulte ich, und angelte nach dem Teller, den Papa mir reichte. „Schon wieder Sushi? Kann ich nicht einmal was Anständiges bekommen?“  Bob kicherte. „Klar, das Sushi ist doch nur die Vorspeise. Papa meinte, aus dir müsse was werden, und deswegen bekommst du ein Steak!“ Ich atmete erleichtert aus, und wandte mich den Sushi-Röllchen zu. „Wo ist eigentlich Steffen? Schon wieder in Köln?“ fragte ich zwischen zwei Bissen. „Nein, heute ist er bei Jan und Merle im ONO.“ Ich hatte ernsthaft 3 große Brüder, die mich alle behüteten wie der Drache sein goldenes Vlies. Gut, das hatte auch seine Vorzüge, aber oft nervte es einfach.
Meine Schwägerin Merle, Jans Frau, war hingegen auf meiner Rangliste sehr weit unten, so dass ich das ONO nur im Notfall betrat. Sie war eine Barbie wie aus dem Lehrbuch, und dass sie genug Gehirnzellen hatte, um die Ausbildung zur Restaurantfachfrau erfolgreich abgeschlossen zu haben, bezweifelte ich bis heute. Es war allgemein nicht einfach, das jüngste Kind einer Koch-Dynastie zu sein, und noch dazu unbegabt.
Sascha zwinkerte mir zu, während er mir das Steak servierte. Da riss mich jedoch mein Handy aus der Stille. „Ja?“ „Pia, endlich erreiche ich dich mal! Wo treibst du dich denn nur wieder herum?“ scholl mir viel zu hektisch und überdreht wie immer die Stimme meines besten Freundes entgegen. „Ich bin bei Papa und Bob. Nahrungsaufnahme und so.“ Er lachte sein geradezu weibisches Lachen.  „Was willst du überhaupt?“fragte ich ihn neugierig. „Mit meiner kleinen Knuddelente ein Bier trinken gehen.“ „NILS!“ quietschte ich. „Nenn mich nicht immer so! Was sagt überhaupt Ella zu dem Bier-Plan?“ Wieder das für ihn typische Lachen. „Die ist mit Julia unterwegs, und wollte ernsthaft, dass ich da mitkomme. Du weißt, wie sehr ich Julia hasse?“ „Ja, und ich verstehe es nicht, sie ist doch eigentlich ganz lustig?“ Ich mochte die rothaarige Julia eigentlich, sie hatte einen prima Humor, und wie ich eine Vorliebe für gutes Essen. Was in meinem Falle meinen kochenden, besten Freund erklären würde. „Okay, kommst du ins Henssler & Henssler? Oder treffen wir uns bei Piet im „Roten Anker?“
Der rote Anker war so ziemlich die abgerockteste Kneipe in ganz Hamburg, versteckt im großen Hafenareal, und normalerweise meilenweit unter Nils‘ Niveau, aber Piet war zu so etwas wie unserem Dritten im Bunde geworden, und wenn wir Zeit hatten, besuchten wir ihn gerne auf einen Schnack. Leider hatte Nils wenig Zeit, und seine Freundin Ella war noch nie wirklich begeistert davon gewesen, dass wir beste Freunde waren. Ich liebte Nils jedoch wie einen Bruder, und war so etwas wie die Ersatzmutter für seinen Sohn aus einer früheren Beziehung, den inzwischen 15-jährigen Sebastian. Damals gab es ein riesiges Theater, als der gerade 18 Jahre alte Nils seinen Eltern verkündet hatte, dass er Papa würde, doch inzwischen liebten sie Basti abgöttisch. Seine Mutter, Nele, hatte sich direkt vor der Verantwortung gedrückt, und so wuchs der quirlige, erdbeerblonde Junge bei seinem Vater auf-nur wenn dieser beruflich unterwegs war, wohnte er bei mir. „Roter Anker“, meinte Nils. „Wie geht es eigentlich meinem Knödel?“ „Der ist derart in der Pubertät! Dauernd darf ich mir anhören, wie peinlich ich bin!“ „Durfte ich neulich auch, als wir Eis essen waren. Mach dir nichts daraus. Bis später dann!“ Ich legte auf, und widmete mich wieder meinem Steak. Papas Augen taxierten mich. „Nils ist ein Taugenichts“, brummte er. „Und mein bester Freund!“ Plötzlich wurden die anderen Gäste im Lokal unruhig. Ich drehte mich nicht um, denn das konnte nur bedeuten, dass mein berühmter Bruder gerade herein gekommen war.  Und richtig, kurz darauf beugte er sich zu mir, und angelte nach einer der Fritten auf meinem Teller. „Nimm die Pfoten weg, du Arsch!“ brummte ich, ließ mich dann aber herzlich von ihm in den Arm nehmen. „Sei nicht immer so zu mir, Kleine“, meinte er mit seinem typischen Grinsen im Gesicht. „Ach Stef, du weißt, dass ich dich lieb habe“, nuschelte ich, etwas besänftigter. „Ich dich doch auch, kleines Monster.“
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