Hotel Echo

von Punk-Kiwi
GeschichteAbenteuer / P18
Captain John "Soap" MacTavish Captain John Price Lieutenant Simon "Ghost" Riley Sergeant Gary "Roach" Sanderson
27.12.2016
19.01.2017
2
12090
3
Alle Kapitel
5 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 
 
Hotel Echo Kapitel 1

Hallo!
Drei kurze Anmerkungen:
-Es wird zwei Enden geben die ausreichend gekennzeichnet werden, damit ihr euch entscheiden könnt welches ihr lesen wollt, eines wird Canon mäßig verlaufen, das andere nicht.
-MacTavish ist offensichtlich eine Frau
-Roach ist von den Rangers, nicht aus dem SAS, weil es besser in den Plot passt

Ich habe lange mit dem Gedanken einer weiblichen MacTavish gespielt und es endlich umgesetzt!
Viel Spaß!



Mit dem Finger fuhr sich Soap über die gespaltene Augenbraue und beobachtete ihr Spiegelbild. Ihr Gesicht sah aus wie immer; die Schatten unter den Augen, die nie recht verschwanden, die ein oder andere markante Narbe und Falten, die nicht nur vom Lachen kamen.

War sie alt geworden? Wenn man sein eigenes Gesicht Tag für Tag sah bemerkte man Veränderungen kaum, ihre Mutter aber hatte die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen und einen entsetzten Kommentar über ihr Alter abgegeben.

34 war nicht alt, fand sie. Sie fühlte sich auch nicht wie 32, sie fühlte sich gar keinem Alter zugehörig. Bisher hatte es auch keine allzu große Rolle in ihrem Leben gespielt.

Außer einigen Eckdaten wie dass sie mit 16 fast die Schule abgebrochen hatte, mit 17 bereits beim Militär war und eine der jüngsten Captain in der Geschichte des SAS war, war ihr Alter immer unbedeutend gewesen.

Ihr Vater, selbst ein Veteran, hatte Joanns Werkeln im SAS und später als Task Force Offizier immer befürwortet und gerne gesehen. Er hatte auch ihren Bewerbungsbogen unterschrieben und damit den Zorn ihrer Mutter auf sich gezogen. Trotzdem hatten sie keine enge Vater-Tochter Beziehung und er behandelte sie wie einen seiner Stammtisch Veteranen, mit Respekt, aber ohne emotionale Nähe.

Ihr Mutter und Schwester waren da komplett anders. Nicht nur waren sie unglaublich feminine und anmutige Wesen mit manikürten Nägeln und keinem Stiernacken, der in jeder Art von Kleidern lächerlich aussah. Sie versuchten auch seit Jahren Joann dazu zu bewegen aus dem Militär auszutreten und eine Familie zu gründen oder zumindest sich einen festen Partner zu suchen.

Oft genug waren auf für Joann indiskutabel-obligatorischen Nachbarschafts- und Sippentreffen „Nette junge Männer“ eingeladen worden, die alle zufällig single waren.

Nachdenklich zupfte sie an den abrasierten Stoppeln ihres Mohawk. Seit ihrer ersten Stationierung hatte sie diese Frisur, zu Price‘ entsetzen.  Sein und Gaz‘ Blick waren unbezahlbar gewesen als sie zu einem Briefing mit frisch getrimmten Haaren gekommen war. Gaz hatte irgendwann zugegeben, dass die Frisur ihr sehr gut stand, Price aber grummelte heute noch darüber und warf ihr missbilligende Blicke zu.

Sie hatte den Mohawk aus dem simplen Grund gewählt, dass, wenn sie ihn wie üblich einflocht (Flechten war das einzige, was sie mit Haaren anstellen konnte), er unglaublich praktisch für ihren Job war; keine lästigen Haarsträhnen hingen ihr ins Gesicht, kein Mop von Haaren der sich nicht unter dem Helm bändigen ließ oder Strähnen die sich trotz drei Haargummis aus dem Pferdeschwanz lösten.

War sie zu Hause konnte sie die Haare offen lassen und man sah die radikalen Undercuts links und rechts eigentlich gar nicht mehr. Das tat sie ihrer Mutter zuliebe, die diese Frisur abgrundtief hasste. Da sie ihre Haare nicht wie jeden Morgen frisierte und trimmte, sondern nur durchbürstete, war ihr wieder ein weicher Flaum auf ihrer Kopfhaut gewachsen.

Wie so oft überlegte sie sich, sie auswachsen zu lassen, aber die Gewohnheit siegte.

Unter dem vorwurfsvollen Blick des Glasdelfins, der wie viele andere Figürchen das Badezimmer zierte, griff sie zu ihrem elektrischen Rasierer und begann ihre Arbeit. Neben Waffen auseinander- und zusammenbauen war dies etwas, was sie praktisch blind beherrschte. Geübt sammelte sie ihre Haare aus dem Waschbacken und verließ die pastellfarbene Oase.

Ihre Mutter dekorierte das Haus mit jeder Saison neu, dabei ließ sie nur Joanns Kinderzimmer aus, das sich langsam aber sicher in einen begehbaren Kleiderschrank verwandelte. Alice MacTavish kauft immer wieder (teure) Kleidungsstücke die „so gut zu Joann“ passen würden und dann doch samt Preisschild im Schrank oder an den aufgestellten Kleiderstangen landeten.

