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Scherben bringen Liebe

von CJCayenne
Kurzbeschreibung
KurzgeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P6 / Gen
19.12.2016
19.12.2016
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4.282
 
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19.12.2016 4.282
 
Hallo liebe Fans und Neulinge. Hier ist wieder ein Abenteuer von den Gartenmonstern, die ja für jeden Spaß zu haben sind. Die Idee dazu hatte ich an einem wunderschönen Sommertag draußen im Garten. Diesmal ist es eine stimmungsvolle Romanze, mit der ich ein neues Monster einführe: Willkommen Bella Hundertfüssler! Dank einem lieben Kollegen, den ich bei seinen Geschichten unterstützen darf, hab ich mittlerweile viel Übung auch in diesem Genre. Dank den anderen Monstern kommt auch der Humor mal wieder nicht zu kurz :-).Die Bilder, welche ich euch ja immer zu diesen Geschichten liefere, gibt es auch diesmal wieder hier:

https://www.facebook.com/cjcayenne/photos/ms.c.eJxFy9ENwDAIA9GNKmwgOPsvVqk05PfpDnAFcoGqSPcHP2jRSrkH2AUHvAEHynqpA4qvgA10EbfgzgBKA9kFXy2VHro~-.bps.a.1138413332874761.1073741829.906894146026682/1138415612874533/?type=3&theater
Besucht mich auf gerne immer mal wieder auf meiner FB Seite, da gibt es Infos und Neuigkeiten.


Scherben bringen Liebe


Es war wie jeden Tag im Leben von Henry Pecker, dem grünen, britischen Gartenmonster, welches im großen, prachtvoll blühenden Garten von Chilivani hauste. Doch genau dieser schöne Tag sollte sein Leben verändern. Ganz unverhofft und für immer.

Das Wetter war wunderbar sonnig und warm, ein herrlicher Sommertag. Die anderen Monster tollten im Garten herum, verzierten ihre kunstvollen Behausungen, kümmerten sich um die Beete oder waren in der Arbeit. Monster Arno war gerade dabei, lautstark einen chilligen Hängestuhl aufzubauen, in dem er dann herumlümmeln und sich entspannen konnte, während er mit seiner kleinen, mobilen Lautsprecherbox den neuesten Hard Rock hörte.

Gerlinde Tausendfüssler und ihre Freundin Suzy Honeybee waren in der Stadt, um neuen kunsthandwerklichen Bedarf für ihr zauberhaft dekoriertes Heim zu kaufen. Monster Moritz spielte mit der Schlange Dalmar Verstecken und Suchen. Das war teilweise ein sehr lautes, feucht-fröhliches Vergnügen bei den beiden, denn immer wenn einer den anderen gefunden hatte, durfte er ihn mit seiner Wasserpistole vollspritzen. Der Drache Long beklagte sich gelegentlich über den Lärm, denn vor seiner Nachtschicht wollte er gerne noch etwas schlafen.

Nur einer zeigte sich von dem bunten Treiben gänzlich unbeeindruckt und das war Sir Henry, wie er von den anderen Monstern immer genannt wurde, wegen seiner leicht versnobten, noblen Art. Er lebte allein in einem eleganten Häuschen, das er zusammen mit Arno und Long aufgebaut hatte. Sir Henrys Castle, so nannten es die Monster. Sir Henry hatte seine britischen Traditionen von der Insel mit in diesen deutschen Garten gebracht und pflegte sie auch weiterhin.

Täglich pünktlich um 5 Uhr nachmittags, zum Beispiel, hielt der spleenige Kerl mit den vielen Füßen und dem spitzen Schnabel nämlich seine traditionelle Teestunde ab. Nichts und niemand konnten ihn dabei stören. Gerade hatte er seinen edlen Darjeeling Five o´Clock Tea, den ihm der Drache Long immer aus China mitbrachte, in eine wunderschöne, blumengemusterte Teekanne aus feinstem chinesischen Porzellan gegossen, da passierte das Unglück.

Als er nämlich die Kanne und einen Teller selbstgebackenes britisches Teegebäck auf ein Tablett gestellt hatte und dieses zu seinem hübsch gedeckten Tisch tragen wollte, stolperte er über einen silbernen Löffel, der wohl vorher vom Tisch gefallen sein musste. Batsch! Kanne und Kekse flogen durch die Luft und landeten in Scherben und Krümeln auf dem gepflegten Parkett. Henry war der Länge nach hingeklatscht, aber zum Glück war ihm außer einem Riesenschreck nichts passiert. Dafür machte er sich große Sorgen um seinen schönen Parkettboden, den ihm das Monster Arno Ast erst vor kurzem gelegt hatte. Oh nein, wenn die große Teepfütze da noch länger lag, würde es ernsthafte Schäden geben!  

