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Mein

von Mystoria
GeschichteRomanze / P12
Fuchs / Celeste Jacob Reckless
21.12.2016
21.12.2016
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"Entschuldige, dass ich sie so lange mit Beschlag belegt habe", sagte Orlando Tennand. "Ich hatte wirklich keine Ahnung dass ich das Mädchen vor mir habe, das so untrennbar zu Jacob Reckless gehört."
"Oh nein, Fuchs gehört nur sich selbst."
Es klangen nicht nur Stolz und Zärtlichkeit aus Jacobs Antwort. Es war noch etwas anderes hinzu gekommen. Schmerz. Reue. Angst.
'Geh, du bist frei, schütz mich davor dir Schmerz zuzufügen.'

Fuchs bemerkte es und wollte schreien: Ich gehöre zu dir, Jacob!
Aber mit welchem Recht? Der Blaubart und Spieler hatten jedes Recht darauf verspielt, hatten es ihnen genommen ohne das sie etwas dagegen hätten tun können.

'Ach nein, Fuchs? Wer war so dumm gewesen auf einen Blaubart hereinzufallen?'

Und selbst wenn es keinen Preis zu zahlen gab, der jede Vorstellung einer Beziehung zu einer verbotenen Fantasie verkommen ließ; wie oft hatten die beiden schier den Verstand verloren, weil ihre Gedanken beim Anderen verweilten?
Viele behaupteten die Liebe mache einen stark und scheinbar unbesiegbar, aber die Ereignisse hatten ihnen doch nur das Gegenteil bewiesen. Die Zuneigung zueinander machte sie angreifbar in jedem Moment der Sorge und Angst. Unvorsichtig und aufbrausend, wenn die Eifersucht sie übermannte. Und doch...

Jedes warme Lächeln, jedes Funkeln in seinen Augen fütterte ihre Hoffnung, jedes Beobachten aus der Ferne ihre Sehnsucht und der Schmerz wuchs und wuchs. Sie musste damit aufhören! Sie verbat sich ihm mit Blicken zu folgen, ständig sein Gesicht vor Augen zu haben. Aber es war so schwer.
Orlando Tennand beugte sich zu Fuchs herunter, bis seine Lippen beinah ihr Ohr berührten und flüsterte:
"Ich hoffe, die dunkle Fee wird noch lange auf sich warten lassen. Falls das zur Folge hat, das Jacob mit euch in Moskva bleibt."

Jacob sah Tennand hinterher als dieser sich unter die anderen Gäste mischte und für einen Augenblick sah Fuchs den Wunsch auf seinem attraktiven Gesicht, dem Rivalen hinter her zu eilen und seine Worte zurückzunehmen. Aber gerade Jacob, der stärker an ihrem Abstand festhielt als ihr lieb war, würde nicht der Erste sein, der davon abwich. Egal wie sehr es ihm weh tat, wie sehr es gegen seine eigentlichen Wünsche war. Er glaubte zu wissen wie sie für einander sein mussten.  Innig wie Bruder und Schwester aber nicht wie Geliebte. Einander verbunden aber nicht verpflichtet. Teil des Anderen aber nicht dessen Besitz.
Doch jedes einzelne Wort schmeckte bitter, weil er um die Lüge dahinter wusste und Jacob fragte sich, ob es immer so bleiben würde. Und wenn nicht, wie lange es dauerte bis Fuchs' Anwesenheit nicht mehr schmerzte, wenn auch auf die süßeste Art.

Der Ballsaal des Zarenhofes war erfüllt von Gelächter, lebhaften Unterhaltungen und zarten Walzerklängen, doch die Füchsin spürte die Stille die sich zwischen ihr und Jacob ausdehnte, während der bekannte Schatzjäger aus Albion seinen Gedanken nachhing.
"Jacob?"
Dieses Lächeln... Und schon stolperte ihr verräterisches Herz ohne Schuhe auf die Tanzfläche um Polka zu tanzen.
"Hast du dich amüsiert?"
Der Instinkt der Füchsin hatte sie durch dunkle Wälder geführt, sicher zum Haus der Baba Jaga und zurück und auch in der anderen Welt hatte sie sich darauf verlassen können, zwischen Maschienen und Spiegeln aber als sie die Eifersucht zu hören glaubte, zweifelte sie daran.