Joanns Garderobe ging neben Standart-, Gala- und Ersatzuniformen nicht wirklich über Jeans, Sneakers, Boots und T-Shirts sowie Sportklamotten heraus. Ihre adrett gekleidete Schwester trieb das in den Wahnsinn, einmal hatte sie sich sogar geweigert mit Joann aus dem Haus zu gehen, wenn sie sich nicht umzog. Joann hatte sich daraufhin geweigert Schuhe mit einem mörderischen Absatz anzuziehen.

Auf dem Weg in die Küche kam sie an ihrem Vater vorbei  der ihr zunickte und weiterhin die Nachrichten verfolgte. Neben Politik sprachen sie nur über die wenigen Informationen aus der Task Force die Joann erzählen durfte.

Alice MacTavish stand zwischen Kuchen-, Auflauf- und Muffinformen, wie immer an Joanns letztem Urlaubstag.

„Ach Joann….“ Seufzte sie wie so oft. Soap kannte das allzu gut. Den ganzen Tag würde ihre Mutter versuchen nicht in Tränen auszubrechen während sie so viel Essen zubereitete, dass es für ihre ganze Task Force reichen würde, und seufzte tief und leidend.

Ein Seufzen, das von „Ich mache mir nur solche Sorgen um dich, Kind“ über „Bleib doch ein wenig länger“ und „du brichst mir das Herz“ bis hin „Wenn ich zumindest Enkelkinder hätte“ reichte.

Letzteres würde wohl von Joanns Seite unmöglich sein. Ihre Schwester, erfolgreich verlobt, würde sich darum kümmern müssen.

Nicht, dass sie keine Kinder wollte, nein, aber sie konnte einfach keine mehr bekommen. Immer wenn ihre Mutter wieder mit subtilen Hinweisen auf das Thema Babies und Enkelkinder zu sprechen kam, war Joann an der Reihe tief zu seufzen.

Sie hatte es noch nicht geschafft ihrer Mutter das Herz zu brechen und ihr zu sagen, dass sie nie selbst Mutter werden könnte. Vor etwa sieben Jahren war sie in Afghanistan mit mehreren Schüssen verwundet worden – nicht schwer aber ihr Uterus war nicht mehr zu retten gewesen. Sie erinnerte sich gut an das Gesicht des Arztes der nicht so recht wusste, wie er so eine Nachricht überbringen sollte. Schließlich hatte sich die Krankenschwester erbarmt und Joann so einfühlsam wie möglich über die Folgen aufgeklärt.

Sie hatte damit kein Problem gehabt, eine Sorge im Monat weniger und Kinder hatten sowieso nie in ihren Plan gepasst, denn sie wollte für ihre Kinder da sein und nicht nur zwischen zwei Missionen.

Als ihre Karriere begonnen hatte und aus „nur noch ein Jahr im Militär“ „vielleicht für immer“ geworden war, war das Thema Kinder für immer zum Tisch gewesen, denn sie wusste, dass die Task Force das war, was sie wollte, und sie war bereit sich voll und ganz ihrem Leben als Soldatin zu widmen.

Jetzt, mit der 141 hatte wirklich genug zu tun und sowieso benahmen sie sich Männer oft genug wie kleine Kinder.

Still nahm Joann ihre Mutter in den Arm und schwor sich, ihr eines Tages von der Verletzung sowie von ihrem Alltag in der Armee ausführlich und ehrlich zu erzählen. Aber nicht heute.



141




Es begann zu dämmern als Joann ihren Rucksack in den SUV warf, der fast so alt war wie sie selbst. Sie hatte ihre Haare wie üblich geflochten und setze die Fliegersonnenbrille auf.

Einen Vorteil hatte es, dass ihr Vater so militärbegeistert war: sie wohnten nah an dem Stützpunk an dem sie oft stationiert waren, wenn sie in Schottland waren. Mit dem Backsteinhaus das von Efeu fast erdrückt wurde ließ sie auch die Gedanken an den heutigen Abschied hinter sich. Jedes Mal flossen Tränen aber sie war froh, dass ihr Kommen und Gehen zu keiner Nichtigkeit in der Familie geworden waren.

Auf dem Stützpunkt übergab sie dem zuständigen Sergeant ihre Autoschlüssel; da ihr Auto oft monatelang ungenutzt herumstand ließen sie es aus Platzgründen nicht auf dem Parkplatz stehen sondern brachten es in irgendeine Garage, in der man sich auch um TüV und Reparaturen kümmerte.

Da es bereits dunkel war nahm sie die Sonnenbrille ab und steckte sie in den Ausschnitt ihres grauen Pullovers, dann suchte nach ihrem Schlüsselbund. Als Offizier war sie meist einen Tag früher da um die Übersicht über die ankommenden Soldaten zu haben, jedoch nicht dieses Wochenende.

Riley, der früher Urlaub genommen hatte, war bereits da und überwachte den Gang mit den Zimmern der Task Force wie ein Adler.

„Wie geht’s, Prinz Harry?“, rief sie laut über den Gang. Riley sah genervt von dem Papierstapel auf dem kleinen Tisch auf.

„…Captain…“, grüßte er wenig begeistert.

Soap grinste ihn an. Seit sie zusammenarbeiteten lebten sie den Zwiespalt zwischen England und Schottland voll aus.

Sie nahm das Klemmbrett mit den Namen ihrer Soldaten an sich und bemerkte, dass Riley die Namen derer, die noch Urlaub hatten und heute nicht ankommen würden mit Rotstift und Lineal durchgestrichen hatte, wahrscheinlich aus Langeweile.

Schnell setzte Joann ihr undeutliches Kürzel hinter ihren Namen ganz oben auf der Liste (Cpt. MacTavish, J.) und gab ihm den Stift zurück.

