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Fate and Fortune

GeschichteRomanze, Freundschaft / P16
OC (Own Character) T.O.P
24.12.2016
27.12.2017
3
11.376
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29.04.2017 3.006
 
In Gedanken vertieft starrte ich in den großen Spiegel des Trainingsraumes und tanzte die Schritte für mich alleine nochmal durch. Natürlich musste alles perfekt sein, die nächsten Auftritte standen schon bald bevor. Um niemanden zu stören, hatte ich mich in eine Ecke verzogen, doch ich hielt nicht allzu lange durch, da das Training sehr an meiner Kraft gezehrt hatte. Erschöpft stützte ich mich auf meine Knie und atmete tief durch.
„Hey, du warst heute wirklich richtig gut. Das gefällt mir“, Parris war hinter mir aufgetaucht und lächelte mich an, „Vielleicht sollte ich dich doch ganz nach vorne schicken?“ Zum Glück hatte sie nicht gemerkt, dass ich heute nicht hundertprozentig mit dabei war. Ich fühlte mich zwar geschmeichelt, lehnte das Angebot aber doch ab. „Das ist wirklich nett von dir, aber ich glaube in der Mitte bin ich am besten aufgehoben.“ Mit der Faust klopfte sie gegen meine Schulter, das war ihre eigene Art zu zeigen, dass sie jemanden mochte: „Du bist viel zu bescheiden! Aber melde dich, falls du es dir anders überlegst.“ Kurz darauf kam auch schon Taejin, ein anderer Tänzer, und wollte irgendwas mit Parris besprechen, da verabschiedete ich mich kurz von den beiden und ging zu meinen Sachen.

Karen quatschte noch mit zwei anderen Tänzerinnen, aber ich brauchte jetzt meine Ruhe, also ging ich schon mal nach draußen. Ein Blick auf die Uhr verriet, dass es schon nach fünf Uhr war. Während ich den Gang entlang lief, überlegte ich mir einen Plan für heute Abend: Schnell in den Laden um die Ecke, ein paar Kleinigkeiten zum Abendessen kaufen und dann mit Karen und unserem liebsten Soju einen gemütlichen Abend vor dem Fernseher machen. In unseren Lieblingspyjamas und in flauschigen Decken eingekuschelt würden wir jedes Mal einen kippen, wenn jemand „Ich liebe dich“ sagte. Einfaches Konzept, maximaler Spaß! Das war doch eine Idee. Lächelnd überlegte ich, was ich Leckeres für uns zubereiten könnte, als ich Schritte hinter mir hörte.
„Nayeon, warte mal kurz.“ „Hm?“ Hinter mir kam Seunghyun angelaufen und blieb wie immer total entspannt vor mir stehen: „Jiyong, Karen und ich wollen noch was Essen gehen, möchtest du mitkommen? Karen hat irgendwas davon erzählt, dass noch einer der neuen Tänzer mitkommt. Außerdem habe ich gehört, dass du morgen deinen freien Tag hast?“ Grinsend zwinkerte er mir zu.
Und da waren meine Pläne dahin. Ich hatte ihm extra nichts von meinem freiem Tag erzählt, ich müsste nach den anstrengenden Tagen wirklich etwas Kraft tanken, aber wenn Karen mitkommen würde und auch Dongyul, der Neue, auf den sie total abfuhr… Oh man, dann blieb mir ja eigentlich keine andere Wahl, oder? Alleine Essen wollte ich nicht und Trinkspiele vor dem Fernseher funktionieren alleine einfach nicht.
„Äh... Klar komm ich mit“, stimmte ich schließlich widerwillig zu. Sofort war er wie aus dem Häuschen: „Super, dann hole ich euch um Sieben ab. Bis später!“ Daraufhin machte er sich wieder auf den Weg in den Trainingsraum, drehte sich auf halbem Wege jedoch nochmal um. „Zieh dir was Hübsches an!“, rief er grinsend, bevor er fröhlich weiter stolzierte. Perplex sah ich ihm noch nach, schüttelte dann aber belustigt den Kopf.
Es war ja süß von ihm wie er sich um mich kümmerte, ich liebte seine kleinen Gesten. Er war immer da, wenn ich ihn brauchte, hörte mir immer zu. Er brachte mich zum lachen, zum weinen, brachte mich auf die Palme und trieb mich an meine Grenzen. Aber er holte mich auch zurück auf den Boden der Tatsachen. In diesem Moment fragte ich mich wirklich, ob aus uns nochmal was werden könnte.
„Ach, was denkst du da nur wieder...“, lachte ich in mich hinein. Das könnte nicht wieder passieren…
‚Aufgewärmt schmeckt nur Gulasch‘ hatte mich mein Bruder mal gewarnt, und er kannte sich aus. Er war der größte Womanizer, den ich kannte. Nur Seungri könnte ihn vielleicht übertreffen. Wie gerne ich ihn nur jetzt um Rat fragen würde.
Die Tür des Trainingsraumes wurde aufgerissen und Karen kam freudenstrahlend hinausgestürmt. „Nayeooon!“, rief sie über beide Ohren grinsend meinen Namen, „Schnell, schnell nach Hause, wir haben noch viel zu erledigen!“