'Nur eine einfache Frage, Fuchs, nicht mehr.'

"Mir tun die Füße weh und die Hälfte von Moskvas Herren tanzt nicht halb so gut wie ihr Ruf, und wenn es nach den meisten geht, ist das Einzige worüber man sich mit einer Frau unterhalten kann Mode und Hofklatsch aber je später der Abend, desto besser anscheinend die Gesellschaft."
"Orlando tanzt bestimmt gut. Und ihr habt über die Fee geredet, das hört sich auch interessanter an. Wie's aussieht, werden wir ihm noch öfter in Moskva über den Weg laufen", murmelte er und sah erneut in die Richtung in der der Windhund verschwunden war. Oh, er verbarg sie gut. Die Eifersucht. Nicht gut genug um sie zu täuschen, aber ein Anderer hätte nichts bemerkt.
"Der Zar und der König der Goyl, also? Die Allianz ist tatsächlich besiegelt?"
Er ging mit Freuden auf den Themenwechsel ein, auch wenn ein Schatten an grüblerischen Eifersüchteleien noch in seinem Blick hing.
"Scheint so. Was auch immer Kam'ien Nicholai geschenkt hat... Vielleicht findet es sich in der Magischen Sammlung wieder. Der Zar lädt mich oder... uns ein, sie uns anzusehen. Und er möchte mit mir besprechen, was ich für ihn finden soll."

Mich oder uns... Die Unsicherheit wurde stärker, schlich sich in jede früher noch so simpel gewesene Angelegenheit. Gab es nichts, kein Gespräch, in dem sie der Last des Preises entfliehen und wieder einfach nur Freunde sein konnten?
Fuchs versank in Gedanken und bemerkte nicht, dass sie nicht die Einzige war die mit sich rang. In Jacobs Kopf überschlugen sich die Gedanken und er war immer wieder versucht seiner impulsiven, unüberlegt handelnden Seite nachzugeben.
Orlando Tennand... Mochte Fuchs ihn? Konnte mehr zwischen den beiden werden? Wie er sie angesehen hatte... Und sie schien nicht abgeneigt zu sein. Allein das Bild der beiden zusammen brachte ihn schier um. Fuchs war die Seine! Auch wenn so viel sie beide daran hinderte... Aber wenn er jetzt etwas tat um sie bei sich zu halten, würde er ihr nicht noch mehr weh tun? Irgendwann würde er wieder einsehen müssen, dass...

'Ach verdammt nochmal, Jacob!'

"Möchtest du tanzen? Mit mir?"
Ihr Kopf schnellte hoch und sie konnte gar nicht in Worte fassen, wie überraschend diese Frage kam. Wie absolut unerwartet. Traurig, dass sie schon zu sehr an das Gefühl gewohnt war, ihre Träume sterben zu lassen, bevor sie überhaupt je gelebt hatten.
"Oder bist du zu müde? Möchtest du dich ausruhen?", ruderte Jacob schnell zurück als er ihre geweiteten Augen und ihren beinah in Schockstarre gefallenen Blick missdeutete und die alte Mahnung wieder durch seinen Kopf geisterte.

'Was soll das, Jacob? Ein Verbot bringt nichts, wenn man dagegen verstößt. Mach doch alles nicht noch schlimmer!'

