The world's only sin

GeschichteFamilie, Schmerz/Trost / P12
Sakuya Watanuki Tsubaki
28.12.2016
28.12.2016
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Guten Abend zusammen :3
Schon wieder was von mir zum Fandom SerVamp, ich kann es aber auch nicht lassen :'D

Dieser OS war und ist ein Geschenk an eine sehr gute Freundin von mir ~
In dem Fall würde ich ihn eigentlich auch gar nicht hochladen, aber ich finde, kein OS ist es wert, auf dem PC herumzugammeln und in Vergessenheit zu geraten. Ich mag ihn und deswegen bringe ich ihn hier in meine kleine Sammlung ein, damit ich selbst ihn nicht vergesse <3

Ich hoffe ihr hattet schöne Feiertage und hiermit wünsche ich euch ein guten Rutsch, einen guten Start und alles Gute für das kommende Jahr!
Geht es nur mir so, oder fand noch jemand 2016 einfach grauenhaft? ^^"


PS: Ja, ich setzte mich wieder an meinen SerVamp-Mehrteiler xD Ich weiß, den habe ich etwas vernachlässigt owo"
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Es war Weihnachten. Es war kalt. Es schneite.
Die Schaufenster der Geschäfte waren voll von Lametta, quietschig bunt – vor allem rot, weiß, dunkelgrün. Dasselbe wie jedes Jahr.
In den Menschen entbrannte jedes Jahr auf's Neue dieses Gefühl, sie müssten irgendwo dazugehören. Das Gefühl der Zusammengehörigkeit, der Familie, ein Hochgefühl des Feierns und der Liebe. Mit grinsenden Gesichtern schlenderten sie durch die Gegend, besorgten Weihnachtsgeschenke für ihre Angehörigen – selbst für die, die man das ganze Jahr lang verabscheut hatte – und erledigten noch die allerletzten Weihnachtseinkäufe. Weihnachten dies, Weihnachten das. Überall. Einfach überall! Und alle schienen chronisch angesteckt mit dieser „Fröhlichkeit“ - wie ironisch, dass gerade im Winter, die Zeit der Schwermut, alle dermaßen darauf abfuhren, rote Mützen zu tragen und Lieder zu singen.
Nur er nicht.
Alles Lügen. Alles gespielt. Diese Schmierenkomödie verursachte Übelkeit.    
Was ihm nebenbei auch so ziemlich Übelkeit bescherte, war der furchtbare kleine Weihnachtsbaum, den die anderen doch tatsächlich im Appartement aufgestellt hatten. Was noch einen drauf setzte, war diese unglaubliche Akribität, mit der Otogiri, Shamrock und Belukia die Kugeln anmalten, so wie es ihnen gerade in den Kram passte, knunterbunt und verschieden.  Und natürlich Tsubaki, der gerade einer schwarz angemalten Kugel weiße Schnurrhaare verpasste – das Gesicht dabei zu einem stolzen Lächeln verzogen, die Sonnenbrille sogar neben ihm liegend, damit er auch ja genau klebte.
Oh mein Gott...
„Du könntest ruhig deinen Part zum Fest beitragen“, Shamrock fixierte ihn gereizt aus den Augenwinkeln, den Mund leicht zu einem kleinen Schnauben verzogen. „Immerhin ist es auch für den jungen Meister.“
Genervt blieb Sakuya auf der Fensterbank sitzen und schob sich die Kopfhörer auf die Ohren. Klar, für den jungen Meister. Sham war der Deutsche hier, der unbedingt feiern wollte. Tsubaki war einfach nur neugierig, wie immer. Abgesehen davon hatte Belukia ihn angestachelt, was die Sache beschlossen hatte. Das alles hatte nichts mit ihm zu tun. Diese Zusammengehörigkeitsscheiße war doch eh nur aufgesetzt.
Ein Tippen an der Schulter ließ ihn wieder aufsehen, diesmal war es Otogiri, die ihn mit großen Augen ansah, zwei Backhandschuhe in die Höhe haltend.
„Hilfst du mir...?“, ihre Stimme war sanft. Sie lächelte nicht, das tat sie nie, und trotzdem war es so ziemlich das letzte Tröpfchen im Fass.
Ohne ein weiteres Wort stand Sakuya auf, zog sich die Jacke zu und machte, dass er wegkam. All das war nicht seine Welt und die Blicke im Rücken, die ihm verwundert folgten, strafte er mit Ignoranz. Weihnachten war halt doch nur eine Schmierenkomödie, ganz so, wie er es gedacht hatte. Vielleicht spielten sie jetzt Familie, schön, doch er wusste nur zu genau, dass zum Beispiel Shamrock noch immer dachte, er würde sie alle verraten. Belügen. Sie belogen sich gegenseitig, die ganze Welt tat das, immer zu derselben Zeit im Jahr. Furchtbar.