„Wie ich sehe sind Sie dieses Mal nicht der Maniküre entkommen.“, stellte Riley amüsiert fest und deutete mit dem Kuli auf ihre Fingernägel. Joann hielt ihm die rechte Hand zum Begutachten hin und grinste erneut.

„Das ist Pastellblau, gerade der neuste Schrei.“ Erklärte sie.

„Steht Ihnen überhaupt nicht.“ Kommentierte Riley und hob die Hand wobei er Zeige- und Mittelfinger kreuzte. Das war eine Geste, aus der sie zuerst nicht schlau geworden war, hatte aber festgestellt, dass Riley sie sich anstatt „No Offence“ zu sagen angewöhnt hatte. „Beißt sich ein wenig mit der Uniform.“

Joann nickte und seufzte gespielt dramatisch. „Was für eine Schande.“

„Grich verspätet sich-“

„Wie immer.“

„-er steht im Stau. Archer und Coffin sind schon da, Toad wartet am Bahnhof auf Zack und Worm.“ Er sah auf das zerkratzte  Diensthandy. „Und Gregory verlängert seinen Urlaub spontan.“ Spuckte er aus.

Soap zuckte nur mit den Schultern, ob Scarecrow sich hier betrank oder morgen mit einem Kater käme war ihr herzlich gleich.

„Wie war Fidschi?“, fragte sie und stellte den Rucksack auf den Boden.

Riley fuhr sich durch die kurzen Haare.

„Nicht so. Wir haben Schluss gemacht. Irgendwie.“

„Irgendwie?“

Joann wusste von den Problemen der On/Off Beziehung des Lieutenants. Die ganze Task Force wusste davon. Jeder wusste davon.

„Ich bin zu wenig da und heiraten will sie mich auch nicht. Aber gleichzeitig vögelt sie schon gerne einen Elitesoldaten.“, erklärte er mit einer Mischung aus Frustration, Enttäuschung und Eigenlob in der Stimme.

Soap klopfte ihm auf die Schulter, dann hakte sie die Daumen in die Gürtellaschen ihrer Jeans.

„Und sonst?“

„Wie immer. Bei Ihnen?“

„Wie immer.“

Riley grinste, Joann hatte ihm kurz von ihrer Mutter erzählt die „so besorgt“ um sie war.

„Ich habe gehört…“ Er lehnte sich zurück und sie wurde misstrauisch.

„Sie haben gehört?“

„Dass wir einen FNG kriegen?“

Joann schnaubte undamenhaft.

„Wenn alles wahr wäre was sie so hören, Lieutenant.“ Sie schulterte ihren Rucksack um die Konversation zu beenden. Sie mochte es nicht, Entscheidungen über neue Soldaten ohne ihn treffen zu müssen, aber Befehle waren Befehle.

„Kommen Sie schon, Captain!“

„Sie brauchen doch nur jemanden, der sich einschleimt und Ihnen sagt, wie toll ihre Haare sind, Riley!“ rief sie über die Schulter zurück.

141




Am nächsten Mittag war die ganze diensthabende Task Force versammelt, nüchtern und in ihren Uniformen. Sie standen in dem offenen Hangar, nur wenig vor dem Nieselregen geschützt. Riley und MacTavish waren über Papiere gebeugt, der Rest unterhielt sich leise. Noch hatten sie keine neue Mission die darauf wartete erfolgreich beendet zu werden.

„Meine Herren.“ Sofort wandten sich alle zu ihr. „Wir haben ein bisschen herumgefragt und die Rangers sind so freundlich-“ ein erwartungsvolles Grinsen machte sich breit „-sich ihren Spielplatz mit uns zu teilen. Wir werden in Colorado auf Standby sein, sie werden als Einzelkämpfer ausgebildet und-“ sie machte eine dramatische Pause. „-wir bekommen einen FNG.“

Sie unterdrückte ein Lachen bei dem Geräusch das Riley neben ihr machte.

„Grinch, er gehört Ihnen.“ Der Sergeant trat vor und erhielt ein zweites Schlüsselset sowie die Abzeichen für den Neuen.

„Ich werde ihn „Ozone“ nennen!“ verkündete er stolz. Es war mittlerweile Tradition geworden, dass FNGs neue Rufnamen verpasst bekamen, egal wie alt oder elitär sie vor der Task Force waren. Nur MacTavish, die ihren alten Rufnamen nicht einmal unter Folter laut aussprechen würde, und Riley waren dank ihres Rangs verschont geblieben.

Joann seufzte. „Versuchen Sie zumindest nett zu sein.“

„Ja, Sir!“

Coffin hob die Hand.

„Sir?“

Sie zog die Augenbrauen hoch als Zeichen, dass er sprechen sollte.

„Fast alle von uns haben das Einzelkämpferabzeichen schon lange…“

MacTavish nickte und sah zu Riley.

„Es ist ein besseres Abzeichen, noch extremer und hat einen viel besser angesehenen Status. Es ist neu eingeführt und man kann nur mit einer Reihe von bereits erhaltenen Qualifikation antreten.“

MacTavish nickte wieder.

„Allerdings kann man sich nicht bewerben.“, ergänzte sie „Wir schlagen sie vor.“

„Und der Rest?“

„Wird es nach ihrem Urlaub machen, aber behalten Sie das für sich.“ Erklärte Riley. „Sie sind entlassen für den Tag, Ausgang bis 2000 h und es hat mir jemand gesagt, einige Rekruten trainieren auf dem Platz…“

Joann sah amüsiert auf ihre grinsende Einheit. Andere Soldaten beobachten und abfällig bewerten war ein ungesundes Hobby geworden.

