Stolperstein ins Glück

von Feyana
OneshotDrama, Romanze / P18
20.12.2016
20.12.2016
1
11136
10
Alle
3 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 
 
 
Hallo meine Lieben,

wie in meiner FF vor der Pause angekündigt, gibt es heute den OS von mir, sozusagen als Weihnachtsgeschenk von mir für euch.
Ich hatte vor längerer Zeit mal jemanden versprochen einen OS über Kim und Jared zu schreiben und mit dem heutigen Tage löse ich dieses Versprechen ein. Damit ich euch auch die Pause bis es bei meiner FF weitergeht etwas versüßen kann und ihr auch alle etwas davon habt, lade ich ihn heute hoch.
Ich wünsche Euch viel Spaß damit und hoffe, dass er euch gefällt.

Ich wünsche allen ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins Neue Jahr.

LG
Feyana

*******************************************************************************************************************************************************************************


Stolperstein ins Glück


Jared saß auf einem großen Stück Treibholz am Second Beach von La Push.
Der riesige Mammutbaum, auf dem er saß, ragte mit seinen weit verzweigten Wurzeln bestimmt drei Meter in den Himmel hinauf und war auch etliche Meter lang.
Wie es oft bei solch großen Treibholzstücken der Fall war, war dieser Baumstamm innendrin hohl, so dass er eine natürliche Höhle bildete, in der zwei Leute bequem Platz hatten.
Allerdings hatte es Jared vorgezogen sich außerhalb dieser Höhle einen Platz zu suchen, da er den Wind gern auf seiner Haut spüren wollte.
Das Wetter schien es heute recht gut mit ihm zu meinen, denn die Sonne lugte tatsächlich ab und zu mal zwischen den dicken grauen Wolken hervor, die träge den ansonsten azurblauen Himmel entlangwanderten.
Bekleidet mit nur einer knielangen khakifarbenen Hose und einem dunkelgrauen Muskelshirt, genoss er es die Sonnenstrahlen auf seiner bloßen Haut zu spüren, als würde sie ganz zärtlich darüber streicheln. Der angenehm laue Wind, der stetig vom Meer her blies, strich sanft über die Landschaft, so dass dieser Spätsommertag angenehm warm war.
Jared zog die Luft tief in seine Lunge ein und starrte dann missmutig auf seine Hände. Er hasste es nur tatenlos hier herum zu sitzen. Eigentlich musste er immer was zu tun haben… irgendwas und wenn es nur dumme Sprüche von sich geben war. Aber selbst das machte derzeit keinen Sinn, denn er war allein. Zwar war der Platz, den er sich zwischen den starken Baumwurzeln des ehemaligen Baumriesens gesucht hatte, recht bequem, aber dennoch hatte er einen überaus verdrießlichen Gesichtsausdruck.
Gelangweilt bohrte er eine Ferse in den feuchten Sand und lauschte dabei dem gleichmäßigen Rauschen der Wellen, die in einem regelmäßigen Takt an den Strand schlugen.
Schließlich ließ er seinen Blick ziellos über das nahegelegene Treibholz wandern, das in einem wilden Durcheinander am Strand kurz oberhalb der Wasserlinie herumlag und ein chaotisches Wirrwarr bildete. Die Baumgiganten, die wahrscheinlich irgendwo von den hohen Klippen ins Meer gestürzt waren und von der manchmal sehr stürmischen See mit ihren wütenden Wellen an den Strand gespült worden waren, hatten ihre Rinde verloren und wenn sie von der Sonne beschienen wurden, schien das helle Holz schon fast silbern zu leuchten.
Überall lagen große und kleine Baumstämme herum, so dass sie diesem Stückchen Strand, auf dem teilweise auch noch große dunkle Felsbrocken lagen, ein wildes und ungezähmtes Aussehen verliehen.
Jared seufzte leise auf, schien ihn seine Einsamkeit doch tatsächlich irgendwie zu bedrücken, auch wenn er sich die Abgeschiedenheit genau genommen gewünscht hatte.
Jared Sitzplatz lag recht versteckt zwischen zwei riesigen Baumstämmen, so dass er selbst schwer zu entdecken war, während er allerdings einen recht guten Ausblick über den vor ihm liegenden Strand hatte. Er wollte ungesehen bleiben.
Aber trotzdem fühlte er sich unwohl. So als ob er innerlich zerrissen wäre, spürte er auf der einen Seite sehr deutlich die bedrückende Einsamkeit, weil er eben alleine war, aber andererseits scheute er auch den Kontakt zu anderen Menschen, denn er hatte das Gefühl, dass sie ihn alle einfach nicht verstehen würden.
Frustriert rieb er sich mit der Hand über seinen Oberarm um sich selbst etwas aufzumuntern. Doch es funktionierte nicht wirklich, denn sowohl seine Ungeduld, als auch die Sehnsucht, die er verspürte, blieben und ließen sein Herz gequält zusammenzucken.
Seit fast zwei Monaten war er jetzt ein Wolf und das hatte sein Leben total auf den Kopf gestellt. Natürlich hatte das Leben als Wolf Vor- und Nachteile, aber im Endeffekt war er sehr stolz darauf, ein Gestaltenwandler zu sein.
Er liebte es, die ungezähmte Wildheit in sich zu spüren, die grenzenlose Kraft und die wahnsinnige Geschwindigkeit. Auch mit Sam und Paul kam er ganz gut zurecht, die ja zu seinem Rudel gehörten und mit denen er seit der Verwandlung sehr viel Zeit verbrachte.
Das einzig wirklich Negative war, dass man seine Gedanken nicht mehr für sich hatte. Sam und Paul wussten sehr genau, was er dachte und was er fühlte, allerdings wusste er es auch von ihnen. Das war manchmal recht spaßig, konnte durchaus aber auch seine unangenehme Seite haben.
Und derzeit lernte er die unangenehme Seite sehr deutlich kennen, denn er hatte sich geprägt… auf Kim.
Natürlich zog ihn Paul damit auf, war ja auch von Mr. Sunnyboy nicht anders zu erwarten gewesen. Sam war da wesentlich zurückhaltender, aber auch das war klar, denn er hatte sich selbst geprägt und wusste von daher ganz genau, wie es sich anfühlte.
Jareds Problem war nicht die Prägung an sich, denn er wusste, dass es ganz wundervoll sein würde, wenn er für immer mit seiner Kim zusammen sein würde. Es würde die Erfüllung all seiner Träume und Sehnsüchte bedeuten.
Jareds Problem war, dass Kim ihn bisher nur ignoriert hatte.
Nachdem er sich das erste Mal verwandelt hatte, war er gut zwei Wochen nicht mehr in der Schule gewesen. Er hatte diese Zeit gebraucht um mit sich selbst klarzukommen. Um zu lernen, den Wolf zu beherrschen und nicht schon beim kleinsten Anlass buchstäblich aus der Haut zu fahren und sich sofort in einen Wolf zu verwandeln.
Sam hatte ihm dabei geholfen, ihm beigestanden und Tipps gegeben, so dass er es nach zwei Wochen eigentlich raushatte und recht gut damit klarkam.
Paul war das wesentlich schwerer gefallen. Allerdings war er auch viel temperamentvoller und konnte sich dadurch schlechter beherrschen.
Als er dann wieder in die Schule gegangen war, hatte er sie gesehen. Kim… Kim Connweller… seine Kim. Noch niemals in seinem ganzen Leben war ihm so ein wundervolles Geschöpf begegnet wie sie.
Sie war einfach perfekt.
Er hatte wirklich Schwierigkeiten das in Worte zu fassen, aber sie war einfach alles für ihn. Sie war sein Universum, sein Sinn des Lebens, seine ganze Sonne. Er hatte seit diesem einen Montagmittag nur noch den Wunsch an ihrer Seite zu sein, für sie da zu sein und das bis ans Ende seiner Tage.
Und genau an diesem Punkt begannen seine Schwierigkeiten.
Es war genau in dem Moment passiert, als er sie auf dem Pausenhof versehentlich angerempelt und ihr dann in die Augen geblickt hatte.
Niemals in seinem Leben würde er diesen Moment vergessen, in dem die Zeit stillgestanden und sich das ganze Universum auf einen einzigen Punkt zusammengezogen hatte.
Er hatte sofort gewusst, dass er sich geprägt hatte. Das war für ihn vollkommen eindeutig gewesen.
Es war ihm so vorgekommen, als ob sein Herz aufgehört hätte zu schlagen, nur um nach diesem einen bedeutenden Augenblick umso schneller in seiner Brust zu klopfen.
Er hatte sich in ihren Augen verloren, diesen wunderbaren dunklen Seen, die den einzigartigen Farbton einer cremigen Mokkaschokolade hatten, so dass er für den Rest seines Lebens am liebsten in nichts Anderes mehr gesehen hätte als ihre Augen.
Ihr Gesicht war wunderschön geschnitten und ihre Haut ebenmäßig und glatt, mit einem leichten rosigen Ton auf den Wangen. Ihre vollen geschwungenen Lippen, schienen ihn geradezu einzuladen sie zu Küssen und das war auch genau das gewesen, was er am liebsten sofort getan hätte.
Das nervöse Prickeln, dass er in diesem Moment in seinem ganzen Körper wahrgenommen hatte, war noch Stunden später für ihn spürbar gewesen.
Schon allein die Erinnerung an diesen überaus kostbaren Moment ließ ihn laut Aufseufzen, denn viel zu schnell war er vorbei gewesen und Paul hatte ihn am Arm gepackt und zum Ausgang gezerrt, obwohl er überhaupt nicht weggewollt hatte.
Später hätte er ihm am liebsten den Kopf dafür abgerissen. Aber vorbei war nun einmal vorbei. Der Moment war vergangen und seine Probleme hatten begonnen.

Natürlich hatte er sofort nach Ende der letzten Stunde versucht mit ihr Kontakt aufzunehmen. Er war direkt nach dem Läuten nach draußen geeilt und hatte vor der Eingangstür zur Schule auf sie gewartet.
