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Nugattistullen zum Mittag

von Miki
Kurzbeschreibung
GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Anders Bardal Anders Jacobsen Björn Einar Romören Sigurd Pettersen Tom Hilde
26.12.2016
31.12.2016
4
5.021
2
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5 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
26.12.2016 1.609
 
Musiktipp:

Kelly Clarkson – Underneath the tree

https://www.youtube.com/watch?v=YfF10ow4YEo



Also, alles frei erfunden und die Charaktere verhalten sich definitiv anders als die real existierenden Personen, deren Namen sie haben. ^^



Vorm Weihnachtsbaum…



Die Kleinschmitt’sche Wohnung.

9.03 Uhr morgens.

Was zum Geier sollte ich ihm nur schenken?

Und mit ihm meinte ich diesen Norweger mit den schießenden Latten unter den Füßen, der die die meisten weiblichen (und auch einige männliche) Herzen in Verzückung versetzte. Dieser Norweger, der auf der anderen Seite des Bettes schnarchte (Memo an mich selbst: Ohropax kaufen) und immer noch mein Freund war. Was immer noch sehr viele Leute (inklusive mir) für ein Wunder hielten.

„DANA“, maulte mein Brudermonster, während mir diese Gedanken durch den Kopf schossen und ich missmutig durch die Werbeprospekte blätterte, die zusammen mit der Zeitung eingetrudelt waren. Man musste sich ja inspirieren.

„DANA!“

„Hmpf.“ Das reichte nach meiner Meinung als Antwort. „Ich will auch mal die Prospekte“, nörgelte Stefan weiter, „und ich glaube kaum, dass Magnus Stian zu Weihnachten eine Dose Ananas geschenkt bekommen will.“

Dose Ananas? Verwirrt sah ich auf das Prospekt vor mir und erblickte prompt eine große Dose Ananas. Stimmt, ich hatte einen Prospekt von Aldi vor mir liegen.

„Wie kommst du denn darauf, dass ich an ihn gedacht habe?“, schnappte ich. Stefan verdrehte die Augen. „Ganz einfach, du hast dann immer einen echt bescheuerten Gesichtsausdruck, wenn du an deinen Schnuckiputz denkst. So eine gerunzelte Stirn gepaart mit einem selten verstrahlten Blick.“ „BITTE?“, schnauzte ich empört und passte in dem Moment nicht auf meine Prospekte auf. Das nutzte das Brudermonster natürlich blitzschnell aus und klaute mir zwei meiner Prospekte. „Ey!“ „Na, du brauchst die doch nicht alle.“ Da hatte er auch wieder recht. Das Brudermonster vertiefe sich auch sogleich in die Welt der Angebote, während ich weiter über mein Problem nachgrübelte.

Wir saßen alleine am Frühstückstisch, weil wir beide schon Ferien hatten, während die Erzeuger noch arbeiten mussten. Ich nahm einen Schluck von meinem Kaffee.

Was sollte ich Magnus Stian schenken?

Verflixt noch mal, da war man vier Monate zusammen und hatte immer noch keine Idee für ein Weihnachtsgeschenk. Ja gut, ein paar hatte ich schon, aber die waren nicht weder kreativ noch sensationell.

Miriam hätte mir vermutlich entweder Reizwäsche oder ein Pärchenfoto im kitschigen Rahmen vorgeschlagen, wenn ich sie gefragt hätte. Das schenkte sie immer ihrem jeweiligen Freund, aber das war nicht ich. Nachdenklich nagte ich an meiner Unterlippe. Das Problem war nur, dass ich nicht mehr viel Zeit hatte.

Am 25. Dezember kam Magnus Stian zu uns und bis dahin brauchte ich ein Geschenk. Damit hatte ich noch genau anderthalb Tage, um ein Geschenk zu finden.

Tempus fugit.

Oh Gott, oh Gott, oh Gott.

„Dana, hör’ auf mit dem Kopf auf die Tischplatte zu hauen! Die hat die stärkeren Argumente.“



In der Innenstadt.

Ich war planlos.

Ohne Plan.

Komplett ohne eine Idee.