141




„Eine Frage, ‘Tavish.“

Sie gingen nebeneinander her, wie so oft mit Akten beladen.

„Als Captain konnten Sie das ganze Team inklusive mir, vorschlagen. Wer hat Sie vorgeschlagen?“

Sie sah ihn von der Seite an.

„Machen Sie sich nicht lächerlich, Riley. Ich würde Sie ja kaum etwas machen lassen von dem ich keine Ahnung habe, oder?“

„Das heißt… Sie haben das Abzeichen bereits gemacht?“ er runzelte die Stirn.

„Ich bin Ihr Captain, das heißt ich kann keine Erwartungen an meine Leute stellen die ich nicht selbst erfüllen kann.“

„Und dann machen Sie einfach so Mal mir nichts dir nichts übers Wochenende ein verficktes neues Eliteabzeichen?“

„Deshalb, Riley,“, sie lächelte ihn an und imitierte seine arrogante Art. „Bin ich Captain.“

MacTavish kannte Riley bereits lange genug  um zu wissen wie man den Ehrgeiz des Lieutenants wecken konnte. Sie wusste auch, dass er das Abzeichen nicht alleine bestehen wollte, sondern dass für ihn dieser Ausflug nur dann ein Erfolg war, wenn jeder der Teilnehmer aus seiner Einheit sein Abzeichen hatte.

Deshalb hetzte er seine Soldaten seit sechs Uhr über das Gelände und während die Sonne langsam aufging verschlimmerten sich seine Beschimpfungen.

„Lieutenant Riley! Hören Sie einen Moment mit dem Fluchen auf und schicken Sie Grinch zu mir!“

Erleichterung spiegelte sich auf dem Gesicht des Sergeant als er an ihre Seite eilte.

„Beschimpfe Sie sie nicht zu sehr.“ Sagte sie noch leise zu Riley als sie an ihm vorbeiging und warf ihm einen warnenden Blick zu. Das war wahrscheinlich der Grund, warum er noch kein Captain war; manchmal ließ er sich doch zu sehr von seiner Arroganz leiten.

„Grinch, machen Sie sich schön für den FNG, der erste Eindruck zählt!“

„Das ist er? Die werden auch immer jünger.“ Stellte Grinch leise fest und musterte den jungen Sergeant der auf sie zueilte aufmerksam. Im letzten Moment fiel ihm auf, dass sie der Captain war und nicht Grinch, überspielte seine Überraschung gut und salutierte zackig. Das war etwas an das sich Joann bereits gewöhnt hatte, Riley hingegen fragte sie des Öfteren, ob es sie nicht nervte unter ihrem Rang gesehen zu werden. MacTavish war es trotzdem egal, sie hatte ihre dekorierte Uniform und eine kleine Medalliensammlung zu Hause.

„Sir! Ma’am! Miss!“ korrigierte sich der Sergeant offensichtlich nervös und lief prompt rot an.

Sie musste grinsen.

„Sir passt schon. Willkommen in der 141, Walker. Sie werden sich schnell eingewöhnen, Grinch hier wird Ihnen alles zeigen.“ Damit ließ sie beide wegtreten.

141




Der Army Ranger „Spielplatz“ war taff.

Die Einzelkämpferprüfung würde noch härter sein.

MacTavish und ihre Männer standen in den Standard Trainingsklamotten auf einem mit Mulch gestreuten Platz. In großen Abstand saß eine Gruppe Ranger Anwärter auf dem Boden, umgeben von Drill Sergeants in schwarzen T-Shirts deren Gebrüll zu ihnen herüberhallte.

„Blamiert mich bloß nicht vor denen.“ Knurrte Riley. Innerlich verdrehte Joann die Augen und zählte noch einmal durch. 17. Alle da. Der FNG stand mit hochroten Wangen zwischen Grinch und Archer, Reste der mit Edding gemalten Monobraue und Harry Potter Blitz noch im Gesicht.

„Da Sie alle einen einigermaßen ausgeschlafenen und nüchternen Eindruck machen denke ich, können wir beginnen. Ich werde nicht anfangen rumzubrüllen wie die da“ mit dem Klemmbrett deutete sie auf die Drill Sergeants „also hören Sie gut zu, ich werde nichts wiederholen. Heute und Morgen werden wir so tun, als wollten Sie das Rangers Abzeichen. Die darauffolgende Woche werden Sie Ihr Bestes und noch mehr geben um sich das eigentliche Abzeichen zu holen.“

Toad hob die Hand.

„Eine Woche, Ma’am?“ Er war einer der wenigen die zu MacTavish tatsächlich Ma’am sagten.

Riley blies kurz in seine Trillerpfeife und warf einen Tennisball nach dem Staff Sergeant der ihn hart an der Schulter traf.

„Keine Wiederholungen! 20 Liegestützen für alle. 10 mehr für jede weitere dumme Frage. Haben Sie verstanden?“ Riley funkelte die Soldaten an und MacTavish ärgerte sich, nicht selbst auf die Tennisball Idee gekommen zu sein.

„Sir, Ja, Sir!“ und schon lagen alle auf dem Boden, auf Rileys Kommando wartend.

„Da Sie bereits einige Missionen hinter sich haben rufen wir zur Selbstkontrolle auf, zumindest in den ersten beiden Tagen. Riley und ich werden mit Ihnen trainieren.“ Sie schritt das Rechteck, das ihre Leute Bildeten ab während diese die verlangten Liegestützen machten.

Nachdem die Strafe beendet war erklärte Riley den weiteren Ablauf, dabei warf er seinen Tennisball immer wieder drohend in die Luft.

