Der erste Eindruck

GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P16
OC (Own Character)
03.01.2017
11.03.2017
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Es war am späten Nachmittag, als sie landeten und die Sonne stand bereits tief. Natürlich hatte sich Wolf bereits informiert. Somit wusste er, wie die Beacon Akademie aussah und dennoch war der aktuelle Anblick überwältigend. Die Gebäude warfen lange Schatten über den Platz, der perfekte geometrische Formen aufwies und die Spitzdächer verliehen dem Ganzen etwas Magisches.

Da er keine Instruktionen erhalten hatte und die Initiation, mit folgender Einweisung, erst am nächsten Tag stattfand, entschloss sich Wolf zuerst das Kampfgebiet aufzusuchen, wohlwissend, dass andere dieselbe Idee haben würden. 

Der Trainingsplatz war wie eine Arena aufgebaut. Da er aber im Freien lag erinnerte er Wolf unweigerlich an ein Amphitheater. Er wusste aus den Plänen, dass es noch eine andere Arena auf dem Schulgelände gab, die besser für geregelte Kämpfe geeignet war. Doch schon allein, da diese im Freien lag, zog er sie schon jetzt der Anderen vor. Er suchte sich einen großräumig leeren Platz auf einer Art Tribüne und setzte sich. Währenddessen nahm er sein Scroll aus seiner Manteltasche und begann diverse Kommunikationswege zu überprüfen. Nachdem er eine Nachricht an seine Eltern gesendet hatte, die sie sicher beruhigen würde, fing er an die Kämpfe aufmerksam zu verfolgen.

Während sich zwei Kontrahenten mit Schlägen eindeckten, überprüfte eine dritte Person die Auren der Kämpfenden um ungewollte Ausartungen zu vermeiden. So nahmen die Kämpfe ihren Lauf, Einer nach dem Anderen wurde besiegt oder gewann, im Moment war das Ergebnis jedoch keineswegs von Relevanz. 

Wolf interessierte sich vielmehr für ihre Techniken und Kampfarten, die er sich so sorgfältig wie möglich einprägte. Es waren vorwiegend Neuankömmlinge und, was ihn überraschte, viele Mädchen die dort kämpften. Hatte er doch erwartet, dass die Konzentration wie in Signal mit 70% Jungen und 30% Mädchen ausfallen würde, wurde er sogar mit einer Überzahl des schöneren Geschlechts überrascht. 

Er musste unwillentlich Grinsen, als ihn der Gedanke ereilte, dass sein Ruf durch ehemalige Mitschüler von Signal hierher verbreitet worden sein könnte. Es amüsierte ihn sehr, wie er andauernd fälschlich als mädchenfeindlich eingeschätzt wurde. Das war wahrscheinlich auch der Grund​, weshalb er nichts dagegen unternahm. Er war gespannt, was ihm seine neuen Mitschüler wohl für Vorurteile andichten werden. Ob es wohl dieselben sein werden? Er versank so sehr in Gedanken an seine Umwelt, dass er nicht merkte, wie sich ihm jemand genähert hatte. 

Sind die Kämpfe denn wirklich so amüsant?“ schallte es in seinem Kopf wider. Er wurde abrupt aus seinen Gedanken gerissen und drehte sich zur Quelle, die er hinter sich ausmachte. Dabei verbannte er das Grinsen so schnell wie möglich aus seinem Gesicht. Die grelle Sonne ließ ihn blinzeln und es dauerte, bis sich seine Augen an das Licht gewöhnt hatten. Das Mädchen, welches hinter ihm stand, war wahrscheinlich auch ein Neuankömmling, denn sie hatte, genau wie er, keine Schuluniform an. Sie war komplett in blau und grau gekleidet und hatte blaue Haare und graue Augen, soweit Wolf gegen die Sonne erkennen konnte. Sie sah ihn nicht herablassend an, also war sein Ruf noch nicht bis hier durchgedrungen.

Er hatte vor, es dabei zu belassen, denn er fand es
viel amüsanter, wenn sich sein Ruf von selbst entwickelte. 

Du siehst nicht aus, als ob du es besser könntest“ , fuhr das Mädchen fort. Es war für Wolf glasklar, dass sie ihn ärgern wollte. 

