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Fate and Fortune

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16
OC (Own Character) T.O.P
24.12.2016
27.12.2017
3
11.376
1
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24.12.2016 3.429
 
// Hey meine Lieben, ich bin wieder zurück mit einer eher untypischen Geschichte für mich, aber die Idee ist mir schon lange im Kopf herum gegeistert und ich dachte, ich schreibe sie einfach mal auf :) Jetzt, zu Weihnachten, wollte ich euch ein kleines Geschenk machen, und habe mich mal an ein komplett neues Fandom gewagt. Big Bang ist eine meiner absoluten Lieblingsgruppen und da T.O.P bald seinen Armeedienst antreten muss, wollte ich die Gelegenheit nutzen und meine Geschichte veröffentlichen. Die Story ist so aufgebaut, dass es zwischen den einzelnen Ereignissen, die in der Gegenwart spielen, immer wieder Rückblenden gibt, die auch die vergangenen Erlebnisse beschreiben, weshalb die Kapitel relativ lang geworden sind. Ich hoffe, dass es nicht allzu verwirrend für euch ist. Jetzt wünsche ich euch aber viel Spaß beim Lesen und freue mich sehr über eure Reviews und Meinungen!

Liebe Grüße, Anna //


„Ja, ich bin ja schon da!“, rief ich belustigt zu Karen. Wir waren viel zu spät dran, natürlich hatte ich verschlafen. Keine Ahnung, warum sie gerade heute so hetzte, normalerweise musste ich letzten Endes immer auf sie warten, da sie ständig irgendetwas vergaß. Wahrscheinlich war sie nur aufgeregt wegen dem neuen Tanz für ein Lied von Big Bang. Aber wer konnte es ihr verübeln – ich freute mich auch, endlich wieder mit diesem irren, wunderbaren Haufen zusammenzuarbeiten. Schnell schlüpfte ich in meine Schuhe, warf meine Tasche um, packte noch zwei Flaschen Wasser und rannte dann die Treppen herunter. „Na endlich, komm schon! Auf, auf!“ Sie rannte schon vor, grinste mich aber fröhlich an.
Gerade noch rechtzeitig eilten wir die Treppen in den U-Bahn-Steig hinunter, quetschten uns durch die Türen und ließen uns völlig außer Atem auf die Sitze fallen. Die anderen Mädels und Jungs begrüßten uns herzlich und plauderten mit uns, als die Bahn sich in Bewegung setzte. Wir waren wie jeden Morgen die Letzten die einstiegen und freundlicherweise hielten sie uns immer zwei Plätze frei. Nach dem üblichen Klatsch und Tratsch nutzen alle noch die letzten Minuten der Ruhe und hörten Musik, lasen die neuesten Ausgaben der Modezeitschriften oder tippten auf ihren Smartphones herum. Zum Glück verstanden wir uns alle gut, am Anfang sah das nämlich noch alles ganz anders aus. Da standen Zickereien auf der Tagesordnung und ich hatte versucht, mich immer so gut es nur ging herauszuhalten, aber wenn man halb Deutsche und halb Koreanerin war, war man nun mal die Zielscheibe schlechthin. Gerüchte verbreiteten sich wie ein Lauffeuer und Missverständnisse waren vorprogrammiert. Glücklicherweise legte sich das alles nach und nach als wir uns besser kennen lernten und heute waren wir ein starkes Team und hielten zusammen, auch wenn es hart auf hart kam. Karen kam auch aus Amerika hierher um ihre Wurzeln wieder neu zu erkunden, aber sie war viel selbstbewusster als ich und ließ sich von niemandem so schnell beeindrucken. Und sie war die beste Freundin und WG-Partnerin, die man sich vorstellen konnte.