Er hatte auch gar nicht lange zu warten gebraucht, bis sie endlich das Schulgebäude verlassen hatte. Sie war sogar allein gewesen und Jared war sofort zu ihr geeilt und hatte sie angesprochen.
Er hatte wissen wollen, wie sie hieß, wo sie wohnte und was sie gern mochte, denn von all dem hatte er zu diesem Zeitpunkt nicht den Hauch einer Ahnung gehabt.
Doch ihre einzige Reaktion auf seine Fragen, die er von ihr bekommen hatte, war ein unsicheres Lächeln von ihr gewesen.
Keine einzige Silbe hatte sie von sich gegeben, nichts. Egal was er gefragt hatte, nicht ein Wort war über ihre Lippen gekommen, dabei hätte er doch so gern ihre Stimme gehört.
Fast schon verzweifelt hatte er ihr sogar den Weg verstellt und war etwas in die Knie gegangen, nur um einen erneuten Blick in ihre wunderbaren braunen Augen werfen zu können.
Still lächelnd war ihr dann die Röte in die Wangen gestiegen, was sie noch bezaubernder hatte aussehen lassen. Sein Herz hatte ganz viele Purzelbäume vor lauter Aufregung geschlagen, doch sie hatte ihn dann einfach nur umrundet und war ihres Weges gegangen.
Ohne einen Gruß, ohne ein Wort hatte sie ihn einfach stehen lassen… warum nur? War er denn etwas so Abschreckendes in ihren Augen?
Im ersten Moment hatte er ihr nacheilen wollen, aber Paul hatte in aufgehalten. Er hatte ihm gesagt, dass er jetzt bestimmt nichts erreichen konnte und möglicherweise hatte Paul recht gehabt.
Trotzdem hatte es ihm das Herz fast aus seiner Brust gerissen, mit jedem Meter den sie sich von ihm entfernt hatte.
Doch auch die darauffolgenden Tage hatten keinerlei Verbesserung gebracht.
Jedes Mal, wenn er sie sah, blickte sie in eine andere Richtung. Meist sah sie stur zu Boden und rannte fast schon an ihm vorbei, so als ob er eine ansteckende Krankheit hätte.
Natürlich wusste er mittlerweile längst, wer sie war. Das war ja auch nicht schwierig herauszufinden gewesen, denn La Push war ja wirklich nicht sehr groß.
Schon am Tag der Prägung hatte er erfahren, dass sie Kim Connweller hieß und sogar mit ihm zusammen einige Kurse besuchte. Zu seinem eigenen Erstaunen hörte er von einer Klassenkameradin, dass sie sogar manchmal direkt neben ihm saß.
Am liebsten hätte er sich selbst dafür geohrfeigt, denn er konnte es überhaupt nicht nachvollziehen, dass sie ihm vorher nie aufgefallen war. Doch in den darauffolgenden Wochen hatte er sie natürlich kaum aus den Augen gelassen. So war ihm sehr schnell aufgefallen, dass sie ein sehr zurückhaltender Mensch war, der immer still und leise war und sich niemals in den Vordergrund drängte.
Sie hatte auch nicht übermäßig viele Freunde, so dass sie keinen gemeinsamen Bekanntenkreis hatten.
Eine Informationsbeschaffung darüber hinaus, hatte sich allerdings als relativ schwierig erwiesen. Er hatte eigentlich nur noch erfahren, dass Kim eine Waise war und mit ihrer Großmutter hier in La Push lebte. Ihre beste Freundin Nina verbrachte wohl viel Zeit mit ihr.
Kim mochte gern das Meer und den Strand, so dass Jared jede freie Minute dort verbrachte, in der Hoffnung sie dort mal zu treffen, fern ab von all den anderen Leuten. Er hoffte, dass er dann mehr Glück hatte und sich vielleicht einmal ungestört mit ihr unterhalten konnte.
Doch bisher war er ihr nie begegnet, egal wie viele Stunden er hier ausgeharrt hatte.
Natürlich konnte es einfach sein, dass er an der falschen Stelle wartete. Zwar hatte er die Strände immer wieder gewechselt, doch vielleicht war sie immer genau dort, wo er nicht war.
Frustriert steckte er die Hände in die Hosentaschen und starrte einige Zeit auf das offene Meer hinaus.
Der Ozean wirkte heute sanft und friedlich, als wäre er eine übergroße Badewanne, die einen dazu einlud, darin einzutauchen und sich im Wasser zu erfrischen. Das Meer hatte mittlerweile, da es schon später Nachmittag war, einen tief dunkelblauen Farbton angenommen und die Wellen schlugen in einem stetigen und gleichbleibenden Rhythmus an den Strand, als würden sie eine fröhliche Melodie begleiten.
Doch Jared war das Wetter und seine Umgebung vollkommen gleichgültig und auch die anscheinend gute Laune der Natur ließ ihn absolut kalt, denn er selbst war nicht gut gelaunt.
Missmutig ließ er die letzten Wochen vor seinem inneren Auge vorbeiziehen. Doch nichts gab ihm Aufschluss darüber, was er an seiner Taktik, mit Kim doch noch ins Gespräch zu kommen, ändern konnte um endlich mal den gewünschten Erfolg zu haben.
Was denn bitteschön konnte er noch tun, außer sie immer wieder anzusprechen und zu hoffen, dass sie einmal eine Reaktion zeigte und nicht sofort wieder das Weite suchte, sobald sie ihn erblickte.
Bevor er sie irgendwie mit Geschenken oder Einladungen betören konnte, musste er ja zumindest mal mit ihr reden.
Ok, natürlich hatte er es bereits schon mit einer Verabredung oder auch mal einem kleinen Geschenk versucht, aber alles hatte sie immer stumm kopfschüttelnd abgelehnt.
Es war wirklich absolut zum verrückt werden.
Überdeutlich spürte Jared die Verzweiflung in sich aufsteigen, die ihn zu übermannen drohte.
Er fuhr sich mit einer Hand durch sein Haar, doch es half nichts. Weder das negative Gefühl verschwand, noch bekam er eine neue Idee, was er noch tun konnte. Und seiner Meinung nach hatte er wirklich schon alles versucht. Was für Möglichkeiten standen ihm denn noch offen?
Ratlos blickte er auf das Meer hinaus und betete inständig dafür, endlich eine Lösung für sein Problem zu finden, als er eine Bewegung in seinen Augenwinkeln wahrnahm.
Leicht ärgerlich wandte er den Kopf zur Seite, denn er rechnete fest damit, dass Paul ihm mal wieder nachspionierte und ihn nun ärgern wollte, weil er so deprimiert war und keinen Ausweg aus seiner Situation fand, was sein Freund zu gern tat. Klar wünschte ihm Jared jedes Mal dafür die Pest an den Hals, doch das half ihm im Endeffekt ja auch nicht.
Es war jedoch nicht sein Rudelkamerad, den er dann erblickte, sondern sie. Es war Kim, seine Kim und sie war allein.
Da sie von hinten gekommen war und gemächlichen Schrittes den Baumstamm umrundet hatte, war ihm klar, dass sie ihn nicht gesehen hatte. Wahrscheinlich hätte sie sonst schon längst einen anderen Weg gewählt.
Kim trug wie eigentlich immer ihre Haare offen. Das dunkelblaue Sommerkleid, das sie anhatte und das ihr bis zu den Knien reichte, war mit beigen und hellbraunen Blumen bestickt, die sich zum Saum hin immer mehr verdichteten. Durch den leichten Wind schmiegte sich der luftige Sommerstoff sanft an ihren Körper und brachte ihre weiblichen Rundungen voll zur Geltung.
Jared beobachtete sie dabei, wie sie gedankenverloren vor sich hinstarrte und sich eine Haarsträhne hinter ihr Ohr steckte. Ein aufgeregtes Kribbeln entstand in seiner Magengegend und er fuhr sich nervös mit der Hand durch sein Haar.
Sie war so wunderschön, so anmutig, dass es ihm fast den Atem raubte.
Er hatte nicht wirklich damit gerechnet, dass sie hier auftauchte. Zumindest nicht heute. Sofort fühlte er sich von ihr in den Bann geschlagen, nichts Anderes interessierte ihn mehr, nur noch sie.
Doch was sollte er tun? Sollte er sie ansprechen? Würde sie davonlaufen, so wie sie es immer tat, wenn er versuchte Kontakt zu ihr herzustellen? Oder sollte er sie vielleicht einfach nur beobachten, so wie er es permanent machte und ihre Nähe genießen, solange ihm das möglich war.
Er atmete tief ein, unterdrückte dann aber einen Seufzer, denn er musste sich erst zu etwas entschließen, bevor sie ihn bemerken sollte.
Er biss sich auf seine Lippen, während er jede ihrer Bewegungen in sich aufsog und versuchte diese tief in seinem Herzen zu verschließen, damit er sich später wieder daran erinnern konnte.
Sehnsucht brannte in seinem wild schlagenden Herzen, der er nichts mehr entgegenstellen konnte. So als ob er von einer eigenständigen Macht geführt werden würde, der er nicht widerstehen konnte, erhob er sich, während er ihr hinterher blickte. Er musste es versuchen. Er musste sich ihr nähern. Es gab für ihn keine andere Möglichkeit. Er konnte dieses heiße Glühen in seinem Herzen, dass dieses Sehnen für ihn darstellte, nicht länger ertragen.
Er würde einfach einen lockeren Spruch bringen und sie anlächeln, so wie er es schon bei so vielen andern Mädchen gemacht hatte. Meistens hatte er ein Lächeln zurückbekommen und es hatte sich dann wie von selbst ein Gespräch ergeben.
Natürlich hatte er das schon öfters bei ihr versucht und es hatte bisher nie zum gewünschten Erfolg geführt, doch jetzt waren sie nicht in der Schule. Vielleicht würde sie sich ja hier anders verhalten und mal mit ihm reden. Außerdem hatte er auch keine andere Idee und genau deswegen würde er sein schönstes Lächeln aufsetzen und einfach drauf los plappern.
