Promise

GeschichteSchmerz/Trost / P12 Slash
Lawless / Hyde Licht Jekylland Todoroki
24.12.2016
24.12.2016
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Tag zusammen :D

Jup, ich habe alles andere einen Moment auf Eis gelegt, um meinen Beitrag zum 24.12. posten zu können owo
Und hier schon mal im Voraus: ACHTUNG, es ist KEINE fröhliche Story, wer also zum Schniefen neigt, dem lege ich diese Story nicht neben dem Weihnachtsbaum ans Herz xD

Warum ich trotzdem gerade sowas an Weihnachten uploade? :D Nuuun...
Licht hat an Weihnachten Geburtstag und wie es der Zufall will spielt diese Story am 24.12. owo Ich wollte schon immer meinen Senf zum FF-Fandom für LawLicht dazu geben, auch wenn ich dachte, ich würde es mit etwas Fröhlicherem tun ~

Ich überlege übrigens, ob ich eines Tages eine Fortsetzung hierzu schreiben soll :3 Na ja... hat es mir angetan und bietet sich an ~

Euch dann noch frohe Weihnachten und falls ich nicht zum Uploaden komme nächste Woche, dann auch einen guten Start ins neue Jahr <3
An alle Unglücksraben (wie ich finde), die so wie Licht heute Geburtstag haben: Happy birthday xDD


Bis denne <3

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Verlassen zu werden, ist etwas, was man nicht vergisst. Es ist wie ein Dorn aus Eisen, der einem in die Haut geschoben wird – erst mit einem Ruck, und dann langsam tiefer, immer tiefer, je mehr Zeit vergeht. Manchmal geschehen dann Dinge, die Erfahrung mit sich bringen. Erfahrung, mit der man die Dornen herausziehen kann – doch eine Narbe bleibt immer.
Es gibt einige Menschen, oder besser Personen, die in ihrem Leben immer wieder damit konfrontiert werden, die geradezu übersäht sind mit diesen kleinen Narben, manche größer, manche kleiner.
Immer wieder allein. Immer wieder verlassen.
Es gab ein Verlassen in seinem langen, ewigen Dasein, das eine besonders große Narbe hinterlassen hatte. Direkt über dem Herzen, ein hässlicher, großer Punkt, der einfach nicht verheilen wollte. Direkt neben der anderen Narbe, ebenso groß, doch sehr viel älter und beinahe verdrängt von diesem zweiten Punkt.
Er konnte sich noch heute erinnern, als wäre es erst gestern gewesen, als wäre nie Zeit vergangen. Denn er hatte die Zeit mit sich genommen, genau wie alles andere.  

Es war der 24. Dezember, Weihnachten, der Heilige Abend. Es schneite und das nicht nur ein bisschen. Der Sturm rüttelte an dem kleinen Haus, das sie seit einiger Zeit bewohnten, und es machte den Anschein, als wolle er es einfach niederreißen. Vor einigen Jahren noch hatte er es faszinierend gefunden, wie sehr sich das Wetter in den verschiedenen Ländern unterschied. Vor Jahren, als er noch mit ihm für seine Klavierkonzerte um die Welt gereist war. Jetzt stand er hier in dieser Hütte, die er sich gewünscht hatte, mitten in Österreich – seiner Heimat.
Ein weiterer Sturm wütete, doch dieser war ungesehen. Er zerrte nicht an einem Gebäude, nicht an festen Materialien – mehr an Organen, am Inneren eines Vampirs, der bewegungslos vor dem Fenster stand und ins nasse Dunkel der Winternacht starrte. So richtig wusste er auch nicht, worauf er wartete. Vielleicht auf Antworten? Lösungen? Oder schlicht jemand, der mit einer Uhr in der Hand erschien, einen Knopf drückte und schon standen alle Uhren dieser Welt still und am Besten auch die Welt selbst.
Doch es kam niemand. Und draußen stürmte es weiter, genauso wie in ihm.

Sein gesamtes Dasein lang war Lawless nie besonders habgierig gewesen. Auch wenn es Momente gegeben hatte, in denen er sich gewünscht hatte, etwas mehr seiner Sünde zu zeigen. Er hatte sich immer darüber lustig gemacht. Die einzig wahre Habgier – zumindest sollte er das sein. Gerade wollte er nur eines wirklich haben: Zeit.
Hinter ihm ertönte ein raues Husten, dumpf und schwach. Fast sofort verließ der Urvampir seinen Posten am Fenster und schritt in die Küche, um ein Glas Wasser zu holen. Der Blick der roten Augen war trüb, seine Gedanken verweilten weit in der Vergangenheit.