„Wir werden was tun?!“ keuchte Archer nach der letzten Ansage.

„Sagt „Danke, Archer!“!“, grinste Joann.

„Danke Archer!“ brüllte die Gruppe und warf sich wieder auf den Boden.

Am Morgen des zweiten Tages war Joann nah dran den Drill Sergeant zu Boden zu ringen und zu verprügeln. Obwohl die 141 explizit alleine trainierte dachte einer der „Ich war mal kurz im Krieg, ich weiß alles besser“ Heinis, ihr, einem Captain, sagen zu müssen wie es besser ging. Klar konnte man eine Gruppe Soldaten ohne Ränge an den Klamotten für Rookies halten, aber verdammte Rookies legten nicht alle eine nahezu perfekte Demonstration des Parcours hin. Normalerweise gefielt es ihr nicht die „Ich bin ein Captain“ Karte zu ziehen, wobei sich Drill Sergeants sowieso für was Besseres hielten und für jedes ihrer Verhalten eine Erklärung hatten à la „ Wir wollen dass Sie ihr Bestes aus sich herausholen und Ränge sind dabei unwichtig“. Trotzdem war es schwer für sie sich auf das Scharfschützengewehr, die Ziele und die Zeit zu konzentrieren wenn ihr jemand Obszönitäten ins Ohr brüllte.

Sie hatte keine Probleme mit den Sprüchen der Drill Sergeants solange es sich nicht nur darum drehte, dass sie eine Frau war und nur durch Sex ihre Stelle erhalten hatte.

Joann warf einen Seitenblick auf Riley der seit der ersten Beleidigung die auf ihr Geschlecht anspielte immer wieder von seinem Zielfernrohr hinüberschielte. Mittlerweile verstanden sie sich ohne Worte und er rief lauter als nötig:

„Captain MacTavish, ich bräuchte Ihren Rat!“.

Der Drill Sergeant verstummte als MacTavish sich zu ihrer vollen Größe von fast einem Meter achtizg aufrichtete und ihn säuerlich ansah.

Dann ging sie sich zu Riley und nahm das Spotter Fernglas. Von Kommentaren über ihre Vagina und Sex mit Übergeordneten würde sie sich nicht den Tag verderben lassen. Solange Riley die Klappe hielt und nicht einfühlsam darüber zureden versuchte.

Der Lieutenant war ein guter Kamerad, noch besserer Soldat und der perfekte Lieutenant, doch manchmal versagte er im Bereich des Fingerspitzengefühls.

„Warum haben Sie ihm keine reingehauen, Cap?“

Sie blieb still und begann ihre Berechnungen.

Riley seufzte.

141




Am Mittwochmorgen stand das Team in voller Montur und mit theoretisch bestandenem Rangers Abzeichen vor ihr. Nach dem anstrengenden „Training“ waren sie perfekt aufgewärmt für die Prüfung.

Diese Prüfung sollte sie in Grenzsituationen testen, wenn sie zum Beispiel nach einer anstrengenden Mission von der Einheit getrennt wurden und alleine hinter feindlichen Linien überleben mussten.

Das Ranger Training war also die Mission, die sie abgeschlossen hatten und nach sechs Stunden Schlaf würden die noch erschöpften Männer auf dem Trainingsgelände ausgesetzt werden.

„In wenigen Minuten beginnt Ihre Prüfung, und ich habe Sie hierfür vorschlagen, nicht damit Sie lustige Aufnäher sammeln können sondern weil ich der Meinung bin, dass Sie würdige Elitesoldaten sind die sich diese seltene Auszeichnung verdient haben. Ich erwarte von jedem von Ihnen, dass Sie diese Prüfung bestehen. Vergessen Sie nie, dass Sie keine normalen Soldaten sind sondern Wertvolle Mitglieder der 141 und es ist ein Privileg in dieser Einheit zu dienen.“ Sie machte eine Pause, solche langen und filmreifen Reden waren eher Rileys Stil.

„Und jetzt“ sagte sie und ließ ihren schottischen Akzent einfließen. „Macht mich stolz.“

141




Die darauffolgende Woche war keinerlei Urlaub für sie denn zu allen Tages- und Nachtzeiten überwachte sie ihre Kameraden, machte sich Notizen und gab den Rangers und Drill Sergeants, die als feindliche Soldaten fungierten, Anweisungen.

Sie grinste als sie Riley durch das Nachtsichtgerät beobachtete der einen Ranger zu Boden riss und ihn damit „tötete“. Sie vermutete, dass er den Drill Sergeant der sie beschimpft hatte mehr als nötig verprügeln würde, sollte er ihm über den Weg laufen.

Der dritte Tag der Prüfung begann für alle gut; einige waren in der Nacht marschiert, andere hatten ein paar Stunden geschlafen. Sie wollte sich auf den Weg zu dem Areal machen in dem Archer war (etwas auf das sie sich freute, da Archer ein Meister der Tarnung war), als ein Jeep vorfuhr und neben ihrem parkte.

„Captain MacTavish, ich bringe ihnen Sergeant Walker. Er hat aufgegeben.“ Die Häme im letzten Satz entging ihr nicht, deshalb gab sie ein trockenes: „Allein für die Prüfung ausgewählt zu werden macht ihn zu einem außergewöhnlichen Soldaten. Etwas, was nicht viele erreichen werden.“ Zurück und ließ ihn wegtreten.

„Reden Sie mit mir, Sergeant.“ Befahlt sie als sie Walker vom Beifahrersitz zog und seine Ausrüstung nahm.

Mit erstickter Stimme begann er seine Fehler die zu seinem Versagen geführt hatten aufzuzählen.

