Schwarzer Komet

von Yosephia
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P18 Slash
Gray Fullbuster Levy McGarden Lucy Heartfilia Natsu Dragneel Rogue Cheney Sting Eucliffe
26.12.2016
25.08.2018
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Herzlich willkommen zu meiner ersten FanFic hier auf der Seite! Auf einer anderen Seite habe ich bereits bis zum elften (eigentlich zehnten, das hier ist der Prolog) hochgeladen. In den nächsten Tagen werde ich die Story hier auf den aktuellen Stand bringen, danach wird es nur noch jeden zweiten Sonntag einen Upload geben - solange ich handschriftlich noch genug Vorrat habe.

Ich würde mich sehr über Rückmeldungen freuen - egal ob in Form eines Kommentars oder eines Sterns^^

Viel Spaß beim Lesen!
Yo

*~*~*~*~*~*

Es war eine wolkenlose Nacht. Wie geschaffen für jeden Astronomen. Tausende und abertausende von Sternen erhellten sie. Ganz deutlich schlängelte sich die Milchstraße über den Himmel und der Mond, voll und rund und ungewöhnlich groß, leuchtete fahl.
Eine Nacht der Verheißungen für all jene, die glaubten, in den Sternen die Zukunft lesen zu können. Eine Nacht der Gelehrsamkeit, denn an der Universität von Crocus und an allen anderen Lehrstätten des Landes würden die Studenten heute von ihren Professoren auf die Astronomie-Türme getrieben, um bis zum Morgengrauen die Sterne zu studieren. Eine Nacht der Heimlichkeiten, der Abenteuer und der Romanzen. Mancherorts wurde diese Nacht zum Anlass für rauschhafte Feiern und obskure Rituale.
Und es war eine Nacht, in welcher der Puls der Sterne die ganze Welt vibrieren ließ. Unbemerkt wie eh und je, doch so stark wie selten zuvor. Er ließ das Miasma in allen Dingen und Wesen wirbeln, trieb das Land auf und ab.
In ihrer kleinen, schmuddeligen Zelle spürte Lucy diesen Puls so deutlich wie ihren eigenen, während sie den winzigen Ausschnitt des Himmels betrachtete, welchen sie durch die Sichtscharte sehen konnte. Von einem Fenster konnte dabei keine Rede sein, hätte doch nicht einmal Lucys Kopf hindurch gepasst.
Es war ein Sternenhimmel, dem ein Hauch von Schicksal anhaftete. Genau solch ein Himmel hatte sie bereits vor zwanzig Jahren heimgesucht, als sie das erste Mal den Puls der Sterne gespürt hatte. Dort oben in den unendlichen Weiten, deren Geheimnisse ihr Professor Michello an der Universität offen gelegt hatte, war etwas im Gange. Ein Geheimnis fernab jeder Wissenschaft. Doch Lucy war der einzige Mensch in Fiore, der davon wusste. In keinem noch so dicken Buch hatte sie jemals etwas über den Puls der Sterne gelesen, der sie doch seit ihrer Kindheit verfolgte.
Das Stimmenrauschen von draußen schwoll allmählich an. Schaulustige, nahm Lucy an, die nach Blut gierten. Lucys Blut. Das Blut eines Opfers zu Ehren des Schwarzen Kometen.
So war es Lucy erklärt worden, als sie hier eingesperrt worden war. Sie musste geopfert werden, um den Schwarzen Kometen zu wecken. Wozu das jedoch gut sein sollte und wer oder was dieser Schwarze Komet überhaupt war, das hatte ihr keiner gesagt. Sie hatte den Verdacht, dass diese Fanatiker dies selbst nicht so genau wussten.
Lucy holte tief Luft und verschränkte ihre Finger miteinander, um deren Zittern unter Kontrolle zu bekommen. Ihr war vor Angst ganz flau im Magen und in ihren Augen brannten Tränen. Sie versuchte, sich die alten Lieder der Geister in Erinnerung zu rufen, aber ihre Gedanken kreisten immer wieder um das, was sie in dieser Nacht erwartete.
Sie legte sich die Hände aufs Gesicht, als die Tränen sich nicht mehr zurückhalten ließen.
Sie wollte nicht sterben...
 