Ja genau, das wollte er tun, es musste klappen, es durfte nicht schiefgehen und vielleicht hatte er ja Glück und sie verhielt sich tatsächlich anders, denn es war ja sonst niemand in der Nähe.
„Kim.“, rief er auf einmal, wesentlich lauter, als er es beabsichtigt hatte.
In seinen Ohren barg der Ruf all seine Sehnsucht und sein Verlangen, dass er für sie empfand und er ärgerte sich darüber, dass es nicht beiläufig, sondern eher sehr drängend geklungen hatte.
‚Reiß dich zusammen!‘, wies er sich selbst an, denn wenn er jetzt so verlangend klang, dann würde sie das wahrscheinlich noch mehr vertreiben.
Er sah, dass sie leicht zusammenzuckte, denn anscheinend hatte sie nicht damit gerechnet angesprochen zu werden.
Kim blieb augenblicklich stehen und wandte sich zu ihm um. Er sah, dass sich ihre Augen leicht weiteten, als sie ihn erblickte und dann einen Schritt zurückwich.
Jared befürchtete sofort, dass sie auch jetzt wieder vor ihm davonlaufen würde, hatte aber nicht den Hauch einer Ahnung, wie er sie davon abhalten konnten. Denn er konnte sie ja schlecht dazu zwingen bei ihm zu bleiben.
Ein beklemmendes Gefühl griff nach seinem Herzen und drückte es ganz langsam und allmählich zusammen. Er schluckte schwer.
Was fand sie denn so abstoßend an ihm, dass sie immer das Weite suchte, sobald sie ihn sah. War er in ihren Augen hässlich? Stank er nach nassem Hund, so wie die Vampire immer behaupteten?
‚Blöde Drecksbrut…!‘, dachte er sofort, schob dann aber den Gedanken an die Cullens ganz weit von sich, denn das würde ihm nicht weiterhelfen. Im Gegenteil. Wenn er jetzt auch noch ärgerlich wirkte, dann hatte er wahrscheinlich ganz bei ihr verloren.
Kim allerdings hatte sich schon in Bewegung gesetzt und lief eilig um den nächsten Baumstamm herum und Jared vermutete, dass sie den Strand verlassen wollte. Sie war also schon wieder auf der Flucht vor ihm. Tief bohrte sich das Schwert der Erkenntnis in sein Herz und er musste die Zähne fest aufeinanderbeißen um den Schmerzenslaut, der seiner Kehle entweichen wollte, unterdrücken zu können.
„Warte!“, rief er ihr hinterher, denn er konnte es weder verstehen noch ertragen, dass sie sich so von ihm abwandte.
„Ich will doch nur mal mit dir reden!“, fügte er noch hinzu, mit einer Stimme, die seine innere Qual erahnen ließ.
Doch die Dunkelhaarige hielt nicht an, sondern beschleunigte ihre Schritte noch etwas mehr.
Frustriert ließ Jared seinen Kopf hängen und ergab sich in seine Desillusionierung, dass sich ihr Verhalten ihm gegenüber auch nicht änderte, wenn sie mit ihm allein war.
Aus leidvoller Erfahrung wusste er, dass es einfach keinen Sinn hatte, ihr hinterher zu rennen. Zwar konnte er sie mit Leichtigkeit einholen, das war nicht das Problem, aber es würde nichts ändern. Sie würde einfach nicht mit ihm reden, egal was er versuchen würde.
Das hatte er einfach schon zu oft erlebt. Doch warum nur?
Allerdings gab es niemandem auf dieser Welt, der ihm diese Frage beantworten würde.
Hart biss er seine Zähne aufeinander und setzte sich wieder auf seinen Platz, denn er wusste nicht, wie er mit dem Schmerz, der in seinem Innersten tobte sonst umgehen sollte. Tränen traten in seine Augen, so weh tat es ihm, ihre Ablehnung zu spüren.
Niedergeschlagen starrte er auf seine Fußspitzen und hatte keine Idee was er als nächstes tun sollte. Was konnte er überhaupt tun, wenn sie nicht einmal mit ihm reden wollte, wenn sie ihm nicht mal zuhörte?
Innerlich verfluchte er seinen Wolf, dass er sich genau sie ausgesucht hatte. Ohne Frage war sie toll. Sie war das schönste und liebreizendste Mädchen auf der ganzen Welt und er hätte ihr gern all ihre Wünsche erfüllt. Doch sie, sie gab ihm nicht einmal die Möglichkeit zu fragen, welche Wünsche sie überhaupt hatte, was ihre Lieblingsfarbe war, was sie am liebsten aß oder ob sie gern ins Kino ging.
Nichts.
Wie sollte denn das mit der Prägung funktionieren, wenn sie ihn kaum eines Blickes würdigte?
Ob er an der Prägung etwas falsch verstanden hatte? Denn eigentlich hätte sie ihn doch auch lieben müssen… naja und wenn schon nicht lieben, dann wenigstens ein bisschen mögen. Sie allerdings tat so, als ob er die Pest in sich tragen würde und sie befürchtete sich daran anzustecken, wenn sie ihm zu nahekam.
Er seufzte leise, hob dann allerdings seinen Kopf wieder ein Stück an, denn er wollte sie zumindest noch ein wenig beobachten, damit er nachher sich die Bilder von ihr ins Gedächtnis rufen konnte, wenn er von ihr träumte, so wie er es jeden Abend tat.

Vorsichtig ging er zu dem nächsten Baumstamm hinüber und spähte um die Ecke, da er ihm die Sicht auf den Strand etwas versperrte und Jared wollte nicht, dass ihm auch nur eine einzige Bewegung von ihr entging.
Kim hatte sich schon ein gutes Stück von ihm entfernt, als Jared sah, wie sich ihr auf einmal drei Typen den Weg verstellten.
Jareds Körper verspannte sich augenblicklich und ein ungutes Gefühl bildete sich in seinem Magen. Ob Kim die drei kannte? Wachsam ließ er seine Augen über die drei Männer gleiten.
Der größte von ihnen hatte blondes kurzes Haar und war nur mit einer knielangen schwarzen Hose bekleidet. Sein Alter schätzte Jared auf Anfang zwanzig und sein Körper war braungebrannt und gut durchtrainiert. Auf der linken Seite seiner bloßen, muskulösen Brust prangte ein recht großes Tattoo. Es war ein zähnefletschender Löwe, der dem Betrachter böse entgegenblickte und bereit zu sein schien, jeden augenblicklich zu attackieren, der seinem Träger verärgerte.
Der Kleinste von ihnen schien auch der Jüngste von den dreien zu sein. Er trug eine rote Baseballkappe auf dem Kopf und war mit einem hellblauen T-Shirt und einer kurzen dunkelblauen Hose bekleidet. Ein breites Lederarmband zierte sein linkes Handgelenk und auch um seinen Hals trug er Lederband, an dem ein Fangzahn als Anhänger hing.
Der dritte im Bunde hatte längere lockige braune Haare, die ihm ein leicht verwegenes Aussehen verliehen. Sein schwarzes ärmelloses Shirt saß recht eng an seinem Körper und ließ seinen Betrachter erahnen, dass sich darunter gut ausgeprägte Muskeln befanden, was man schon an seinen strammen Oberarmen erkennen konnte. Auch seine Beine, die aus der knielangen Jeans herausschauten wirkten kräftig und durchtrainiert.
Jareds Augen verengten sich ein kleines Stück, als er bemerkte, wie der Blonde Kim ansprach.
„Hi Süße!“, hörte er ihn sagen, während auf seinen Lippen ein anzügliches Lächeln lag.
Auch die beiden Dunkelhaarigen lächelten süffisant und Jared registrierte sofort, dass der mit den Locken Kim langsam umrundete, so als ob sie sie umzingeln wollten.
„So ganz allein unterwegs?“, fragte der mit der Kappe und trat dann noch einen Schritt näher auf sie zu.
Jared verengte seine Augen noch etwas mehr, so dass sie nur noch ein paar schmale Schlitze in seinem ärgerlich wirkenden Gesicht waren. Er hörte, dass der Kleinste leise gluckste, was in seinen Ohren regelrecht obszön klang. Normalerweise wäre es nicht möglich gewesen, die Unterhaltung zu belauschen, aber für Jared als Gestaltenwandler war das natürlich überhaupt kein Problem, etwas von dem Gesagten zu verstehen. Für ihn waren diese Worte so gut wahrzunehmen, als ob sie direkt neben ihm gestanden hätten.
Als die beiden Größeren noch einen halben Schritt auf Kim zutraten, meinte Jared eine gewisse Bedrohung wahrnehmen zu können, die von den drei Typen ausging und auch Kim schien diese zu verspüren.
Sie wich ein paar Schritte nach hinten aus, um wieder Abstand zwischen sich und die beiden Kerle zu bringen und stieß dabei an den dritten, der sich direkt hinter sie gestellt hatte.
Erschrocken zuckte sie zusammen und versuchte zur Seite wegzugehen, wurde aber umgehend von dem Blonden aufgehalten, der seinen Arm nach ihr ausstreckte.
Jared bemerkte, dass die drei Kerle sie tatsächlich eingekreist hatten. Immer wieder streckte einer von ihnen seine Hand nach ihr aus und berührten sie an den Armen und am Rücken, traten immer näher an sie heran und machten obszöne Gesten, wobei sie sich anscheinend gegenseitig mehr und mehr anstachelten.
Kim senkte ihren Kopf ein wenig nach unten, so wie sie das immer tat, wenn sie unsicher war. Jared konnte ihr Gesicht zwar nicht sehen, aber er war sich sehr sicher, dass sie nicht erfreut darüber war, diesen drei Typen so allein am Strand zu begegnen. Die Absicht, die die Kerle hatten, schien mit jedem Atemzug offensichtlicher zu werden, so dass sich das ungute Gefühl in Jareds Magen noch einmal verstärkte. So als ob der Winter mit einem Mal in seinem Körper Einzug gehalten hätte, kroch eine eisige Gänsehaut seine Wirbelsäule empor, die jedes positive Gefühl, das Kims Anblick zuvor in ihm wachgerufen hatte, zu Eis erstarren ließ.