„Und?“, neckte Karen mich und holte mich damit aus meinen Gedanken, „Gestern wieder zu lange Bingu gespielt?“ Geschockt starrte ich sie an, doch dann musste ich lachen: „Nein, gar nicht!“ Das war unser Running Gag geworden, seit die anderen Mädels erfuhren, dass zwischen Seunghyun und mir mal was gelaufen war. Sie hatten es als Metapher für ein Date mit ihm erfunden, es soll auf seinen Spitznamen „Bingu“ anspielen und auf das Spiel „Bingo“ und außerdem fanden sie es ganz witzig, da er in einem seiner Filme „Tazza“ ja auch die Hauptrolle als einen Zocker spielte. Ich fand es fragwürdig, aber ja, ein bisschen lustig war es schon. Nur war mir das immer ziemlich unangenehm…
Unsere Beziehung, das war so eine Sache. Das Jahr, welches wir zusammen verbracht haben, war wunderschön. Kein Zweifel. Aber es ging nicht mehr. Jedenfalls redete ich mir das immer wieder ein…

„Ach, komm schon! Ihr habt euch gestern getroffen, ich hab‘s doch gesehen, wie er dich nach Hause gebracht hat!“ „Jaaa, aber wir waren doch nur was Essen. Außerdem war Taeyang auch mit dabei!“ Sie grinste nur und zwinkerte mir zu. Ja, so war sie halt, sie wollte immer alles wissen, bis ins kleinste Detail, aber sie behielt es auch für sich. Deswegen mochte ich sie so. Dann erzählte sie mir wieder von diesem einen Typen, der neu als Tänzer bei YG eingestellt wurde und den sie so süß fand. Okay, er war schon niedlich, aber überhaupt nicht mein Typ. Ich musste zugeben, er konnte wirklich gut tanzen, aber da war ich erleichtert, dass Karen und ich nicht den selben Männergeschmack hatten. Wäre das doch nur auch bei unseren Klamotten so, dann würde sie mir nicht dauernd meine Lieblingssachen klauen und sie selbst anziehen!
„Vielleicht ist er ja heute wieder da, sprich ihn doch einfach mal an?“, schlug ich vor, doch sie wedelte wild mit den Armen. „Oh mein Gott, Nayeon! Das kann ich doch nicht einfach machen! Nachher bekommen ich kein Wort heraus und da-“

„Leute, alle mal hergehört! Ich hab eine SMS vom Manager bekommen!“ Wie aus der Pistole geschossen lehnten sich alle zu Soomin und lauschten ihr gespannt. „Also, er schreibt: Wie ihr bestimmt wisst, ist Parris Goebel für einige Tage hier, um euch die Choreografie für „Bang Bang Bang“ beizubringen. Ich erwarte von euch, dass ihr alle euer Bestes gebt! Für einige von euch ist es das erste Mal, dass ihr mit Parris zusammen arbeitet, deshalb bitte ich euch, dass ihr euch absolut einwandfrei benehmt. Viel Spaß und arbeitet hart!“ Ah, stimmt ja! Heute war Parris wieder da, wie cool! Für mich war sie schon wie eine alte Freundin, wir kannten uns ziemlich gut und ihre Choreografien waren der Hammer. Ich freute mich schon sehr darauf, wieder mit ihr zu tanzen!

Als wir das Hauptgebäude erreichten, klingelte mein Handy. Schnell holte ich es heraus und blickte aufs Display – eine neue Nachricht von Taeyang: Kommst du noch in die Cafeteria bevor die Stunde losgeht?
Ich glaube, ich war mit Karen die einzige, die ihnen so nah stand. Naja, „nah“ war jetzt vielleicht etwas blöd ausgedrückt, obwohl... Sagen wir einfach mal, dass keiner außer uns auch außerhalb der Arbeit etwas mit den Jungs zu tun hatte. Das war auch immer so ein Streitthema, da die anderen Mädels neidisch auf uns waren, aber irgendwann haben sie gemerkt, dass die Jungs auch nur normale Menschen waren und da hatten sie das Interesse verloren. Ziemlich oberflächlich wenn ihr mich fragt, aber ich mochte sie, weshalb wir immer Kontakt blieben und immer mal wieder etwas gemeinsam unternahmen, auch wenn unsere Termine sich mal nicht kreuzten.
„Hey, hat dir Bingu wieder geschrieben?“, fragte Karen neugierig, als sie sich über meine Schulter lehnte und aufs Display starrte, „Oh, Nee. Nur Taeyang Oppa.“ Irgendwie schmollte sie. „Eonni, das mit uns ist schon lange vorbei! Könntest du das jetzt bitte lassen?“ Sie äffte mich nur nach, woraufhin ich anfangen musste zu lachen, weil sie so lustig aussah. Sie war selbst Monate danach noch der festen Überzeugung, dass Seunghyun noch Interesse an mir hatte, aber nach allem was passiert war, hielt ich es für das Beste, nur mit ihm befreundet zu bleiben. Deshalb hatte ich auch eine sechsmonatige Pause eingelegt, in der ich wieder zurück nach Deutschland geflogen war, um dem ganzen Stress zu entkommen. Seit vier Monaten war ich schon wieder hier, aber vergessen konnte ich ihn nie... Ich schüttelte den Kopf, um den Gedanken beiseite zu schieben und drehte mich zu Karen: „Jetzt lass uns endlich in die Cafeteria, ich will noch einen Kaffee, bevor die Arbeit los geht.“