- - - - -

Rückblende:

„Nayeon, beeil dich!“ „Ich bin noch nicht fertig! Wieso machst du denn auch schon die Tür auf! Du hättest ihn draußen warten lassen sollen!“ „Das wäre aber nicht sehr freundlich gewesen.“
Wie aus dem Nichts stand er plötzlich vor mir und grinste mich an. Wie zur Hölle war er so schnell hier hoch gekommen? Mist, wie peinlich! Irgendwie versuchte ich die Situation zu retten: „Ähm… Also… Ich- Ich hole noch kurz meine Tasche und dann- Bleib kurz-“ Er nickte nur als Zeichen, dass er es mir nicht übel nahm. Puh. Also stolperte ich in mein Zimmer und atmete erstmal tief ein und aus. Super Nayeon! Dein erstes Date mit Seunghyun und du musst es gleich am Anfang schon vermasseln.
Aber jetzt kann es ja gar nicht mehr schlimmer werden, also raus da. Ein letztes Mal betrachtete ich mich im Spiegel, Karen hatte wirklich ein Meisterwerk vollbracht. Sie hatte mir leichte Wellen in die Haare gedreht, welche nun sanft über meine Schultern und den Rücken fielen, meine Augen waren dezent geschminkt und meine Lippen leuchteten in knalligem Rot. Das Kleid saß perfekt und die High Heels waren dank der kleinen Silikonpolsterkissen auch erträglich. Schnell packte ich mein Handy und Geldbeutel in die kleine Clutch, zog einen schwarzen Blazer über und ging hinaus.
Und da fiel mir auf, wie schick er eigentlich aussah. Wie konnte ich das nur nicht bemerken? Er trug einen schwarzen Anzug, darunter ein weißes Hemd und eine dunkelblaue Krawatte. Seine weißblonden Haare waren zurückgekämmt und akkurat mit Gel fixiert, zusammengefasst: Er sah einfach nur unglaublich gut aus. Vielleicht hatte ich ein paar Schmetterlinge im Bauch... Aber nur ganz wenige! Ich musste wieder ruhiger werden, das war nur der Anzug! Wieso musste er in diesem Anzug auch nur so scharf aussehen?
„Nayeon, alles in Ordnung?“, fragte er belustigt. „Was? Ach so, ja klar. Ähm, gehen wir?“ Er musste kurz schmunzeln, bevor er mir den Vortritt ließ. „Und dass du sie mir bloß nicht vor Mitternacht nach Hause bringt, klar?“, rief Karen noch aus dem Wohnzimmer. Sie hatte es sich mit einer Schüssel Popcorn und ihrem Lieblings-Drama auf dem Sofa gemütlich gemacht. Ich verdrehte nur belustigt die Augen.

Zusammen gingen wir die Treppen hinunter, während den drei Stockwerken wechselten wir kein Wort. Leider hatten wir bei uns keinen Aufzug, obwohl - Das wäre wohl nur noch seltsamer gewesen. Er lächelte mich einfach nur immer wieder an und ich war viel zu aufgeregt, auch nur irgendwas zu sagen. Wie ein Gentleman hob er mir die Tür des schicken, schwarzen Mercedes auf, ging lässig um das Auto herum und stieg dann selbst ein. Irgendwie hatte ich mir gedacht, dass er einen Chauffeur hätte und nicht selbst fahren würde, aber vielleicht hatte ich ganz falsche Vorstellungen. Er hatte wirklich einen tollen Geschmack, die Innenausstattung war in hellem Leder gehalten und überall befanden sich Knöpfe und jeglicher technischer Schnickschnack. Aber das Tollste in diesem ohnehin schon todschicken Wagen war immer noch er...