Er verfing sich in seinen eigenen Lügen, wie ein Insekt im Spinnennetz. Und je länger Fuchs schwieg, je länger er glaubte sie würde ihn zurückweisen, umso mehr war er wieder auf dem Weg mit aller Macht zu glauben was er sich vormachte. Desto mehr versuchte er die  kleine Stimme die das Gegenteil befürwortete, zum Schweigen zu bringen.
"Nein", sagte Fuchs leise und innerlich sank Jacob immer mehr in sich zusammen.
"Ich bin nicht müde, ich würde sehr gerne tanzen", fügte sie lächelnd hinzu und ergriff seine Hand.

Die Tanzfläche war gut gefüllt, bot aber immer noch genügend Platz für jedes einzelne Paar,
für die weiten, bauschigen Röcke der prachtvollen Kleider, die bei jeder Drehung um die schönsten Frauen wehten. Aber Jacob hatte nur Augen für Fuchs.
Für ihr Kleid, rot wie ihr Haar.
Für ihre Augen, braun und gold im Licht der Kerzenleuchter.
Und ihr Lächeln, zu schön um wahr zu sein.
Allein wie sie ihn ansah, reichte um sie zu lieben.

'Hör auf, Jacob.'

"Du bist wunderschön", bemerkte er mit rauer Stimme.
"Du siehst auch nicht übel aus."
Wie niedlich sie war, wenn sanftes Rot ihr die Wangen färbte. Wie sanft der Spott auf einmal klang, wenn er über unsicher lächelnde Lippen kam.
"Wo hast du denn tanzen gelernt?", schon sie rasch hinterher und wunder sich über sich selbst. Noch nie zuvor war sie zu nervös zum Schweigen gewesen.
"Das sollte ich dich fragen", entgegnete er und führte sie sicher und elegant durch die wirbelnden Tänzer.
Sie errötete noch mehr, als sie Chanutes Stimme zu hören glaubte.
"Nicht auf die Füße treten die brauche ich noch!"
Fuchs' Verehrer in Schwanstein hatte ihr einiges beigebracht, aber die Sicherheit kam erst mit Alma und Chanute, die mit einer ungewohnten Engelsgeduld mit ihr geübt und ihre Ängste ausgetrieben hatten. Auch wenn damals die Aussicht darauf noch so klein gewesen war, Fuchs hatte es davor gegraut nur auf ihre Füße starren zu können, sollte Jacob sie eines Tages doch einmal zum Tanzen auffordern. Also hatte sie die beiden um Nachhilfe gebeten, da es ihr bei Ludovic Rehnsmann doch ein wenig unangenehm gewesen war, und war ihnen bis heute dankbar. So konnte sie ganz in Jacobs Augen versinken und musste nicht darauf achten, ihm nicht unbeholfen hinterher zu stolpern.

'Prima, Fuchs. Wolltet ihr nicht Abstand wahren? Warum bleiben deine Gedanken nicht bei Orlando? Du hast dich doch bei ihm so leicht gefühlt, so geborgen. Warum machst du einen Schritt nach vorne und zwei Schritte zurück?'

Weil er nicht Jacob war...
Es war unfair, sich zwingen zu wollen an einen Anderen zu denken, während sie in Jacobs Armen lag. Es wollte ihr auch nicht so wirklich gelingen, erst recht nicht als Jacob sie an ihrer Taille enger zu sich zog und ihren Verstand beinah komplett zum erliegen brachte.
Erst glaubte sie, er habe es nicht bemerkt, doch als sie seinen Blick suchte und das Funkeln in seinen Augen fand, wurde sie eines besseren belehrt.
Er war so nah.
Zu nah.

'Egal, Fuchs. Nimm was du kriegen kannst.'

Und der Schmerz?

'Vergiss den Schmerz, ist das hier, ist er, nicht jeden Schmerz wert?'

