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Clockwork

OneshotAllgemein / P16
Sylar
25.12.2016
25.12.2016
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Da war er also wieder: Der 24. Dezember. Weihnachten.
Fast schon höhnisch springt dir das rot umrandete Datum aus deinem recht mitgenommenen Taschenkalender entgegen.
Zögerlich bewegt sich dein Kugelschreiber in das sonst leere Feld. Nur Millimeter über dem gebleichten Papier stoppt deine Hand abrupt. Was gab es heute schon, was wichtig genug wäre, niedergeschrieben zu werden? Den angehaltenen Atem ausstoßend, knallst du den Stift auf den Tisch und schlägst den Kalender zu.
Deine innere Angespanntheit bewegt dich dazu, aufzustehen und dein Smartphone zu schnappen.
Du starrst den schwarzen Bildschirm an. Gibst dir dann aber einen Ruck und drückst auf die Entsperrtaste.

Keine neuen Benachrichtigungen. Dein Kopf sackt nach unten. Du weißt nicht, ob du lachen oder weinen sollst. Ein gequältes Lächeln macht sich in deinem Gesicht breit. Dein Blick schweift zu deinem kleinen aber feinen Weihnachtsbaum.

Ein weiteres Fest alleine in New York. Seufzend betrachtest du die Reflexionen der Lichterkette in den durchsichtigen Glaskugeln. Dieses Jahr hattest du dir vorgenommen, allem eine klare Note zu verleihen.
Das aufgrund deines recht verspäteten Dekorations-Einkaufs das Sortiment sehr überschaubar war, schiebst du in eine hintere Ecke deiner Gedanken.

Du versuchst der festgefahrenen Situation einen Anstoß zu geben und begibst dich zu der großen Fensterfront in deinem Wohnzimmer.
Mit angestrengter Miene blickst du hinaus in die Dunkelheit. Beobachtest, wie sich Menschenmassen durch die Straßen schieben. Vermutlich sind diese auf dem Weg zu ihren Familien oder zu einer Party in den angesagtesten Clubs der Stadt.

Keine Option für dich. Auf dieses ungute Gefühl im Magen, bevorzugt von großen Menschenmassen herrührend, verzichtest du gerne.
Bunte Leuchtreklame spiegelt sich in den Glasfronten der Geschäfte wieder.
New York, eine Stadt die niemals schläft. Hier fühlst du dich wohl. Es war einfach, unerkannt seinen Geschäften nachzugehen. Hier war man einer von vielen.

Ein Vibrieren in deiner linken Hosentasche lässt dich zusammenfahren. Du greifst so ruckartig nach deinem Handy, dass es dir fast aus deinen Fingern gleitet. Auf dem Bildschirm ist eine Nachricht deiner Mutter zu sehen. Wie jedes Jahr: Ein Weihnachtsgruß.
Deine Antwort beinhaltet nur essentielle Floskeln, die eine Mutter, die auch nach mehreren Jahren nicht mit deinem Auszug einverstanden war, so weit zu beruhigen, dass ein Überraschungsbesuch vermieden wird.

Prompt erhältst du die Antwort deiner Mutter. Selbst durch die schwarzen Buchstaben hindurch erkennst du die dahinterliegende Sorge. Diese war so sicher wie das Amen in der Kirche.
Du startest einen neuen Versuch. Fleißig tippst du Sätze, schickst sogar ein Bild deines Baumes, wenn dies auch ein wenig verschwommen ist.
Nach einer gefühlten Ewigkeit gibt sich deine Mutter geschlagen und du verbannst dein Smartphone wieder in deine Hosentasche.

Der Grund für deine innere Unruhe schiebt sich immer weiter in dein Bewusstsein.
Ein dir gemachtes Versprechen lässt dich auf und ab tigern.
Wie töricht, davon auszugehen, dass es eingehalten wird, denkst du. Und doch hofft dein gesamtes Inneres Ihn wiederzusehen. Eure letzte Zusammenkunft hatte ein jähes Ende gefunden. Ganz zu schweigen von dem immensen Loch, welches die gewaltsame Beendigung hinterlassen hatte.