„Reden Sie keinen Schwachsinn, Sergeant, ich will das hören, was Sie richtig gemacht haben.“ Knurrte sie während sie ihn in die Baracke schob.

Fast eine Stunde später hatte sie Ozones Selbstvertrauen wieder so weit hergestellt, dass er nun nach einer heißen Dusche und einer Mahlzeit im Bett lag und tief und fest schlief.

Während Joann auf den Ausguck stieg rollte sie die Ärmel ihres weißen Fleecepullis nach oben. Eine hässliche Narbe zerschnitt das Tattoo an ihrem linken Unterarm, eine Erinnerung an Bagdad.

„Wie machen sie sich?“, fragte sie die beiden wachhabenden Corporals die Archer, Worm und Grinch im Auge behalten sollten.

„Staff Sergeant Miller wurde heute fast von den Hunden aufgespürt, Ma’am, Stevens hat seine Position nicht verändert und O‘Reilly ist komplett vom Schirm, Ma’am.“

MacTavish nickte während sie durch das Fernglas spähte. Wie erwartet von Archer, dass er sich unter dem Radar bewegte. Dank der Herzschlagüberwachung wusste sie allerdings, dass er noch lebte.

„Was ist für Heute geplant?“

„Eine Patrouille mit Hunden die sie in Richtung Straße treiben soll, auf der Straße wird eine weitere Streife fahren, mit Suchscheinwerfern.“ Erklärte der andere Corporal und fügte hastig ein „Ma’am“ hinzu. Joann nickte und notierte sich etwas auf ihrem Klemmbrett.

141




„Captain MacTavish!“

Joann fuhr aus einem tiefen, traumlosen Schlaf hoch und öffnete die Tür.

Der Corporal vor ihr sah kurz irritiert aus, dann salutierte er und berichtete:

„Lieutenant Riley hat die Prüfung abgeschlossen!“

Sie nickte und schloss die Tür wieder ohne den Corporal zu verabschieden.

Eine erwartete Leistung von Simon.

Kurz darauf stand sie mit Stiefeln, Militärhose, dem Fleecepulli und einer schwarzen Mütze über den offenen Haaren auf dem grell beleuchteten Hof und wartete mit zwei Drill Sergeants und ihrem obligatorischen Klemmbrett auf Riley. Dieser hatte den Luxus zurückgefahren zu werden in seinem Hochmut abgelehnt und darauf bestanden samt Ausrüstung zurückzulaufen. Dafür gab es zwar keine Extrapunkte aber sie notierte sich trotzdem ein A+ für Bemühungen.

Der Humvee mit den Soldaten aus dem Camp das Riley infiltriert hatte kam auf sie zu und fluchend sprangen die Männer zu Boden. Gegrummelte Beleidigungen gegen Riley und Klagen über Verletzungen drangen zu ihr herüber.

Joann notierte neben Rileys Namen noch einen Badass Bonus.

„Niemand hat ihn gesehen!“ erklärte der Campleiter des von Rileys infiltrierten Lagers seinem Drill Sergeant und klang fast vorwurfsvoll. „Wir haben es erst gemerkt als es zu spät war!“ fügte er kläglich hinzu und Joann hatte keinen Platz mehr auf ihrem Klemmbrett für einen weiteren Riley Bonus.

141




Bis auf Ozone bestanden alle das Abzeichen und sobald der letzte seine Prüfung beendet und geduscht hatte versammelte MacTavish sie wieder auf dem bemulchten Platz.

„Vor einer Woche habe Sie hier gestanden und wussten nicht, was für Steine die Prüfung Ihnen in den Weg legen würde. Heute stehen Sie vor mir und ich sehe, dass Sie jede Schwierigkeit erfolgreich gemeistert haben. Sie haben Ihr Bestes gegeben, wie erwartet, gekämpft und geblutet“ Grinch grinste mit aufgeplatzten Lippen „Jetzt können Sie es sicher nicht erwarten Ihr Abzeichen in den Händen zu halten. Sie finden sie am Startpunkt Ihrer Prüfungen.“

Sie lächelte als die Soldaten stöhnten.

„Aber bevor Sie sich wieder im Wald verirren möchte ich noch Lieutenant Rileys besondere Leistung ehren. Treten Sie vor.“

Riley trat selbstbewusst aus der Reihe, das sinkende Sonnenlicht brachte seine rötlichen Haare zum Leuchten und er musste ein Grinsen unterdrücken.

„Er hat das einzunehmende Camp nach gründlicher Beobachtung in nur einer Nacht eingenommen. Und das ohne gesehen zu werden, sodass kein Alarm geschlagen oder Schüsse der Feinde abgefeuert wurden.  Wie ein Geist haben Sie das Camp infiltriert und mit Bravour bestanden. Deshalb habe ich beschlossen, dass es Zeit wird unserem Lieutenant einen Rufnamen zu verpassen. Von heute an haben Sie alle die Erlaubnis unseren Lieutenant „Ghost“ zu nennen.“

Sie zog das Balaclava mit dem Totenkopf aus der Hosentasche, faltete es auf und reichte es Riley.

„Willkommen in der 141, Ghost. Und nun, fröhliches Suchen. Das gilt auch für Sie, Ozone.“

Zwei Stunden später hielt jeder das kleine Abzeichen mit dem Wolfskopf in der Hand, bis auf Ozone der etwas enttäuscht aber amüsiert einen goldenen „You tried“ Stern in der Hand hielt.

141




Joann war davon ausgegangen, dass alle bereits tief und fest schliefen und war dementsprechend überrascht als es nochmal an ihrer Tür klopfte.