Und du siehst nicht aus, als ob du eine Konversation mit mir überleben würdest“, gab er zum Besten. 

In diesem Fall trügt der Schein“, reagierte sie. 

Dasselbe gilt für deine Aussage“, Wolf, der dachte, dass er damit Ruhe hatte, erntete mit diesem Kommentar ein „Beweise es.“ von Seiten des Mädchens. Das war also die ganze Zeit ihr Ziel, nicht ihn zu nerven sondern ein Kräftemessen. Er dachte nach, was er sonst tun könnte und ihm fiel nichts Besseres ein, also stimmte er zu. 

5 Minuten später hatte der Axtschwinger, der den Körper eines Bodybuilders hatte, den daneben lächerlich schmächtigen Schwertkämpfer mit einigen ihm gar nicht zuzumutenden präzisen Schlägen besiegt. Und das Mädchen hatte dafür gesorgt, dass sie die Nächsten waren. Wolfgang wusste nichts über sie, nicht einmal ihren Namen, aber bei solch einer Kampfeslust war Huntress sicher genau der richtige Beruf für sie. Sie bezogen beide an gegenüberliegenden Enden der Arena Stellung und jeder machte seine Waffe bereit. Er nahm seine Waffe aus dem Mantel ließ sie aber erstmal untransformiert. Sie hatte beide Hände zu Fäusten geballt und hielt in jeder eine Klinge, die sich um die Faust herumbog. Diese Gebilde sahen lächerlich aus und nicht als ob sie auch nur einen einzigen Treffer seiner Klinge blocken konnten. 

Der Kampf wurde alibimäßig eröffnet und Wolf wünschte seinem Kontrahenten nochmal viel Glück, was ja grundsätzlich nie schadet. Nachdem das Mädchen das Selbige getan hatte, kehrte Ruhe ein. Sowohl im Publikum als auch bei den Kontrahenten, denn Wolf wartete geduldig, dass sie zuerst angriff. 

Diese Ruhe in der sich die Kontrahenten auf Schwachstellen musterten, währte nicht lange, denn das Mädchen eröffnete mit einer recht vorhersehbaren Kombination aus einem Tritt und zwei Faustschlägen. Wolfgang schaffte es, dem Tritt auszuweichen und die Schläge zu blocken. So ging es ein Weilchen weiter, denn Wolf hatte noch nicht das Bedürfnis einen Gegenangriff zu starten. Während er die ganze Zeit mit präzisen Schlägen und Tritten eingedeckt wurde, wurde seine Semblance immer präziser. Er wartete auf dem Moment, an dem das Risiko klein genug sein würde, um sich komplett auf sie zu verlassen. 

Kannst du überhaupt angreifen?“, spottete sie und er hörte einiges Gelächter von denen, die noch zusahen. 

Einige Angriffe später war es endlich so weit, den Kampf etwas spannender zu machen. Er hat schon 50% seiner Aura verloren, ohne die ihre auch nur anzukratzen. Sie griff zum 9ten Mal in diesem Kampf an, doch diesmal war es eindeutig, was sie tun würde. Sie täuschte den Tritt nur an, um ihn in ihre Schläge laufen zu lassen. Es war gut vorgetäuscht, doch wegen seiner Semblance umsonst. Er manövrierte sich in ihren toten Winkel, während er seine Waffe in die Schwertform transformierte und damit auf ihren Brustkorb einhieb. Es war das erste Mal in diesem Kampf, dass sie Schaden eingesteckt hatte, was sie sichtlich überraschte. Sie hatte schon fast nicht mehr mit einem Gegenangriff gerechnet und das Publikum scheinbar auch nicht. Auch auf den vorher gelangweilten Gesichtern sah Wolf Erstaunen. Erwartungsvoll verfolgten sie nun den weiteren Verlauf des Kampfes. Des Mädchens nächster Angriff war wieder ganz normal. Sie verwendete nur ihre Fäuste, die Wolf geschickt blockte. Nebenbei schickte er Elektroschocks durch sein Schwert, die für etwas Spannung und Abwechslung sorgten. Er wusste, dass sie vor Überraschung nicht schnell genug reagieren konnte und setzte sofort einen Tritt nach. Damit lag er nun in Führung.

