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Below the Mistletoe

OneshotSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Shuya Kano Tsubomi Kido
26.12.2016
26.12.2016
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Draußen schneite es, die Flocken tauchten die Welt in einen allgemein helleren Ton und die kahle Landschaft erschien dadurch zumindest ein wenig freundlicher.
Es war Weihnachten und fast elf Uhr. Also, 23 Uhr.
Ich schaute weiterhin aus dem Fenster. Ich wusste nicht warum, aber ich hatte das Gefühl, dass irgendwas fehlte.
Irgendwie mochte ich dieses Weihnachten nicht. Ich habe mich noch nicht mal darauf gefreut.
Und noch dazu war ich ganz allein. Marry war schon ins Bett gegangen, Seto… wusste ich nicht und Kido sowieso nicht. Irgendwie war es das schlimmste Weihnachten meines gesamten Lebens. Früher waren Kido und Seto immer dabei. Also was sollte das überhaupt?
Naja. Seto war vielleicht bei Marry. Selbst ich habe gemerkt, dass er Gefühle für sie entwickelt hat.
Ich verlagerte mein Gewicht vom linken auf den rechten Fuß.
Und wo war Kido? Ja, wo war sie wohl? Musik hören vielleicht. Oder sich aus dem Internet irgendwelche neuen Schläge und Tritte holen, um gewisse Leute wie mich zu bestrafen?
Was war überhaupt mit mir los? Ich hatte das schon länger bemerkt, dass ich mich irgendwie verändert habe. Erst wusste ich nicht wie, oder warum. Ich meine… es gab keinen Grund. Dachte ich zumindest. Aber leider, leider gab es den.
Ich muss ganz ehrlich sein. Ich hätte lieber Depressionen oder so, als… das.
Ich seufzte verzweifelt auf, als sich plötzlich die Tür öffnete. Ich fuhr herum, ohne mich von der Stelle zu bewegen.
Hätte ich das doch bloß getan.  Wäre ich bloß einen Schritt weiter gegangen.
Verdammt.
Ich erblickte Kido. Ganz normal gekleidet, in ihrem lila Pulli und der grünen Hose, ihre ganz normalen Stiefel. Also so wie immer. Es fühlte sich noch weniger an wie Weihnachten.
„Sorry, dass ich erst jetzt noch mal komme. Ich…“
„Alles gut, du brauchst Mr keine Begründung zu geben.“ Und ich lächelte. Erst dachte ich immer, dass ich dieses Lächeln auch fälschen würde, sowie alle anderen zuvor.
Aber es war nicht so.
Leider.
Dieses Lächeln  war echt. Es war so echt wie alle meine anderen Gefühle für dieses Mädchen vor mir und bei diesem Gedanken errötete ich schon wieder.
„Ähm… ich habe dir ja noch nicht dein Geschenk gegeben…“
Und damit trat sie auf mich zu und mir wurde zu spät bewusst in was für einer Situation ich mich befand.
Ich war allein mit Kido in einem Raum. Das allein wäre schon genug.
Aber nein, natürlich war es das nicht! Sie schenkte mir etwas und ich hatte… naja. Gar nichts eben.
Verdammt.
Und das Schlimmste war, dass ich unter einem Mistelzweig stand. Ein… verdammter Mistelzweig.
„Nein, stopp Kido…“ Ich erzitterte leicht, nur weil ich ihren verdammten Namen aussprach. Ich atmete komplett überfordert aus.
Sie schaute mich nur an. So komplett unwissend was sie da gerade tat. Verdammt.
„Kido, hey stopp…, bleib steh-„
Und dann war sie direkt vor mir. Verdammt.
Vollkommen verwirrt von mir schaute sie sich um. Auch über sich. Und zwar da, wo der Mistelzweig hing, ein dunkelgrünen Geflecht mit einem roten Band und ein paar silbernen Kügelchen.
Es sah so schön aus. Aber gerade hasste ich diese Teil. Obwohl ich es selbst aufgehängt hatte, weil ich es lustig fand,  wie sich dann alle anderen aufregten….An mich selbst hab ich natürlich nicht gedacht.
Sofort stand ihr Röte ins Gesicht geschrieben und mir auch.
„Das Ähm… tut mir leid… das ist meine Schuld…“, stotterte ich und ich erwartete einen Tritt oder Schlag oder so aber es kam nichts. Stattdessen presste sie mir – für die Situation relativ ruhig, wie man sie eben kannte – das Geschenk in die Hand und ich nahm es vollkommen perplex an.
„D-danke…“ Es war echt lächerlich wie ich stotterte. Aber diese Nähe trieb mich echt in den Wahnsinn und dass ich sie nicht berühren durfte. Sie würde es sowieso nur als ein normaler Kuss unter dem Mistelzweig abtun, morgen wieder vergessen haben aber für mich war es so viel mehr. Ich wollte sie nicht nur dieses eine Mal küssen. Sondern immer und immer wieder und sie in den Arm nehmen wann immer es ihr schlecht ging und all die schönen Momente des Lebens mit ihr an meiner Seite auskosten.
Aber ich durfte nicht. Wie verdammt ich doch war.
„Los komm. Mach schon auf.“ Ihre Stimme überschlug sich leicht und sie warf nochmals einen hastigen Blick nach oben um sich zu vergewissern, dass das Geflecht immer noch da oben hing.
Zu unser beider Leidwesen tat es das.