Es war kalt draußen. Der Schnee tanzte herab und suchte sich seinen Weg durch den Kragen der viel zu dünnen Sportjacke in seinen Nacken, sodass ein Schauer nach dem anderen ihn überlief. Wölkchen bildeten sich vor seinem Gesicht, als sich der Abkömmling durch die Straßen schob, darauf bedacht, keinen Menschen zu berühren. Doch sie beachteten ihn sowieso nicht. Zu beschäftigt waren sie alle.
Seufzend sah Sakuya gen Himmel, der grau und schwer über ihm hing. Die einzig wahre Todsünde dieser Welt war wahrlich die Schwermut. Genauso grau, genauso trist wie der Winterhimmel an Heiligabend.
Plötzlich ließ ihn eine viel zu bekannte Stimme aufschrecken und zusammenzucken. Hektisch sah Sakuya sich um, einen Moment die Kälte und die vielen Menschen um sich herum vergessend. Das war nah, viel zu nah...! Ohne den Träger der Stimme ausmachen zu können, stolperte er rückwärts und in eine etwas abgelegenere Gasse hinein, in der nur ein paar Kisten standen. Gerade noch rechtzeitig duckte er sich hinter eine dieser Kisten. Gerade noch rechtzeitig, bevor Mahiru nichtsahnend an der Gasse vorbeilief.
Er war dick in eine Winterjacke eingepackt, den Schal bis über das Kinn hochgezogen und die Arme voller Taschen. Wahrscheinlich half er ein paar Freunden bei den Einkäufen in letzter Minute. Wie immer – das war ja auch viel einfacher, als sich immer das Gejammer anzuhören, sie hätten es nicht mehr geschafft.
Ein Lächeln stahl sich auf Sakuyas Gesicht. Mahiru, der wie immer so unschuldig aussah. Der ihn als Einziger nicht vergessen konnte und den auch der Vampir nicht vergessen konnte, als würden für ihn Sonderregeln gelten. Wahrscheinlich war das auch der Fall. Ohne nachzudenken stand Sakuya auf, kurz in der Versuchung, vielleicht doch seinen eigentlich besten Freund anzusprechen, als der kleine Kopf einer Katze aus Mahirus Kapuze erschien und das Lächeln ersterben ließ.
„Kuro, bleib lieber da drin, es ist echt verdammt kalt! Wir sind ja gleich Zuhause und dann machen wir uns Kakao, ja?“
Ein langgezogenes Maunzen ertönte und sacht trieb der schneedurchsetzte Wind eine leise Stimme heran, die nur die der Katze sein konnte.
„Und Cola. Kakao und Cola und Chips. Schnell...! Diese unglaublich süße Katze hier erfriert noch...!“, und damit war der Kopf wieder verschwunden. Fast genauso schnell wie Sakuyas Lächeln, der nicht mehr zuhören konnte und auf das Dach eines Hauses am Straßenrand floh.
Die Luft hier oben war noch kälter und der Wind fuhr geradezu schneidend durch den dünnen Trainingsanzug, doch das war egal. Die roten Augen verfolgten den jungen Eve und dessen SerVamp die Straße entlang, wie sie dort zusammen die Weihnachtseinkäufe erledigten. Es war ihr erstes Weihnachten zusammen. Er hatte sie gehört, wie Mahiru dieser faulen Katze versprochen hatte, ihm sein Fest zu zeigen... ein Privileg, dass Sakuya selbst hatte haben wollen. Mahiru war viele Feste alleine gewesen... so wie er auch. Sie zusammen, so hätte es aussehen müssen.
Vor seinem inneren Auge malte sich das Bild wie von selbst.
Mahiru, der mit diesem unglaublichen Lächeln neben dem Baum saß und das erste Paket öffnete. Er hätte sich gefreut, gelacht und dann hätte er Sakuya umarmt, der daneben gesessen hätte – grinsend darüber, dass der kleine Braunschopf sich so sehr über einfache Kleinigkeiten freuen konnte. Und froh darüber, nicht alleine sein zu müssen, keiner von ihnen.

