Worauf wartest du dann noch?

GeschichteRomanze / P6
Dr. Cal Lightman Dr. Gillian Foster
04.01.2017
04.01.2017
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04.01.2017 1.060
 
Hey!
Wenn ich mitten in der Nacht auf die Idee komme, eine Geschichte zu schreiben, kann ich nicht versprechen, dass etwas Gutes dabei herauskommt. Aber es war mir ein Bedürfnis, meine Gedanken zu Gil und Cal nieder zu schreiben. Ich hab seit Jahren wieder mehr oder weniger zufällig angefangen "Lie to me" von vorne durchzuschauen und ich hab wieder einmal gemerkt, wie sehr ich die Serie liebe!
Genug geschwafelt... viel Spaß beim Lesen :)



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Worauf wartest du dann noch?


„Was hast du denn bei mir erwartet? Hm, Schatz?“ Er benutzte dieses eine, kleine Wort in letzter Zeit häufiger, unbewusst, aber es war wie ein inneres Bedürfnis sie so zu nennen. Eines dieser Bedürfnisse, auf die Cal schon lange nicht mehr hörte. Sie stören bei seiner Arbeit, verdecken die Sicht auf die reine, klare Wissenschaft – neben Emily alles, wofür er seit langem lebte. Ein bisschen Ruhm hier, eine alte Rechnung begleichen dort, nebenbei Vater, Ex-Mann, bester Freund. Wenn er länger darüber nachdenken würde, würde ihm bestimmt noch mehr Rollen einfallen, denen er mehr oder weniger erfolgreich nacheiferte.

Doch als sie anrief, war er sofort da. Es war furchtbar gewesen, zu sehen, wie ihr der Boden unter den Füßen weggezogen wurde, weil eine ihrer ehemaligen Patientinnen ermordet wurde. Und eigentlich war sie für Gillian viel mehr als nur eine Patientin. Auch wenn er mit der Zeit feststellen musste, dass sie tatsächlich außerordentlich gut lügen konnte, wenn man es von ihr verlangte, änderte sich eins nie: Gillians tiefe Bindungen zu allmöglich Leuten. Ihre Emotionalität war zwar das Gegenstück zum vorpreschenden Cal Lightman und hatte schon so einigem Fall die finale Wendung verpasst, aber es stand ihr auch allzu oft im Weg. Machte alles noch viel schlimmer. So wie diesmal. Doch jetzt hatte er sie im Arm, vergrub seinen Mund in ihren Haaren und es erweckte den Anschein, dass alles doch nicht so schlimm sei, dass die Welt doch noch ein klein wenig in Ordnung war und für den Moment aufhörte, sich so schnell zu drehen, wie sie es sonst immer tat.

„Ich war jung und naiv, ich dachte, du seist wie jeder andere…“, sie drehte ihren Kopf und er sah, wie sie endlich wieder lächelte. Nicht nur ihr Mund, nein ihre Augen bekamen diesen Glanz zurück, dieses unbändige, ansteckende Funkeln, das er so sehr liebte. Er blickte sie einfach an, konnte seine Augen nicht von den ihren fortreißen und wahrscheinlich war es gut, dass Foster seine Blicke kannte, gewohnt war und deshalb nicht nachfragte. Er lächelte, strich mit seinem Zeigefinger über ihre Wange und sie kuschelte sich wieder an seine Schulter. Dann erzählte sie weiter, lachte zum tausendsten Mal über die immer gleichen Stellen in einer Geschichte, die er schon in und auswendig kannte, weil er sie so gerne von ihr hörte und nicht zuletzt weil er diese Geschichte selbst mitgeschrieben hatte: Vor 7 Jahren, als er, Dr Cal Lightman, seine erste Sitzung bei Dr Gillian Foster, Psychologin im Pentagon, hatte und schließlich die „Lightman-Group“ gründetet, die heute wie ein Zuhause für sie beide war.

