Weihnachten - Das Fest Der Liebe

von kweenron
KurzgeschichteRomanze, Familie / P6
23.12.2016
23.12.2016
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Weihnachten. Das Fest der Familie und Freundschaft – das Fest der Liebe. Dieses Weihnachten würde für mich das beste werden, das ich bis dato hatte. Irgendwie wusste ich das schon jetzt.
„Was ist, Cate, bist du wieder in Gedanken?“, fragte Nia, drückte meine Hand ein bisschen fester und sah mich lächelnd an. Ich konnte nicht anders, als das zu erwidern, meine Mundwinkel nach oben zu ziehen und zu lachten.
„Ja, anscheinend schon.“ Wer hätte gedacht, dass wir so enden würden? Wir, das unglückliche Mädchen aus Mexiko und die Punkerin aus New York. Wer hätte gedacht, dass wir uns in Los Angeles treffen würden? Dass sich unsere Wege nie wieder trennen würden?
Wir kannten uns nun fast fünf Jahre und in dieser Zeit war viel passiert. Wir hatten uns verändert, waren gewachsen und erwachsen geworden. Nias knallrote Haare trug sie inzwischen naturbraun, kurz geschnitten. Sie sah damit unglaublich erwachsen aus – auch wenn sie erst 19 war. Ihr aufreizenden Kleidunsstill hatte sie abgelegt. Noch immer sah sie sexy aus, was auch immer sie anzog, doch auch verantwortungsbewusst und nett, wie jemand, dem man gerne begegnete. Die dunkle Schminke war dezent geworden, ruhig und naturbelassen. Dabei sah sie gut aus, selbst ohne einen Hauch von Make Up.
Und ich? Ich hatte mir irgendwann die Haare knabenhaft kurz geschnitten und mich ansonsten kaum verändert. Noch immer trug ich am liebsten und meisten schwarz, sah gleichzeitig erwachsen und süß aus – so, wie man sich eben ein Mädchen unserer Zeit vorstellte.
„Erzähl, wo waren deine Gedanken jetzt wieder, wenn nicht bei mir?“
„Wer sagt denn, dass ich nicht an sich gedacht habe?“ Ich sah sie herausfordernd an, erntete dafür ein Lachen ihrerseits. Wer hätte gedacht, dass wir nach allem noch gemeinsam glücklich sein konnten? Ja, wir waren durch viele Tiefen gegangen, hatten natürlich auch Höhen gehabt. Es war schwer, wenn man merkte, dass aus Freundschaft mehr wurde. Das war es immer. Völlig egal, ob es dabei um Jungs oder Mädchen ging.
Eigentlich, hatte ich sie schon immer geliebt – ich konnte mich an keinen Tag erinnern, an dem ich es nicht getan hatte. An Anfang hatte ich es für Faszination gehalten, weil ich damals keine Ahnung von Liebe hatte. Weil ich nicht gewusste hatte, wie sich das anfühlte, und das Mädchen sich in Mädchen verlieben konnten.
„Hallo, Erde an Cate.“
„Was?“ Ich blinzelte verwirrte, blickte in Nias strahlende Augen.
„Wie oft willst du mich heute mit deinen Gedanken noch verlassen, hm? Es ist Weihnachten, okay? Bleib bei mir.“
„Tut mir leid. Ich habe gerade zurück gedacht. Irgendwie macht mich Weihnachten immer nostalgisch.“
„Und an was?“, fragte sie, während wir weiter durch die kalte Luft gingen. Es dämmerte schon, daher war sie Stadt von unglaublich vielen Lichtern erhellt.
„An dich, Rena, deine Mutter und alle Probleme, die wir gehabt haben.“, antwortete ich offen und ehrlich.
Nias Mutter, Ana, war nie sonderlich begeistert von unserer Beziehung gewesen, hatte uns am Anfang verboten anderen davon zu erzählen. Von ihrer Schwester, Rena, hatten wir Zuspruch bekommen und es schließlich geschafft, die gläubige Ana davon zu überzeugen, dass gleichgeschlechtliche Beziehungen genau so normal waren, wie die, in der sie lebte. Und meine Familie? Die hatte ich in all der Zeit nur wenig gesehen, weil sie in Mexiko waren und ich so weit entfernt.
„Letzten Endes hat sich zum Glück alles geklärt.“ Ich nickte, bleib stehen. „Was ist?“
„Es schneit.“ Und tatsächlich begannen dicke Flocken federleicht vom Himmel  zu tanzen, hüllten alles bald in frischen Bezug. „Nia, es schneit!“
„Ach stimmt, ihr habt in Mexiko ja keinen Schnee.“
„Ich habe es noch nie schneien sehen.“ Vermutlich wurde ich für eine Zwanzigjährige viel zu aufgeregt, aber hey – hatte ihr es schon mal schneien sehen? Ich nicht. Noch nie in meinem ganzen Leben. Ich ließ die Hand der Braunhaarigen los, rannte ein paar Schritte voraus, nur um mich dann um die eigene Achse zu drehen. „Nia, es schneit!“ Sie lachte, ging langsam zu mir, die Hände in die Taschen ihrer Jacke vergraben.