Als die Zellentür mit einem grausamen Quietschen geöffnet wurde, erhob sich Lucy vom feuchten, kalten Zellenboden, das Kinn trotzig nach vorn gereckt, die Augen trocken.
Zwei Akolythen in schwarzen Kutten kamen herein und bezogen zu beiden Seiten Lucys Position. Sie führten Lucy durch das modrige Kellergewölbe und schließlich eine steile Steintreppe hinauf auf den Innenhof einer kleinen, düsteren Festung, die ihre besten Tage schon lange hinter sich hatte.
Lucy erkannte die Nachlässigkeit, mit der die hölzernen Unterstände für die Pferde zusammen gezimmert worden waren, und die Tür, welche zu den Kerkern hinunter führte, hing schief in den Angeln.
Es ging über den Hof und zum Tor, zur Quelle unzähliger Stimmen, die wild durcheinander riefen. Am Tor wurde Lucy von weiteren Akolythen umringt. Ob sie ihr wertvolles Opfer vor den Gaffern schützen oder einfach nur an der Flucht hindern wollten, erschloss sich Lucy nicht. Höchstwahrscheinlich Beides.
Quälend langsam und mit grausam quietschenden und knarrenden Gewinden wurde das Tor hochgezogen. Das vorher noch von den Mauern gedämpfte Geschrei der Menge – mehrere hundert Menschen mochten sich auf den Platz vor der kleinen Festung versammelt haben – traf Lucy mit voller Wucht und ließ sie erschrocken zurück taumeln. Männer und Frauen, zumeist von schrecklich herunter gekommener Erscheinung, streckten kreischend und stöhnend die dreckigen Finger nach Lucy aus. Die junge Frau war beinahe froh um den undurchlässigen Ring, welchen die Akolythen um sie herum gebildet hatten.
Nur stockend kam die Prozession voran. Die Akolythen mussten sich mit bald blutigen Knüppeln einen Weg frei schlagen. Erst nach einem dutzend Schritten wurde Lucy des hölzernen Podests gewahr, welches in der Mitte des Platzes stand. Darauf wartete ein Mann mit einer wallenden schwarz-weißen Robe und langem, schlohweißem Bart, die Arme in einer prophetischen Geste weit ausgestreckt.
Lucy wollte den Blick abwenden, wollte sich umdrehen und die Flucht ergreifen, aber ihr war bereits in ihrer moderigen Zelle klar geworden, dass sie keine Chance hatte. Sie war alleine unter hunderten von Wilden, sie war unbewaffnet und sie wusste nicht einmal, in welcher Ecke von Fiore sie sich befand.
In all dem Chaos um sie herum erblickte Lucy plötzlich ein bekanntes Gesicht. Die blauen Haare, die sich nie so ganz zähmen ließen, mochten unter einer Kapuze verborgen sein, aber diese großen, klugen Augen hätte Lucy jederzeit erkannt. Es handelte sich um ihre beste Freundin Levy McGarden, die jetzt eigentlich in der wunderschönen Universität von Crocus ihren Studien nachgehen sollte.
Lucy erkannte das Entsetzen in den Augen ihrer Freundin. Sie öffnete bereits die Lippen. In Lucy machte sich Panik breit. Wenn Levy zu erkennen gab, dass sie mit dem Opfer befreundet war? Nein, das konnte Lucy unter keinen Umständen zulassen! Sie stolperte wie zufällig und ließ sich nach vorn fallen. Im Fallen fing sie wieder den Blick ihrer Freundin auf und schüttelte einmal den Kopf.
Der Aufprall war hart. Lucy schlug sich das linke Knie auf und ihre Handballen wurden auf der grob gepflasterten Straße aufgeschürft. Ehe Lucy sich selbst wieder aufrappeln konnte, wurde sie von einem Akolythen an den Haaren in die Höhe gerissen und dann weiter geschoben.
Lucy stolperte weiter. Ihre Freundin hatte sie aus den Augen verloren, aber sie hoffte, dass ihr Manöver etwas gebracht hatte. Leider kannte sie Levy zu gut, um auch darauf zu hoffen, dass sie gleich die Stadt verlassen würde.
Sie erreichte mit ihrer Eskorte das Podest. Zwei der Akolythen begleiteten sie nach oben und zwangen sie dort sofort in eine kniende Position direkt vor einer großen, flachen Schale, in welcher ein seltsam verzierter Ritualdolch bereit lag. Der Griff, stellte Lucy mit Grauen fest, bestand aus Knochen.
Der Mann mit dem langen Bart trat neben Lucy und hob die Hände mit den Flächen gen Himmel. Die Fanatiker verstummten schlagartig und hoben nun allesamt gleichfalls ihre Hände.
„Wer bin ich?“, intonierte der Bärtige mit schnarrender Stimme, die eigentlich nicht für einen Vortrag geeignet war.
„Priester Arlock!“, erwiderten die Männer und Frauen im Chor.
„Wer seid ihr?“, fuhr der Priester fort.
„Die Gläubigen.“
„Wer sind wir?“
„Avatar!“
Die Gläubigen, wie sie sich selbst nannten, brachen in frenetischen Jubel aus und Arlock ließ sie einige Sekunden lang einfach gewähren. Schließlich senkte er die rechte Hand und sofort ging der Akolyth links von Lucy in die Knie und hob mit beiden Händen ehrerbietig den Ritualdolch auf. Als er sich umdrehte, konnte Lucy in seinen Augen ein fanatisches Leuchten erkennen. Er übergab Arlock den Dolch mit einer tiefen Verbeugung und der Priester hielt ihn in die Höhe. Sofort verstummten die Gläubigen wieder.
„Wir dienen dem Schwarzen Kometen“, ging es weiter, „und der Schwarze Komet verlangt nach dem Blut dieser Frau…“
Während der Priester weiter sprach, blickte Lucy über die Köpfe der Gläubigen hinweg zu den drei Straßen, welche in den Platz mündeten. Nur eine von ihnen war überhaupt breit genug, um auch ein Fuhrwerk hindurch zu lassen, die anderen waren eher enge Gassen als richtige Straßen.
„Er wird daran wieder erstarken und das schändliche System, dem wir jetzt unterworfen sind, stürzen. Kein Mensch wird jemals wieder von der Magie besudelt werden!“
Die Gassen waren so schummrig, dass das Sternenlicht nicht ausreichte, um weiter als ein paar Meter hinein zu blicken. Einige Gläubige standen dort auf Treppenabsätzen und Fässern, um die Geschehnisse auf dem Platz beobachten zu können, auf welchem sie selbst nicht mehr hinauf gekommen waren.
„Der Schwarze Komet wird uns von der Verderbtheit befreien und wir werden wieder ein rein menschliches Leben führen können.“
An den Fenstern und auf den Dächern der Gebäude, welche den Platz umgaben, standen noch mehr Schaulustige. Direkt in Lucys Sichtlinie lag ein Fachwerkhaus mit flachem Dach, dessen Fassade wohl mal weiß gewesen war. Auf dem Dach saßen, hockten und standen gut ein Dutzend Männer. Die meisten in abgerissener, verdreckter Kleidung, doch einer war zwar in einen schäbigen Umhang gehüllt, doch darunter erkannte Lucy ein Breitschwert am Gürtel. Die Reiterstiefel waren zwar verdreckt, aber Lucy bemerkte die solide Machart. Ihr Blick wanderte weiter nach oben zu einem markanten Gesicht mit dunklen Augen und struppigen, schwarzen Haaren.
Lucy blinzelte heftig. Ob sie in ihrer Verzweiflung Wahnvorstellungen hatte? Nein, es war und blieb einer ihrer engsten Freunde aus Crocus! Und er hatte sie ebenfalls unter all dem Dreck und in den Lumpen, zu denen ihre Reisekleidung verkommen war, erkannt. Er presste die Lippen zusammen und seine Hand wanderte zum Schwertgriff.
Lucy schloss die Augen. Er war einer der besten Schwertkämpfer, die sie kannte, und obendrein auch noch ein Magier der Kaiserlichen Armee, aber er war und blieb nur ein Mann gegen einen fanatischen Mob aus vielleicht dreihundert oder mehr teilweise bewaffneten Männern und Frauen. Er konnte es nicht alleine mit ihnen aufnehmen. Dennoch war der Gedanke tröstlich, dass er hier war.
Aus einem Grund, den sie selbst nicht verstand, schwand Lucys Angst langsam. Sie öffnete die Augen wieder und lächelte. Ihr Freund presste die Lippen noch fester zusammen, aber dann nickte er resigniert und nahm seine Hand vom Schwert.
Währendessen hatte Priester Arlock seine Rede beendet und war mit dem Ritualdolch hinter Lucy getreten. Er griff in ihre Haare und zog ihren Kopf in den Nacken, sodass sie ihre Kehle entblößen musste.
Ihr Blick ging nach oben zum wunderschönen Sternenhimmel. Sie konnte das Sternbild des Drachen erkennen und den Geisterstern, der heller strahlte denn je.
 
