Universe & U

von EJ-James
GeschichteDrama, Romanze / P18
Jared Leto OC (Own Character) Shannon Leto
03.01.2017
03.01.2017
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"Es liegt an uns,
einen Tag zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang,
wunderschön zu machen…"




„Gibt es etwas von da oben zu sehen, das man von hier unten nicht sieht?“

Frankie wand den Kopf in die Richtung aus der die Stimme zu kommen schien und lächelte von oben herab.

„Das Meer!“, rief sie lachend und legte das Buch aus ihrer Hand.

„Das sieht von hier unten auch nicht anders aus.“, antwortete er und musterte sie aus zwei forschenden blauen Augen.

„Wollen wir wetten, das es von hier oben ganz anders aussieht, als von dort unten?“, fragte sie verschmitzt. Das ließ er sich nicht zwei Mal sagen und kletterte elegant zu ihr auf den Felsvorsprung, auf dem sie seit ein paar Stunden saß. Dann ließ er sich neben sie nieder und blickte in dieselbe Richtung wie Frankie.

Als Jared sich an diesem Morgen entschieden hatte, nach langer Zeit wieder einmal surfen zu gehen, war sie ihm sofort aufgefallen. Sie hatte schon bewegungslos da oben gesessen als er mit seinem Board ins Wasser gegangen war und als er wieder heraus gekommen war, hatte sie in der gleichen Position verharrt, noch immer dort gesessen. Sein natürlicher Drang hatte ihn sie beobachten lassen und wie immer, war die Neugier größer gewesen, als das er sich hätte noch länger zurück halten können. Vielleicht verpasste er wirklich etwas, was nur sie von dort oben sehen konnte?

Aber das würde er erst wissen, wenn er es mit eigenen Augen gesehen hatte. Also hatte er sie kurzerhand einfach angesprochen. Das sie zudem auch noch ausgesprochen hübsch war, war ihm erst aufgefallen, als ihn zwei grüne Augen vorwitzig anblitzten. Jetzt, wo er hier oben neben ihr saß, war ihm klar, warum sie sich nicht vom Fleck bewegt hatte. Die Aussicht war wirklich eine ganz andere.

„Wenn man im Meer schwimmt, sieht es noch mal anders aus…“, murmelte er mehr zu sich selbst, doch Frankie antwortete trotzdem prompt darauf.

„Ich gehe nicht ins Meer!“

Zum ersten Mal betrachtete Jared sie eingehend. Sie hatte ein fein geschnittenes, von der Sonne leicht gebräuntes Gesicht. Und er konnte einzelne kleine Sommersprossen erkennen, was er irgendwie niedlich fand. Ihr Haar dagegen war rabenschwarz – fast so wie Shannons fiel ihm dabei ein, doch ihres schien noch dunkler zu sein. Am auffälligsten waren jedoch ihre Augen. Grüne Augen hatte er schon mehr als einmal gesehen, aber diese erinnerten ihn spontan, an Irland. Die Farbe war satt und dunkel und die Form ihrer Augen war schon faszinierend symmetrisch. Alles in allem strahlte sie etwas Natürliches, Lebensfrohes und offenes aus und das gefiel ihm auf Anhieb.

„Warum schwimmt man nicht im Meer?“, fragte er sie und Frankie musterte ihn nun eingehend, bevor sie darauf antwortete.  

Das Erste was ihr an ihm aufgefallen war, waren die sehr weichen, feinen Gesichtszüge, die nicht so ganz zu dem recht markanten Kinn passten. Kurzes, braunes Haar und große blaue Augen, die sie eingehend und neugierig musterten. Fast schon ein wenig anstarrten. Er war älter als er auf den ersten Blick aussah, schon allein die kleinen grauen Härchen in seinem stoppeligen Gesicht hätten ihr das verraten, aber es waren mehr, die kleinen Fältchen um die Augen. Diese waren zugegebenermaßen sehr schön, aber irgendwo auch ein wenig verwirrend. Sie legte den Kopf schief und überlegte kurz. Dann ließ sie den Blick schweifen. Wie sollte man jemandem erklären, der offensichtlich wenig Scheu vor irgendetwas besaß, warum man nicht im Meer schwimmen ging?

„Ich schätze, es liegt daran, dass ich nicht weiß was sich unter mir befindet!“, antwortete sie dann einfach und drehte den Kopf wieder in seine Richtung, um ihn anzusehen.

„Fische, Sand, Wasser, Algen, Muscheln…“

Frankie lachte und warf dabei den Kopf in den Nacken. „Das glauben Sie, aber wissen Sie es auch wirklich?“

„Das heißt, irgendwann, wenn Sie sich stark genug fühlen, werden Sie im Meer schwimmen“, fasste Jared zusammen und Frankie nickte lächelnd.