Fluchend rappelte er sich auf, um schnell einen Lappen zu holen. Er stürmte zur Spüle, wühlte in der Schublade, sah sich hilflos um, doch weit und breit war einfach nichts Brauchbares in Sicht, um den Boden damit trockenzulegen. "Nah, holy shit, that´s just too bad!" wetterte er ungehalten los, während er im Badezimmer sein Glück versuchte, doch seine schönen weißen Handtücher wollte er jetzt auch nicht mit dem stark färbenden Tee verschmutzen. Alle Lappen schienen mal wieder in der Wäsche zu sein, die draußen gerade im Waschzuber einweichte. Genau so war es. Doch zu seinem Glück fiel ihm ein, dass im nahegelegenen Schuppen doch immer so alte Lumpen herumlagen, vielleicht könnte er die nehmen.

So flitzte er, so schnell ihn seine kurzen Beine tragen konnten, über den Rasen zum Gartenhaus. Dabei wäre er fast mit Dalmar zusammengestoßen, der gerade wieder auf der Suche nach einem passenden neuen Versteck vor Moritz über den Rasen schlängelte.

Nach kurzem Schrecken raste Henry weiter.
Nur noch fünf Meter.
Noch drei.
Noch einer.
Geschafft. Zum Glück war die alte Holztür offen, so konnte das grüne Monster schnell in den gemauerten Schuppen gelangen, der an die Garage angrenzte.

Der Schuppen war eine Lagerstätte für Gartenzubehör, sowie Werkzeuge aller Art. Dort standen zwei große Schränke, die auch Dünger, Lacke und Farben enthielten. Auf einem Tisch lag eine bunte Plastiktischdecke. Darauf durften jedes Jahr die kleineren Blumentöpfe mit den Kräutern überwintern. Außerdem war da noch ein Fahrrad, sowie dessen Zubehör. Rechts neben der Eingangstür befand sich ein Regal gefüllt mit allerlei nützlichen Dingen. Am Boden schließlich lag ein großer Untersetzer voll mit einem Sack Blumenerde, Gummihandschuhen, Blumentöpfen und ...einem großen alten Lappen. Den wollte sich Henry gerade erleichtert schnappen, als er plötzlich vor Schreck erschauerte.

Er hatte ein Geräusch gehört.
Es kam von oben vom Regal.
Dort war etwas.
Etwas, das sich bewegte und Geräusche von sich gab.
Ein Lebewesen. Vielleicht eine Maus?
Das Herz des grünen Monsters klopfte aufgeregt.
War er in Gefahr?
Wer lauerte hier auf ihn?

Als Henry sich von dem Schreck erholt hatte, sah er wieder hinauf. Tatsächlich lugte dort vom Regal jemand auf ihn herunter. Ein zarter, gelber Kopf mit einem eleganten, spitzen Schnabel, sowie zwei große dunkle Augen sahen ihn erschrocken an. Vorsichtig stellte Henry sich auf die hinteren Beine, stemmte sich an einem großen weißen Eimer, der  mit Streusplitt gefüllt war, hoch, um auf das Regal zu sehen, um herauszufinden, wer oder was dort lauerte.

Doch weiter konnte Henry nicht sehen, denn plötzlich kam Bewegung in dieses neue Wesen und ehe er es sich versah, wurde er von dem Tierchen umgestoßen, welches sich blitzschnell vom Regal gestürzt hatte und nun hastig das Weite suchte.
Zack -  zur Tür hinaus.
Der elegante Brite hing nun reichlich unelegant über dem weißen Eimer.
Glatt überrumpelt!
Henry hatte sich zum Glück jedoch schnell wieder von dem Überraschungsangriff erholt und hüpfte komplett auf den Boden zurück, um sofort die Verfolgung aufzunehmen. Den Tee-Unfall, sowie den Lappen hatte er dabei einfach vergessen, denn das hier war wichtiger.

