Erstgeborene

GeschichteFamilie, Schmerz/Trost / P12
"Fergus" Claudel Fraser Claire Beauchamp Randall/Fraser Comte de Saint-Germain James "Jamie" MacKenzie Fraser Mutter Hildegarde
29.12.2016
27.06.2017
21
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Hallo :D

Schön das du meine Kurzgeschichte über Faith Fraser lesen möchtest. Die Idee kam mir ganz spontan, viel Spass beim Lesen ^^



Der fahle Schein des Mondes fällt auf den dunklen Flur und erhellt ihn schwach. Ich husche durch die kalten Gänge und hoffe, dass mich niemand entdeckt. Denn sonst würde ich schrecklichen Ärger bekommen. Oberin Hildegard ist sehr streng, wenn es um die Bettzeiten und die damit verbundene Nachtruhe geht. Seit sechzehn Jahren lebe ich in diesem Kloster in der Nähe von Anjou, wer meine richtigen Eltern sind weiss ich nicht.

Überhaupt haben die Schwestern mir nie viel darüber erzählt, bloss, dass ich in einer stürmischen Nacht im Jahre 1744 vor die Toren des Klosters gelegt worden und dort zurück gelassen wurde. Ich war damals ein paar Tage alt, seitdem friste ich mein Dasein in diesen kalten und trostlosen Mauern. Wie ein Schlossgespenst, nur das ich auch bei Tageslicht herumwandeln darf. Ich hetze durch die Gänge und bleibe neugierig stehen, als ich Licht sehe.

Es ist das Zimmer der Oberin, sie scheint ebenfalls nicht schlafen zu können. Aber anscheinend gelten für sie andere Regeln als für die übrigen Nonnen und Novizinnen. Sie scheint nicht alleine zu sein, denn ich höre noch eine Stimme. Sie gehört jemandem der nicht im Kloster lebt und sogar zu einem Mann. Ich runzle die Stirn und lausche angestrengt um zu hören, über was die beiden reden. „Es fällt mir immer schwerer, die Last der Sünde ruht so schwer auf meinen müden Schultern.“, höre ich Oberin Hildegard sagen.

Der Mann pflichtet ihr mit einem eigenartigen Laut zu. Ich gehe einen Schritt näher um etwas mehr zu erkennen, die Lichtquelle ist ein Kandelaber der mit vier Kerzen bestückt wurde. Die Schatten der Kerzen wandern hin und her, sonst kann ich aber nicht viel erkennen. „Ich verstehe. Ich verstehe all zu gut.“, höre ich den Mann sagen. Über welche Last die beiden wohl sprechen? „Es vergeht kein Tag, an dem ich mir keine Vorwürfe mache. Sie war doch so eine nette junge Frau, wie konnte ich ihr so etwas schreckliches antun? Wie?“

Sie steht auf, ich höre wie der hölzerne Stuhl zurück gestossen wird und ihr Umhang raschelt. „Ihr hattet keine andere Wahl, Oberin. Er hätte euch vernichtet, ihr wisst doch wie der Graf sein konnte.“ Das wird immer verwirrender. Welchen Graf meinen die wohl? „Ich weiss, aber es ist trotzdem eine Todsünde was ich begangen habe. Was wir vor sechzehn Jahren begangen haben.“ Vor sechzehn Jahren also, reden die etwa über mich? Vielleicht mag es auch nur Zufall sein, aber in diesem Kloster gibt es kein anderes Mädchen das vor sechzehn Jahren aufgenommen wurde. Der Mann geht im kleinen Zimmer der Oberin auf und ab, seine schweren Stiefel erzeugen dumpfe Geräusche.

„Ich hätte ihr nie das Kind wegnehmen und durch ein lebloses ersetzen dürfen. Das war frevelhaft von mir und ich frage mich wirklich, wie ich damit all die Jahre leben konnte. Aber ich merke einfach wie mich die Last in den Boden drückt. Der Tod naht, und ich muss meine Sünden beichten. Nur weiss ich nicht an wen ich mich sonst wenden sollte, Pater.“ Der Mann ist also ein Pater, wahrscheinlich aus dem nächsten, oder übernächsten Dorf. Aber was will Oberin Hildegard damit sagen, dass ich ausgetauscht wurde? Denn ich kann mir nie und nimmer vorstellen, dass sie so etwas getan haben könnte.

