War of hearts - The 365. Hunger Games

GeschichteDrama, Angst / P16
19.12.2016
31.12.2016
9
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Raven Connor

Jedes Mal, wenn er diesen Laut hörte, atmete er auf. Es klingelte zum Feierabend.

Er nahm seine Brille ab und sah zu, dass er so schnell wie möglich verschwand. Mit schnellen Schritten ging er an dröhnenden Maschinen vorbei.

Es roch nach Chemie.

Als er wieder einen Fuß ins Freie gesetzt hatte und seinen ersten Atemzug nahm, zog sich seine Lunge zusammen und ein Hustenanfall durchschüttelte ihn.

Er fiel auf die Knie und krallte sich im Gras fest, bis es vorbei war. Er verfluchte diesen Ort. Dieser Ort hatte seinem Vater das Leben und seiner Mutter die Gesundheit gekostet und lange würde er auch nicht mehr durchhalten.

Er war zwar 17 Jahre alt, jedoch war seine Lunge so leistungsstark wie bei einem 80 – Jährigen, sagten die Ärzte.

Seine Lebenserwartung lag bei 24 Jahren. Noch sieben Jahre.
Er hatte nicht einmal die Zeit sich ein Leben mit Kindern und eine Frau aufzubauen, wie er es sich so sehr wünschte.

Jedoch war es vielleicht besser so, denn er wusste selbst wie schlimm es für ein Kind ist den Vater zu verlieren.

Er hatte den Mut eigentlich längst aufgegeben.
Nur für seine Mom ging er jeden Tag diesen schweren Weg hoch zum Kraftwerk und ließ sich acht Stunden lang vergiften.

Doch er hatte verhältnismäßig Glück. Sein bester Kumpel Moritz ist schon erwachsen und geht 21 Stunden am Tag arbeiten.
Auch er wird nicht mehr lange leben.

Doch das Kraftwerk war die einzige Chance seiner Mutter ein schönes Restleben zu bescheren.

Seufzend stand Raven auf und klopfte sich den Staub von der Hose. Schweren Herzens ging er zurück nach Hause und hoffte, dass ihn keine böse Überraschung erwartete.

Seiner Mom ging es schlecht. Das war gut.

Schlecht war der Bestfall. Es versetzte ihm jedes Mal einen Stich seine Mom so daliegen zu sehen. Blasse Haut, verschwitzte Haare, die auf dem Kopfkissen ausgebreitet waren und mit ihrer schwarzen Farben einen so schönen Kontrast zum weißen Laken bildeten.

Raven setzte sich auf die Bettkante und ergriff die Hand seiner Mutter. Sie war kalt und nass.

„Wie war dein Tag, Schatz?“, flüsterte sie.

„Gut“, log er.

Dieses Gespräch führten sie jeden Tag. Er wusste, dass sie sich etwas vormachen, jedoch half es auch ein bisschen.

„Heute ist die Ernte, vergiss das nicht. Ich habe dir den Anzug deines Vaters rausgelegt“, sagte sie schwach und zeigte mit zitternder Hand Richtung Schrank.
Die Ernte hatte er vergessen, aber sie spielte auch keine Rolle.

Er nickte nur stumm und sah wehmütig zu der kleinen, zerbrechlichen Gestalt herunter. Seine Mutter war wunderschön und es fiel ihm jetzt erst auf.

Sie besaß feine Gesichtszüge, hatte große braune Augen und hatte einmal volle, schwarze Haare, die aber mit der Zeit immer dünner wurden, da sie erkrankte.
Die Ärzte konnten nie sagen, was genau es war.

Es war wie eine Art Dauerhusten. Es schwächte ihren ganzen Körper. Essen konnte sie nie lange bei sich behalten, obwohl sie diese Energie brauchte.
Aber sie hatte von Grund auf ein sehr schwaches Immunsystem.

„Raven“, sie drückte seine Hand. „Hör mir zu. Wenn du heute gezogen wirst, musst du kämpfen. Du musst dafür kämpfen, dass du dir ein gutes Leben leisten kannst und alles wird besser werden.“

Er schüttelte heftig den Kopf.

„Nein Mom, wenn ich das Geld gewinne, werde ich dir einen guten Arzt und ordentliche Arznei besorgen, damit du wieder gesund wirst.“
Sie lächelte schwach.

„Du bist genauso selbstlos wie dein Vater. Aber ich möchte, dass du dir ein schönes Leben machst, Raven. Für meine Rettung ist es längst zu spät. Es gibt nichts mehr, dass mich retten kann, nur der Tod.“

Eine Träne fiel auf das weiße Laken.

„Schh“, beruhigte seine Mom ihn und strich ihm behutsam ein Haar aus der Stirn.
„Was ist mein Leben noch wert wenn ich alleine bin“, schluchzte er und vergrub sein Gesicht in seinen Händen.

„Geh jetzt, zieh dich um“, erwiderte sie sanft und schloss die Augen.


Es herrschte Trubel auf dem Platz. Er wischte seine nassen Hände an seiner Hose ab und stellte sich in die Reihe.
Er wusste nicht genau, was er fühlen sollte.

Angst hatte er eigentlich keine, er wäre froh eine Zeit lang nicht mehr ins Kraftwerk zu müssen, jedoch hatte er ein mulmiges Gefühl im Magen.

Wie jedes Jahr zeigten sie wieder diesen langweiligen Film als Rechtfertigung für die Hungerspiele, für die es eigentlich keine Rechtfertigung gab.

Es war makaber.

Schließlich kam der spannende Teil. Der Betreuer aus Distrikt 13, Monty Green zog eine Karte und schluckte schwer bevor er den Namen des weiblichen Tribut vorlas.

Blueberry Parker.

Er sah mit einem mitfühlenden Blick in die Richtung des Mädchens. Man hatte wirklcih das Gefühl, dass sie ihm Leid tat.

Auch Raven heilt Ausschau nach ihr.

Sie sah zwar schockiert, aber nicht ängstlich aus. Wie in Trance trat sie nach vorne und sah in die Menge.

Ihre Augen waren groß und starr.     

Sie tat ihm Leid. Nun zog Monty den zweiten Zettel.
„Der männliche Tribut in Distrikt 13 ist Raven Connor“, verkündete er mit trauriger Stimme.

Ein eiskalter Schauer lief meinen Rücken herunter.
Mit erhobenem Haupt kämpfte ich mich durch die Menge.

Irgendwie fühlte ich… nichts. Es war wie eine Leere in mir. Ich gab dem Mädchen, das schon vorne stand die Hand und nickte ihr zu.

„Möge Gott mit euch sein“, rief eine Frau aus der Menge, ehe sich die Menschen auflösten.
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