Wer oder was war da, unbemerkt von den anderen Monstern, in den Garten eingedrungen und hatte sich hier versteckt und warum? Henry schoss ebenfalls blitzschnell zur Tür hinaus. Schnell um die Ecke...und da sah er den Eindringling gerade über den Rasen davonrennen. Henry schrie hinter dem neuen Wesen her: "Halt, stehenbleiben!", doch der orangefarbene Vielfüßler dachte gar nicht daran. Er füßelte, ohne sich umzusehen, einfach mit hoher Geschwindigkeit weiter, Richtung Gartenhaus. Henry legte einen Zahn zu. Verdammt, das Tier vor ihm war irre schnell. In wilder Jagd ging es über den Rasen, vorbei an Arno, der eben seinen Stuhl aufhängen wollte und es gerade noch schaffte, auf die Seite zu springen, bevor ihn dieser orangefarbene Blitz rammen konnte. Verwirrt und kopfschüttelnd sah Arno den beiden rasenden Tausendfüßlern hinterher. Es war wohl doch noch nicht die Zeit für einen chilligen Spätnachmittag.

Weiter ging die wilde Jagd quer durch den Garten. Das Monster vorne schlug blitzschnell immer wieder Haken und änderte die Richtung, was auf die Dauer sehr anstrengend war. Auch Monster Moritz hatte die zwei Flitzer schon bemerkt und beobachtete die Szene grinsend, statt weiter nach Dalmar zu suchen. Henry gab nicht auf, er schaffte es schließlich, das neue Monster einzuholen. Dabei rief er wieder: "So bleib doch bitte mal stehen! Ich tu dir nichts und will nur mit dir reden, hey, goddamnit!"

Da endlich blieb das Tierchen stehen, ganz außer Puste. Henry konnte gerade noch bremsen, sonst wäre er auf das seltsame Wesen aufgelaufen. So standen die beiden erstmal voreinander, ganz außer Atem, japsend. Als die zwei Monster sich schließlich beruhigt hatten, sahen sie sich vorsichtig an. Henry schlich langsam um das neue Tier herum. Es schien ein weiblicher Hundertfüßler zu sein. Sie hatte einen schlanken Körper, zart orange gefärbt. Er wurde von mehreren schwarzen Querstreifen unterbrochen, die ringförmig um den runden Leib herumliefen. Die einzelnen Segmente waren verziert mit grünen und gelben Punkten, was dem hübschen Tierchen ein verspieltes Aussehen gab und sehr charmant wirkte. Die Anzahl der zahlreichen Füße war dieselbe wie bei Henry und den Raupen Gerlinde und Suzy. Auch das typische Ringelschwänzchen war vorhanden. Auf einem langen schlanken Hals saß ein niedliches Köpfchen ohne Hörner, dafür mit zauberhaften großen dunklen Augen, die ebenfalls neugierig Henry musterten. Ein langer, dünner, eleganter Schnabel vervollständigte dieses zarte Geschöpf. Henry war hingerissen, er war einfach sprachlos. Doch nach einer langen Weile der stummen Bewunderung fand er schließlich seine Worte wieder.

"Well...here we go...." stotterte er. Das andere Wesen lächelte ihn nun aufmunternd an und so fand Henry langsam seine Worte wieder. "Verzeih mir...a..aber du hast mich ganz schön erschreckt vorhin. Ich wollte dir nichts tun, hab mich nur gewundert, wer sich da so heimlich in der Garage versteckt. Verrätst du mir deinen Namen, bitte?"
Nun, nach kurzem Zögern, fing der reizende Eindringling zu sprechen an, mit einer freundlichen, hellen, zarten Stimme:
"Hallo, es tut mir leid, dass ich dich so erschreckt habe. Ich will euch auch nichts tun, ich ...ich habe hier nur einen Unterschlupf gesucht. Ich heiße übrigens Bella. Bella Hundertfüßler und du, wie heißt du?"
"Oh dear, verzeih mir, dass ich mich nicht vorgestellt habe, mein werter Name ist Henry. Henry Pecker." Bella lächelte wieder und guckte schüchtern zur Seite. Sie sah so süß aus! Inzwischen waren auch die anderen Monster herbeigekommen, um den hübschen Neuankömmling anzusehen, der da vorhin so rasant durch ihren Garten geflitzt war. Henry fasste sich etwas Mut, dann schlug er Bella vor, erst mal ein ruhiges, ungestörtes Plätzchen zu suchen, wo sie sich in Ruhe unterhalten konnten, denn er merkte, dass Bella nervös wurde.