Deine Hände ballen sich zu Fäusten. Selbst nach einem Jahr hegst du nichts als Wut und Abscheu für Peter.
Peter Petrelli. Wie du ein weiterentwickelter Mensch. Besessen darauf, seine Kräfte für die Rettung der Welt einzusetzen.

Du zwingst dich deine aktuelle Gefühlslage nicht auf verheerende Aktionen zu übertragen. Wieder blickst du nach draußen. Es liegt kein Schnee. Und obwohl es in deiner Wohnung warm ist, fröstelt es dich.
Tief in deinen Gedanken versunken entzieht es sich deiner Aufmerksamkeit, wie sich dir eine Person von hinten nähert.
Erst als sich starke Arme um deine Taille schlingen zuckst du zusammen. Dir entfährt ein gedämpfter Schrei. Es dauert den Bruchteil einer Sekunde, um die Gliedmaßen einer Person zuzuordnen.
Dein Blick erhellt sich.

„Sylar.“ Deine Stimme ist lediglich ein leises Wispern.
Anstatt einer Antwort verstärkt sich der Griff und sein warmer Atem streift dein Ohr.
„Ich dachte nicht dass du kommst.“ Gedankenverloren streichst du über seinen Arm.

„Ich halte meine Versprechen.“ Du nickst und drehst dich in seiner Umarmung. Mit einem Augenaufschlag saugst du den Anblick deines Gegenübers ein.
Schelmisch blitzende, braune Augen begegnen den deinen. Einen Moment lang verlierst du dich in euren gemeinsamen Erinnerungen.
Ein Lächeln bildet sich in deinem Gesicht. Deine linke Hand streicht durch seine dunklen Haare.
Ich habe dich vermisst.“
Sein Blick wird weicher. Er nimmt dein Gesicht in seine Hände. Sanfte Lippen legen sich auf deine.
Mit geschlossenen Augen erwiderst du seinen Kuss.
Sehnsucht und Verlangen peitschen in dir auf. Deine Arme um seinen Nacken gelegt spürst du, wie sich seine Bartstoppeln in deine Haut graben. Zu lange schon warst du alleine. Sylars Hände wandern an deinem Rücken hinab, heben dich hoch. Deine Beine schlingen sich um seinen Unterleib. Er beißt in deine Lippen. Ein wohliger Schauer läuft deinen Rücken hinunter.

Schwer atmend trägt er dich zu deinem Bett. Eure Blicke treffen sich ein weiteres Mal. Es scheint dir unmöglich, nur eine weitere Sekunde zu warten.

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Seltsam ausgeruht öffnest du am nächsten Morgen die Augen. Sylar ist fort. Leise gähnend erhebst du dich aus dem zerwühlten Bett. Warum du ausgerechnet einen Serienmörder liebst, leuchtet dir selbst nicht ein. Dir bleibt lediglich die Hoffnung, dass du ihn irgendwann vor seiner dunklen Seite retten kannst.

Du atmest tief ein. Sylars Geruch hängt noch immer in deinem Bettzeug. Gedanken an letzte Nacht lassen dich erröten. Du schlüpfst in ein zerknittertes Kleidungsstück und begibst dich in die offene Küche. Dein Kalender liegt aufgeschlagen vor dir. Ehrfürchtig nimmst du es an dich. Das einst leere Feld des 24. Dezembers trägt nun einen geschwungenen, mit Rot verfassten Namen: Sylar.
Du kippst das Buch ein wenig, um seine Handschrift betrachten zu können.
Ein „Pling“ lässt dich auf die Arbeitsplatte sehen. Dort liegt eine filigran gearbeitete Kette mit einem Anhänger in Form eines Ziffernblatts.

Nicht nur sein Geruch ist dir für kurze Zeit geblieben. Sondern auch ein Versprechen, welches unendlich zu sein scheint.
Mit einem Lächeln trittst du an die Fensterfront in deinem Wohnzimmer, das kühle Metall zwischen deinen Fingern.

Der erste Schnee ist gefallen.


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