„Wie heißt du eigentlich?“, fragte der mit der Kappe, wobei er sie dabei interessiert von oben bis unten musterte.
Als der Blonde dann seine Hand unter Kims Kinn schob und ihren Kopf anhob um ihr Gesicht besser betrachten zu können, spürte Jared, wie sich ein leises Knurren in seiner Kehle bildete. Sein ganzer Körper verspannte sich und es kam ihm so vor, also würde ihm Kims Widerwillen gegen diese Situation geradezu entgegenbrüllen.
„Lass das.“, hörte Jared sie ganz deutlich sag und er registrierte, wie sie seine Hand von sich schob.
„Du bist ziemlich hübsch. Willst du nicht ein bisschen mit uns abhängen… was trinken und so?“, kam direkt im Anschluss die Frage von dem Blonden, doch Kim blieb stumm, schüttelte aber ganz leicht ihren Kopf.
„Ach komm, jetzt sei doch nicht so. Wir sind echt nett, besonders zu dir.“, sagte der mit den Locken, wobei er ihr mit den Fingerknöcheln über den Oberarm strich.
Kim schien das überhaupt nicht zu gefallen und versuchte sich dieser Berührung zu entziehen, doch wirklich Platz zum Ausweichen hatte sie nicht.
Der Blonde ergriff eine von Kims Haarsträhne und ließ sie sich langsam durch die Finger gleiten, hielt dann jedoch das unterste Ende fest. Und auch als Kim versuchte ihm die Haare durch eine entsprechende Kopfbewegung aus seinen Fingern zu ziehen, ließ er die Haarsträhne nicht los.
Ein Knurren drang aus Jareds Kehle, das er nicht hätte unterdrücken können, denn ihm gefiel überhaupt nicht, was sich da vor seinen Augen abspielte.
Er spürte, wie sich eine riesige Welle unbändigen Zorns in seinem Innersten zusammenbraute. Es war für ihn klar erkennbar, dass Kim die Männer nicht kannte und sie auch nicht kennenlernen wollte. Außerdem war es für ihn offensichtlich, dass diese Typen, wahrscheinlich glaubten allein am Strand zu sein. Vermutlich hofften sie auf eine schnelle Nummer oder so etwas in der Art, aber da hatten sie die Rechnung ohne den Wirt gemacht, denn Jared wäre garantiert der Letzte gewesen, der dabei tatenlos zugesehen hätte, selbst wenn es nicht Kim gewesen wäre.
„Nicht doch… du willst uns doch nicht etwas schon verlassen.“, hakte der Dunkelhaarige nach, als Kim versuchte zu Seite wegzugehen.
Der Blonde ergriff ihr Handgelenk und zog sie näher zu sich heran, so dass sich ihre Körper berührten. Kim versuchte sich aus seinem Griff zu befreien, doch es gelang ihr nicht.
An jeder noch so kleinen Bewegung sah Jared, dass Kim sich mit aller Kraft gegen den Blonden wehrte und er war sich sehr sicher, dass sie den Typen entkommen wollte.
Die Bedrohung, die von diesen Kerlen ausging, schien eine dunkle unangenehme Atmosphäre am Strand zu verbreiten, die Jared das Atmen schwer werden ließ.
Der Lockenkopf fuhr gerade mit seiner Hand über ihren Rücken und auch dieser Bewegung versuchte Kim sich zu entziehen, was ihr aber nur zum Teil gelang, da der Blonde sie noch immer festhielt.
„Ich möchte das nicht.“, hörte Jared Kim sagen und eine gewisse Angst schwang in ihrer Stimme mit, so dass sich Jared wusste, dass er sofort einschreiten musste. Er musste sie retten, er musste sie aus dieser Situation befreien, denn allein würde sie es nicht schaffen.
Eilig sprang Jared nun hinter dem Baum hervor und hielt mit weit ausgreifenden Schritten auf die Gruppe zu.
„Gibt es hier ein Problem?“, fragte er recht laut, als er keine zehn Schritte mehr von der Gruppe entfernt war.
Der Typ, der Jared den Rücken zugedreht hatte, fuhr irritiert herum. Anscheinend hatten sie wirklich geglaubt, allein hier am abgelegenen Second Beach zu sein. Es bereitete Jared eine gewisse Genugtuung zu sehen, dass der Lockenkopf tatsächlich im ersten Moment richtig erschrocken wirkte.
Drohend blickte Jared ihn an. Doch als der Dunkelhaarige seinen Schrecken überwunden hatte, ging er zwei Schritte auf Jared zu, so als ob er ihm Angst einjagen wollte. Doch Jared wich keinen Millimeter zurück.
„Nein warum? Wir unterhalten uns nur.“, sagte er dann, wobei er recht gelassen klang.
„Das sieht mir aber nicht ganz danach aus. Lasst sie in Ruhe.“, forderte Jared umgehend und maß alle drei Typen mit einem provozierenden Blick.
Sie stellten für ihn keine Bedrohung da. Wäre er ein normaler Mensch gewesen, hätte er vielleicht vorsichtiger sein müssen. Doch er als Gestaltenwandler konnte locker alle drei k.o. schlagen, bevor sie überhaupt merkten, dass er sich bewegt hatte.
Außerdem machten sie die Frau an, die alles für ihn bedeutete. Er würde es nicht dulden, dass ihr irgendetwas Schlechtes widerfuhr und dass sie sich unwohl fühlte, ja sogar Angst hatte, das war für ihn absolut offensichtlich.
Kim hatte ihren Kopf in seine Richtung gedreht und sah ihn hilfesuchend an. Obwohl er sie nicht direkt anblickte, weil er seine Aufmerksamkeit nicht von den drei Männern nehmen wollte, registrierte er, die Angst und das Entsetzen, dass in ihren Augen lag, aber auch die Hoffnung, doch noch vor einem schrecklichen Schicksal bewahrt zu werden.
Jared war hochkonzentriert. Er beobachtete alle drei Kerle gleichzeitig. Ihm würde nicht eine einzige Bewegung der drei entgehen, egal wie klein sie auch war.
Sein Herz schlug klar und kräftig in seiner Brust und er fühlte sich bereit dafür, um seine Frau zu kämpfen. Er würde den Kerlen schon klarmachen, was er von ihnen hielt und dass sie Kim besser in Ruhe lassen sollten. Er ballte seine Hände zu Fäusten und spürte, wie sich sein ganzer Körper verspannte. Bereit jede auch noch so kleine falsche Bewegung der Männer sofort zu ahnden, ließ er sie nicht eine einzige Sekunde aus den Augen.
„Vielleicht will sie ja gar nicht von uns in Ruhe gelassen werden, Pappnase.“, fuhr der Lockenkopf ihn an, wobei er ihn mit einem kritischen Blick musterte.
„Was mischt du dich da überhaupt ein, das hier geht dich gar nichts an du Muttersöhnchen.“, warf der Blonde ein und sein Gesichtsausdruck war genauso spöttisch, wie das des anderen.
Sie fühlten sich durch ihre zahlenmäßige Überlegenheit wohl so sicher, dass sie der Meinung waren, ihn ganz schnell vertreiben zu können.
Doch Jared wusste sehr genau, dass sie in Wahrheit nicht den Hauch einer Chance gegen ihn hatte, denn sowohl kraftmäßig, als auch von der Schnelligkeit her, war er ihnen haushoch überlegen. Nur wussten sie das nicht. Noch nicht.
„Ich kenne sie, euch aber nicht. Und dass sie euch nicht ausstehen kann, dass sieht sogar ein Blinder mit nem Krückstock. Also schwirrt einfach ab und gut ist.“, sagte er recht ruhig, doch man konnte ganz klar die Abneigung, die er für diese Typen empfand, aus seiner Stimme heraushören.
Alle drei brachen in schallendes Gelächter aus, so als ob Jared den besten Witz seit Jahren erzählt hätte.
Da sie derzeit durch das Gelächter abgelenkt waren, ergriff Jared diese Gelegenheit beim Schopfe, machte einen schnellen Schritt nach vorne, ergriff Kims Handgelenk und zog sie eilig aus der Mitte der jungen Männer heraus.
Es war ihm lieber, dass sie nicht mehr direkt zwischen ihnen stand, denn so hätte er sie wesentlich schlechter beschützen können, falls es wirklich noch zu Handgreiflichkeiten kommen sollte.
„Bleib hinter mir.“, zischte er ihr zu und hoffte dabei, dass sie jetzt nicht einfach das Weite suchen würde, sobald er ihre Hand losließ.
Allein diese kurze Berührung, den Kontakt seiner Finger auf ihrem Arm, ließ ein wohliges Gefühl durch seine Adern rauschen. Gern hätte er sie länger festgehalten, in ihre Augen gesehen und sie in seine Arme gezogen, nur um ihr zu versichern, dass alles gut war und dass sie keine Angst zu haben brauchte.
Doch vorher musste er diese Typen loswerden.
„Woher willst du wissen, dass sie uns nicht kennt? Vielleicht haben wir uns schon öfter getroffen.“, hörte Jared den Blonden sagen. Seine Frage hatte einen herablassenden Tonfall und auch seine Miene sprach Bände. Die drei schienen sich wirklich sehr sicher zu sein, in Kim eine leichte Beute gefunden zu haben und mittlerweile wirkten sie ein wenig genervt, von ihm bei ihrem Tun unterbrochen worden zu sein. Einen ernsthaften Gegner sahen sie nicht in ihm.
„Eigentlich geht es dich nichts an, aber wir gehen in die gleiche Schule, von daher kenne ich sie sehr genau. Euch habe ich aber noch nie bei ihr gesehen. Das reicht für mich. Schwirrt ab!“, erklärte er energisch.
In seiner Stimme schwang ein grollender Unterton mit, an dem man seinen unterdrückten Zorn unschwer erkennen konnte, doch er hoffte noch immer, dass sie genug Vernunft zeigten und einfach wieder verschwinden würden, ohne dass es zu einer ernsthaften Auseinandersetzung kam.