Weiter folgte sein Blick den beiden, bis nur noch Silhouetten zu erkennen waren... und sich plötzlicher weicher, dunkler Stoff vor seine Augen schob. Erschrocken zuckte er zusammen, beruhigte sich wenig eine Sekunde später allerdings wieder. Er nahm keinen Geruch wahr, auch wenn der Geruchssinn eines Vampirs sehr viel besser ausgeprägt war, als der eines Menschen – was nur eines bedeuten konnte.
Gerade öffnete Sakuya den Mund, um etwas zu sagen, schmeckte im selben Moment allerdings etwas Salziges auf den Lippen. Waren das Tränen...? Wann hatte er angefangen zu weinen...?
„Man sieht der Vergangenheit nicht hinterher... das bringt nur eine solche Schwermut, dass dein Herz nie wieder aufstehen möchte“, flüsterte seine Stimme direkt am Ohr des jungen Abkömmlings. Sachte zogen schützende Arme ihn zurück und ließen ihn sich an einen Körper lehnen, während der Stoff über den Augen blieb und seine Welt weiter in weicher Schwärze verbleiben ließ.
„Es gibt mehr als einen Weg. Mag sein, dass du die Richtung geändert hast, aber du bist nicht mehr allein. Seit dem Tag, an dem du alleine auf der Schaukel gesessen hast, seitdem bist du nie mehr alleine gewesen. Und auch in Zukunft wird es für dich immer einen Platz geben.“
Langsam ließ sich Sakuya mehr an den schlanken Körper hinter sich sinken, die Augen  geschlossen. Die Worte tanzten in seinen Gedanken und betäubten das enge Gefühl, das ihn gerade eben noch verfolgt hatte. Er wanderte im Geiste zurück zu der Familie, die er eben noch als Schmierenkomödianten bezeichnet hatte. Waren sie das...?
„Jedem von uns fehlt etwas. Das hält uns zusammen. Solange wir zusammen sind, gibt es dieses Fehlen nicht“, die haltenden Hände entfernten sich vom Gesicht des Abkömmlings und drehten ihn zu sich, um ihm selbst ins Gesicht zu sehen.
Tsubaki lächelte und irgendwie wusste es Sakuya: Es war frei von Lügen. Die blutroten Augen hinter der schmalen Sonnenbrille fixierten ihn, hielten seinem Blick stand und plötzlich veränderte sich das Gesicht und fing an zu grinsen, wie er es so oft tat.
„Du fehlst uns. Ohne dich können wir nicht anfangen – sonst ist es nicht komplett. Wie sollen wir denn das Eis essen, so ganz allein?“, die weiche Stimme wurde etwas höher und das Grinsen war inzwischen sogar zu hören. Ganz leicht zuckten Sakuyas Mundwinkel.
„Eis im Winter...?“, hörte er sich selbst fragen, während Tsubaki ihn leicht mit sich führte und er noch einen letzten Blick gen Straße warf.

Nein, das Bild von Mahiru und sich selbst beieinander an Weihnachten würde sich vermutlich nicht erfüllen. Der Gedanke daran tat weh. Und doch gab es Momente, an denen es möglich war, es zu vergessen... und sogar durch etwas Schöneres zu ersetzen. Eines Tages würde er vielleicht das alles gelöst haben und damit klarkommen. Doch bis dahin hatte er noch andere Personen. Vielleicht sogar eine Familie.
Vielleicht sogar mehr als das.
Als Tsubaki sich mit einem Lächeln nach seinem Schützling umsah, beruhigte sich sein flatteriges Herz und Sakuya nahm die ausgestreckte Hand an.  
Sehr wahrscheinlich mehr als das.


Die einzig wahre Todsünde auf dieser Welt war die Schwermut, denn sie schaffte es, einen Menschen zu begraben und ihm die Kraft zu nehmen, selbstständig wieder aufzustehen.
Gleichzeitig war sie eine Art Stoß in eine neue Richtung, eine Ermahnung, jetzt nicht aufzugeben. Sie war stur, störrisch, unberechenbar und rechthaberisch. Allerdings auch großzügig, denn sie vergab stets neue Chancen, noch einmal aufzustehen und weiterzumachen, sie vielleicht eines Tages sogar doch noch einmal wiederzusehen. Sie war gnädig, denn sie nahm einen auf, tröstete einen... um dann loszulassen, einen gehen zu lassen, bereit dazu, jederzeit erneut die Arme auszustrecken, sollte es nötig sein.
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