Sie wusste die Antwort, auch wenn sie sich ins eigene Verderben stürzte. Ihre auf seiner Schulter ruhende Hand wanderte zaghaft, beinah unsicher Richtung Hals. Ihre Finger fühlten weiches Haar im Nacken und ihr Daumen strich sacht über seine Wange und in ihrer Handfläche glaubte sie, das wilde Pochen der Halsschlagader zu spüren. Sein Lächeln war zärtlich, doch seine Augen waren erfüllt von etwas Dunklerem. Sehnsucht. Verlangen.
Begierde.
"Ich kann nicht ohne dich", gab er zu.
Sie wussten um die Gründe voneinander getrennt zu bleiben. Aber wie sollte etwas, das sich so richtig anfühlte, falsch sein?
"Wir finden einen Weg", sagte Fuchs nach einer Weile und mit den Worten kam eine Zuversicht, von der sie bis jetzt nichts gewusst hatte. Eine neue Hoffnung.
Sie würden einen Weg finden einander zu beschützen, weil sie bis jetzt immer einen gefunden hatten. Und wenn er Angst davor verspürte, ausgerechnet dieses Mal zu versagen, würde sie ihm den Halt geben, den er brauchte.
Sie wollte noch mehr sagen. So viel mehr...
Ein leichter Druck an ihren vor Aufregung ganz kalten Fingern, gab ihr eine Wärme die nicht nur durch ihren Körper strömte. Er verstand. Natürlich. Es war nie anders gewesen. Er verstand was sie sagte und auch das was sie nur dachte. Und sie sah noch etwas anderes. Da war ein Wandel. Eine Entscheidung...

Er zog sie so nah wie möglich an sich, ohne die Etikette zu verletzen und so drehten sie sich weiter, tänzelten elegant über das Parkett und als schließlich die Musikanten ihre Instrumente absetzten, nahm er ihre Hand und zog sie unauffällig aus dem vollen Saal. In einem kleine Korridor der zu irgendwelchen Nebentrakten des Palastes führte, standen sie sich gegenüber, noch ein wenig außer Atem von ihrem Tanz. Dann ging sie langsam nach hinten, fand Schutz in der Dunkelheit einer steinernen Nische. Er kam ihr hinterher, als sie die Wand im Rücken spürte und überbrückte den letzten Abstand zwischen ihnen. Suchte nach ihren Lippen, wie sie nach den seinen suchte.
In diesem Moment zerfielen all die Lügen, all die Barrieren die sie sich selbst geschaffen hatten, wie der poröse Stein der Ruine in der der Spiegel stand. Fielen in sich zusammen wie Karten an Chanutes Kneipentisch. Fuchs ausgehungertes Herz genoss was es fühlte, schmeckte, ertastete. Jacob, endlich ganz. Sie war kaum zu einem klaren Gedanken fähig, sie fragte sich noch, warum sie so lange versucht hatten sich von dem fernzuhalten was sie wollten. Dann drückte sein warmer Körper sie gegen kühlen Stein, auch Jacob konnte nicht genug von ihr bekommen. Das würde er nie. So lange gewartet, so lange sich selbst belogen.
Er hatte nicht erwartet wie frei er sich fühlen konnte, wie klar er die Dinge nun sah.
Jede sanfte, besitzergreifende Berührung schien zu sagen, was sie beide vom anderen wussten und doch noch nie ausgesprochen hatten:

Ich liebe dich. So sehr.

Sie hielten inne, sahen sich in die Augen, während seine Hand über ihre Wange strich, als sei sie das Kostbarste auf der ganzen Welt.
Wie schön Haut auf Haut sein konnte.
Wie wenig sie das Fell vermisste.
Vielleicht sogar zum ersten Mal?
"Jacob."
Sie flüsterte seinen Namen gegen sein Lächeln, seine sanften, wunderbaren Lippen.
"Fuchs."
Er wiederholte ihren Namen immer und immer wieder. Küsste ihren Mund, ihre Nasenspitze, ihre Stirn und für einen kurzen Moment war die Angst da, das jeder Kuss der letzte sein und sie aus einem Traum aufwachen würde. Aber er hörte nicht auf, hielt sie weiter fest und wischte jede Sorge, jedes Zweifeln fort, wenn auch vielleicht nur für diesen einen Moment.
"Meine Fuchs."
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