„Happy birthday, Lichtan!“, Lawless grinste und wagte es sogar, ihn rasch von hinten zu umarmen. Gerade noch so wich er dem folgenden Tritt aus, doch der kam sowieso mehr halbherzig. Gewohnheit überdauerte eben doch Jahrzehnte.
„Komm mir ja nicht zu nahe, Idiotenigel!“, auch das Murren klang mehr halbherzig. So richtig hasserfüllt konnte Licht einfach nicht mehr klingen. Dafür war zu viel Zeit vergangen und zu viel war geschehen, auch zwischen ihnen. „Mein Alter sagt nicht, dass du das jetzt unerlaubt machen kannst.“
Alter. Jahre. Lichts Menschlichkeit. Alles bedrohliche Feinde, die den SerVamp schlucken ließen, Jahr für Jahr. Leicht wanderte sein Blick zu dem Kuchen zwischen ihnen. 29. Lichts 29. Geburtstag. Wo war die Zeit...?
„Hast du es dir noch einmal überlegt?“
Erstaunt sah Licht auf, der Ernst in der Stimme seines Vampirs kam erschreckend plötzlich. Die Trauer in seinen Augen noch erschreckender. Die Frage allerdings noch viel mehr.
„Wir haben darüber gesprochen. Ich werde kein Vampir werden, Hyde. Das habe ich dir schon einmal gesagt.“
„Aber Lichtan...“
„Nein. Ich will als Mensch sterben. Ich will mein Werk zurücklassen, als Erinnerung an mich und an mein Leben.“
„Und mich? Als was wirst du mich zurücklassen?“



Die Worte waren damals schrecklich gewesen, heute klangen sie mehr wie ein vergangenes Echo. Damals waren es noch lebendige Worte gewesen, auf die man Taten hätte folgen lassen können, doch darüber brauchte man heute nicht mehr sprechen. Er würde zurückbleiben. Als was auch immer.
Der Husten im Nebenzimmer nahm zu und Lawless kehrte mit dem Glas Wasser zurück zu dem Bett, an dem er seit Wochen wachte. Dem Bett, in dem der Mensch lag, der inzwischen seine Welt bedeutete.
Licht Jekylland Todoroki.
Die schwarzen Haare seiner japanischen Gene waren längst ergraut und nach und nach weiß geworden. Die Strähne, die schon seit seinen jungen Jahren weiß war, blieb weiterhin erkennbar – sie wirkte beinahe durchscheinend, im Vergleich zum Rest. Die starken, blauen Augen wirkten ein wenig wässrig, auch wenn sie jedem Blick noch immer standhalten konnten. Und doch, trotz seiner starken Ausstrahlung, war er schlicht...weniger. Es fehlte ein Stück von ihm... Lawless spürte nur zu gut, dass mehr und mehr von ihm schwinden würde, bis er ihn schließlich allein lassen musste. Früher als ihm lieb war.

Es hätte anders sein können...

Langsam hob der SerVamp den Kopf seines Eves und gab ihm zu trinken.

Es hätte anders sein können, wärst du nicht so stur. Wärst du nicht so stark. Hättest du einmal in deinem Leben Angst.

Sanft bettete er ihn zurück auf sein Kissen und strich eine Strähne zur Seite.
„Brauchst du noch was...?“, die Worte kamen nur zaghaft, doch als Licht nach seiner Hand griff, schienen sie sowieso überflüssig. „Ich bleibe hier, bei dir.“
Er wirkte so blass. So klein. So schwach. Es war grausam, mitansehen zu müssen, wie der einst so starke Eve um jeden Atemzug kämpfte, den er tat.

Warum kannst du nicht einmal im Leben schwach sein...? Jeder Mensch hat Angst. Warum du nicht?

Irgendwann begann Lawless wieder zu reden. Es waren keine unbekannten Geschichten, viele handelten von ihnen, wie sie zusammen angefangen hatten. Wie Licht ihn ständig hatte umbringen wollen und all die Wege, wie es hatte klappen sollen. Die Badewanne, der Herd, die Mikrowelle – jetzt, wo so viele Jahre dazwischen lagen, konnte Lawless nur noch darüber lachen. Die Kabbeleien lagen so weit zurück.
Gar nicht so weit zurück lagen die etwas anderen Zeiten, als sie angefangen hatten, einander anders zu begegnen.


Das Herz raste Hyde in der Brust und füllte den Körper mit jedem Schlag mehr mit Lebendigkeit. Das Gefühl von Lichts Lippen auf seinen war noch immer so präsent, dass er sich unwillkürlich drüberleckte. Es schmeckte sogar noch nach ihm... Wer hätte gedacht, dass das Engelchen so süß schmecken würde. Ein Grinsen schlich sich auf sein Gesicht.
Und der Schlag ließ keine zwei Sekunden auf sich warten.
„Grins doch nicht so!“, zwar wirkte Lichts Stimme wie immer grummelig, allerdings nicht ganz so aggressiv wie sonst. Murrend wandte er das Gesicht ab, doch es war bereits zu spät.
„Lichtan, wirst du etwa roooot ~?“, lachend sprang Hyde seinen Eve an und versuchte ihm die Hände vom Gesicht zu schieben, um das wunderbar rot angelaufene Gesicht darunter zu sehen, doch der wehrte sich. „Lass mich doch mal sehen! Komm schon, es kommt nicht oft vor, dass mein Engelchen menschliche Gefühle zeigt!“



