War in Black and White [Kalender 2017]

von RamonaXX
OneshotDrama, Schmerz/Trost / P16
01.01.2017
31.12.2017
15
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Februar All Fucked Upvon Horst Faas (Januar 1966)

Mit missmutigem Blick starrte Larry in die Ferne, die sich doch nur wenige Meter vor seiner Nase befand. Er lag auf dem Rücken und hatte sich gerade eine Zigarette angesteckt. Die Augen stur geradeaus gerichtet, begann er zu grübeln.

Man fühlte sich wie ein unerwünschter Fremdkörper, wenn man versuchte durch dieses verflixte Vegetationswirrwarr zu stapfen. Ständig stolperte man über Baumwurzeln, blieb an dornigen Sträuchern hängen, schnitt sich an rasiermesserscharfen Blattkanten oder versank knietief im saugenden Morast. Dieser Scheißbusch war dicht, heiß und grün. Nichts als endloses Grün, gepaart mit dem ekelerregenden Geruch nach verwesenden Pflanzenteilen und stinkenden Sümpfen.

Es hatte keinen offiziellen Befehl zum Ausruhen gegeben, aber da sich die Kolonne seit Minuten nicht bewegte, war Larry dem Beispiel seiner Kameraden gefolgt und hatte sich an Ort und Stelle fallen lassen. Das Funkgerät auf seinem Rücken hatte er dafür nicht abgesetzt. Der rechteckige, metallene Kasten, der so viel wog wie ein großer Kasten Wasser, war zwar nicht bequem, schützte aber seinen Rücken vor dem stacheligen Gestrüpp.

Die flexible Antenne von seinem PRC-25 hatte Larry über die Schulter gebogen und in seinem Gurtzeug festgesteckt. Es war seine Lebensversicherung, denn Funker und Offiziere, die als solche zu erkennen waren, wurden immer als erstes abgeknallt. Und mit dieser Fahnenstange, die fast einen Meter über seinen Kopf ragte, bot er ein perfektes Ziel.

Larrys Haar war schweißnass und klebte juckend an seinem Kopf. Um sich wenigstens ein bisschen Abkühlung zu verschaffen, hatte er den Helm abgenommen. Er hielt ihn mit beiden Händen locker auf dem Bauch und wartete auf die nächste Brise. Als sie kam, verfluchte er sich für seinen Wunsch. Schon wieder der Gestank von vergammeltem Grünzeug.

Nach Ablenkung suchend zog Larry an seiner Zigarette und wünschte der Geschmack des Tabaks möge die Fäulnis, die er fortwährend roch überdecken. Er wusste, dass dieser Wunsch idiotisch war. Der trockene Rauch betäubte weder seinen Geruchssinn, noch befreite er ihn aus seinem verschwitzten Tarnanzug, der wie eine zweite Haut an seinem Körper haftete. Aber egal, solange sein Funkgerät nicht quakte oder der Befehl zum Weitermarschieren kam, würde er sich auch nicht vom Fleck rühren.

Larry inhalierte ein weiteres Mal den Zigarettenrauch. Die Situation war wie immer – alles im Arsch!

Am Vormittag hatte die Kompanie den Befehl erhalten zum drei Kilometer entfernten Kontrollpunkt Delta zu marschieren. Eine Scheißaufgabe war das, sich mit dem Buschmesser durch diesen widerspenstigen, grünen Dschungel zu hacken. Es war schweißtreibend, machte einen unvorstellbaren Lärm und kostete Zeit – Zeit die sie nicht hatten.

Um schneller voranzukommen, war irgendwann über Funk der Befehl gekommen die Flanken einzuziehen. In einer Linie hatte die Kompanie ihren Marsch fortgesetzt. Doch das Gelände wurde immer unwegsamer und das Buschwerk immer dichter. Es war den Männern unmöglich die vorgeschriebenen Abstände einzuhalten, wenn der Vordermann andauernd und ohne Vorwarnung stehenblieb. Statt vorwärtszukommen, standen sie einander auf den Füßen. Eine verfahrene Situation, die alle reizte und in der sie wie auf dem Präsentierteller saßen.

Larry stieß ein Seufzen durch die Nase aus und sog über den Mund neuen Rauch in seine Lungen.
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