„Aber was wollt ihr jetzt tun? Ihr wisst nicht einmal wo der Schotte und die Engländerin leben, geschweige denn ob sie euch glauben. Lasst es gut sein, das Kind weiss nichts davon und ihr solltet euch mit Gott aussöhnen, bevor er euch zu sich beruft.“ Ich verstehe das ganze einfach nicht, das ergibt doch alles keinen Sinn. Doch ehe ich noch weiter lauschen kann, höre ich wie sich der Pater verabschiedet. Ich setze mich in Bewegung und verstecke mich hinter einer Säule. Die Tür wird geöffnet und das Licht der Kerzen fällt auf den Gang. Jetzt kann ich den Pater sehen, es ist Pater August. Ich habe ihn schon einmal gesehen. Das war vor ein paar Jahren im Dorf, als wir unsere selbst gemachten Bienenwachskerzen verkauft haben. „Gott segne euch.“, meint die Oberin.

Pater August nickt und verlässt wie ein Geist das Kloster, unbemerkt so wie er gekommen ist. Als die Tür zu ist, stehe ich ganz allein in der Dunkelheit. Doch meine Gedanken kreisen gerade nur um eine Frage, wer sind meine Eltern und vor allem haben sie mich gar nicht weggeben wollen? Auf diese Fragen habe ich keine Antworten, noch nicht. Aber ich werde alles daran setzen, sie zu bekommen. Mehr noch, wenn es wahr ist was ich gerade gehört habe, werde ich meine Eltern suchen. Und wenn ich dafür durch die Hölle gehen muss. Nachdem ich die Schlafkammer betreten und in mein Bett geschlüpft bin, habe ich mir lange noch Gedanken darüber gemacht.

Doch irgendwann hat die Müdigkeit über mich gesiegt und ich bin eingeschlafen. Habe von meinen richtigen Eltern geträumt, wie sie mich in ihre Arme geschlossen und mir immer wieder gesagt haben wie sehr sie mich vermisst haben. Doch das waren bloss Träume, vielleicht aber werden die schon bald Wirklichkeit. Der Tag geht nur schleppend voran, die Gebete ziehen sich hin und auch die übrigen Arbeiten fühlen sich heute noch viel härter an als sonst.

Immer wieder beobachte ich die Oberin, doch sie lässt sich nichts anmerken. Wie in den letzten sechzehn Jahren auch nicht. Es ist mir immer noch ein Rätsel, wie man mit einer solch schwerwiegenden Tat leben kann. Hatte sie denn nie so etwas wie Schuldgefühle gespürt, wenn sie mich angesehen hat? Ich weiss es nicht, aber es lässt mich nach wie vor nicht los. Seufzend wische ich mir den Schweiss von der Stirn, die Gartenarbeit ist heute besonders anstrengend. Nicht nur, weil es für anfangs April ziemlich warm ist, sondern auch weil ich mich nicht konzentrieren kann. Es fällt mir schwer so zu tun, als sei alles in Ordnung, obwohl das ganz und gar nicht der Fall ist.

Als die Glocken uns zum Gebet rufen, seufze ich innerlich auf und verlasse mit all den anderen Nonnen das Gemüsebeet. Bevor wir das Abendgebet sprechen, waschen wir uns alle, erst danach betreten wir die Kapelle. Drinnen ist es angenehm kühl, so kühl das es mir sogar einige Schauer über den Rücken jagt. Ich reibe mir über die Arme in der Hoffnung, dass mir dadurch etwas wärmer wird. Doch ohne Erfolg. Nachdem wir gebetet haben, begeben wir uns in den Speisesaal wo wir unser Abendessen einnehmen. Natürlich alles schweigend, während des Essens spricht keiner ausser einer der Nonnen die aus der Schrift vorliest. Wie ich das alles hasse.

Ich will nicht still sein, ich möchte reden. So viel wie ich will. Wie jeden Abend ziehen wir uns in unsere Schlafkammern zurück, ich teile sie mit den zwei Novizinnen die seit einem Jahr bei uns wohnen. Sie kommen aus der Umgebung und sind nicht viel älter als ich. Rosalie ist siebzehn und Ingrid sechzehn, genau wie ich. Beide wurden von ihren Eltern ins Kloster geschickt, weil sie keine andere Zukunft für die beiden gesehen haben. In der ersten Zeit
haben sie nur geweint, ich habe sie getröstet, oder versucht je nach dem wie man es sieht.