Wolfgang entschloss sich dazu, ihr die Zeit zu geben, sich zu sammeln, bloß um danach all ihre Angriffe zu blocken, und dann mit voller Härte zurückzuschlagen. Da sie das Ganze nicht durchblickte, weil sie dank seiner Waffe ganz schön unter Schock stand, errang er ohne weitere Komplikationen oder Auraverluste den Sieg. 

Der Kampf wurde vom provisorischen Aurakontrolleur für beendet erklärt, Wolf sprach noch ein „Guter Kampf“, transformierte seine Waffe zurück. Er wollte nun die Cafeteria und danach die Studentenwohnheime suchen, als sie ihn „Hast du deine Schwäche am Anfang nur vorgetäuscht?“ fragte. Er sah sich um und als er die fragenden Gesichter sah, war er entsetzt wie viele Leute das interessierte, auch wenn nur das eine Mädchen die Frage gestellt hatte. 

Nicht wirklich, ich habe lediglich keinen Gegenangriff gestartet“, entgegnete er, während der Wunsch, dieses Gespräch zu führen, quasi nicht existent war. 

Aber als du es tatest, hast du den Kampf vollkommen umgedreht. Vorher war ich mir schon des Sieges sicher. Ich hatte es beinahe bereut, dich herausgefordert zu haben, aber du hast mich doch sehr überrascht“, sprach sie. 

Und schon geht es wieder los. Typisch Mädchen dieses ewige Geplapper. Ein einfaches „Guter Kampf“ hätte es auch getan“, war es, was Wolf am liebsten gesagt hätte, stattdessen wich er auf ein „Es freut mich, dass ich zu Ihrer Unterhaltung beigetragen habe, wenn Sie mich nun entschuldigen würden? Ich begebe mich auf die Suche nach der Cafeteria.“ aus. Mit diesen Worten beendete er das Gespräch und suchte auf seinem Scroll die Karte nach der Cafeteria ab. 

Doch das hätte er nicht tun sollen. „Was? Du hast eine Karte von Beacon? Und ich musste mich durchfragen“, sagte sie erstaunt, als sie die Karte sah. 

In der Hoffnung, dass er dann seine Ruhe haben würde, bot er ihr an, sie an ihr Scroll zu senden, was sie dankend annahm. Als er ihren Kontakt einspeicherte, erfuhr er, dass sie Azur hieß. Ein passender Name zu ihrem Outfit, wie Wolf fand. Er sendete ihr die Karte und machte sich auf den Weg zur Cafeteria. "Sie war seltsam. Sogar noch seltsamer als die meisten Mädchen", dachte Wolf. Na gut, er musste zugeben, dass er nicht viele Mädchen kannte. Kannte er überhaupt welche? Egal! Das führte ihn zu nichts und so lenkte er seine Gedanken auf ein anderes Thema.  

Er war sehr verwundert, dass Lux, den er von Signal kannte, nirgends zu sehen war. Dieser wollte doch eigentlich auch hierher. Er hatte echt zu viel Langeweile, wenn er jetzt über so etwas nachdachte. Deshalb setzte er sich Kopfhörer auf und erstickte diese Gedanken in Musik. 

In der Cafeteria erwarb er etwas Essbares und ging darauf direkt zu den Schlafsälen, wo sie diese Nacht untergebracht wurden. Er suchte sich einen Ort, von dem aus er einen guten Überblick hatte. Und da sah er ihn in der anderen Ecke des Raums. Lux war durch seinen Hut unverkennbar. Der Trickbetrüger ist also doch hier. Alles Andere hätte Wolf auch sehr gewundert, denn Lux war zugegebenermaßen sehr schlau und ein guter Kämpfer. Er könnte ihn morgen fragen, wo er geblieben war. Denn offen gesagt war, Wolf jetzt zu faul. 

Er las ein Buch, das er sich mitgenommen hatte, während er die Anderen nicht aus den Augen verlor. Es passierte nichts Interessantes. Es fanden sich noch ein paar Nachzügler ein und es gab ein paar Kissenschlachten, die sehr amüsant anzusehen waren. Als die Müdigkeit an ihm zerrte, schlief die Mehrheit schon. Er packte sein Buch zur Seite und tat es ihnen gleich. 

Na mal sehen, was der nächste Tag bringen mag.“ 
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