„Ja irgendwann…bald…aber noch sitze ich lieber hier und beobachte.“

Sein Blick fiel auf das Buch zu ihren Füßen und er fuhr über den ledernen Einband, als er fragte:

„Und das?“

Frankie sah ebenfalls darauf hinab und zuckte mit den Schultern.

„Man könnte es als eine Art 'Tagebuch' bezeichnen oder vielleicht eher als 'Reisetagebuch'…“

Eine Weile saßen sie schweigend nebeneinander. Frankie hatte auf ihren zahlreichen Stopps eine Menge Menschen kennen gelernt, aber niemanden, der sie in dieser Art und Weise 'berührte'. Es war merkwürdig dieses Wort zu verwenden, aber in ihren Gedanken, fiel ihr kein besseres Wort dafür ein. Sie fühlte sich auf eine seltsame Art und  Weise verstanden. Die meisten Menschen hatten sie ungläubig angestarrt, wenn sie ihre Geschichte erzählt hatte. Manche hatten sie ausgelacht, wieder andere hatten sie für eine Spinnerin oder Verrückte gehalten, aber all das hatte Frankie nie davon abgehalten, ihrem Ziel zu folgen. Jetzt allerdings fühlte sie sich einfach anerkannt und das war vielleicht das Merkwürdigste daran.

„Jared!“, sagte er plötzlich und hielt ihr seine Hand hin. Frankie erwiderte das Lächeln und ergriff die Hand, die erstaunlich warm und weich war.

„Frankie!“, gab sie zurück und wartete auf die obligatorische Nachfrage, die diesmal jedoch ausblieb. „Von Francis“, fügte sie deshalb etwas verwirrt hinzu und erntete ein wissendes Grinsend. „Es ist nur, das die meisten Menschen ziemlich blöd schauen, wenn sie meinen Namen hören und…“ Jetzt lachte Jared laut und hielt dabei noch immer ihre Hand fest.

„Sorry, aber ich hatte dich wirklich nicht für jemanden gehalten, der sich darum schert, was andere über deinen Namen denken. Deswegen musste ich gerade lachen.“, begründete er dann und entlockte ihr damit ein sanftes Lächeln. Er wusste, dass sie es nur erklärt hatte, weil er nicht nachgefragt hatte. Anscheinend war es einfach 'Francis' oder 'Frankie' aus dem Konzept zu bringen.

„Wir kümmern uns viel zu wenig um einander“, gab Frankie leise von sich, entzog ihm ihre Hand und sah wieder hinaus auf das Meer. Das war eine ziemlich bittere Aussage, für jemanden der offensichtlich noch viel zu jung für soviel Zynismus war. „Wir geben vor, etwas zu sein, was wir nicht sind. Wir belügen uns selber jeden Tag und stecken unsere Nase lieber in die Angelegenheiten anderer, anstatt sich mit den eigenen Problemen zu beschäftigen.“ Frankie holte tief Luft und ihm direkt in die Augen, die sie ein wenig verständnislos und zugleich erstaunt ansahen.

Nachdenklich betrachtete Jared sie. Jedes Wort war ernst gemeint und er fühlte sich davon seltsam angezogen. Wenn er in sich hinein horchte, dann waren Frankies Aussagen im Grunde dieselben wie seine Gedanken. Er war überrascht, das er anscheinend doch nicht der Einzige Mensch auf der Welt zu sein schien, der sich zu viele Gedanken machte – jedenfalls wenn es nach der Meinung seines Bruders ging.

„Normalerweise bekomme ich jetzt den Satz: 'Frankie, hör auf zu träumen, du wirst die Welt nicht ändern können. Kümmere dich lieber um deine Zukunft!' zu hören.“, erwiderte sie seufzend in die Stille hinein und Jared blickte sie von der Seite forschend an.

„Niemand hat das Recht dir deine Träume zu verbieten und wenn man dir sagt, das sie nicht wahr werden, dann kämpfe um so härter darum. Wichtig ist, das du an das glaubst, was du tust.“, sagte er eindringlich und zum zweiten Mal an diesem Tage fühlte sich Frankie 'berührt' von einem völlig fremden Menschen.

„Ich glaube daran…ich meine, das was ich die letzten Monate erlebt habe; das was ich gesehen habe…“, sie zuckte mit den Achseln und suchte nach den richtigen Worten. „Da draußen gibt es so viele wunderschöne Dinge und ich begreife einfach nicht, warum die Menschen davor die Augen verschließen“

„Weil es ihnen Angst macht.“, antwortete Jared einfach und Frankie sah ihm unverwandt in die Augen. Ihr wurde klar, das er genau wusste wovon er sprach. Das auch er 'anders' war.