„Herein.“ Sagte sie, nahm den Laptop von den Beinen und setzte sich richtig an den Tisch.

Riley trat ein und wank mit dem Klemmbrett.

„Hey, Captain, ich hätte eine Frage zu – oh, hey, offene Haare.“

Er starrte einen Moment auf ihre Handtuchtrockenen Haare bevor er tief Luft holte.  „sieht gut aus.“ Beschloss er und setzte sich zu ihr an den kleinen Tisch.

„Was ist das, Captain?“, fragte er dann  und zeigt auf ihre krakligen Notizen.

„Das sind wichtige Anmerkungen meiner Wenigkeit.“ Erklärte sie trocken.

Riley grinste.

„Wird der Riley Bonus von nun an während dem Training verteilt?“

„Oh ja, spätestens in einem Jahr habe ich ihn als Grundstein aller Bewertungssysteme durchgesetzt.“ Erwiderte sie mit einem Lächeln auf den Lippen.

Nach einem Moment der Stille, die schon fast peinlich wurde, sagte Riley aufrichtig:

„Danke, dass sie mir keinen bescheuerten Spitznamen verpasst haben.“

Joann lächelte.

„Da nicht für, Ghost.“

141




Die 141 stand vor der Baracke und wartete auf den Kleinbus der sie zum Flugplatz bringen würde. Riley telefonierte im Hintergrund, wahrscheinlich mit seiner Freundin. Oder Ex Freundin. Die anderen standen mit dem Gepäck zwischen ihren Füßen im Kreis und redeten über ihre Erlebnisse in der Prüfung. Grinch erzählte abermals, wie er zu dem blauen Auge gekommen war. Jedes Mal wurde die Geschichte Actionfilm reifer.

Außer MacTavish wusste keiner, dass er sich eigentlich selbst mit der Waffe geschlagen hatte als er nachts gestolpert und kein Feind im Umkreis von fünfzig Metern war.

„Captain MacTavish!“ und sah auf einen jungen Sergeant mit dem sie fast gleichauf war. Er salutierte und schien unglaublich nervös.

„Sergeant Gary Sanderson, Ma’am, US Army Rangers!“

Sie nickte nur.

„Bitte um Erlaubnis frei zu sprechen, Ma’am!“

„Erlaubnis erteilt, Sanderson.“ Joann war ein wenig irritiert.

„Es ist mir eine Ehre persönlich mit Ihnen Sprechen zu dürfen, Ma’am!“ Noch bevor sie etwas erwidern konnte fuhr er mit glänzenden Augen fort. „Die 141 ist die wohl beeindruckendste  Einheit und ein perfektes Beispiel wie alle Nationen kollaborieren sollten um den Terror zu bekämpfen! Ohne eine Offizierin wie Sie hätte sie sicherlich noch nicht so viele Erfolge für die vereinten Nationen eingebracht. Ihr Werdegang, Ma’am, ist beeindruckend und sollte eine Inspiration für jeden Soldaten sein!“

„Danke, Sergeant Sanderson.“ Die Irritation hatte es in ihre Stimme geschafft, er schien es aber nicht zu bemerken.

„Ich weiß, dass man für die 141 ausgewählt wird, jedoch ist es mein Traum Elitesoldat zu werden und ich bin mir sicher, dass ich unter Ihnen sehr viel lernen kann!“

Sie presste die Lippen zusammen um sich einen Kommentar zu verkneifen, dabei verfluchte sie ihre Männer und deren pubertäres Kichern im Hintergrund.

„Deshalb möchte ich mich für die 141 bewerben! Ich verspreche Ihnen, mein Bestes und noch viel mehr zu geben, ich bin bei meinem ersten Versuch Army Ranger geworden und war immer unter den fünf besten meiner Einheiten und Abschlussklassen! Außerdem kenne ich viele ihrer Taktiken bereits aus den Trainingsvideos und ihre Nahkampftechniken sind beeindrucken!“

Jetzt war Joann fast verstört, nicht nur wegen Toads erstickten Lachen sondern auch wegen der Trainingsvideos von denen sie nichts wusste.

„Bitte, Captain MacTavish, geben Sie mir nur eine Chance und ich werde Ihnen beweisen, dass ich der beste Soldat bin, der je unter Ihrem Kommando stand!“

Spätestens jetzt musste Riley ihn hassen, davon war MacTavish überzeugt. Es tat ihr wirklich leid einem jungen und engagierten Soldaten so das Herz zu brechen, denn sie sah bei ihren nächsten Worten förmlich wie die Hoffnung in seinen Augen erlosch und Enttäuschung sich breit machte.

„Es ehrt mich und meine Einheit, dass Sie eine so positive Meinung von uns haben.“ Sagte sie langsam und sah ihm in die Augen. „Allerdings haben Sie auch Recht; man wird in die 141 gewählt. Geben sie die Hoffnung nicht auf, Sie sind bereits ohne in einer Task Force zu sein ein wertvoller Soldat der Unschuldige rettet und sein Land beschützt.“

Joann war unglaublich froh, dass der Bus vorfuhr. Personalentscheidungenlagen nicht bei ihr; der etwas altmodische General Sheperd bestimmte selbst wer mitmischen durfte und wer nicht. Sie hasste es die Träume eines jungen Mannes zu zerstören.

„Geben sie die Hoffnung nicht auf. Sie sind noch jung und haben Talent.“

Eigentlich wollte sie ihm etwas aufbauenderes als das oder zumindest sowas wie „Ich werde mir Ihren Namen merken“ sagen, aber wurde Sheperd nicht von selbst auf Sanderson aufmerksam konnte er seine Träume vergessen.