Allerdings spürte er in seinem Inneren, wie seine Wut immer weiter anschwoll. Die heiße Feuersbrunst seines Zorns, die durch seine Adern tobte, pochte laut in seinen Ohren und schien ihn gerade dazu zu drängen, allen drei Typen eine reinzuschlagen. Am liebsten hätte er sich einfach auf sie gestürzt und sie dem Erdboden gleichgemacht, denn sie machten seine Frau an.
Aber trotz seiner Wut wusste er sehr genau, dass er ruhig bleiben musste. Schon allein wegen Kim.
Er befürchtete nämlich, dass er sich irgendwann nicht mehr beherrschen konnte und zum Wolf werden würde, so wie es Paul des Öfteren schon ergangen war, wenn er sich zu sehr in seinen Groll hineinsteigerte. Gar nicht auszudenken, was Kim davon halten würde, wenn er auf einmal als großer brauner Wolf vor ihr stand. Das würde garantiert all seine Chancen bei ihr zu Nichte machen und er hatte es ja auch so schon schwer genug. Er musste sich beherrschen, er durfte sich nicht verwandeln.
Er versuchte seine Atmung wieder ein wenig zu beruhigen, seinen Zorn einzudämmen und einfach nur ruhig und souverän zu wirken . Vielleicht würden sie dann ja einlenken.
„So so… die gleiche Schule. Also ganz klar ein Milchbubi.“, erwiderte der Blonde noch immer höhnisch lächelnd, vermied aber näher zu kommen, da Jared ihn um einen halben Kopf überragte. Er schien so etwas wie der Anführer zu sein, zumindest wirkte er am entschlossensten von den dreien.
„Sogar die gleiche Klasse, Blondi. Sie sitzt neben mir. Wir sind gut befreundet. Zieh endlich Leine.“, erklärte Jared und fixierte den Blonden mit einem kalten Blick, während er mit dem Daumen in die seitliche Richtung deutete um ihm zu verstehen zu geben, dass er jetzt zu gehen hatte.
„So so… neben dir. Wahrscheinlich hättest du es viel lieber, dass sie auf dir sitzt.“, lachte der Blonde.
„Er hat vermutlich den ganzen Tag nen Steifen, weil er bisher bei ihr noch nie dran durfte.“, ergänzte der Lockenkopf breit grinsend.
„Wie wär´s, du schließt dich uns an und darfst sogar als erster.“, schlug der Blonde und sah ihn erwartungsvoll an.
Er schien sich sehr sicher zu sein, Jared ein Angebot gemacht zu haben, dem er gar nicht widerstehen konnte. Am liebsten hätte Jared ihn für diese Äußerung das Lebenslicht ausgepustet, offenbarte sie ihm doch tatsächlich, dass die drei Typen Kim flachlegen wollten und es schien ihnen auch egal zu sein, ob das mit oder ohne ihr Einverständnis passierte.
„Aber wenn du keine Ahnung hast wie das geht, dann kannst du gern auch erst mal zugucken.“, ergänzte der Kleinste. Er schien zu glauben, nur weil Jared keine sofortige Zustimmung signalisiert hatte, dass er überlegen musste, ob er wollte oder nicht. Dabei brauchte Jared nicht überlegen. Er war einfach nur zu entsetzt und zu zornig um sofort zu reagieren.
Am liebsten hätte er den Blonden für seine Aussage den Kopf abgerissen. Wie konnte er es wagen so abfällig über Kim zu sprechen, als ob sie nur ein Stück Fleisch wäre, dass man mal eben benutzen konnte, weil es gerade des Weges gelaufen kam. Er ballte seine Fäuste noch etwas fester zusammen, um seinem fast schon grenzenlosen Hass nicht in eine ungewollte Handlung ausarten zu lassen, die sein Gegenüber wahrscheinlich in Jenseits befördert hätte.
Schmerzhaft bohrten sich sein Finger in seinen Handflächen und halfen ihm so die nötige Kontrolle über sich und seine Gefühle zu behalten.
Dann schüttelte er langsam den Kopf, ohne den Blondschopf aus den Augen zu lassen.
„Wahrscheinlich traut er sich nicht seine Hose runter zu lassen, weil nichts da ist, was er wirklich benützen könnte. Nur so ein kleiner Ministummelschwanz, denn sein ganzes Wachstum ist wahrscheinlich in seine Größe geflossen und hat das wichtigste Körperteil eines Mannes vergessen.“, feixte der mit der Kappe.
„Ja wahrscheinlich. Und anscheinend hat es ihm auch die Sprache verschlagen, weil er Angst hat sich zu blamieren.“, ergänzte der Lockenkopf und grinste hämisch.
Jared warf dem mit der Kappe einen eisigen Blick zu und sofort verstummte sein Lachen.
„Meine Antwort lautet nein. Ein sehr deutliches klares nein. Und sollte auch nur einer von euch versuchen Hand an sie zu legen, werde ich euch in Grund und Boden schlagen.“, drohte er ihnen, wobei der grollende Unterton in seiner Stimme, immer deutlicher zu hören war.
„Uuuuuhhhh… klingt fast wie das Donnergrollen von einem Gewitter. Aber weißt du was, der Donner ist bei einem Gewitter nur ein lautes Poltern und mehr nicht. Der Blitz ist das was einschlägt und das bin ich.“, provozierte der Blonde und reckte sein Kinn ein Stück höher um seine Drohung noch etwas zu untermauern und schlug sich dann noch leicht auf die Brust. Seine beiden Kumpels lachten leise.
„Du willst ein Blitz sein? Das ich nicht lache.“, spie Jared ihm abfällig entgegen.
„Ich glaube ich lache eher über dich, denn weißt du was, du bist hier die Lachnummer, kann das sein? Willst du dich allen Ernstes mit uns anlegen? Du allein… gegen uns drei?“, fragte der Blonde, während er leicht in die Richtung seiner Kumpels nickte.
„Ja, genau das will ich. Und ich bin mir sehr sicher, dass du ganz schnell merken wirst, dass ich alles andere als eine Lachnummer bin, wenn meine Faust sich den Weg in dein Gesicht bahnt. Sei dir sicher, der Spaß endet für dich genau an dieser Stelle. Wenn du zu ihr willst, musst du erst an mir vorbei. Und glaub mir, das schaffst du nicht.“, erwiderte Jared sehr von sich überzeugt.
Er reckte sein Kinn ein Stück weit nach vorne um zu verdeutlichen, dass er jedes Wort, was er gesagt hatte, sehr ernst meinte.
Ungebremst brodelte der Zorn durch seine Adern und füllte seine Brust mit einem starken Pochen, dass dröhnend in seinen Ohren hallte. Seine ganze Aufmerksamkeit zog sie auf diese drei Kerle zusammen, nichts Anderes nahm er mehr wahr.
Fast schon hoffte Jared, dass einer von den drei Kerlen falsch zuckte, damit er endlich zuschlagen konnte, denn wenn er ehrlich war, hätte er alle drei gern ungespitzt in den Boden gerammt und anschließend im Meer ertränkt.
Der Blonde schnaubte abfällig und auch seine beiden Freunde grinsten sehr breit, doch Jared ließ sie nicht aus den Augen.
Als der Lockenkopf einen Schritt in seine Richtung machte und anscheinend Kims Arm ergreifen wollte, die immer noch hinter ihm stand, reagierte Jared sofort, schlug ihm hart auf den Unterarm und schubste ihn kräftig nach hinten weg, so dass er das Gleichgewicht verlor und unsanft ein paar Meter weiter hinten im Sand landete. Doch anscheinend war das nur ein Ablenkungsmanöver gewesen, denn zeitgleich setzte sich der Blonde in Bewegung, machte zwei Schritte auf Jared zu, holte weit mit der geballten Faust aus und wollte sie Jared anscheinend ins Gesicht rammen.
Wie in Zeitlupe sah Jared den Schlag kommen und hätte fast deswegen gelächelt. Durch seine rasende Geschwindigkeit, die ihm das Wolfsgen nun einmal verlieh, stellte es für ihn überhaupt gar kein Problem dar, die herannahende Faust des Blonden abzublocken und ihm dafür selbst eine zu verpassen.
Er legte nicht allzu viel Kraft in diesen Schlag, denn viel zu leicht, hätte er dadurch seinen Gegner töten können, doch als seine Rechte auf das Nasenbein des Blonden traf und er das knirschende Geräusch vernahm, war ihm klar, dass er ihm die Nase gebrochen hatte. Der Blonde taumelte ein Stück zurück, schlug beide Hände vor sein Gesicht und keuchte laute. Anscheinend hatte er nicht wirklich mit einer Attacke von Jared gerechnet.
Schnell wandte sich Jared an den dritten Typen, packte ihn am Kragen und zog ihn recht nah an sich heran.
„Brauchst du auch noch eine?“, fragte er ihn schneidend und blitze ihn kalt an dabei.
Mit schreckgeweiteten Augen sah ihn der junge Mann an und schüttelte dann aber kaum merklich den Kopf.
„Gut, dann verpisst euch endlich.“, fauchte er ihn und stieß den Dunkelhaarigen leicht von sich, der sich nur durch ein paar schnelle Rückwärtsschritte vor einem Sturz bewahren konnte.
„Ja, komm lasst uns gehen. Ist besser so.“, sagte der Jüngste dann, wobei er seinen blonden Freund, dem mittlerweile das Blut durch die Finger lief, besorgt musterte.
„Das Arschloch hat mir die Nase gebrochen.“, beschwerte sich der Blonde und betrachtete voller Abscheu die rote Flüssigkeit, die sich auf seinen Händen verteilt hatte.
„Ich kann gern noch weitere Körperteile hinzufügen, falls dir danach ist.“, drohte Jared erneut, denn er wollte ihm ganz klar zu verstehen geben, dass ihm das kein bisschen leidtat und dass er bereit war, noch einmal zuzuschlagen.
Auch der Lockenkopf hatte sich mittlerweile wieder erhoben und warf Jared einen missmutigen Blick zu.