Es war eine kleine Box in simplem, weinroten Geschenkpapier. Eine goldene Schleife war darum. Es sollte zwar schön wirken, allerdings waren ihre Einpackkünste nicht so gut und so… wirkte es nur halb so schön. Aber das würde ich ihr nie sagen. Früher hätte ich sie damit aufgezogen aber ich konnte es nicht mehr ertragen, wenn ich auch nur irgendeine Art von Schmerz in ihren Augen sah.
Ich zog die Schleife und ließ sie achtlos auf den Boden fallen. Kido vor mir hatte die Hände in der Tasche ihres Pullovers vergraben; sie war immer noch hochrot.
Das passte alles so gar nicht zu ihr.
Dann zerriss ich das Geschenkpapier. Ich weiß, andere Leute öffneten es übervorsichtig damit man es noch mal wiederverwenden konnte; mich hatte das irgendwie nie interessiert.
Darunter kam eine ebenfalls einfache Box zum Vorschein. Auf ihr prangte ein Foto von dem ganzen Mekakushi Dan. Mann, wann war das denn entstanden? Ich wusste es nicht.
Ich nahm es vorsichtig hoch und behielt es in meiner Hand, dann sah ich auf das andere hinunter. Es war eine Box mit Schokolade.
Okay.
Mir fiel nur nicht auf, was. Beziehungsweise, vielleicht wollte mein Hirn es nicht verstehen oder sich falsche Hoffnungen machen.
Es waren Schokoladenherzchen. Kleine… Herzen. Das… was?
Ich wechselte verwirrte Blicke zwischen der Süßigkeit und dem Mädchen vor mir, das auf den Boden schaute und es dauerte einige Momente, bis mein Hirn alles verknüpfte.
Okay, Herzen. Eine knallrote, stotterte Kido, die sich absolut nicht so verhielt wie sonst.
Und da war dieser Mistelzweig.
Als sich dann endlich ein Schalter umlegte und es ‚Klick‘ machte, war im nächsten Moment wieder alles weg.
Ich blieb erst mal regungslos da stehen. Was…?
Ich roch diesen vertrauten Geruch einer Person, die ich jetzt schon seit meiner Kindheit kannte. Es war ein Geruch nach Aprikosen und irgendwie Musik. Wie die Saiten einer Gitarre, die Tasten eines Klaviers oder das Blech einer Querflöte.
Das nächste was ich realisierte war, dass eine meiner Hände mit ihrer verschränkt war und mir wurde bei dem Gedanken allein schon schwindelig. Ohne es wirklich zu merken, streichelte ich mit meinem Daumen ihren Handrücken und ein Schauder kroch langsam über meinen Rücken.
Und dann waren da ihre Lippen auf meinen.
Als ich das bemerkte, erwiderte ich den Kuss sofort und zog zuerst mit der anderen, freien Hand an der Taille näher an mich, ich spürte ihre Finger auf meinen Rücken und ich wollte nie aufhören, sie zu küssen.
Und wenn ich das doch alles falsch verstanden hatte, dann besaß ich den Mistelzweig immer noch als Grund. Wir würden zwar nie wieder darüber sprechen aber das war mir egal. Es zählte nur dieser Moment.
Ok, vielleicht war mir das nicht ganz egal, aber zumindest jetzt gerade.
Unsere Münder waren sowieso schon halb geöffnet, also vertieften wir den Kuss und ich stolperte zurück, als sie sich näher an mich presste, mein Herz schlug so schnell wie noch nie und ich wollte sie noch näher bei mir haben, aber es ging nicht.
Irgendwann lösten wir uns aufgrund von Luftmangel.
Wir standen einfach so keuchend voreinander und ich wollte sie nicht loslassen. Nicht jetzt.
Es dauerte lang, bis wir uns einigermaßen wieder im Griff hatten.
„Ähm, Kano…“ Sie unterbrach sich selbst und sagte nichts weiter. Ich schaute ihr nur in die Augen und drängte mich wieder näher an sie; wir atmeten dieselbe Luft.
Es wunderte mich selbst dass ich nicht vergaß, wie man atmete.
Ich hatte eine Gänsehaut und dann verlor ich mich plötzlich komplett in ihren Augen. Ohne zu überlegen  berührte ich ihre Lippen wieder mit meinen – aber nur kurz. Ich konnte nicht länger lügen. Ich wollte mich nicht länger hinter meinen Illusionen verstecken.
„Kido… Ähm…“ Ich spürte Tränen in meinen Augen aufkommen. Mir wurde schlecht wegen meinem Herzen und weil es so schnell schlug dass mein ganzer Körper erbebte. Eine einzelne Tränen floss mein Gesicht entlang und ich begann zu lächeln.
Es war nicht gefälscht. Ich lächelte wegen ihrer Schönheit und weil wir uns gerade geküsst hatten.
„Ich liebe dich.“
Es war nur leise gehaucht, zu mehr war ich nicht imstande und ich zitterte wie sonst was. Meine Augen trafen wieder ihre und ich dachte, mein Herz würde gleich aus meiner Brust springen.
Der Druck ihrer Hand verstärkte sich so sehr, dass es weh tat.
Dann küsste sie mich wieder, aber auch nur kurz.
Im nächsten Moment fand ich mich in einer Umarmung wieder und nun brach ich komplett in Tränen aus.
„Ich liebe dich auch… ich… ich bin so froh, Kano…“
Dieser Mistelzweig war also doch noch zu etwas gut.
Es war das schönste Weihnachten meines gesamten Lebens.
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