Da hatte er die Idee! Sie gingen wohl am besten in seine Wohnung, weil die anderen Monster würden sie zwar in Ruhe lassen, wenn er sie darum bat, aber die waren so entsetzlich neugierig und würden ihnen trotzdem hinterher schleichen und alles belauschen oder sie beobachten. So fragte er Bella, ob sie einverstanden war und nach kurzem zögern sagte sie tatsächlich ja. Er ging also voran, öffnete Bella die Tür und ließ ihr ganz Gentleman-like den Vortritt. Die anderen Monster johlten und pfiffen frech, doch nach einem sehr strengen Blick von Henry war sofort Ruhe. Er wusste sich nämlich zu behaupten und war ein geschickter Kämpfer, das hatte auch Arno Ast schon mitbekommen.

Sobald die beiden in der Wohnung verschwunden waren, fiel Henry siedend heiß wieder ein, weswegen er eigentlich losgezogen war, denn die Teepfütze samt den Scherben seiner edlen Teekanne lag immer noch am Boden. Zu allem Unglück begann der Tee jetzt natürlich langsam in den Boden einzusickern und den schönen Holzboden aufzuquellen. Das musste sofort verhindert werden! Henry bat Bella vielmals um Entschuldigung, bot ihr derweil einen Platz auf dem Sofa an und stürmte abermals nach draußen zu dem Schuppen, um endlich den Lappen zu holen, welchen er vor lauter Überraschung vorher vergessen hatte. Blitzschnell schnappte er sich mit seinem spitzen Schnabel das große weiße Tuch und raste damit wieder zu seiner Wohnung, vorbei an Arno. Der schüttelte nur den Kopf, murmelte "Alter schalt mal´n Gang runter!", knipste seine kleine Lautsprecherbox an und fläzte sich zu den Klängen von "Swing Life Away" von seiner Lieblingsband "Rise Against" in seinen neuen Hängestuhl. Ja, so ließ sich der ganze Irrsinn hier am besten ertragen.

Henry huschte mit dem Lappen durch die Tür und begann sofort, die Bescherung aufzuwischen. Dann klaubte er die Scherben zusammen und warf sie in den Mülleimer. Bella sah ihm währenddessen interessiert zu. Henry entschuldigte sich derweil noch mal für das Chaos und dafür, dass er ihr jetzt gar nichts zu essen und trinken anbieten konnte. Doch Bella lachte nur und meinte, er müsse sich keine Mühe machen, mit einem Glas Wasser wäre sie auch schon zufrieden, außerdem möchte sie auf ihre zierliche Figur achten und daher eh nicht zu viel essen. Henry lächelte erleichtert, ja, eine Flasche kaltes Wasser hatte er immer im Kühlschrank. Er suchte seine zwei schönsten Gläser heraus und schenkte ihnen beiden ein, dann setzte er sich ebenfalls auf das Sofa.

Der britische Gentleman erhob sein Glas und sprach: "Bella, ich freue mich sehr, dich als meinen werten Gast im Haus zu haben, cheers my dear!" worauf er mit ihr anstieß und beide einen großen Schluck nahmen. Dann erzählte Bella ihm ihre Geschichte.

Sie hatte vorher in einem alten Haus gewohnt, in dem schon seit Jahren niemand mehr lebte. Der Garten drum herum war total verwildert gewesen, es gab also reichlich Ungeziefer zu essen und niemand, der störte. Bella hatte ein herrliches Leben gehabt, sie war zwar einsam gewesen, aber damit  hatte sie kein Problem. Tagsüber arbeitete sie in der Stadtgärtnerei, da sie sich mit Pflanzen und Sämereien bestens auskannte und gerne draußen war. Das war eine Weile gut gegangen, doch eines Tages war ein Bautrupp mit Baggern gekommen und hatte das Haus abgerissen, den Garten umgepflügt und alles für ein neues Bauvorhaben hergerichtet, welches auf einer Bautafel vor dem Haus zu sehen war. Es sollte ein Doppelhaus für zwei Familien werden, mit gepflegtem Garten, alles neu und hochwertig. Somit waren die ungestörten Tage vorbeigewesen. Auch der hübsch hergerichtete Unterschlupf von Bella im Garten hatte dran glauben müssen, doch zum Glück hatte sie ihre Habseligkeiten schon gepackt und derweil irgendwo anders versteckt.