Magnus Stian mochte Rockmusik, las gerne Krimis und spielte hundsmiserabel Gitarre. Das wusste ich. Aber ein CD als Geschenk war einfallslos, einen nordischen Krimi mit dutzenden Toten zu schenken, fand ich persönlich unromantisch und einen Gitarrenkurs würde er als Beleidigung empfinden. Ich meine, er glaubte, er sei so etwas wie der zweite Jimi Hendrix. Sigurd und ich waren uns in diesem Punkt aber einig, seine Gitarrenkünste klangen wie ein rostiges Fließband. Vielleicht wusste ja Carlotta Rat. So als seine kleine Schwester kannte sie Magnus Stian schließlich länger als ich.

Aber Anrufen war zu teuer, dafür war ich zu knapp bei Kasse. Eine zu hohe Handyrechnung war nicht in meinem Budget, so als frische Studentin. Also schrieb ich eine Nachricht, die ja wiederum sowieso das Standardkommunikationsmittel meiner Generation war.

„Hey Carlotta…“

Weiter kam ich nicht, weil ich selbst eine Nachricht bekam. Nämlich vom Gürkchen.

Hej! Ich brauche eine Idee für ein Weihnachtsgeschenk!“ Höflich wie eh und je, Herr Pettersen!

Hätte ich mich in einem Anime befunden, dann wäre eine Augen kugelrund geworden und ein riesiger Schweißtropfen hätte sich seitlich an meinem Kopf befunden. Aber das die Eminenz des Bösen Weihnachtsgeschenke machen wollte, irritierte mich wahrhaftig.

„Du willst jemanden beschenken?“

„Natürlich! Meine Familie zum Beispiel.“

Ah ha. Stimmt, so was hatte der ja auch. Dem fiel nicht ein, was er seiner Familie schenkte konnte? Das war ja armselig. Für meine Familie hatte ich die Geschenke schon seit drei Wochen. Mein Freund, der war eher das Problem.

„Ich brauche ein Geschenk für eine Frau.“

Oh, Siggen hatte die gleichen Probleme wie ich. Moment… Noch mal zurückgespult.

Für eine Frau?

„Du hast eine Freundin?“ Auf die Nachricht bekam ich keine Antwort per Nachricht, sondern prompt einen Rückruf. Na ja, sein Budget war ja auch nicht so beschränkt wie meins.

„Ich habe keine Freundin, ich will nur eine Frau beschenken“, raunzte das Gürkchen of doom auch prompt ins Telefon. Spontan hielt ich mein Handy einen halben Meter von meinem Ohr weg. „Du willst eine Frau beschenken“, wiederholte ich. „Ja Dana, seit wann bist du sooo langsam von Begriff?“ Die Betonung war eine Unverschämtheit. Das hörte sich so an, als sei ich noch langsamer als von Natur aus sowieso schon. Charme und Nettigkeit waren für Sigurd P. aus L. in N. echte Fremdwörter. „Ich kann auch auflegen“, war daher meine liebenswerte Antwort. „Dana!“ „Wen willst du denn beschenken?“ Ich war einfach zu gut für die Menschheit. Siggen seufzte lautstark und für seine Verhältnisse sehr theatralisch am anderen Ende der Leitung. „Das tut hier nicht zur Sache.“

Tat es nach meiner Meinung schon. „Es soll persönlich, aber nicht zu persönlich sein“, fuhr er fort. „Äh.“ Eine geistreichere Antwort fiel mir in dem Moment nicht ein.

„Und sag‘ jetzt nicht, dass ich ihr einen Gutschein schenken soll!“ Sigurd klang irgendwie leicht gereizt, diese Geschenksache schien ihn wirklich zu beschäftigen. „Nee, nee. Das wäre so ziemlich der Gipfel von unpersönlich.“ „Also?“, er war wirklich ungeduldig.

„Du musst mir schon nähere Informationen liefern.“

„Die Person ist weiblich. Das reicht als Information.“

Der imaginäre Schweißtropfen an meinem Kopf war inzwischen so groß wie der Mount Fuji.

„Äh ja, aber du weißt schon, dass Frauen vielleicht anatomisch gleich sind, aber nicht von der Persönlichkeit her.“ Er gab ein Grunzen als Antwort. Ich fasste das einfach mal Zustimmung auf. „Was macht sie denn so gerne?“ Am anderen Ende der Leitung war nichts zu hören.

„Siggen?“ Nur statisches Rauschen.

„Erde an Siggen.“ Erneutes Schweigen. Mir kam da so langsam ein Verdacht.