Es war spät und schon lange dunkel, als sie aufbrachen. Es war eine lange Umarmung und er hätte schwören können, das Tränen in ihren Augen glitzerten. Hatte sie Angst allein nach Hause zu fahren? Was würde sie an diesem angebrochenen Abend noch tun? Vielleicht wünschte sie sich auch ein kleines bisschen, dass er fragen würde ob er mitkommen sollte, oder ob sie mit zu ihm kommen würde. Hauptsache sie war nicht allein. Hauptsache sie war bei Cal?

Er musste los, hatte noch ein Termin im Gefängnis gemacht. Wer Gillian so etwas antat musste bestraft werden und dieses Mal hatte er die Mittel dafür. Und er würde jede einzelne Karte seines Trumpfes ausspielen. Quälend langsam. Manchmal konnte er ein Monster sein.

Zuhause war er nur ein Vollidiot, manchmal, aber Emily und ihn verband etwas tiefes, etwas das über eine bloße Vater-Tochter Beziehung hinausgeht. Sie verstand ihn, auch wenn das, und das musste er selbst zugeben, nicht immer ganz einfach war. „Teenager sind auch nicht immer leicht zu verstehen“, gab er dann nur als Antwort und alles war gut zwischen ihnen. Auch heute stellte sie keine Fragen, was  er so lange getan hatte, auch wenn sie seinen Gefängnisbesuch spürte. Sie schenkte ihm einen Alltag, der abseits der ganzen Lügen und Morde lag, die jeden Tag auf ihn warteten. Sie schenkte ihnen beiden ein Zuhause und das war mehr, als er jemals geben könnte.

„Ich hab ne Frage: Gillian, liebst du sie?“ Er hasste es, wenn er anfing seine Tochter zu lesen, mindestens genauso sehr wie sie es hasste, aber er sah, dass es ihr schon länger auf dem Herzen lag und sie sich durchringne musste, diese Frage zu stellen. Ging das über diese unbenannte Grenze zwischen ihnen beiden hinaus? Gillian und Emily verband von Anfang an ein starkes Band, Gil sah wie sie aufwuchs und stand ihr zur Seite, wenn ihre Mutter wieder einmal zu oft ihre Klienten an erste Stelle setzte. Dieses tiefe Vertrauen hatte er sich schon so oft gewünscht.

„Natürlich, Schatz, natürlich liebe ich sie.“ Er würde es nicht zugeben, aber er musste unweigerlich an sie denken. Und es war gar nicht so leicht sie sich wieder aus dem Kopf zu schlagen.

„Nein, ich meine: Liebst du sie richtig?“ Sein Blick glitt langsam zu Boden. Das war eine verdammt gute Frage. Eine Frage vor der er sich insgeheim schon lange versteckte. Seine ganzen Frauengeschichten, waren sie nur Ablenkung? Wollte er sie damit nur eifersüchtig machen? Er hätte wissen müssen, dass das bei ihr nicht funktionierte. Sie hätte ihn lieber jemanden x-Beliebigen heiraten lassen, Hauptsache er wäre glücklich gewesen, ganz egal, wie es ihr dabei gegangen wäre. Er kann manchmal so ein Idiot sein!

„Ja.“ Wahrscheinlich war das eine der ehrlichsten Antworten die er je gegeben hatte. Ohne Wissenschaft, ohne Gesichterlesen und garantiert das Gegenteil von Lüge.

„Worauf wartest du dann noch?“

„Tja Schatz, darauf habe ich keine Antwort.“ Und er wusste es wirklich nicht. Der wortgewandte, überhebliche und ständig plappernde Cal Lightman hatte keine Ahnung wie es nun weitergehen würde. Ob es weitergehen würde.

Aber vielleicht war der wichtigste Schritt schon getan: Er hatte endlich eingesehen, dass er sich in seine beste Freundin verliebt hatte. Nein, er liebte diese einzigartige, fürsorgliche und überaus gutaussehende Frau und das nicht erste seit gestern.

Sich das einzugestehen war wohl der größte und schwerste Schritt.
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