- - - - -

Rückblende:

„Tschüss Appa, Eomma, bis bald, Oppa! Ich werde euch so vermissen!“ Meine gesamte Familie nahm mich in den Arm. Ich hasste Abschiede, da musste ich immer weinen, aber es gehörte sich nicht, für eine 25-jährige, mehr oder weniger erwachsene Frau an Flughäfen zu weinen. Leider schluchzte meine Mutter wie ein kleines Mädchen, während mein Vater und Taehyun nur neben dran standen und das Geschehen peinlich berührt beobachteten. Taehyun räusperte sich kurz, woraufhin meine Mutter einen Schritt beiseite ging, ehe er mir eine kleine Tüte überreichte: „Hier, das ist noch ein Geschenk von uns. Pass auf dich auf und melde dich, okay?“ Gerührt sprang ich in seine offenen Arme, mein großer Bruder würde mir unglaublich fehlen. Ich liebte ihn abgöttisch, er war der beste Bruder, den ich mir jemals hätte wünschen können. Umso schwerer fiel mir der Abschied, aber es war die richtige Entscheidung. Mein Vater war immer noch nicht begeistert, aber mittlerweile verstand er meinen Wunsch, zu tanzen. Ich hatte ihn überzeugt, dass das Informatikstudium zwar cool war und es mir auch Spaß machte, aber ich zurück nach Seoul und bei YG tanzen wollte. Es war nicht das, was er sich für mich gewünscht hatte, aber nachdem er sah, wie weit ich es ganz aus eigener Kraft gebracht hatte, unterstützte er mich, soweit es sein Gewissen ihm erlaubte. Und dann wurde auch schon mein Flug aufgerufen, ich musste schleunigst los. Noch eine abschließende, gemeinsame Umarmungsrunde und dann quälte ich mich mit meinem viel zu sperrigen, knallroten Rollkoffer durch den Frankfurter Flughafen. Bald würde ich wieder zurück sein, wieder in Seoul… Nach einem halben Jahr. Ich seufzte aus.
Ein letztes Mal drehte ich mich zu meiner Familie um und winkte mit beiden Armen.
„Wir sehen uns bald wieder!“


- - - - -

„Heey, da seid ihr ja endlich! Guten Morgen!“ Daesung und Taeyang kamen gut gelaunt auf uns zu geschlendert und begrüßten uns mit zwei Kaffeetassen, „Wie geht’s euch?“ Sie waren schon ganz aufgeregt, wieder mit Parris zusammen zu arbeiten. Und gerade als wir über sie geredet hatten, trat sie zur Tür hinein. Voller Energie strotzend stolzierte sie übers ganze Gesicht strahlend auf uns zu: „Hey, hey, hey! Wen haben wir denn da! Nayeon und Karen, euch habe ich ja schon Ewigkeiten nicht mehr gesehen!“ Sie umarmte uns fest, ich freute mich, dass sie wieder hier war. Zum Glück hatten meine Eltern schon früh damit angefangen, mich in etliche Englischkurse zu stecken, denn mittlerweile beherrschte ich die Sprache fließend. Das war auch gut so, denn so konnte ich mich ohne Probleme mit Parris unterhalten, da sie an ihrem Koreanisch noch ein bisschen feilen musste.
„Alles klar bei euch? Nayeon, hast du dir die Haare gefärbt? Sieht scharf aus! Und Karen, bist du größer geworden?“ Tatsächlich hatte ich letztes mal noch dunkelbraune Haare, aber eine befreundete Stylistin wollte vor ein paar Wochen zur Übung was Neues an mir ausprobieren und seitdem trug ich meine Haare platinblond, sogar fast weiß. Mir gefiel es so viel besser und ich hatte auch sehr viele Komplimente dafür abgestaubt. Eigentlich mochte ich es gar nicht so sehr aufzufallen, aber dafür gefielen mir die Haare viel zu gut. Außerdem trug ich sie sowieso meistens zu einem Zopf gebunden. Und Karen war über Parris‘ Kommentar überaus erfreut, da sie sich mit ihrer Körpergröße von 1,59 Metern viel zu klein fand. Ich fand, sie hatte die perfekte Größe, denn ich fühlte mich mit acht Zentimetern mehr viel zu groß. Die vier unterhielten sich angeregt über die neue Choreo, während ich hinter den Tresen ging und mir einen neuen Kaffee holte. Ich hatte meine Tasse in einem Zug geleert und brauchte dringend Nachschub. Der Abend gestern war vielleicht doch zu lang gewesen.