Auf der Suche nach einem neuen Zuhause war sie auch an dem Haus mit Garten vorbeigekommen, in dem die Gartenmonster lebten. Als Bella gesehen hatte, dass es hier noch mehr von ihrer Art gab, war sie überglücklich gewesen, hatte sie doch immer geglaubt, sie wäre das einzige Hundertfüßler-Monster hier. So hatte sie das Haus  immer wieder beobachtet, um seine Bewohner zu studieren und um zu sehen, ob hier Hunde wohnten, denn vor denen hatte Bella große Angst.

Eines Tages, nachdem sie vor dem Regen aus ihrem Unterschlupf im Park geflohen war, hatte sie sich in den Garten geschlichen. Die anderen Monster waren alle in ihren Häusern und Höhlen gesessen, um den starken Schauer abzuwarten. Das Gartenhaus war offen gewesen, darum war Bella hineingelaufen und hatte sich hinter den großen Säcken mit der Gartenerde versteckt. Sie war erschöpft eingeschlafen, während es draußen gegossen hatte wie aus Kübeln. Erst am nächsten Vormittag war sie wieder wach geworden, weil die menschlichen Hausbewohner in dem Schuppen herumgewühlt hatten. Ängstlich hatte sich Bella noch tiefer unter dem Regal versteckt. Als der Mensch wieder gegangen war, war sie auf die Regale geklettert, um nach draußen zu sehen. Durch das Fenster hatte sie das lustige Treiben der Monster beobachtet. Sie war jedoch auf dem Regal geblieben, zu schüchtern, zu unsicher, um endlich nach draußen zu gehen und zu fragen, ob sie hier wohl willkommen wäre. Und irgendwann am Nachmittag, gerade als sie endlich den Mut gefasst hatte, in den Garten zu gehen und die Monster zu fragen, ob sie hier wohnen dürfte, kam Henry hereingestürmt und den Rest, ja, den kannte er ja....

Henry hörte gerührt zu. Bella hatte eine wunderschöne, liebliche Stimme, sie konnte wirklich spannend erzählen. Sie bewegte sich anmutig bei allem, was sie tat und sah Henry dabei immer wieder mit diesen bezaubernden tiefschwarzen Augen an. Mehr und mehr fand er Gefallen an diesem niedlichen Wesen. Sie musste unbedingt hier bleiben. Bella könnte problemlos bei ihm wohnen, er hatte noch viel Platz in seinem kleinen feinen Schlösschen, notfalls würde er sperrigen Plunder, welchen er eh nicht wirklich brauchte, wegbringen. Die anderen Monster hätten ebenfalls bestimmt nichts gegen solch nette Gesellschaft. Henry fühlte sich wirklich oft alleine. Er kam zwar mittlerweile gut mit den anderen Monstern aus, aber die hatten alle einen festen Partner, jemand, den sie liebhaben konnten, jemand, mit dem sie zusammen waren, um immer für einander da zu sein.

In seiner vorigen Heimat war da zwar auch jemand gewesen, ein süßes, freches, kleines Seeungeheuer-Weibchen, mit dem er auch eine Weile zusammen war. Doch die Süße hatte eines Tages den Sohn des Ungeheuers von Loch Ness kennen gelernt und war vom einen auf den anderen Tag plötzlich, ohne sich zu verabschieden, einfach verschwunden. Henry hatte nur über einen Freund davon erfahren und war seitdem untröstlich vor Liebeskummer. Diese verdammten Promis, echt wahr!  Gegen Nessie junior hatte er natürlich keine Chance.

Nach Tagen und Nächten voller Trauer, nahm ihn einer seiner Freunde mit auf eine Reise nach Deutschland. Er sollte sich doch mal ablenken, meinte dieser. Henry musste einfach raus aus seiner gewohnten Umgebung, wo ihn nur immer wieder alles an seine Ex-Freundin erinnerte. Die zwei reisenden Freunde waren auf ihrer Deutschland-Tour auch nach München gekommen. Dort hatte Henrys Kumpel bei einer dieser privaten Internet-Übernachtungs-Börsen einen Platz in eben diesem Garten gefunden. Arno Ast, der damals dringend Kohle brauchte, hatte seine Couch dort für Urlaubsgäste angeboten. So kam Henry zu der Monster-Gemeinschaft und fand es hier so schön und spaßig, dass er nach seiner Rückkehr beschloss, nach München zu ziehen, um dort zu bleiben, zusammen mit diesen witzigen, kreativen Monstern.