Leben heißt Hoffen.

Leben heißt Lieben…

ging es Lucy durch den Kopf. Ein altes Lied der Geister, welches ihre Mutter ihr immer vorgesungen hatte. Lucys älteste Erinnerung.
 

Leben heißt Wandel.

Leben heißt Erinnern.

Leben heißt Sterben…

Der Priester rief irgendetwas und die Gläubigen schrien ekstatisch, aber Lucy verstand sie nicht mehr. Vor ihrem inneren Auge tauchte ein breites Lächeln auf, das ihr eine wohlige Wärme einhauchte.
 
Leben ist Auf und Ab.

Leben ist Schmerz und Freud.

Im hellsten Licht wie im finstern Schatten

ist Leben,

ist Hoffen,

ist Lieben,

ist Wandel,

ist Erinnern,

ist Sterben.

Ewig neu.

Ewig alt.

Ewig Leben...

Das Sternbild des Drachen hatte Lucy noch nie so klar vor Augen gestanden. Es war atemberaubend schön, wirkte beinahe lebendig. Für einen Moment wollte Lucy die Hände danach ausstrecken, um über die Schuppen zu streichen.
 
Sterben heißt Hoffen.

Sterben heißt Lieben.

Sterben heißt Wandel.

Sterben heißt Erinnern…

Die Klinge des Ritualdolches lag kalt an ihrer Kehle, aber Lucy zuckte nicht zurück. Über dem Drachen tauchte das Lächeln auf und Lucy verspürte keinerlei Angst mehr, nur noch Vertrauen.
 
Sterben heißt Leben…