Akzeptanz (Arbeitstitel)

GeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P12
Fewjar Frodoapparat LeFloid TheClavinover
27.12.2016
11.01.2017
5
5119
 
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Hallo,

lang ist es her. Schreibblockade weg. Denke ich. Hiermit versuche ich mich an einem neuen Projekt. Es soll 4 Kapitel kriegen, welche allerdings noch in Arbeit sind. Also könnt ihr euch gerne in den Reviews auslassen und Ideen schreiben. Vielleicht werden sie ja mit eingebaut.
Reviews und Favos sind natürlich erwünscht.

Eure Suppe


~



Prolog: Vertrauen



Marti öffnete sein Schnittprogramm und spielte seine Arbeit von letzter Nacht ab. Vollkommen konzentriert blickte er auf seinen Bildschirm und arbeitete an den letzten Einzelheiten. So bemerkte er auch nicht, wie sich die Tür öffnete und Jako sich durch den Spalt schob. Von hinten nahm der Gitarrist Marti die Kopfhörer hab weshalb dieser extrem zusammenzuckte, nach seiner Mütze griff und sich diese blitzschnell tief ins Gesicht zog. Verwirrt blickte Jako ihm in die Augen: „Okay!? Wir wollen Pizza bestellen Marti. Willst du auch was?“ Der Angesprochene nickte nur und wollte sich gerade wieder zum Laptop umdrehen als Jako noch nachhakte: „Was willst du für eine...?“ „Hm? Was?“ - „Was für eine Pizza du möchtest?“ „Äh ja... Salami bitte...“ Kaum war die Türe hinter ihm wieder zu fing sein Hörgerät an zu piepen. Schnell schaltete Marti das piepen ab damit auch ja keiner es bemerkte und war gerade dabei die Batterien zu wechseln als Jako wieder rein platzte. Schnell zog er eines seiner Skripte über die Hörgeräte und drehte sich zu dem Gitarristen um. „Jaa?“, meinte er und hoffte, dass es nicht allzu komisch klang, da er gerade so gut wie nichts hören konnte. Martin konzentrierte sich vollkommen auf die Lippen des anderen. Er hoffte, dass er es nicht verlernt hat von ihnen zu lesen: „Sollen wir noch Pizzasönnchen saufen?“ „Was sind Pizzasönnchen?“, fragte er verwirrt und merkte, dass es nicht mehr ganz so gut klappte mit dem lesen. „Alles Klar bei dir Marti?“ Marti nickte eifrig und verneinte jene Frage seriös.

Erneut verschwand Jako und Marti, dem sichtlich ein Stein vom Herzen gefallen war, holte schnell seine Dose mit den Wechselbatterien raus, doch als er hinein sah machte sich Verzweiflung in ihm breit. Es war Samstagabend. Die Läden hatten schon zu und morgen war Sonntag. Das heißt 2 Tage ohne Hörgerät und keiner seiner Mitbewohner wusste, dass er fast taub war. Marti hatte nicht die geringste Lust irgendwen aufzuklären, außerdem war ihm das mit dem hören sehr peinlich und er hatte Angst, dass ihm seine Mitbewohner dann anders behandelten, wie einen Schwerhörigen halt. Seine Behinderung war auch der Grund dafür, dass er die Mütze trug. Er versteckte damit seine Ohren und damit auch seine beiden Helferlein.  Er liebte die Normalität, die ihm diese Unwissenheit der anderen brachte.

Schneiden würde heute auch nichts mehr werden, denn das gestaltete sich ohne Gehör als recht kompliziert. Marti schnappte sich seine Gitarre und klimperte ein wenig auf ihr herum ohne wirklich viel zu hören. Er liebte einfach dieses Gefühl der Saiten unter seinen Fingern dabei war es ihm ganz egal wie es klang. So spielte dieser ein paar Lieder an, zumindest waren es die Greifmuster, die er auswendig für Aufnahmen gelernt hatte. Schließlich war Musik sein Leben! Was für eine Ironie, dass gerade er ohne Hörgeräte gerade das nicht machen konnte.

Ein paar Minuten später kam Frodo herein, ein anderer Mitbewohner seiner WG. Sofort richtete sich Martis Blick auf die Lippen des Mitbewohners. „Es gibt essen Marti... wir haben dich mehrmals gerufen.“ Ein leicht ironisches Kichern entwich seinem Mund und er stand auf. „Hab gerade Gitarre gespielt...“, antwortete. Er stand auf und folgte Frodo ins Wohnzimmer, wo die Pizzas gestapelt auf dem Fernsehtisch standen. Im Hintergrund lief ein Bundesligaspiel und er sah wie Jako sich mit Flo unterhielt, konnte allerdings nicht erkennen über was. „Welcher ist mein Karton?“, fragte ich Richtung Frodo. Dieser deutete auf den untersten. Marti zog sich seine Pizza aus dem Stapel und fing genüsslich an sie zu essen. Die Situation war ihm unwohl. Die Mitbewohner könnten jederzeit bemerken, dass er sie nicht hörte und so musste er immer auf die Münder der anderen achten. Das war aber auf Dauer so anstrengend, dass er auf der Couch einschlief.

Irgendwann rüttelte ihn dann ein Frodo wach, doch er war zu müde um zu realisieren, dass er nichts hörte und Lippenlesen musste. Völlig verwirrt sah er Frodo an, der seinen Mund immer auf und zu machte wie ein Fisch. Langsam fing Marti an zu merken, dass er keine Hörgeräte drinnen hatte, so riss er sich einen Moment zusammen und konzentrierte sich voll auf Frodos Lippen: „Marti? Marti? Bist du wach? Geht es dir gut? Hörst du mich?“ Bei dem letzten Satz zuckte er unwillkürlich zusammen und nickte nur. „Äh ja...“ „Bist du sicher? Geht es dir gut? Du warst gerade gar nicht ansprechbar...“ Marti seufzte und ihm wurde langsam klar, dass er es nicht mehr lange geheim halten konnte. „Sicher...“, meinte er, nickte entschlossen, verschwand in sein Zimmer und ließ den irritierten Frodo stehen.

Ein wirres Lachen stieg in ihm auf während er sich zitternd auf sein Bett fallen ließ. Er schämte sich. Er schämte sich für seine eigene Feigheit.Vermutlich hatte er dieses mal noch Glück gehabt. Doch was, wenn es irgendwer heraus finden würde? Viel länger konnte er es nicht mehr Geheim halten, das war ihm klar und das wollte er auch nicht. Das ständige Verstecken machte ihm innerlich noch mehr bewusst, was für ein Haufen Elend er war und, dass er sich nicht selbst akzeptieren konnte wie er ist. Eigentlich hatte er sich abgefunden gehabt mit der Tatsache, dass er nichts mehr hören konnte, doch ihm wurde immer mehr bewusst, dass er es nicht zeigen konnte. Er hatte einfach keine Person, der er sich anvertrauen könnte, keine, der er so traute...
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