Bella war auch alleine und sie schien ihn sympathisch zu finden, also wäre es doch das Beste, aus dieser Situation etwas zu machen, überlegte Henry. Vor allem durfte er keinen Fehler machen, er musste sich Mühe geben, sonst würde nichts daraus werden.

Die Gläser waren leer, es war einige Zeit verstrichen und nachdem sich die beiden ihre Lebensgeschichte erzählt hatten, war plötzlich ein unangenehmes Schweigen eingetreten. Bella rutschte verlegen auf dem Sofa herum und sah sich in der Wohnung um. Da hatte Henry eine Idee. Er wollte Bella so gerne eine Freude machen, sie sorgfältig kennen lernen und sie überzeugen, dass er der Richtige war, dass dieser Platz genau der Richtige war, um hier zusammen zu leben.

"Umm, Bella, hättest du Lust, mit mir einen kleinen Spaziergang zu machen? Ich könnte dir die Gegend zeigen und dich den anderen Monstern vorstellen."
"Oh ja, Henry, das wollte ich auch gerade vorschlagen, euren wunderschönen Garten habe ich schon ein bisschen gesehen, aber ich würde auch gerne die anderen kennenlernen. Zeig mir alles, bitte." bat das niedliche Tausendfüßler-Weibchen und stand auf.

Sie gingen zusammen zur Tür hinaus. Inzwischen war es schon kurz vor sieben Uhr Abends, die Sonne stand bereits tief. Sie warf ihr warmes Licht schräg über den Garten, in dem die bunten Blumen herrliche Farbtupfer im Rasen und auf den Beeten waren. Rot und schwarz leuchteten die Johannisbeeren an den Sträuchern und luden zum genussvollen Naschen ein.

Die anderen Monster waren schon beim Abendessen, nur Arno chillte immer noch in seinem Hängestuhl, aus dem er wohl gar nicht mehr raus wollte. Vom Horrorhaus nebenan rief sein Freund, der Drache Long, schon zum wiederholten Mal, dass das Essen jetzt fertig sei, aber nichts zu machen, Arno lümmelte im Hängestuhl und sang lautstark zu der Musik aus seiner Lautsprecherbox mit. Da sah er plötzlich die beiden Tausendfüssler aus Henrys Schlösschen kommen und plötzlich kam Leben in ihn. Er grinste schelmisch, stieß einen neckischen Pfiff aus, dann schnappte er sein Smartphone, welches mit Bluetooth mit der kleinen Box verbunden war und wischte hektisch darauf herum. Schließlich hatte er wohl gefunden, was er suchte, denn Sekunden später tönte plötzlich folgendes Lied durch den Garten: "Is This Love" von der Band Whitesnake, eine alte, aber total romantische Hard Rock Ballade, die die Stimmung im Garten vollends verzauberte. Henry war davon jedoch gar nicht angetan, er fühlte sich ertappt und peinlich berührt. Zum Glück war sonst keines der anderen Monster in der Nähe, sonst wäre Henry wütend geworden über das Benehmen von Arno. Auch Bella wurde rot, lächelte dann aber und fand die Aktion von Arno süß.

Wer jetzt allerdings sauer wurde, war der Drache Long, der nun schnaubend in den Garten geflogen kam.
"Nein, mein Schatz, das ist keine Liebe, wenn ich dir zigmal rufen muss, du sollst zum Essen kommen und du hörst nicht und dann meckerst du, das alles kalt oder zäh ist, weil das, was ich mach, halt nun mal nur frisch und heiß auf den Tisch kommt!!" fauchte er. Stöhnend erhob sich Arno und schaltete die Musik aus.
"OK Chef, du hast ja recht, ich wollte halt nur nicht aufhören, meinen tollen Stuhl zu feiern, den musst du unbedingt mal probieren, ist schöner als Fliegen, du, echt! Und für unsere zwei Turteltäubchen wollte ich noch so ´n bisschen so romantische Stimmung machen, schau, die sind doch voll süß zusammen, oder?" lächelte er in Richtung von Henry und Bella, welche immer noch verlegen vor Henrys Tür standen. Bald darauf jedoch waren sie wieder alleine, denn Arno lief zum Sturmangriff auf Longs chinesische Tafel hinter dem Drachen her, hinüber zum Horrorhaus.