„Du benimmst dich wie ein kleines Kind, das noch nie Schnee gesehen hat.“
„Ich habe noch nie Schnee gesehen. Nie. Ich hab noch nie einen Schneemann gebaut und noch nie eine Schneeballschlacht gehabt. Noch nie in meinem ganzen Leben.“ Ich streckte die Hände aus, beobachtete, wie die weißen Flocken in meine Hände fielen und dort sofort schmolzen. Ganz anders, als auf meiner Jacke, welche bald weißer als Nias sein würde.
„Gehen wir weiter, oder willst du nass Zuhause ankommen?“ Zuhause. Für sie bedeutete das Familie. Ob sie wohl wusste, dass ich mich nur bei ihr wirklich daheim fühlte?
„Wieso, bleibt der nicht liegen?“, fragte ich naiv wie ich war.
„Nein.“ Sie lachte, fuhr sich durch die Haare und zog ihre Kapuze auf. „Bald ist deine Jacke komplett nass und du wirst krank. Also hophop, gehen wir weiter. Schnee kannst du auch beim Laufen beobachten.“ Wir gingen weiter, durch die weiß werdende Landschaft, die kühle Abendluft und den dichter werdenden Schneefall. „Zurück nehmen wir den Bus. Da ist mir egal, wie unromantisch das ist.“
„Wenn er bis dahin nicht im Schnee feststeckt.“, meinte ich und erntete einen belustigten Blick.
„So viel wird schon nicht fallen.“
„Sicher?“ Sie stieß mir sanft ihren Ellenbogen in die Seite, was mich dazu brachte einen Satz zur Seite zu machen. Ich streckte ihr die Zunge raus, fing damit ganz nebenbei eine Schneeflocke auf.
„Komm endlich, wir sind gleich da.“ Bald standen wir vor der weißen Tür des gemütlich wirkenden Hauses und froren uns beim Warten die Finger ab.
„Nia, na endlich!“ Rena riss die Tür auf, stürzte sich in die nassen Arme ihrer Schwester. Über ihren pinken Haaren trug sie eine rote Weihnachtsmütze, dazu passend einen dieser schrecklich kitschigen Weihnachtspullover. „Hallo Cate.“ Ich bekam eine nicht weniger herzliche Umarmung, wurde von der Jüngeren fast erdrückt.
„Entschuldigt unsere Verspätung. Wir wurden von Cates Faszination für Schnee aufgehalten.“
„Ich hab noch nie Schnee gesehen!“, verteidigte ich mich und zog mir die Mütze vom Kopf, während wir in den warmen Eingangsbereich des Hauses traten.
„Wirklich noch nie?“, fragte Rena und war davon etwas begeisterter als mein Partnerin. „Oha, wir machen morgen einen Schneemann, okay?“ Zustimmendes Nicken. Ich zog mein Jacke aus, gab sie Nia und diese hängte sie an einen Hacken. „Kommt rein, wir warten nur auf euch.“ Im ganzen Haus duftete es nach Braten und einem merkwürdigen Hauch von Plätzchen. Überall stand Weihnachtsdekoration herum und Lichter schimmerten selbst in den dunkelsten Ecken. So hatte ich mir dieses Weihnachten vorgestellt. In der Mitte es geräumigen Wohnzimmers stand ein großer Weihnachtsbaum, auch dieser war mit allem möglichen geschmückt und wirkte trotzdem nicht überhängt.
„Da seit ihr ja endlich.“ Ana gab ihrer Tochter eine Umarmung, wandte sich dann an mich. „Schön dich zu sehen, Cataleya.“ Ich lächelte glücklich, setzte mich neben Nia an den Esstisch. „Ich freue mich, dass wir es dieses Jahr schaffen, Weihnachten zusammen zu verbringen.“ Darum ging es doch. Um das Zusammenkommen der verschiedensten Persönlichkeiten. Um Friede und Liebe – irgendwie vergasen das die Menschen. Vergasen es, wenn sie ihre Töchter und Söhne auf Grund von Sexualität und Geschlecht nicht einluden. Ignorierten es, wenn Menschen allein daheim saßen auf Grund dessen, was sie liebten. Fanden es okay, Leute bei dieser Kälte auf der Straße sitzen zu sehen. Fanden es okay, dass andere verweist von ihrer eigenen Familie waren. Irgendwie vergasen die Leute, was Weihnachten wirklich bedeutete.
Weihnachten. Das Fest der Familie und Freundschaft – das Fest der Liebe.
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