Solange ich dich liebe

von Ramana
GeschichteAllgemein / P16
23.12.2016
28.07.2018
44
57977
 
Alle
7 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
 
Prolog

Ich atme tief die kühle Luft ein und lege die Hände auf meinen runden Bauch. Ich blicke hinauf zu den Sternen – und muss lächeln.
Noch vor acht Monaten warst auch du ein Stern, jetzt ist es bald Zeit für dich auf die Welt zu kommen. Ich kann es kaum erwarten, dich endlich in meinen Armen zu halten. Ich liebe dich!
Aber ist diese Welt, diese neue Welt, auch gut für dich?
Es gibt keine Schule mehr, keine medizinische Versorgung, keine Elektrizität, keinen Staat, der für Ordnung sorgt. Stattdessen rivalisierende Tribes und den täglichen Kampf ums Überleben.
Andererseits: Was war vor dem Virus, in der alten Welt, als die Menschen, die mich umgaben, erfuhren, dass ich dich erwarte?
„Gibt es heutzutage nicht genug Verhütungsmittel?“
„Wie kann man nur so blöd sein?“
„Hast du schon über eine Abtreibung nachgedacht?“
„Du hast dir mit diesem Kind dein ganzes Leben verpfuscht!“ Ja, verpfuscht. Dieses Wort fiel am häufigsten.
Als ich erfuhr, dass du unterwegs bist, habe ich stundenlang geheult. Jung schwanger zu werden – und ich war jung! – bedeutete in der alten Welt nicht mehr als: ohne Zukunft.
Ich hatte gebetet, dass alles nur ein Alptraum sei. Ich hatte dich nicht gewollt, aus Angst vor dem, was die Leute sagen könnten.
Dich nicht gewollt! Wie konnte ich nur?
Ich liebe dich, habe dich vom ersten Tag an geliebt!
Aber in der alten Welt konnte ich mir das nicht eingestehen, aus Angst vor einer verpfuschten Zukunft.
Und jetzt, in der neuen Welt?
Unser Tribe wird uns beschützen, er wird für dich sorgen. In der neuen Welt ist es egal, dass ich mit siebzehn Jahren Mutter werde. Ich gehöre zu der ältesten Generation, die es überhaupt noch gibt.
Wir beide haben eine gemeinsame Zukunft.
Hätten wir die gehabt, wenn es den Virus nicht gegeben hätte?
Deinen Vater hättest du auch in der alten Welt nie kennen gelernt; er hat mich verlassen, als er von dir erfuhr. Und ich hätte bis zum Nachmittag die Schulbank drücken müssen, um einen einigermaßen gut bezahlten Job zu bekommen, um uns beide zu ernähren.
Währenddessen wärst du hin und her gereicht worden zwischen Tagesmutter, Krippe und Kindergarten.
Abends wäre ich nach Hause gekommen, hätte aber auch dann keine Zeit für dich gehabt. Ich hätte lernen müssen.
Wärst du in der alten Welt glücklich gewesen? Mein armer Schatz, ich bin froh, dass ich dir das nicht antun musste.
Denn es gab den Virus.
Ob ich froh bin, dass es ihn gab?
Ich bin nicht sicher. Ich habe viele Menschen verloren, die ich liebte. Aber vielleicht ist der Virus für unsere gemeinsame Zukunft das Beste gewesen.
Wir werden oft in Gefahr sein, aber ich werde dich beschützen.
Solange ich dich liebe, wird es dir gut gehen.
Und ich werde dich ewig lieben.
„Summer?“ Jen tritt an meine Seite.
Jen, mein Tribemitglied.
Jen, ein Mitglied unserer neuen Familie, das auch dich niemals verlassen wird.
„Geht es dir gut, Summer?“
Ich lächle. „Es geht mir fantastisch, Jen.“

____________________________
Info: Lange ist es her, dass ich diese Fanfiction schrieb und veröffentlichte. Eigentlich wollte ich sie für immer unter Verschluss halten. Wie das so ist mit alten Texten: Sie sind immer peinlich und später hätte man alles besser geschrieben.
Inzwischen tut es mir doch leid, dass ich diese Geschichte, die mir so viel bedeutete, in eine Schublade verbannt hatte. Vielleicht findet sie hier ein früheres Leserli und kann sich noch mal an den „Rooks“ erfreuen.
Natürlich freue ich mich sehr über neue Leser. Die Fanfiction ist abgeschlossen und euch erwartet viel Lesestoff.
Review schreiben