„Also, wohin möchtest du heute gehen?“, fragte er, als er losfuhr. Stimmt ja, wir hatten gar nicht besprochen, was wir heute Abend machen wollten, ich hatte mich immer herausgeredet mit den Worten „Das entscheiden wir spontan“.
„Ähm, ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung.“ Unbeholfen blickte ich ihn an. Warum flatterte mein Herz immer nur so, wenn ich ihn ansah? „Okay, dann hätte ich da einen Vorschlag. Ich kenne ein italienisches Restaurant, das Essen ist wunderbar und es ist ruhig. Magst du italienisch?“ Oh, ich liebte Pizza und Pasta! Liebend gerne stimmte ich ihm zu. Die restliche Fahrt redete er über seinen neuen Song, er ließ ihn abspielen und wollte unbedingt meine Meinung dazu wissen. Natürlich fand ich ihn klasse, ich liebte seinen Rap und der Beat hatte auch ordentlichen Ohrwurmfaktor. „Hättest du Lust, an der Choreografie mitzuhelfen?“
Ich stutzte kurz, sprang dann vor Freude fast aus dem Sitz: „Wirklich? Das wäre eine große Ehre!“ Ich konnte es überhaupt nicht fassen. Er erklärte mir, dass YG eine berühmte Choreografin eingestellt hatte, aber sie noch jemanden wollte, der schon länger dort tanzte, mit der sie zusammen arbeiten könnte. Und diese Gelegenheit bot sich mir gerade. Das war ja unglaublich! „Auf jeden Fall! Liebend gerne, das ist großartig!“ „Alles klar“, lachte er, „Dann gebe ich gleich morgen Bescheid. Sie wird sich bestimmt freuen.“


- - - - -

„Nayeon, was soll ich nur anziehen?“ Karen kam total verzweifelt in mein Zimmer gestürzt und warf etliche Kleidungsstücke auf mein Bett. „Nichts passt! Das ist alles eine einzige Katastrophe! Ich will doch gut aussehen für Dongyul Oppa! Und wir haben gleich sieben Uhr!“ Verzweifelt raufte sie sich die Haare.
Okay, okay. Erstmal musste ich sie beruhigen. Sie war total aus dem Häuschen, wie immer eigentlich, wenn ein Date anstand. Was zwar nicht allzu oft vorkam, nur musste ich leider immer wieder ihre Notfall-Stylistin spielen. Zum Glück hatte sie ihre Haare und Make-Up schon gemacht, weshalb es nicht schwierig sein sollte, etwas zum anziehen zu finden. Im schlimmsten Falle würde ich ihr wieder etwas von mir geben.
„Also, schauen wir mal. Hier“, ich pickte eines ihrer bunt bedruckten, leichten Kleider heraus, „Das hier würde mit diesem Jäckchen toll aussehen. Und dann noch die Schuhe hier.“ Die farblich zueinander passenden Heels und Jacke gaben dem Outfit das gewisse Etwas. Und zum Abschluss gab ich ihr noch eine kleine Handtasche von mir, die sie sich gerne auslieh. „Probier das an.“
Sie schlug sich theatralisch gegen den Kopf, nach dem Motto „Darauf hätte ich auch kommen können“. Schnell zog sie sich um, begutachtete sich im Spiegel und fing an wie ein Honigkuchenpferd zu grinsen. „Danke, Nayeon! Das ist toll! Du bist einfach die Beste!“ Mit einer stürmischen Umarmung überrannte sie mich, sodass wir beide auf mein Bett mitten in den Klamottenstapel flogen und wie zwei Verrückte anfingen zu lachen.