„Weißt du nicht, was sie gerne macht?“

Ein erneutes Grunzen erschall. Der Mann war doch unglaublich. „Woher kennst du sie denn?“, versuchte ich es nun anders. „Von der Uni“, murrte er. „Ah, studiert sie so wie du Sport?“ Wieder keine Antwort.

„Siggen?“

„Ich melde mich heute Abend noch mal. Du hast die wesentlichen Fakten. Sie ist weiblich und ich kenne sie von der Uni. Das Geschenk muss persönlich sein, aber nicht zu persönlich. Ich erwarte Vorschläge, Dana.“ Damit legte er auf.

Der Mann war doch einfach unmöglich.



Fünf Minuten später.

„Siggen will was?“ Magnus Stian klang so ungläubig, wie ich mich fühlte. „Weißt du, um welche Frau es sich handelt?“ „Nö, aber gib’ mir mal fünf Minuten, ich muss nur den Buschfunk starten.“

„Den Buschfunk starten?“

„Ich rufe Bjørnnis und die wilde Hilde an. Die sind schlimmer als alle Waschweiber der Welt und fragen auch entsprechend rum.“



In einem namenhaften Kaffeehaus in Düsseldorf.

Eine Stunde später.

Ich hatte immer noch kein Geschenk für Magnus Stian. Deswegen sah ich nun verzweifelt in der Filiale einer großen amerikanischen Kaffeekette und nuckelte an einem Café Latte. Nachrichten hatte ich allerdings zu Hauf.

Der Buschfunk war nämlich sehr fleißig gewesen.

So wusste ich nun dank der wilden Hilde, dass Sigurd wohl ein Auge auf eine junge Dame geworfen hatte, die ihres Zeichens Engländerin auf Austauschsemester in Norwegen war. Tom wollte nun noch herausfinden, was sie studierte.

Vermutlich war sie so eine Netzstrümpfe tragende Bridget Jones, der Sigurd sich überlegen fühlte oder so ein unsicheres Etwas wie ich, dem er meinte, immer auf die Sprünge helfen zu müssen.

Nichts von dem traf zu, wie ich schließlich von der ehemaligen Ausgeburt meiner feuchten Träume erfuhr, die nicht eben wenig schadenfroh klang, als sie mir ihre Informationen mitteilte.

„Siggen hat sich in eine waschechte Lady verguckt. Der Vater ist ein Herzog von sonstwas und sie hat echt Haare auf den Zähnen. Hat ihn angeblich sogar einfach stehen lassen. Von wegen er solle ihr nicht dumm im Weg rumstehen und ihre Zeit vergeuden.“ Bjørn Einar kicherte.

Sigurd stand auf eine englische Aristokratin?

Ich klappte den Mund irritiert auf und zu. Verblüffend, wirklich verblüffend. Bjørn Einar war mit seinen Neuigkeiten aber noch nicht durch. „Ah, Dana, ich habe gerade von Tom den Namen bekommen und der ist echt klangvoll.“

„Jetzt sag schon.“

Er machte eine dramatische Pause, bevor er fortfuhr. „Also, sie heißt Charlotte Victoria Elisabeth MacMillan und ihr Vater ist ein Earl.“

Das war ja wie in einem meiner Knetschromane. „Du kannst sie mal googeln, es gibt sogar ein paar Bilder von ihr online“, ergänzte er noch.

„Das mache ich auf alle Fälle. Ich soll Sigurd ja mögliche Geschenke vorschlagen.“

„DU sollst Geschenke vorschlagen?“ Nun lachte Bjørn Einar lauthals. „Wie ich dich kenne, bist du doch selbst planlos, was du Stiannus schenken sollst.“ Manchmal vergaß ich, dass Bjørn Einar hinter seiner hübschen Fassade einen recht regen Verstand verbarg.

„Ja“, gab ich kleinlaut zu.  Er lachte noch lauter, was eigentlich kaum noch möglich war.  „Dana, verrenk‘ dir dein Gehirn nicht zu sehr, der Große ist schon froh genug, dass er mit dir Weihnachten feiern kann.“

Toll, das war doch kein Geschenk. Weihnachten bei den Kleinschmitts war eher Chaos.

„Ich brauche eine Geschenkidee!“, jammerte ich.

„Die braucht Siggen auch.“ Bjørn Einar kicherte immer noch. „Da müsst ihr beide einfach mal kreativ werden.

ARGH!
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