„Ja, lasst uns abhauen.“, stimmte er dem Jüngsten zu und schob dann seinen Freund vor sich her in Richtung Pfad, der die einzige Möglichkeit war, diesen Strand zu verlassen.
„Ja zieht endlich Leine und passt auf ihr nicht noch einmal über den Weg zu laufen, sonst mache ich da weiter, wo ich gerade aufgehört habe.“, rief Jared ihnen noch hinterher. Doch keiner der drei Männer zeigte eine wirkliche Reaktion darauf, sondern sie setzten ihren Weg einfach fort, allerdings kam es Jared so vor, also ob der Kleinste sie etwas mehr zur Eile antreiben würde.

Jared blickte noch ein paar Sekunden den drei Kerlen hinterher, bevor er dann erleichtert ausatmete. Er hätte zwar kein Problem damit gehabt die Typen windelweich zu prügeln, doch er war einfach froh, dass sie gegangen waren. Sobald für ihn klar erkennbar gewesen war, dass die Kerle tatsächlich den Rückzug antreten würden, war seine Wut so schnell verraucht, wie sie zuvorgekommen war. Sie machte dem Gefühl einer tiefen Sorge Platz, die in seinem Herzen brannte und die für ihn fast nicht mehr zu ertragen war.
Langsam drehte er sich um, denn ihm war nicht klar, wie Kim die ganze Situation aufgefasst hatte. Jared war sich sicher, dass er Kim vor diesen Typen gerettet hatte, die garantiert nichts Ehrenvolles mit ihr vorgehabt hatten, doch wie sah sie das Ganze? Immerhin war sie auf der Flucht vor ihm gewesen und vielleicht fand sie seine Anwesenheit ja noch furchtbarer als die dieser drei Typen.
Ein banges Gefühl ergriff ihn, denn er war sich nicht im Klaren darüber, wie er sich jetzt ihr gegenüber verhalten sollte. Ein vorsichtiges Lächeln zierte seine Lippen, als er Kim ansah.
Sie stand da mit gesenktem Haupt, hatte ihre Lippen fest aufeinandergepresst und mit ihren Armen hielt sie ihren Oberkörper umschlungen. Sie zitterte leicht.
„Kim, ist alles in Ordnung?“, fragte er zaghaft, denn sie schien tatsächlich stark verängstigt zu sein.
Zögernd streckte er die Hand aus, hielt dann jedoch inne, denn er wusste nicht so recht was er jetzt tun sollte. Zu gern hätte er sie jetzt in den Arm genommen und sie schützend festgehalten, ganz nah an sich gezogen und ihren wunderbaren Duft eingesogen.
Doch was würde passieren, wenn er seinem starken inneren Drang nachgab. Sie wollte doch seine Nähe eigentlich gar nicht. Immer war sie bisher vor ihm weggelaufen, so dass er sich fast schon wunderte, dass sie jetzt noch dageblieben war, wo er doch mit den Typen genug beschäftigt gewesen war. Es wäre doch ein Leichtes für sie gewesen, in dieser Zeit das Weite zu suchen. Warum hatte sie es nicht getan? Fühlte sie sich doch geborgen in seiner Nähe? Vielleicht hatte er ja jetzt eine Chance sich ein wenig mit ihr zu unterhalten.
Ein leichter Hoffnungsschimmer keimte in seinem Herzen auf, das schon allein durch diesen Gedanken wild zu schlagen begann. Eine freudige Erwartung prickelte durch seine Adern, so als ob sich sein Blut auf einmal in Sprudelwasser verwandelt hätte.
„Kim … jetzt sag doch bitte was.“, flehte er sie fast schon an, als sie immer noch keine Reaktion zeigte.
„Die Typen sind weg. Du kannst ganz unbesorgt sein.“, erklärte er ihr und hoffte, dass sie zumindest ein Anzeichen der Erleichterung oder Entspannung zeigen würde.
Doch nichts geschah. Wartend stand er da und beobachtet jede noch so kleine Regung von ihr, doch sie rührte sich nicht.
„Kim….“, versuchter er es erneut.
„Oder … möchtest du das ich auch gehe?“, fügte er dann noch hinzu.
Seine Stimme klang bang und unsicher in seinen Ohren und das war eigentlich genau das Gegenteil von dem, wie er auf sie wirken wollte. Er wollte sie doch beschützen, er musste stark sein. Wie ein Fels in der Brandung, dem selbst die größte und wütendste Welle nichts anhaben konnte.
Stattdessen hatte er unsicher wie ein kleiner Junge geklungen, der nicht wusste, ob das was er getan hatte richtig oder falsch gewesen war. Dabei war es richtig gewesen die Typen zu verscheuchen. Ganz gewiss! Sie hatten nichts Gutes vorgehabt, dass wusste er genau.
Wieder wartete Jared ein paar Atemzüge, doch noch immer zeigte Kim keine Regung. Ob sie so in ihrer Angst gefangen war, dass sie nichts mehr um sich herum registrierte? Vielleicht hatte sie ja noch gar nicht bemerkt, dass die Typen weg waren.
Er musste etwas tun, irgendetwas… nur was? Wenn er jetzt zu forsch vorging, würde er sie wahrscheinlich komplett verschrecken. Er musste sie irgendwie aus ihrer Starre holen und da sie ja auf seine Worte nicht reagierte, musste er sie anfassen. Vielleicht würde er mit einer einfachen Berührung mehr erreichen.
Zögernd streckte Jared seine Hand aus, näherte seine Fingerspitzen immer mehr ihrem bloßen Oberarm, auf dem eine Gänsehaut zu sehen war. Sie musste sich ganz schrecklich fühlen.
Dann stockte er kurz, sollte er es wirklich wagen? Noch nie hatte er sie liebevoll berührt.
Angespannt leckte er sich über seine Lippen und biss dann seine Zähne fest aufeinander, um der inneren Anspannung besser entgegen wirken zu können. Bereit seine Hand sofort wieder zurückzuziehen, falls sie wieder eine klare Ablehnung ihm gegenüber erkennen lassen würde, näherten sich seine Fingerkuppen ganz langsam ihrem Oberarm.
Kaum, dass seine Fingerspitzen ihre Haut berührten, hob Kim mit einer ruckartigen Bewegung ihren Kopf, als sei sie in diesem Moment aus einem tiefen Schlummer erwacht.
Erschrocken blickte sie ihn an, so als würde sie in diesem Moment das erste Mal wahrnehmen, dass er direkt vor ihr stand.
„Jared.“, flüsterte sie. Ihre Stimme war leise und klang richtiggehend erstaunt.
„Kim, ist alles in Ordnung?“, fragte Jared wieder, dem immer noch nicht ganz klar war, wie er sich ihr gegenüber verhalten sollte. Auf der einen Seite genoss er es ihr so nah zu sein, doch hatte er dann wieder rum die Befürchtung, dass sie gar nicht wollte, dass er hier bei ihr war.
Automatisch hielt er vor lauter Aufregung die Luft an, denn ihm war sehr bewusst, dass sie ihn jetzt wirklich registriert hatte und sich jetzt in den nächsten Sekunden entscheiden würde, ob sie wieder von ihm davonlaufen würde oder ob sie ihm jetzt vielleicht doch einmal eine Chance gab mit ihr zu reden.
Sein Herz pochte aufgeregt in der Brust, so dass es ihn schon wunderte, dass sie es noch nicht gehört hatte. Dort wo seine Finger auf ihrer Haut ruhten, prickelte es ganz heftig, so als ob tausende von kleinen Ameisen über seine Haut laufen würden und allmählich kroch dieses aufgeregte Kribbeln seinen Arm hinauf und begann sich in seinem ganzen Körper auszubreiten.
‚Ob sie das auch spüren konnte?‘, fragte er sich mit einem Mal.
Atemlos blickte er ihr in die Augen, die ihn anzogen, wie die Motten vom Licht angezogen wurden. Sie war seine Sonne, sein ein und alles. Sofort fühlte er sich darin gefangen und versank in ihren dunklen Pupillen. Er spürte, wie die reine und ureigene Liebe die er für sie empfand, durch seine Adern raste und ihn geradezu euphorisierte. Sie musste das doch auch spüren, sie musste einfach. Sie war doch seine Kim.
„Oh Jared ich hatte solche Angst.“, hauchte sie leise und er spürte, wie ihr Körper von einem leichten Beben ergriffen wurde.
„Keine Sorge, sie sind jetzt weg. Sie kommen bestimmt nicht wieder.“, erklärte er ihr umgehend und strich dann ganz sanft mit seiner Hand über ihren Oberarm. Sofort verstärkte sich dieses Kribbeln, dass mittlerweile seinen ganzen Körper erfüllte. Die Sehnsucht, die in ihm tobte, presste sein Herz schmerzhaft zusammen, doch er traute sich nicht, seinem inneren Drängen nachzugeben und sie einfach in seinem Arme zu ziehen. Er befürchtete, dass sie dann ganz schnell wieder reißausnehmen würde und dass wollte er bestimmt nicht riskieren.
Er registrierte, dass ihre Unterlippe leicht zitterte. Die Erinnerung an dieses Erlebnis von eben, schien sie tatsächlich fast schon in Panik versetzt zu haben. Doch Jared wunderte sich nicht wirklich darüber. Er wollte sich lieber nicht vorstellen müssen, was passiert wäre, wenn er nicht zufällig vor Ort gewesen wäre. Er war sich sehr sicher, dass die Kerle Gewalt antun wollten. Und klar war ebenfalls, dass Kim allein niemals eine Chance gegen sie gehabt hätte.
Schon allein dieser Gedanke verstärkte den Wunsch, sie in seine Arme zu ziehen und sicher und geborgen zu halten, um ein Vielfaches.
„Sie hätten bestimmt… Oh mein Gott… Jared.“, stammelte Kim ganz leise, während sie ihre Augen schloss.
„Hey, es ist alles gut… sie sind weg, du bist in Sicherheit.“, sagte er ganz leise.
Wie von selbst hob sich seine andere Hand und strich dann fürsorglich über ihren anderen Oberarm.
Jared merkte, wie sie erneut erbebte.