„Guten Morgen, Honey! Wie geht’s dir?“ Zwei starke Arme legten sich um meine Schultern und ein warmer Hauch kitzelte meinen Nacken. Natürlich wusste ich sofort wer das war, ließ mich davon jedoch nicht beeindrucken. Noch ganz in die Zubereitung meines Kaffees vertieft, antwortete ich ihm nebenbei: „Hör auf mich so zu nennen, Seunghyun. Du weißt, ich mag das nicht. Und mir geht’s ganz gut.“ Ich mochte den Spitznamen überhaupt nicht. Er hatte angefangen mich so zu nennen, weil ihn meine blonden Haaren an süßen Honig erinnern würden. Total peinlich, schließlich waren wir ja nicht mal zusammen. Also – nicht mehr auf jeden Fall. Aber ich würde lügen wenn ich sagen würde, dass es mir nicht gefiel, wenn er mich so umarmte. Seine Berührung spendete eine wohltuende Geborgenheit und wie aus Reflex schmiegte ich mich an ihn und schloss die Augen.
„Ähm… guten Morgen, ihr zwei.“ Ich hatte seine Nähe so sehr genossen, dass ich komplett vergessen hatte, dass wir in der Cafeteria befanden und ungefähr zehn Leute außer uns noch hier waren. Eine befreundete Tänzerin zwinkerte mir zu, als sie uns so entdeckte. Peinlich! Schnell schlüpfte ich aus seinem Griff hervor, damit es nicht noch unangenehmer werden konnte, als es ohnehin schon war. Verwundert und mit offenen Armen blickte er mich an, doch ich grinste nur breit und nippte an meinem Becher.
Er sah mal wieder toll aus heute, mit seinen verwuschelten schwarzen Haaren, seinem grünen Trenchcoat, dem weißen, lupenreinen Hemd… Ich liebte die Art, wie er sich kleidete. Liebte seinen verrückten, liebevollen Charakter. Ich konnte mich glücklich schätzen, hinter die Kulissen geblickt zu haben, sein wahres Ich kennengelernt zu haben. Denn wie er sich in der Öffentlichkeit gab und wie er wirklich war – das waren zwei komplett unterschiedliche paar Schuhe.
Kurz darauf musste ich lang gähnen. „Oh je, doch nicht so fit? Das nächste Mal bringe ich dich wohl lieber früher nach Hause.“ Etwas Besorgnis lag in seiner Stimme, vermischt mit ein klein bisschen Frechheit. Ich wollte mich gerade vor lehnen und ihm einen gespielten bösen Blick zuwerfen, als mir auffiel, dass ich nach oben schauen musste, da er so groß war. Man, das war echt nervig! Er grinste nur schelmisch.
„Apropos, was machst du heute Abend?“ Ich drehte mich von ihm weg und wand mich wieder meinem Kaffee zu: „Nichts mir dir auf jeden Fall.“ Er stemmte die Arme in die Hüften und lächelte sein schiefes Lächeln. „Das ist aber nicht sehr nett, weißt du?“ „Wann war ich das schon?“, fragte ich mit einem ironischen Unterton. „Touché“, gab er belustigt zurück.
Kurz darauf rief Karen uns zu sich: „Hey ihr beiden, in fünf Minuten geht’s los!“ Wir nickten ihr zu und ich nahm meinen letzten Schluck. Er versuchte mich noch ein paar Mal zu überreden seine Einladung anzunehmen und mich mit ihm zu verabreden, aber ich blieb stur. Es würde sowieso darauf hinauslaufen, dass wir erneut in irgendein überteuertes Restaurant gingen und er mir wieder „diesen neuen, tollen Wein“ andrehte. Der alte Feinschmecker. Aber heute müsste ich mich wirklich ausruhen. Diesen Freitagabend wollte ich ruhig angehen.

