Charlie

von JosiJ
GeschichteHumor, Romanze / P16
Leon Markus Maxi Nerv OC (Own Character)
30.12.2016
22.03.2020
15
40.203
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30.12.2016 508
 
„Ich sehe leider keinen anderen Ausweg mehr, Frau McAdams. Es tut mir leid, aber ich muss Ihre Tochter Clarissa wohl oder übel von dem Gymnasium suspendieren.“
Ich verdrehe die Augen.
Der Einfaltspinsel kann es sich einfach nicht merken. Oder er ist schlichtweg zu unfähig dafür … oder er ist sich zu fein meinen Namen richtig auszusprechen. Komisch. Dabei habe ich ihn doch groß und ziemlich deutlich auf das Schulgebäude gesprayt.
„Das kann ich voll und ganz verstehen. Wir können uns nicht oft genug für den entstandenen Schaden entschuldigen. Eine Entschädigung ist das Mindeste, was wir Ihnen und besonders der Schule entgegenbringen können.“ Meine Mutter. Scheinheilig und ziemlich machtlos, was meine Person angeht. Ob es an der Erziehung liegt? Man weiß es nicht.
Der werte Herr Schuldirektor erhebt sich von seinem Platz und zieht sich sein Jackett glatt. Ist vom vielen Sitzen ganz zerknittert … der Arme.
Meine Mom steht ebenfalls auf und zieht mich an meiner Schulter hoch, da sie merkt, dass ich selbst keine Anstalten mache mich auch nur aufrecht hinzusetzen. Dabei habe ich es mir so gemütlich in meinem Stuhl gemacht. Betonung liegt auf meinem Stuhl. So oft wie ich hier gesessen bin, kann ich mir die Dreistigkeit erlauben und ihn als mein Eigentum beanspruchen.
„Ich wünschte, es wäre anders gekommen.“ Die abschließenden Worte meines, nun ehemaligen, Rektors, mit denen er uns zum Abschied seine schweißnasse Hand reicht und zur Tür begleitet.
Stillschweigend gehe ich aus dem Schulgebäude, in dem ich jahrelang meine Kreativität entfaltet habe. Ich drücke die Eingangstür auf. Eiskalte Winterluft bläst mir augenblicklich ins Gesicht und durchwirbelt meine Haare. Meine Mom zieht ihren langen Mantel enger an sich und zieht den Kopf ein. Nicht mal Mutternatur darf Mrs. Perfect in die Haare pfuschen.
Einen spöttischen Lacher kann ich mir nicht verkneifen. Kann ich nicht, will ich nicht, ist das gleiche. Als Reaktion darauf werde ich mit einem Blick bedacht, der so viel wie ‚dass du es noch wagst in deiner Situation zu lachen‘ aussagt. Erneut verdrehe ich die Augen. Ich will wissen, von wem ich meine Lockerheit geerbt habe.
Wie dem auch sei … Wir treten aus der Tür und gehen über den weiten Schulhof, der mit einer hauchdünnen Schneeschicht bestäubt ist.
Erinnerungen schießen durch meinen Kopf. Eine lustiger als die andere. Weit zurückreichend von der ersten Schulmaskottchenentführung, bis zur inoffiziellen Lasertagparty, mit der natürlich erforderlichen Umgestaltung des Außenbereiches.
Ein Pfiff verzerrt die Bilder vor meinem inneren Auge. Ich drehe mich um und sehe meine Freunde und Schulkameraden aus den Fenstern schauen.
Eins ist klar: Ich werde sie vermissen!
Frech grinsend bleibe ich stehen und lasse meinen Blick ein letztes Mal über die Schule streifen. Beobachtet von wer weiß wie vielen Schülern, kann ich es mir nicht nehmen, ohne angemessene Verabschiedung die Schule zu verlassen. Ich verbeuge mich demonstrativ. Ohne groß zu warten, erfüllt tosender Applaus und massenweise Gejubel das eintönige, stinklangweilige, versiffte Gymnasium. Von Glücksgefühlen übermannt, strecke ich triumphierend die Faust in die Luft und brenne mir das Bild meiner Schule ins Gedächnis.
Groß und fett pragt auf dem Hauptgebäude mein Name.

Charlie!
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