„Was ist dein Ziel, Frankie?“

„Einmal die Welt umreist zu haben!“, antwortete sie schlicht und dabei glänzten ihre Augen. Sie funkelten, wie tausend kleine Smaragde.  

„Die ganze Welt? Warum nicht erst einmal Europa?“

„Weil ich alles sehen will, Jared, ich mache keine halben Sachen. Außerdem war ich schon in Europa!“, erneut antwortete sie prompt und er kam nicht umhin darüber zu lächeln.

Ganz offensichtlich hatte sich da jemand sehr wohl Gedanken gemacht. Aber so war es oft im Leben, das was die Menschen nicht verstanden, taten sie als 'Spinnerei' ab. Jared streckte sich neben ihr. Es wurde Zeit für ihn, so sehr er diese Unterhaltung auch genossen hatte, aber er hatte das Gefühl, das sie lieber wieder alleine wäre.

„Nun, Frankie-wie-auch-immer-dein-Nachname lautet, ich denke, dir wird die Welt gefallen!“

Dann erhob er sich und sie grinste zu ihm hinauf.

„Und das denkt Jared…weil?“, fragte sie dann und er ließ den Blick schweifen, als er antwortete:

„Das hat Jared so im Gefühl!“, und zwinkerte ihr zu, als er von dem Felsvorsprung hinunter sprang und seine Sachen zusammen suchte. Als er wieder aufsah, saß sie wieder wie erstarrt dort und sah in die Ferne.

„Frankie?“, rief er und wusste nicht so wirklich warum er das überhaupt getan hatte. Sie lehnte sich ein wenig nach vorne, damit sie ihn sehen konnte und hob fragend die Augenbrauen. „Wo schläfst du eigentlich?“

Sie lachte und deutete mit dem Kopf hinter sich. Erst jetzt entdeckte er das kleine Zelt, das Windgeschützt aufgebaut war. Wie lange war es her, dass er selbst in so einem Ding übernachtet hatte?

„Was ist? Kriegst du jetzt Mitleid?“, rief sie ihm von oben herab lachend zu.

„Nicht wirklich! Ich weiß ja, das mein Arsch diese Nacht trocken und warm in einem gemütlichen Bett liegen wird!“, konterte er und sah Frankie dabei zu, wie sie von dem Felsvorsprung hinunter sprang. Dann stand sie vor ihm und ihm fiel auf, wie klein und zierlich sie eigentlich war.

„Was macht dein Arsch dann noch hier?“

Das war eine gute Frage. Eine, auf die er so Recht keine Antwort hatte, außer das es in seinem Kopf arbeitete. In welche Richtung jedoch, das war ihm selbst noch nicht so ganz klar. Das Einzige, dessen er sich wirklich sicher war, war die Tatsache, dass er mehr wissen wollte. Doch dann gab er sich einen Ruck und zwinkerte ihr erneut zu.

„Viel Glück, Francis!“, sagte er dann und stupste sie auf die Nasenspitze.

Sie lachte ihn an und erwiderte:

„Dir auch, wo auch immer du hin verschwinden wirst.“, dann wirbelte sie herum und ging den Strand entlang auf das Zelt zu.

Kurz sah Jared ihr hinter her, ehe er sich auf den Weg zu seinem Auto machte. Er war vielen Menschen in seinem Leben begegnet, einige davon waren ihm im Gedächtnis geblieben, andere wiederum waren so schnell wieder gegangen, wie sie gekommen waren. Bei Frankie hatte er das Gefühl, das sie einer der wenigen Menschen war, die eine Weile bleiben würden. Und das war eines der Gefühle, die er lange verloren geglaubt hatte. Und es war eines, das ihn überrumpelte und eiskalt erwischte. Es war eines, das absolut nicht passen wollte. Nicht zu ihm und auch nicht so Recht in seine momentane Lebensplanung. Denn im Gegensatz zu der gängigen Meinung, kannte er sich verdammt gut und wusste, wohin ihn das führen könnte.

Frankie klappte das Buch zu und verstaute es im Inneren des Schlafsackes, damit es nicht nass wurde. So ganz dicht war das Zelt nämlich nicht mehr. Die Wellen brachen sich an den Felsen vor der Küste und auf der Oberfläche des Ozeans würde man die Schaumkronen sehen können. Doch Frankie sah lieber den tanzenden Schatten auf den Wänden zu, anstatt einen Blick nach draußen zu werfen. Der Wind zerrte und rüttelte ihre kleine Behausung durch, obwohl sie sie recht Windgeschützt aufgestellt hatte. Wenn man die Augen schloss, dann klang das Säuseln des Windes fast wie Stimmen, die nach einem riefen. Wie eine Melodie, die die Natur für einen sang. Wie ein Wiegenlied, das sie sanft in den Schlaf wog.