MacTavish nickte dem geknickten Sergeant zu und stieg in den Bus.

„Was war das denn?“, fragte Riley in einem unglaublich zickigen Tonfall.

„‘Tavish, Sie haben einen Fan!“ rief Scarecrow aufgekratzt.

„Schnauze da hinten.“

„Er kann sehr viel unter Ihnen lernen!“ schnurrte Toad in einem eindeutig zweideutigen Tonfall. Joann verdrehte sie Augen.

„Ihre Nahkampftechniken sind beeindrucken!“ führte Grinch fort.

„Haltet verdammt noch mal die Fresse!“ brüllte Riley, der Fahrer zuckte erschrocken zusammen. Stille legte sich über sie und Joann schrieb eine SMS an ihre Mutter, dass sie bald wieder in Schottland sein würde.

„Jetzt im Ernst, Cap“ begann Riley leiser als die Gespräche zwischen den Soldaten wieder einsetzen. „Was sollte denn das von einem Sergeant?“ das letzte Wort sprach er wie ein Schimpfwort aus.

„Die Hälfte unserer Leute sind auch Sergeants, falls Ihnen das entgangen sein sollte. Und Sie waren auch mal einer, also ziehen sie Ihren Kopf aus Ihrem Arsch und regen Sie sich nicht über einen jungen Mann auf, der einen Traum hat und verdammt noch Mal die Eier dazu, Fragen zu stellen auf die er die Antwort schon kennt!“ zischte Sie. Woher ihre plötzliche Wut auf Riley kam wusste sie nicht, aber es tat ihr auch nicht Leid, dass er jetzt schmollend neben ihr saß. Den Rest der Fahrt sah sie nachdenklich aus dem Fenster.


>>Probedinner. Mittwoch. Du Anwesend. 16 Uhr ZU HAUSE

>>1600

>>damit du es verstehst.

>>Das ist mir wichtig, Joann

>>Und du wirst ein Kleid tragen!!!!!!!!!!!!!! Mom wird eins für dich aussuchen, passt dir 38 noch?

>>Egal schick mir deine Maße sobald du gelandet bist

>>Schon da?


Joann sah auf die Flut von SMS die ihre Schwester ihr geschickt hatte. Für sie war das Probedinner für die Verlobungsfeier heilig. Seufzend steckte sie ihr Handy wieder ein. Woher sollte sie bitte ein Maßband kriegen?

Nach dem Umsteigen in den Helikopter und der Ankunft auf dem Stützpunkt war sie überraschend müde und wollte nur noch Schlafen. Zeitverschiebung und Hunger waren eine schlechte Kombination, besonders wenn man sich erst um den Rest seiner Task Force kümmern musste deren Urlaub jetzt vorbei war. Deshalb war es auch schon weit nach Mitternacht als sie endlich eine Dose Ravioli aufriss und nach einem nicht verklebten Löffel suchte.

Ihre Maße konnte sie ihrer Schwester auch noch morgen geben.

Bis Mittwoch verging sie Zeit wie im Flug. Sie musste die Einzelkämpferprüfung für den Rest der Task Force organisieren, Doc zu einer Weiterbildung schicken, Archers und Toads Anträge auf neue Ausrüstung bearbeiten und nebenbei den jungen Army Ranger aus Colorado recherchieren.

Sie schloss den Tab als Riley hereinkam, sie brauchte keinen zickigen Lieutenant wenn Sie Papierkram auf ihn abwälzen wollte.

„Ich habe jetzt endlich von allen die Formulare.“ Sagte er und legte einen dicken Papierstapel vor ihr ab.

„Haben sie wieder Leute zu Boden gerungen und ihre Unterschrift gefordert?“

„…Nein, Captain.“

Sie rieb sich die Augen und sah auf den Stapel Versicherungsnachweise, Überstundenformulare, Krankentage und und und.

Joann sollte durch den Schlamm robben, nicht unter Papier und Tinte ersticken.

„Machen Sie das, Riley.“

„Bitte?“

„Nehmen sie sich ein Glas Scotch und fangen Sie an. Ich muss recherchieren.“

„Suchen Sie Ihre Trainingsvideos?“ grinste er.

„Wussten Sie etwa davon?“ fragte sie scharf und ihre Augen verengten sich zu Schlitzen. „Riley, ich schwöre Ihnen, wenn Sie davon wussten und mir nichts gesagt haben war „Ghost“ die längste Zeit ihr Spitzname!“

Abwehrend hob er die Hände.

„Ich habe auch erst in Colorado davon erfahren. Aber ich weiß wo man die Videos findet. Unter…“

„Es interessiert mich nicht. Arbeiten Sie.“

Riley verzog sich hinter seinen Schreibtisch und kramte lange in einer Schublade, wohl um sein Grinsen zu verbergen. Eine angenehme Stille legte sich über die Beiden die nur von Papierrascheln und Tippen unterbrochen wurde.

„Wie lautet der Link?“






----
Danke fürs Lesen! Und Danke im Voraus wenn ihr eine meiner Fragen beantwortet :)
Wie findet ihr eine weibliche MacTavish? Zu OC mäßig? Ist sie authentisch?
Leider hat es mir mit dem .docx Upload wieder total die Formatierung zerhauen, ist es trotzdem angenehm zu lesen?
Ich habe statt der 48 Word Seiten auf einmal beschlossen Kapitel zu machen; Sind 15 Word Seiten eine gute Länge? Oder zu lang/kurz?
Review schreiben