Parris war mal wieder Feuer und Flamme. Sie tanzte uns die Choreo vor und ich war restlos begeistert. Ich liebte ja schon „Bang Bang Bang“ aber mit diesem Tanz würde es einfach noch besser werden! Und sie hatte diese besondere Art, wie sie sich bewegte, so flüssig, aber gleichzeitig auch so energisch und definiert, das war wirklich einzigartig. Aufgeregt stand ich sofort auf und stellte mich in die zweite Reihe, hinter Parris und die Bandmitglieder. Seunghyun würde sowieso nicht viel Energie in die Choreo stecken, so kannten wir ihn ja schon, aber es war nunmal üblich, dass sie vorne standen. Zuerst lernten wir die Grundschritte, bevor sie sich an die Einteilung der einzelnen Personen machte. Sie wollte ja auch erst herausfinden, wie sich jeder so anstellte. Ich stand in der Mitte und würde gegen Ende des Tanzes nach vorne kommen, neben den männlichen Tänzern, also müsste ich mich ganz besonders anstrengen.
„Alle bereit? Sehr gut, dann geht’s jetzt sofort los.“ Im ganzen Raum hörte man Zurufe, alle freuten sich auf die gemeinsame Arbeit und dann startete auch schon die Musik. „Alle Mann auf ihre Posten. Und Los! Fünf, Sechs, Sieben, Acht!“

- - - - -

Rückblende:

„Oh, oh! Lass uns noch in diesen Laden!“ Genervt verdrehte ich die Augen: „Man, Eonni. Seit über drei Stunden ziehst du mich von Geschäft zu Geschäft, lass uns doch einfach das eine Kleid kaufen, was wir im Topshop gesehen haben und dann endlich was essen, ich hab Hunger!“ Wie ein kleines Kind zog sie mich an der Hand hinter sich her. „Ja, okay. Aber nur noch dieser hier und wenn wir hier nichts finden dann bist du erlöst.“ Zwinkernd lief sie durch das Gedränge in das erste Stockwerk des überdimensionalen Geschäftes. Allgemein war hier alles voller Bling-Bling und viel zu schick für uns, aber kein Wunder, wir waren ja auch in Gangnam. Sowieso fragte ich mich, warum sie mich gerade hierher geschleppt hatte, hier war alles unverschämt teuer und wohl fühlte ich mich hier auch nicht.

„Und, hast du endlich was gefunden?“ Eigentlich waren wir meinetwegen hier. Ich hatte heute Abend ein Date und hatte ihr vorhin davon erzählt. Sie hatte gefragt was ich denn anziehen wollte und ich wäre wohl in meinem Alltagslook gegangen, doch sie bestand darauf, mir ein Kleid zu kaufen. „Na wenn du schon mit T.O.P verabredet bist, musst du auch bezaubernd aussehen! Stell dir vor, es kommen Paparazzi und knipsen euch und du kommst in die Zeitung oder vielleicht sogar ins Fernsehen. Wäre doch peinlich neben ihm schlecht dazustehen.“ Oh mein Gott... Daran hatte ich gar nicht gedacht! Okay, jetzt wurde ich doch nervös. Was, wenn wir wirklich zusammen gesehen werden? Die ganze Sache war sowieso viel zu überstürzt... Oder?
„Ooooh, das hier ist perfekt!“, sie zog etwas kurzes, schwarzes hervor, „Das musst du einfach anprobieren!“ In der Hoffnung, dass dieses das letzte Kleid wäre, ging ich in die Kabine und zog es über. Und ich war positiv überrascht, so schlecht sah das ja gar nicht aus! Es hatte einen minimalen V-Ausschnitt, lange Ärmel und einen schmalen Seidengürtel an der Taille. Der Rock war zum Ende hin ein klein wenig ausgestellt und reichte bis in die Mitte meiner Oberschenkel. Nicht schlecht, Karen hatte wohl dieses mal echt einen Glückstreffer gelandet. Da guckte auch schon ihr Kopf in die Kabine hinein: „Sag, bist du fer- Wow! Komm raus!“ Etwas kritisch begutachtete ich mich im Spiegel, doch je mehr ich das Kleid betrachtete, desto mehr gefiel es mir. Und auch der Preis ging in Ordnung. Perfekt! Karen war immer noch ganz sprachlos. „Du siehst umwerfend aus“, war das einzige, was sie herausbracht, bevor sie euphorisch in die Hände klatschte. „Also, wenn er dir so nicht zu Füßen liegt, dann weiß ich auch nicht!“