„Du siehst übrigens wieder total großartig aus! Wie schaffst du das nur?“ Zwinkernd lehnte sie ihren Kopf auf ihre Hand und musterte mich von oben bis unten: „Extra hübsch gemacht für T.O.P Oppa oder wie?“ Ich stutzte. „Wa- Was? Nein!“
Sie schmunzelte nur: „Ach, komm! Gib‘s doch zu, du trägst extra die Haare offen, wann kommt das schon mal vor? Und dann hast du noch deinen guten Anzug angezogen. Und – Oh mein Gott – Willst du wirklich High Heels anziehen? Daebak! Was ist denn in dich gefahren?“
Die Ironie war kaum zu überhören. Sofort spürte ich, wie ich knallrot anlief. Natürlich wusste ich, dass sie mich nur ärgern wollte, aber ich fragte mich selbst, warum ich mich so aufgetakelt hatte. Das war wirklich nicht meine Art. Aber wenn sie so ein Drama aus diesem Abendessen machte, konnte ich ja nicht mit Jogginghose und T-Shirt dort auftauchen. Also hatte ich meinen Anzug aus der hintersten Ecke meines Schrankes heraus geholt, den mir meine Mutter vor ein paar Jahren für irgendein schickes Ereignis geschenkt hatte, da ich nie gerne Kleider trug. Ich liebte diesen Anzug, er war perfekt und saß wie eine zweite Haut. Der schwarze Stoff glänzte ein wenig und der Schnitt zauberte sogar Kurven, was ich immer für unmöglich gehalten hatte.
Erneut musste ich daran denken, was Seunghyun mir nach dem Training gesagt hatte. Dass ich mir etwas Hübsches anziehen sollte. Beschämt schlug ich mir die Hände vor mein heißes Gesicht, woraufhin Karen laut losprustete. „Nayeon ist verliebt, Nayeon ist verliebt!“, rief sie, immer wieder. Manchmal glaubte ich wirklich nicht, dass sie ein Jahr älter als ich war, wenn sie sich wie ein pubertierender Teenager benahm. Ich versuchte sie zu kitzeln, damit sie endlich aufhören würde, doch sie gackerte nur noch lauter. Erneut wälzten wir uns lachend herum und hielten unsere Bauchmuskeln, die schon schmerzten.

Abrupt schreckten wir hoch, als die Türklingel ertönte. Karen sprang sofort auf und schien fast zu hyperventilieren, doch ich schüttelte nur vergnügt meinen Kopf und teilte Seunghyun über die Gegensprechanlage mit, dass wir gleich unten sein würden. Er holte uns zuerst ab und wir würden dann Dongyul auf dem Weg aufgabeln, Jiyong käme nach, sobald er mit seinem Song fertig war.
„Bereit?“, fragte ich Karen, woraufhin sie nur nervös nickte. Ich musste einfach schmunzeln. „Mach dir nicht zu viele Gedanken, das wird ein toller Abend!“

- - - - -

Rückblende:

Nachdem er den Wagen auf dem leeren Parkplatz hinter dem Haus geparkt hatte, wollte ich schon aussteigen, als er mich aufhielt. „Warte noch“, sagte er, als er das Handschuhfach öffnete, „Zieh die hier an.“ Er kramte eine große Sonnenbrillen und ein Halstuch heraus und bot sie mir an. Auf meinen fragenden Blick hin antwortete er nur, dass ich mich damit vor den Paparazzi verstecken konnte. Stimmt, daran hatte ich gar nicht gedacht. War schon kompliziert, mit einem Idol auszugehen. Aber es war nur zu unserem eigenen Schutz. Er zog sich ebenfalls eine viel zu große Sonnenbrille an und lächelte aufgeregt. Er war doch nicht etwa auch nervös?
Als er mir die Tür aufhielt und ich ausgestiegen war, hielt er mir seinen Arm hin und bedeutete mir, dass ich mich einhaken sollte. „Bleib immer dicht bei mir, okay?“ Schüchtern nickte ich nur und ergriff seinen Arm. Der Stoff seines Anzuges fühlte sich so weich und seidig an und ich spürte darunter die Wärme seiner Haut. Ohne es zu merken strich ich leicht über den Stoff, seine Muskeln zeichneten sich deutlich darunter ab. Mein Herz flatterte.
Gemeinsam fuhren wir in den elften Stock, wir zwei, in diesem Aufzug, allein. Von der Seite bewunderte ich ihn, er hatte ein perfektes Profil. Seine Augen, seine Nase, seine Lippen... Wunderschön. Er musste bemerkt haben, dass ich ihn beobachtete, denn er grinste breit. Schnell senkte ich meinen Blick wieder und merkte, wie mein Gesicht heiß wurde. Ohje, fing ich wirklich gerade an, mich in ihn zu verlieben? Mir bleib jedoch nicht viel Zeit darüber nachzudenken, denn die Türen des Aufzugs öffneten sich und er ging schnurstracks auf den Eingang des Restaurants zu - und vor Staunen blieb mir der Mund offen. Das nannte er also klein und familiär?
Das Restaurant, in welches er mich geführt hatte, war unglaublich. Das gesamte Stockwerk war wunderschön dekoriert, das italienische Flair war kaum zu übersehen. Der riesige Raum war mit etlichen kleinen Tischen und einer topmodernen Bar ausgestattet. Aus dem elften Stock des Hochhauses hatte man einen grandiosen Ausblick über ganz Seoul. Ich war komplett sprachlos.
Anscheinend war er sehr oft hier, denn die adrett gekleidete Emfpangsdame erkannte ihn trotz Sonnenbrille sofort, begrüßte uns sehr freundlich und wies uns direkt einen Tisch zu. Und da blieb mir nochmals die Luft weg, es war alles so luxuriös und edel, überall hingen beeindruckende Gemälde und imposante Statuen schmückten den Raum. Die Ausstattung war zwar schlicht gehalten, versprühte aber genau dadurch einen modernen Charakter. Ich war restlos begeistert.
„Wie ich sehe gefällt es dir hier, hm?“ Er hatte meinen Geschmack genau getroffen. Immer noch staunend nahm ich auf dem Stuhl platz, den er mir angeboten hatte. Es war nicht so viel los wie erwartet, einige Tische waren noch leer, aber ich vermutete, dass es zu späterer Stunde noch voller würde.
Zum Glück hatte Karen mir dieses Kleid angedreht. Innerlich dankte ich ihr tausendmal dafür. Eigentlich hatte ich mich immer erfolgreich geweigert, irgendwelche Kleider oder Röcke anzuziehen, aber diesmal war ich wirklich froh, dass ich auf sie gehört hatte, so war ich wenigstens nicht allzu underdressed. Die anderen Gäste waren bestimmt alle berühmt und ich meinte, in der anderen Ecke des Raumes auch ein Idol einer berühmten Girlgroup entdeckt zu haben, und sie sah einfach fantastisch aus.
Da kam auch schon der Kellner, um unsere Bestellung aufzunehmen. Er empfahl uns das Tagesgericht und dazu einen trockenen Rotwein. Ich verstand gar nichts von dem, was er sagte, ich kannte das Gericht gar nicht, weil es so einen komischen Namen hatte, aber Seunghyun wusste bestens Bescheid und übernahm die Bestellung für uns.
Ich war mit der Situation ein wenig überfordert, ich fühlte mich wie ich einer anderen Welt, doch er beruhigte mich wieder, indem er einfach drauf losquatschte. Ich hatte ihn noch nie so ausgelassen und lebhaft erlebt, da er sich bei der Arbeit nie so verhielt, aber ich genoss die Zeit mit ihm in vollen Stücken. Wir lachten viel und er machte mir durchgehend Komplimente für meine harte Arbeit: „Ich beneide dich, ich kann nicht tanzen. Aber ich bin ja auch Rapper. Da muss man sein hartes Image aufrechterhalten.“ Er verzog das Gesicht und versuchte, mich mit bösen Blick anzustarren, doch schon nach ein paar Sekunden brach er in Gelächter aus. Es war zu niedlich.
Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass er so unbeschwert über Gott und die Welt quatschen könnte. Den Eindruck, den man aus den Medien bekam, war wirklich ein komplett anderer. Dieser Seunghyun, der vor mir saß und genüsslich an seinem Weinglas nippte, das war das genaue Gegenteil von dem T.O.P, der auf der Bühne stand und seine Fans allein durch eine Handbewegung zum Kreischen brachte.
Dieser Mann war ein verrückter Typ mit einem ausgefallenen Humor und erlesenen Geschmack. Er brachte mich immer wieder zum Lachen, lobte mich, machte mir Komplimente. Er gab mir das Gefühl, etwas Besonderes zu sein. Die einzige Frau auf der Welt zu sein, für die er sich interessierte. Er war ein Charmeur, Kind, Player und Gentleman vereint. Und diese Mischung war unwiderstehlich.

Das Essen war fantastisch und der Wein floss in Maßen, noch nie hatte ich einen so guten Tropfen gekostet. „Das ist ein 2006er Pinot Noir aus Frankreich. Schmeckt er dir?“ Ich nickte einfach fröhlich. Überwältigt vom Ambiente, von der angenehmen Stimmung, von Seunghyun konnte ich einfach nur lächeln. Das war doch der Wein, oder…?
Ihm schien es genau so zu gehen. Sein Blick lag auf mir, wir schwiegen, doch sagte dieser Moment mehr als tausend Worte. Ich konnte seinen warmen Augen nicht ausweichen, und das wollte ich auch gar nicht. Stundenlang hätte ich ihn so ansehen können und würde immer wieder etwas Neues an ihm entdecken, das mich faszinierte. Ein sanftes Kribbeln breitete sich auf meiner Haut aus, als er seine Hand auf meine legte und seinen Daumen sanft über meinen Handrücken streichen ließ.
„Ach, Nayeon“, flüsterte er,
„Was machst du nur mit mir?“
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