Die quälende Vorstellung der Ereignisse, die er zum Glück verhindern konnte, stand Kim allerdings ganz klar ins Gesicht geschrieben. Sie hatte ihre zuvor bebenden Lippen wieder fest aufeinandergepresst und ihre Züge wirkten gehetzt und gepeinigt.
Es brach Jared das Herz, diese tiefe Verzweiflung in ihrem Gesicht erkennen zu können.
Ohne es verhindern zu können, schoben sich seine beiden Hände auf ihren Rücken und zogen sie ganz langsam und sachte zu sich heran. Er konnte sich nicht gegen diese Handlung wehren und nein, er wollte das auch gar nicht tun. Sie sollte ja bei ihm sein, sie war sicher bei ihm und diese Sicherheit würde sie spüren können. Der einzige Platz auf dieser Welt wo ihr absolut nichts Schlechtes widerfahren konnte war in seinen Armen.
Eine wohlige Wärme breitete sich in seinem Herzen aus, als sie es tatsächlich zuließ, dass er sie in seine Arme zog. Zögernd legte sie ihren Kopf auf seine Brust, gab sich dann aber der Umarmung hin und schmiegte sich leicht an ihn.
„Es ist alles gut…“, flüsterte er ihr beruhigend ins Ohr, während er ihr sachte über ihren Rücken strich.
„Bei mir bist du sicher, Kim. Dir wird nichts geschehen. Ich passe auf dich auf.“, erklärte er ihr leise aber dennoch nachdrücklich.
„Vergiss die Typen, hörst du? Bei mir bist du sicher, ich lasse nicht zu, dass dir irgendjemand etwas antut.“, fügte er noch hinzu und hoffte einfach, dass sie ihm Glauben schenkte, dass sie fühlte, dass er es so meinte wie er es sagte.
Er spürte wie sie tief Luft holte und dann leise seufzte. Es kam ihm so vor, als ob ihn die Welle Erleichterung, die sie in diesem Augenblick anscheinend spürte, ebenfalls erfasste. Alle schlechten Gefühle und alle Bedenken schienen sich in diesem Moment in Luft aufzulösen und nur noch die guten Gefühle zurückzulassen.
Ein sanftes Lächeln bildete sich auf seinem Mund, denn es fühlte sich so unendlich gut an, sie im Arm zu halten, sie ganz nah bei sich zu haben. Er gab ihr einen Kuss auf ihr Haar. Vorsichtig, zaghaft, kaum mehr als ein sanfter Hauch, aber dennoch enthielt diese kurze Geste so viel Emotionen von ihm, dass es ihm den Atem raubte. Er hatte sich so oft gewünscht das einmal zu tun… so oft.
Er schloss seine Augen und verstärkte den Druck seiner Arme auf ihren Körper noch etwas mehr. Endlich hielt er sie in den Armen, in seinen Armen. Er hatte so lange auf diesen Augenblick gewartet und jetzt war er da.
„Danke, Jared.“, hörte er sie kaum wahrnehmbar flüstern.
„Nicht dafür, Kim. Das war doch selbstverständlich.“, wisperte er leise.
Er spürte wie Kim den Kopf hob und ihn dann ein wenig von sich schob und sofort befürchtete er zu weit gegangen zu sein. Hätte er sie nicht in die Arme schließen dürfen, hätte er ihr den Kuss nicht geben dürfen, nahm sie ihm das jetzt so übel, dass sie wieder vor ihm weglaufen würde? Sollte er durch eine unbedachte Handlung alles wieder verdorben haben?
Ihm stockte der Atem, während sich sein Herz schmerzvoll zog zusammen und er hätte sie am liebsten wieder in seine Arme gezogen. Zwar ruhten seine Hände immer noch auf ihrem Rücken, denn sie hatte sich wirklich nicht sehr weit von ihm entfernt, aber dennoch erschien es ihm so, als ob ganze Welten zwischen ihnen liegen würden, die er nicht mehr würde überbrücken können.
Krampfhaft suchte er nach den passenden Worten, wie er sich bei ihr entschuldigen konnte für…. ja er hatte noch nicht einmal den Hauch einer Ahnung was er falsch gemacht hatte, aber das war unerheblich für ihn. Er wollte sie wieder bei sich haben, so nah, wie vor ein paar Sekunden noch.
Doch bevor er etwas sagen konnte, sah er, dass sie ganz leicht den Kopf schüttelte.
„Nein, das war es nicht. Es war nicht selbstverständlich und das weißt du auch. Immerhin waren es drei Typen, die nicht gerade unsportlich waren. Ich meine… sie hätten dich schlagen können.“, stieß Kim atemlos aus und zog dabei ihre Stirn in Falten.
„Ach was. Und wenn schon. Für dich würde ich mich einer ganzen Armee in den Weg stellen.“, erwiderte er vehement.
„Ach so ein Quatsch Jared Cameron. Ich glaube dir kein einziges Wort. Niemand würde das tun. Und für mich schon mal gar nicht.“, bestritt Kim und rückte dann noch weiter von ihm ab.
„Doch, ich würde es tun.“, stieß Jared etwas ärgerlich aus.
Gerade für sie würde er es tun, warum nur zweifelte sie daran. Das und noch viel mehr würde er für sie tun und nur für sie. Hauptsache, sie würde ihn an ihrer Seite dulden, damit er sie in den Arm nehmen und küssen konnte.
Doch Kim schüttelte nur den Kopf und trat noch einen weiteren Schritt zurück, so dass Jared sie nun loslassen musste. Es kam ihm so vor, als ob eine Klinge tief in sein Herz dringen würde, so sehr schmerzte es ihn zu sehen, wie sie immer weiter zurückging und sich von ihm entfernte. Warum nur lief alles immer so falsch. Er war so nah dran gewesen. Er hatte sie im Arm gehalten und sich tatsächlich der Hoffnung hingegeben, dass sie gern bei ihm war. Und jetzt… jetzt ging sie wieder auf Abstand zu ihm, schob ihn weit von sich und er hatte nicht den Hauch einer Ahnung warum sie das tat.
„Kim…. Ach verdammt, warum gehst du weg?“, fragte er dann auf einmal, denn er verstand nicht, warum sie so reagierte. Wenn er etwas falsch gemacht hatte, dann wollte er wenigstens wissen was es war, denn eigentlich war er sich keiner Schuld bewusst.
Abwehrend hob sie ihre Hände und biss sich dann auf die Lippen.
„Ich wollte doch nur…“, fuhr Jared fort, denn es kam ihm so vor, als ob sein Herz ein Stück mehr auseinanderbrechen würde, mit jedem weiteren Schritt, den sie sich von ihm entfernte.
„Lass es sein Jared.“, warf sie so energisch dazwischen, dass Jared augenblicklich verstummte.
Erstaunt musterte er sie, denn sie schien auf einmal recht wütend zu sein, was er zuvor noch nie bei ihr gesehen hatte. War er etwa der Grund für ihren Ärger? Er verstand die Welt nicht mehr… es war doch überhaupt nichts gewesen.
„Was soll ich lassen? Ich habe doch gar nichts gemacht.“, sprach er deswegen seinen Gedanken laut aus. Hilflos hob er seine Hände ein Stück weit nach oben, weil er überhaupt nicht wusste, woher ihre Stimmungsschwankung gekommen war. Hatte er etwas übersehen?
„Mich auf den Arm nehmen… mich verarschen… Lass es.“, warf sie ihm vor und blitzte ihn dann zornig an, was jedoch nur ein paar Sekunden dauerte, bevor sie wieder ihren Kopf senkte, als habe sie irgendetwas Verbotenes getan.
„Ich tue was… nein tue ich nicht.“, widersprach er ihr. Wie kam sie nur auf so eine Idee? Hatte ihre Freundin Nina ihr etwa irgendeinen Müll erzählt? Er konnte sich nicht erklären wie sie auf den Gedanken kam, dass er sie verarschen würde.
„Doch. So wie du es die ganze Zeit tust, so wie es die anderen tun.“, hielt sie ihm klar vor Augen und hob sogar ihren Kopf wieder ein Stück weit nach oben. Jedoch wirkte ihr Blick jetzt nicht mehr ärgerlich, sondern eher verletzt.
„Die arme kleine Waise die keine Freunde hat. Ja, ja. Und am nächsten Tag lachst du mich aus und rufst verarscht, verarscht. Danke, aber das brauche ich nicht.“, rief sie ärgerlich, aber in ihren Augen schimmerte eine gewisse Verletztheit, die sie sonst gut zu verbergen schien.
Jared stockte der Atem. Sie schien wirklich zu glauben, was sie sagte.
„Ich verarsche dich aber doch gar nicht.“, erwiderte er betroffen.
Er sagte die Wahrheit. Doch ihm war nicht klar wie er ihr das begreiflich machen konnte. Mehr als sagen und diese dämlichen Typen vertreiben ging ja wohl nicht. Brauchte sie noch mehr Beweise dafür, dass er es wirklich ehrlich mit ihr meinte, nur wie konnte er es denn noch beweisen?
Ein betretenes Schweigen herrschte zwischen ihnen, dass die Beklemmung, die ihn ergriffen hatte, noch etwas verstärkte. Krampfhaft suchte er nach Worten, doch sein Kopf schien wie leergefegt zu sein. So als ob seine durcheinanderwirbelnden Gefühle alle Worte fortgeweht hätten, fiel ihm derzeit nichts ein, was er noch sagen konnte, um sie vom Gegenteil zu überzeugen.
Ihm war nie aufgefallen, dass andere sie zu ärgern schienen. Ob das schon immer so gewesen war? Sollte sie deswegen immer so still und zurückgezogen sein, um irgendwelchen unangenehmen Bemerkungen besser aus dem Weg gehen zu können?