Danach war es noch unzählige Male vorgekommen und nach und nach wurde dem SerVamp der Einblick in die menschliche Gefühlswelt des selbsternannten Engels gewährt. Dort durfte er auch verbleiben, denn eine Frau, eine Ehefrau, hatte Licht niemals gehabt. Sein Leben lang hatte er weiterhin nur Hyde an sich gelassen. Keine Kinder, keine großartigen Verwandten nach dem Tod seiner Eltern. Nichts – bis auf zwei Lehrlinge, denen er in seinen alten Tagen beigebracht hatte, was er wusste. Damit sein Lebenswerk zwar beendet war; das zweier neuer Engel allerdings beginnen konnte.
Künstler, so sagte man, kamen mit Menschen nicht besonders klar. Es gab kaum einen Menschen in Lawless' langem Dasein, auf den dieser Spruch so sehr zutraf, wie auf den jungen Pianisten.

Der Griff von Lichts Hand verstärkte sich leicht und sanft strich Lawless durch die weißen Haare. Ein Leben lang. Ein Leben lang hatte er gewacht, geliebt, gehasst, gelebt. Er durfte weiterexistieren. Hätte Licht doch bloß Angst gehabt... er hätte ihn zu einem Abkömmling machen können, sie hätten zusammenbleiben können. Doch Licht wollte die Ewigkeit nicht. Kein Künstler wollte sie. Sie wollten bloß Erinnerung, nach ihrem Tod.
Es war so unfair...
„Hyde...?“
Lichts Stimme klang schwach, schwächer als in den letzten Tagen und dem Vampir rutschte das Herz wie ein Stein in den Magen.
„Ja...?“, er rückte näher, um das leise Murmeln zu verstehen, den Blickkontakt nicht brechend, die schmalen Pianistenhände in den eigenen.
„Du hast ja Angst...“, leicht wandte sich der Blick des Menschen zu ihm, wissend und doch irgendwie auf seine Weise sanft. „Und du heulst...“
Stockend wischte sich der Urvampir die Tränen weg.
„Gar nicht...! Ich bin furchtlos. Ich bin immerhin...immerhin...“, die Worte gingen unter, seine Stimme brach bei dem Versuch, das Weinen zu unterdrücken.
„Die einzig wahre Habgier“, die blauen Augen schienen zu lächeln, irgendwie.
„Genau. Das bin ich...“, einen Moment herrschte Stille, bevor er weitersprach. „Hast du Angst?“
„Nein. Nach wie vor nicht.“
Wieder herrschte einen Moment Schweigen, denn die Worte flossen immer langsamer aus dem Pianisten heraus, zähflüssig wie Honig. Und je mehr sich dieser entspannte, desto schwerer fiel es Lawless, seine Spannung nicht einfach rauszulassen. Seit Wochen bereitete er sich darauf vor. Schon oft hatte er seine Eves sterben sehen. Selten war es so schwer gefallen. Nur einmal bisher.
„Weißt du, Lichtan... Du kommst jetzt in den Himmel und wirst ein richtiger Engel. Mit richtigen Flügeln.“
Eines seiner seltenen Lächeln spielte um die blassen Lippen.
„Ich war... schon immer ein Engel“, nach einem Moment des Überlegens fügte er hinzu: „Und Engel werden auf...die Erde zurückgeschickt, damit sie ihrer Arbeit nachgehen können.“
„Dann finde ich dich. Du hast mich doch noch gar nicht geläutert...!“, jetzt lächelte auch Hyde. Die Vorstellung machte es erträglicher und tief in ihm drin entwickelte sich bereits ein Gedanke, den er erstmal nach hinten verdrängte, denn erneut geriet Licht in ein Husten und sah ihn nun angestrengt an.
„Wir sehen uns wieder...“
„Ich verspreche es, Lichtan. Ich verspreche dir, dass wir uns wiedersehen.“

Und dann sah Hyde zu, wie sich die blauen Augen seines Eves schlossen. Dieselben blauen Augen, die ihn früher immer so herausfordernd angesehen hatten. Die geleuchtet hatten, wenn er ein Konzert gab und seiner Vorstellungskraft die Macht gab, Berge zu versetzen. Die Augen, die ihn morgens als erstes angesehen hatten... und in die er sich verliebt hatte, nach und nach.
Das Klirren der brechenden Kette, die Vertragskette, ließ ihn einen Moment die eigenen rostroten Augen schließen. Das Gefühl der kraftlosen Hand in den seinen und die Leere, die ein so langjähriger und nun gebrochener Vertrag mit sich brachte, legte sich tief in sein Herz hinein.
Gleichzeitig herrschte dort noch ein anderer Gedanke. Ein Wunsch... nein, mehr ein Versprechen, so fest verankert wie der Vertrag zwischen SerVamp und Eve.


Beweis es mir, Engelchen. Beweis mir, dass du ein Engel bist, und finde deinen Weg zurück, als ein neuer Mensch. Ich werde dich finden, denn ich habe eine Ewigkeit Zeit.
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