- - - - -

„Und den Arm nach oben! Sehr gut, das wars für heute!“ Fröhlich, aber erschöpft klatschte Parris in die Hände und wischte sich danach die Stirn mit ihrem Handtuch ab. Das ganze Team jubelte ihr zu, heute war wirklich ein guter Tag gewesen. Die Choreo war fantastisch, zwar schwer, aber es machte so sehr Spaß, dass wir die ganzen neun Stunden mit nur einer kleinen Pause durchgetanzt hatten. Mir war jedoch nicht entgangen, wie Seunghyun mich die ganze Zeit über im Spiegel beobachtet hatte. Sein eisiger Blick, vor allem beim Part mit Daesung, bei dem wir um ihn herum tanzten, jagte mir etwas Angst ein… War er so eifersüchtig? Erschöpft ließ ich mich auf einen Stuhl fallen und wischte mir mit einem Handtuch übers Gesicht.

Ehrlich gesagt verstand ich überhaupt nicht, was er an mir so toll fand. Ich meine, ich war nur eine Tänzerin und er war ein Idol, auch wenn er es nicht gerne zugab. Ich sah nicht überdurchschnittlich gut aus, eher war ich ziemlich unscheinbar, wie typische Mädchen von nebenan. Das Einzige, was an mir auffiel, waren meine Haare. Ich hatte braune Augen, einen hellen Teint und hatte zu meinem Glück lange Beine, war jedoch sehr zierlich. Manchmal wünschte ich mir, ich hätte etwas mehr Kurven. Und wenn ich nicht gerade die Kleidung anzog, die mir für Auftritte vorgeschrieben wurde, trug ich fast nur schwarz, darin fühlte ich mich am wohlsten. Karen würde meinen Stil wohl als elegant-lässig, aber zurückhaltend beschreiben. Ich trug zum Beispiel nie High Heels, auch wenn sie mich immer dazu überreden wollte, und einen tiefen Ausschnitt mochte ich auch nicht. Einzig und allein zeigte ich vielleicht meine Beine, wenn es im Sommer zu heiß wurde. Hemden, Jeans und Sneakers waren meine Lieblingsstücke, welche auch den größten Platz in meinem Kleiderschrank einnahmen. Seunghyun und Jiyong hatten mich immer um meine Sneakersammlung beneidet, da ich wirklich über ein dutzend Paar in den verschiedensten Farben und von den unterschiedlichsten Marken besaß, aber am Liebsten mochte ich immer noch meine alten Nikes, die meine Mutter bestimmt schon lange weggeworfen hätte, weil sie fast auseinanderfielen.
Zusammengefasst konnte ich also sagen, dass ich keine Ahnung hatte, was Seunghyun an mir fand. Auch schon damals, als wir…
Ich seufzte aus. Kopfschüttelnd fragte ich mich, warum ich wieder an ihn denken musste. Es war in letzter Zeit wieder öfter passiert. Immer wieder schlich er sich in meinen Kopf.
Ich wollte es mir nicht eingestehen, aber… ich konnte ihn wohl nicht vergessen.

// So, das wars mit dem ersten Kapitel. Ich hoffe, dass es euch gefallen hat. Zum Abschluss wünsche ich euch allen schöne Weihnachten und ein gutes, erfolgreiches und gesundes neues Jahr! //
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