Nach einem Jahr geht es langsam, sie haben sich an die strengen Regeln gewöhnt und fügen sich diesen auch. Eine andere Wahl haben sie leider auch nicht. Keine von uns hat das. Als alle tief und fest schlafen, schleiche ich mich nach draussen. Die kalte Abendluft weht mir um die nackten Füsse, als ich den Weg zu der Kammer der Oberin gehe. Was ich dort suche, weiss ich nicht. Vielleicht weitere Antworten auf all meine Fragen. Wie gestern auch, verstecke ich mich hinter der grossen Säule.

Ich warte so lange bis meine Zehen langsam taub vor Kälte werden, als ich mich umdrehen und zurück in meine Kammer gehen möchte, öffnet sich die Tür und Oberin Hildegard tritt heraus. Sie ruft nach jemanden, da der Wind sich gerade gedreht hat, verstehe ich nicht wen sie genau gerufen hat. Doch nach einer Minute sehe ich jemanden aus den Schatten hervor treten. Es ist Pater August, was er heute wohl für sie tun muss? Sie sagen nichts, sie steckt ihm nur einen Brief entgegen und verschwindet wieder in ihrer Kammer. Der Pater steckt den Brief ein und verschwindet wieder in der Dunkelheit. Gott allein weiss, wieso ich mich in Bewegung setze und dem alten Herrn folge.

In der Dunkelheit und dann ohne Schuhe unterwegs zu sein, ist keine leichte Aufgabe. Aber ich muss das tun, es ist als spürte ich was sich in diesem Brief befindet. Antworten. Antworten auf all meine Fragen und da mir es sonst niemand sagen wird, muss ich ihn mir beschaffen. Und ich weiss auch schon wie. Das Dorf aus dem Pater August kommt, ist zwei Tagesmärsche von hier entfernt. Er muss also irgendwo im Wald geschlafen haben, sonst hätte er es heute nie und nimmer rechtzeitig hierher geschafft. Nach einiger Zeit der Suche, finde ich sein Lager.

Das Feuer brennt hell und zeigt mir, dass er sich bereits wieder hingelegt hat. Ich warte lange, so lange bis ich mir sicher bin, dass er tief und fest schläft. Dann mache ich mich auf und bete zu Gott, dass der Pater einen tiefen Schlaf hat. Ich habe gesehen wie er ihn in seinen Mantel gesteckt hat, doch den trägt er nach wie vor. Pater August schläft zwar tief und fest, dennoch ist es gar nicht so leicht die Taschen seines Mantels zu finden. Vorsichtig taste ich den Mantel ab, meine Finger fühlen sich taub an. Denn ich trage nur mein Nachthemd und einen leichten Wollmantel, sie zittern so stark, dass ich aufpassen muss, dass ich ihn nicht aufwecke. Ich beisse auf meiner Unterlippe und zu verhindern, dass meine Zähne klappern.

Irgendwann habe ich die Taschen gefunden, doch der Brief ist nirgends zu finden. Er muss ihn irgendwo versteckt haben, die Frage ist mehr wo er ihn genau hingetan hat. Ich entdecke seinen Proviantbeutel, leise richte ich mich auf und durchsuche den Beutel und tatsächlich finde ich den Brief und kann mein Glück kaum fassen. Ich stehe auf und sehe ihm Schein des Feuers deutlich das Siegel der Oberin aufleuchten. Jetzt wo ich den Brief habe, spüre ich wie schnell mein Herz schlägt. Es ist das einzige was ich höre und ich habe Angst, dass es der Pater ebenfalls hören kann. Aber was soll ich jetzt damit machen?

Wenn ich ihn hier lese, kann mich der Pater vielleicht entdecken. Wenn ich ihn mit nehme, und der Pater es herausfindet, wird die Oberin wissen, dass jemand sich aus dem Kloster geschlichen hat. Ich überlege einen Augenblick hin und her und komme nur zu einem Entschluss. Ich muss es wie einen Überfall aussehen lassen. Was gar nicht so einfach ist, denn ich habe das noch nie gemacht. Aber mein Entschluss steht fest, ich schaue mir das Lager des Paters genauer an. Er hat nur den Mantel und den Proviantbeutel bei sich. Also muss ich diesen stehlen, damit es so aussieht, als hätte ihn jemand bestohlen.