„Niemand schenkt mir Beachtung. Niemand Jared. Auch du nicht. Die ganzen Jahre, die wir zusammen in eine Klasse gehen, hast du mich nicht eines einzigen Blickes gewürdigt. Und auf einmal, so also ob die Sonne hinter einer dicken Wolke hervorschauen würde, auf einmal siehst du mich…. Das glaubst du doch selbst nicht. Ich kenne so etwas. Du würdest hinter meinem Rücken nur über mich lachen, wenn ich darauf eingehen würde.“, hielt sie ihm vor Augen und verschränkte dann ihre Arme vor ihrer Brust, so als ob sie sich dadurch besser schützen könnte.
„Gehst du mir deswegen aus dem Weg, weil du glaubst, dass ich dich verarsche?“, fragte Jared ungläubig.
Er bemerkte wie sie wieder ihre Lippen fest aufeinanderpresste und den Kopf senkte.
„… und wenn es so wäre?“, fragte sie so leise, dass selbst er als Gestaltenwandler es fast nicht mehr verstanden hätte. Ein normaler Mensch hätte ihre leise gesprochenen Worte garantiert nicht wahrnehmen können.
„Ich verarsche dich aber nicht. Ich meine das sehr ernst mit dir.“, erklärte Jared schließlich und trat wieder einen vorsichtigen Schritt auf sie zu. Vorsichtig hob er seinen Arm ein Stück nach oben und strich dann mit der Hand über ihren Oberarm, so wie er es zuvor schon einmal getan hatte. Doch die gewünschte Reaktion, dass sie ihm wieder ihre Aufmerksamkeit zuwandte blieb aus. Stur blickte sie nach unten, so als ob es dort etwas sehr Interessantes zu beobachten gäbe.
„Kim… sieh mich an… bitte.“, bat Jared sie, nachdem sie ihren Kopf noch ein Stück weiter hinab senkte.
Doch Kim schüttelte nur ganz leicht ihren Kopf.
„Ich verarsche dich aber nicht, ganz ehrlich nicht. Was meinst du, was Paul mich die ganze Zeit damit aufzieht, dass du nicht mal ein einziges Wort mit mir redest… Kim, nicht mal ein Wort, keine Silbe … nichts. Ich glaube ich bin wirklich eine Lachnummer, so wie der Typ eben gesagt hat, nur aus einem anderen Grund. Ich dachte schon du kannst mich überhaupt nicht leiden… magst du mich… zumindest ein bisschen?“, fragte Jared vorsichtig. Zum Ende des Satzes hin wurde er immer leiser und immer zögernder. Er stellte ihr damit die Frage, die ihm am meisten auf dem Herzen brannte und er musste ehrlich zugeben, dass er wirklich Angst vor der Antwort hatte.
Er spürte wie sein Herz in seiner Brust raste. Sein Magen begann nervös zu flattern, weil er nicht wusste was er tun sollte, wenn sie ihm jetzt wirklich sagte, dass sie ihn nicht mochte.
„Iiiich…“, stotterte Kim, brach dann aber ihren Satz ab und presste ihre Lippen wieder aufeinander.
Jared ließ seinen Arm sinken und seufzte dann schwer. Das was sie sagte, beziehungsweise was sie nicht sagte, war ja wohl Antwort genug. Obwohl er es eigentlich nicht verstand. Wieso hatte er sich auf eine Frau geprägt, die ihn nicht mochte.
Frustriert und tief getroffen fuhr er sich mit beiden Händen über das Gesicht. Er wusste nicht wie er damit umgehen sollte. Er hatte nicht den Hauch einer Ahnung, wie er sich jetzt verhalten sollte.
Es kam ihm so vor, als ob sein Herz von einer Sekunde zu anderen zu einem leblosen Klumpen in seinem Inneren verdorrt wäre. So als hätte jemand die Sonne ausgeknipst, war alles um ihn herum auf einem zu einer tristen Einöde geworden, in der keine Farben und kein Leben mehr existierte. Schmerz durchzuckte ihn und ließ ihn fast taumeln.
Jared drehte sich um. Er konnte einfach den Anblick nicht mehr ertragen, wie sie mit gesenktem Kopf vor ihm stand und nach Worten suchte, die ihm wahrscheinlich auf vorsichtige Art und Weise klarmachen sollten, dass sie ihn doof fand. Ob er einfach gehen sollte? Wahrscheinlich würde sie lieber allein sein.
„Ich mag dich schon…“, hörte Jared schließlich ihre sehr leise gesprochenen Worte.
Augenblicklich fuhr er wieder herum und starrte sie an. Kim hatte ihren Kopf wieder erhoben und blickte ihr unsicher an.
„Was?“, entfuhr es ihm, wobei sein Tonfall erstaunt und ungläubig zugleich klang.
„Du… du magst mich?... Ehrlich?“, hakte er dann nach und ließ sie nicht aus den Augen. Keine noch so kleine Regung durfte ihm entgehen. Konnte er wirklich seinen Ohren trauen, hatte sie tatsächlich gesagt, dass sie ihn mochte? Er bemerkte, dass Kims Gesicht auf einmal von einer leichten Röte überzogen wurde, was sie noch bezaubernder in seinen Augen werden ließ.
Sie nickte vorsichtig.
„Mehr als nur ein bisschen… ein bisschen viel mehr.“, gab sie kaum hörbar zu und der leichte Rotton ihrer Haut verstärkte sich noch einmal.
Ein glückliches Grinsen bildete augenblicklich sich auf Jareds Gesicht. Er machte einen schnellen Schritt auf sie zu und zog sie einfach wieder in seine Arme. Es war ihm in diesem Moment egal, ob sie das wollte oder ob sie das vielleicht nicht so gern mochte. Er konnte sich einfach nicht mehr zurückhalten. Sie mochte ihn, der Rest würde sich finden. Ganz bestimmt. Und außerdem mochte sie ihn ein bisschen viel mehr… was immer das auch heißen mochte. Es war ihm in dieser Sekunde einfach gleichgültig. Sie mochte ihn!
Es kam ihm so vor als ob ihm ein riesiges Gebirge der dicksten Wackersteine vom Herzen gefallen wäre. Er meinte vor lauter Glück einfach zerspringen zu müssen.
„Oh Kim.“, hauchte er glücklich und vergrub sein Gesicht in ihrem Haar.
„Ich mag dich auch… mehr sogar. Sehr viel mehr sogar. Du bist das Wichtigste für mich. Ich liebe dich.“, flüsterte er ihr leise ins Ohr.
„Ich liebe dich auch, Jared.“, erwiderte Kim leise und er hörte, dass sie dabei lächelte.
Langsam löste er sich ein wenig von ihr und blickte ihr dann tief in die Augen die in einem warmen Braunton schimmerten und ihn liebevoll anblickten. Zärtlich strich er mit den Fingern einer Hand über ihre Wange. Sie war so wunderschön. Sie war das Schönste überhaupt auf der Welt.
Langsam beugte er sich zu ihr hinunter und näherte sich ihrem Antlitz. Er spürte ihren warmen Atem auf seinem Gesicht.
Sein Herz schien bald aus der Brust zu springen, so stark schlug es gegen seine Rippen. Er schloss seine Augen und hielt den Atem an aus Angst, dass sich das, was er gerade sah, als Traum herausstellte und er sich alles nur eingebildet hatte. Sollte sie tatsächlich mehr für ihn empfinden? Sollte das lange Warten wirklich ein Ende gefunden haben? Doch er musste daran glauben, er musste sich daran festhalten. Es war ihm vorherbestimmt sie zu lieben und sie zu beschützen. Warum sollte sie also etwas Anderes empfinden?
Ihr warmer Atem mischte sich mit seinem und Jared kostet den Moment ihrer Nähe voll aus. Er spürte, wie sich ihre Nasen berührten und einen kurzen Augenblick später nahm er den zarten Hauch einer Berührung auf seinen Lippen wahr. Langsam und bedächtig verstärkte er den leichten Druck seiner Lippen. Jared kam es so vor, als ob in diesem Moment, in genau dieser Sekunde, die ganze Welt ihren Atem anhalten würde. Die Zeit schien still zu stehen und jegliche Geräusche und Empfindungen verschwanden um ihn herum. Er fühlte nur noch ihre Lippen auf seinen. Bedächtig strichen seine Finger sanft über ihre Wange und wanderten langsam in ihren Nacken und zogen sie dann noch etwas näher an ihn heran. Behutsam begann er seine Lippen zu bewegen. Sachte strich er immer wieder mit ihnen über ihren Mund und schließlich begann Kim zuerst zögernd und unsicher den Kuss zu erwidern. Jared fuhr behutsam mit seiner Zunge über ihre Lippen, bis Kim seiner vorsichtigen Aufforderung folgte und ihre Lippen ein wenig öffnete.
Spielerisch strich er mit der Zunge über den entstandenen Spalt und drang schließlich ein kleines Stück in ihren Mund ein. Als sich ihre Zungen berührten kam es ihm so vor, als ob ein riesiges Feuerwerk in seinem Innersten explodieren würde. Eine nie geahnte Welle der Begierde umspülte ihn plötzlich, betörte seine Sinne.
Jareds anfängliche Vorsicht wurde von seinen glühenden Gefühlen fortgeschwemmt und ihr Kuss wurde zusehends immer leidenschaftlicher. Er fuhr mit seinen Händen liebevoll über ihren Rücken und presste ihren Körper noch etwas stärker an sich. Jared spürte, wie Kim mit der einen Hand über seine Brust fuhr und die andere in seinen Haaren vergrub.
Als er dann einige Zeit später seine Lippen von ihren löste, fühlte er sich absolut berauscht von ihr. Er war trunken vor lauter Glück. Niemals hätte er erwartet, dass aus diesem Tag, der so frustrierend begonnen hatte, etwas so Schönes werden würde.
Aber sie war jetzt hier, hier an seiner Seite und das für den Rest seines Lebens. Er hatte es tatsächlich geschafft. Sie war jetzt bei ihm und genau ab jetzt war sie seine Frau. Sie war seine Kim… für immer und ewig.


********************************************************************************************************************************************************************

Wer jetzt Lust bekommen hat und gern in meine FF reinlesen möchte, der findet diese hier:
http://www.fanfiktion.de/s/56c34a5a0004c889a3fafab/1/Im-Feuersturm-der-Gefuehle
Review schreiben