Als Frankie am nächsten Morgen aufwachte und den Kopf aus dem Zelt steckte, hielt sie überrascht inne.

„Guten Morgen! Ich dachte immer Abenteurer stehen noch vor Sonnenaufgang auf?“, begrüßte sie Jared und hielt ihr einen Styroporbecher unter die Nase.

Er hatte die ganze Nacht wach gelegen und darüber nachgedacht, ob er sie noch einmal aufsuchen sollte. Er wollte wissen, was in diesem Buch stand. Er wollte wissen, warum jemand so kluges, das einfache Leben vorzog und er wollte etwas von ihrer Freiheit spüren. Etwas, das er selbst vor langer Zeit zwangsläufig aufgeben musste. Er wollte wissen, was ihre Träume waren, wie ihre Vergangenheit aussah und ihre Zukunft. Bis kurz vor Sonnenaufgang hatte er es ausgehalten zu warten, dann war er aufgesprungen und hatte sich angezogen. Er war ziemlich stolz auf sich, das er es geschafft hatte, hier vor ihrem Zelt noch eine halbe Stunde regungslos und ruhig zu warten, eher der Reißverschluss sich von selbst geöffnet hatte und sie den Kopf heraus gestreckt hatte. Dafür war der Anblick jetzt Goldwert und er verkniff sich ein grinsen.

„Machst' n du hier?“, murmelte Frankie verdutzt und strich sich das Haar aus dem Gesicht, ehe sie ganz aus dem Zelt kletterte und den Becher entgegen nahm. Dann ließ sie sich im Schneidersitz ihm gegenüber in den Sand fallen und beäugte den Becher vorsichtig.

„Heiße Schokolade!“, antwortete Jared grinsend und fing einen zerstreuten Blick von ihr auf.

„Ist das der neueste Schrei?“

„Weiß nicht, interessiert mich auch nicht! Ich trinke es halt gerne.“

Vorsichtig nahm Frankie einen Schluck und verbrannte sich prompt die Zunge. So Recht wusste sie nicht, was sie davon halten sollte, das er hier saß. Sie hatte das kurze Gespräch mit ihm gestern genossen und zugeben war er nicht unattraktiv, aber sie war nun mal ein Einzelgänger und irgendetwas in ihrem Inneren sagte ihr, das er sie nur von ihrem eigentlichen Vorhaben abhalten würde. Sie würde noch maximal zwei Tage in LA bleiben, dann hatte sie genug Geld zusammen, um weiter zu ziehen und 'weiter' bedeutete Richtung Mexico. Ein kräftiger Hustenanfall ließ sie zusammen fahren und Frankie wand sich ab. Als er vorbei war, traf sie auf einen fragenden und besorgten Blick.

„Hab’ mich nur verschluckt“, nuschelte sie und Jared glaubte ihr kein Wort.

Er wusste zu genau, wie kalt die Nächte selbst in Kalifornien sein konnten. Trotzdem würde sie sich eher die Zunge abbeißen, als das zu zugeben und irgendwie fand er das schon wieder 'charmant'. Es erinnerte ihn an sich selber.

„Also, womit kann ich dich heute erheitern? Anscheinend scheinst du keinen Job oder ein Leben zu haben, das auf dich wartet!“, fragte sie dann frech grinsend und er schüttelte darüber leicht den Kopf.

„Du könntest mir verraten, was da drin steht“, erwiderte Jared und deutete auf das Buch hinter ihr, das unter dem zurück geschlagenen Schlafsack hervor lugte.

„Das ist privat.“, brummte Frankie und nahm hastig einen weiteren Schluck.

Er beobachtete sie. Forschend und eingehend. Sog jede Regung in sich auf, jede Geste und deutete sie. Er starrte sie fast schon an, so jedenfalls empfand es Frankie.

„Hat dir deine Mum nicht beigebracht, dass man Menschen nicht so unverhohlen anstarren soll?“, fragte sie ein wenig bissig und er kam nicht umhin darüber zu lachen.

„Frankie, erzähl mir etwas von dir! Erzähl mir, wo du alles gewesen bist, zeig mir, was du erlebt hast“, antwortete er stattdessen und sah den verblüfften Blick in ihren Augen.

„Erzähl mir deine Geschichte, Francis!“, forderte Jared sie auf.

Frankie ließ den Becher in ihrer Hand langsam sinken und musterte ihn.
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