Ich setze mich leise in Bewegung und schultere den Beutel, er ist schwerer als ich gedacht habe, aber es geht. Mit jedem Meter, den ich mich vom Lager entferne, pocht mein Herz kräftiger. Aber ich habe keine andere Wahl, ich muss es tun. Ich muss wissen, was in diesem Brief steht. Das schulde ich meinen Eltern, sofern das ganze auch stimmt was die Oberin gesagt hat. Aber ich glaube ihr, sie hat mich noch nie belogen. Das jedenfalls habe ich immer angenommen, doch sie hat es getan und zwar von Anfang an. Als ich mir sicher bin, dass ich mich weit genug vom Lager des Paters entfernt habe, bleibe ich stehen und überlege wo ich den Beutel verstecken soll. Ich beschliesse ihn irgendwo im Dickicht zu verstecken, getarnt mit Blättern und Zweigen wird er ihn nicht so schnell finden.

Erst jetzt merke ich wie weit ich mich vom Kloster entfernt habe, ich befinde mich auf dem Weg Richtung Paris. Ich habe gehört hier wurden schon einige Kaufleute überfallen, plötzlich überkommt mich Panik und ich halte angestrengt Ausschau. Aber ich kann niemand entdecken, nicht einmal das Feuer des Paters ist zu sehen. Ich beschliesse zurück zum Kloster zu gehen, den Brief der Oberin fest an meine Brust gedrückt, mache ich mich auf den Weg. Als ich beim Kloster ankomme, beginnt es bereits zu dämmern. Ich muss mich beeilen, in weniger als einer Stunde müssen wir wieder aufstehen um und für das Morgengebet fertig zu machen. Geistesgegenwärtig wasche ich mir schnell die Füsse und das Gesicht und schleiche mich zurück in meine Kammer. Erleichtert atme ich auf, als ich merke, dass beide noch tief und fest schlafen.

Ich schlüpfe unter die Decke und verstecke den Brief unter meiner Matratze die mit Stroh gefüllt ist. Hier wird man ihn mit Sicherheit nicht suchen, da bin ich mir sicher. Die Müdigkeit fällt so schnell über mich her, dass ich eingeschlafen bin, ehe ich das Kissen berührt habe. Die Glocken reissen mich viel zu schnell aus dem Schlaf, ich habe vielleicht eine Stunde geschlafen. Viel mehr auf jeden Fall nicht. Ingrid und Rosalie sind bereits aufgestanden, als ich meine Füsse über die Kante schwinge, wir die Tür geöffnet und die Oberin kommt herein. Mein Herz beginnt zu rasen und ein Kloss bildet sich in meiner Kehle. „Geht es dir nicht gut, Sophie?“ Ich drehe den Kopf zu ihr und suche krampfhaft nach einer Antwort, doch mir fällt nichts ein.

„Du siehst blass aus.“, stellt sie fest und legt mir ihre Hand auf die Stirn. „Hm, Fieber hast du nicht.“ Ihre blassgrauen Augen sind auf mich gerichtet, ich beginne zu zittern. Nicht, weil mir kalt ist, sondern weil ich Angst habe, dass sie es herausfindet. Oder es bereits weiss und mich ausfragen möchte, ich weiss es nicht. „Du zitterst wie Espenlaub. Komm Kind, leg dich hin. Ich lasse dir etwas Suppe bringen, damit du dich etwas stärken kannst. Wollen wir hoffen, dass es nicht diese neue Seuche ist, die in einigen Städten grassiert.“, das letzte murmelt sie zwar, aber ich habe es gehört. Ich denke nicht, dass es die Seuche ist, aber es schadet nichts wenn ich mich etwas ausruhen kann.

Ich nicke stumm und lege mich wieder hin und ehe sie den Raum verlassen hat, bin ich auch schon wieder eingeschlafen. Völlig erschöpft von meinem gestrigen Abenteuer, schlafe ich den ganzen Morgen durch und erwache erst, als es später Nachmittag ist. Eine Schüssel mit dampfender Suppe steht auf einem kleinen Tablett. Ich setze mich auf und reibe mir den Schlaf aus meinen bernsteinfarbenen Augen. Danach löffle ich die Suppe, während sich meine Gedanken allesamt um den Brief, der unter der Matratze liegt, kreisen.

Als ich fertig mit essen bin und die Schüssel auf den Boden gestellt habe, fische ich den Brief hervor. Wie ich es am Stand der Sonne ablesen kann, ist es jetzt vier Uhr. Also sind alle noch mit der Arbeit beschäftigt, ich habe genug Zeit um den Brief zu lesen. Ehrfürchtig betrachte ich das rote Siegel der Oberin, erst danach breche ich es und falte das Stück Papier auseinander und beginne zu lesen.

An Claire Fraser

Meine Taten sind so schwerwiegend, dass ich sie nicht länger für mich behalten kann. Ich spüre wie mich Gott immer mehr zu sich ruft und ich möchte endlich für meine Taten Busse tun. Und das kann ich nicht nur in dem ich die Beichte ablege, ich muss es Ihnen selbst sagen. Wenn mich meine müden Beine selbst zu Euch führen würden, hätte ich den beschwerlichen Weg nach Paris auf mich genommen. Aber so ist es mir unmöglich zu Euch zu kommen. Vielleicht erinnern Sie sich noch an diesen schrecklichen Tag im Jahre 1744, als Sie ihr Kind bekommen sollten? Sie hatten eine komplizierte Geburt, Ihr Mann war im Gefängnis und ich stand unter grossem Druck. Was keine Entschuldigung für meine Tat sein soll, es sollte bloss zur Erklärung dienen.
Sie waren so geschwächt, dass sie beinahe nichts von der Geburt wahrgenommen haben. Wie soll ich es Ihnen bloss erklären, vielleicht fange ich mit dem Anfang an.
Wie Sie vielleicht noch wissen, stand es um die Einrichtung nicht gut, die finanziellen Mittel waren begrenzt und die Spenden nur sehr gering. Ich stand unter sehr grossem Druck, einerseits, weil ich die Bedürftigen nicht auf die Strasse schicken wollte, anderseits auch, weil der Dekan die Einrichtung schliessen wollte. Das konnte und wollte ich nicht zulassen, also hatte ich mich an einen sehr wohlhabenden Grafen gewandt. Der Graf von St. German, war sehr einflussreich und konnte mir die nötigen Mittel zur Verfügung stellen. Doch er wollte zuerst nicht, ich war verzweifelt und versicherte ihm, ich würde alles tun was er verlangte.
Hätte ich gewusst was er von mir verlangte, wäre ich nie einverstanden gewesen. Doch ich sichere es ihm zu, bevor er es mir sagte. Wie Sie wissen hegte er auf Sie und ihren Mann einen sehr grossen Groll, deshalb hatte er sie ausgesucht. Er verlangte von mir, dass ich Ihnen sage, dass ihr Kind verstorben sei. Er wusste es würde ihnen beiden mehr Schmerzen zufügen, als alles andere. Ich war verzweifelt, aber ich lehnte ab, doch er übte immer grösseren Druck auf mich und den Dekan aus. Es stand wirklich auf Messers Schneide und als ich Sie gesehen hatte, wusste ich, dass ich es tun musste.
Ich holte Ihr Kind auf die Welt und nahm es an mich um es mit einem erst frisch verstorbenen Kind auszutauschen. Ich musste nicht einmal gross lügen, die Schwestern die Ihnen geholfen hatten, wussten wie schlecht es um sie beide stand. Es tut mir so unsagbar leid. Ich wünschte ich hätte es nie getan. Aber vielleicht hilft es Ihnen wenn ich Ihnen beiden versichere, dass Ihr Kind wohl auf ist. Ich kann Ihren Schmerz und Ihre Wut verstehen. Ich werde meine Busse entgegen nehmen und all die Qualen des Höllenfeuers auf mich nehmen. Denn nur das habe ich verdient.

Oberin Hildegard

Ich weiss nicht was ich denken, oder fühlen soll. Und obwohl ich meine Eltern nie kennen gelernt habe, spüre ich eine Verbundenheit, die ich nicht ignorieren kann. Ich muss zu ihnen, ich muss sie finden. Auf dem Brief steht eine Adresse, diese liegt in Paris. Und als hätte sich die Erde auf einmal um sich selbst gedreht, spüre ich eine Kraft in mir, die ich noch nie verspürt hatte. „Mutter, Vater, ich komme zu euch.“, sage ich und drücke den Brief fest an meine Brust. Spüre wie sich ein Lachen in meiner Kehle formt und wie mich auf einmal eine Glückseligkeit ausfüllt, die wie Gottes Antlitz auf mich hinab sieht und mich beschützen wird. Ganz gleich was kommen wird.

ich hoffe es hat euch gefallen :D

Das zweite Kapitel kommt schon bald.
über Reviews würde ich mich freuen.

eure Amanda
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