"Ach, sei nicht sauer, Henry! Deine Freunde sind okay und anscheinend echt witzig." meinte Bella, während sie den missmutig dreinschauenden Tausendfüßler neben sich liebevoll stupste. Dieser fand nach kurzer Zeit auch wieder seine gute Laune und so spazierten die beiden durch den Garten, wo Henry seiner neuen Freundin alles zeigte. Immer wieder sah er dabei zu ihr hinüber oder hinter sich, als sie gingen. Er musste sie immerzu ansehen, sie war einfach so niedlich und hübsch, so elegant und anmutig, genau so wie die zarten Schmetterlinge am Flieder im Garten. Er wollte sie aber nicht zu sehr anstarren und so drehte er schnell immer den Kopf in die andere Richtung, wenn sie wieder zu ihm sah. Jedoch hatte er das Gefühl, dass sie auch immer mal wieder einen neugierigen Blick in seine Richtung warf.

Als sie an dem Beet mit den prachtvoll blühenden, leuchtend roten Rosen vorbei kamen, blieb Bella ganz entzückt stehen.
"Oh wie schön die sind. So schöne rote Rosen hab ich schon lange nicht mehr gesehen, Henry. Weißt du, Rosen sind nämlich meine Lieblingsblumen." Henry wurde wieder ganz verlegen. Seine neue Begleiterin hatte anscheinend viel Stil und auch noch Sinn für Romantik, das wurde ja immer besser. Er musste ihr das irgendwie sagen, er wollte ihr gestehen, was er für sie empfand. Vor Aufregung begann er zu schwitzen, dabei war die Hitze des Tages doch schon lange vorüber. Schließlich fasste er sich ein Herz und gestand ihr:
" Du, Bella, ich möchte dir etwas sagen."
"Ja, Henry, was denn?" lächelte sie ihn liebevoll an, so süß, dass ihm noch heißer wurde.
"Ähhh, also...ich finde, du bist hübscher und lieblicher als alle Rosen hier zusammen. Ja, Bella, das bist du!"
Uff, nun war es raus. Gespannt und aufgeregt wartete Henry auf ihre Reaktion. Schließlich huschte ein freudiges Lächeln über ihren zarten Schnabel während ihre großen schwarzen Augen glücklich aufleuchteten.
"Ohhh Henry, was für ein wunderschönes Kompliment, danke!" lächelte Bella fröhlich, kam näher an Henry heran und drückte ihm einen dicken Kuss auf die roten Backen.
Henry war im siebten Himmel.
Sie mochte ihn.
Sehr.
Jetzt musste er alles tun, damit sie ihn noch mehr mochte und bei ihm bleiben würde. Er kam wieder zu ihr, beugte sich zu ihrem zarten Kopf, hauchte ihr auch einen Kuss auf die Wange und flüsterte zärtlich in ihr Ohr:
"Bella, es freut mich, dass du mich magst. Du darfst auf jeden Fall heute bei mir bleiben, wenn du willst. Denn...weil ich denke...ich glaube, ich habe mich in dich verliebt."
"Das...ach das ist ja so lieb von dir. Danke Henry. Du bist so freundlich und so stilvoll. Ich...ich liebe dich auch." gestand Bella mit roten Backen bevor sie ihre Liebe mit einem langen Kuss besiegelten, unter dem schönsten Rosenbusch des Gartens. Von der anderen Seite des Rasenstückes, welches zwischen den Beeten durchführte, duftete der Lavendel herüber und verbreitete eine romantische Stimmung, passend zu der Szene. Als die beiden sich voneinander lösten, sahen sie sich noch mal lange in die Augen. Dann liefen sie weiter, nebeneinander her.

Plötzlich quietschte Bella begeistert auf. Sie hatte das Longboard von Moritz entdeckt, mit dem das sportliche Monster oft durch die Siedlung kurvte. Er liebte das Board und kam oft weit damit herum. Auch die anderen Monster durften es hin und wieder benutzen, Hauptsache, sie brachten es sauber und unbeschädigt wieder zurück. Nun stand es allein auf dem Rasen.
"Hey Henry, schau mal, ein Longboard! Ich liebe Longboard fahren. Du auch? Wem gehört das? Dürfen wir eine Runde damit fahren?" Bella war ganz außer sich vor Freude. Henry erklärte ihr, wem es gehörte und dass sie es gerne ebenfalls benutzen durfte. Eine gemeinsame kurze Fahrt in den Sonnenuntergang hinein, das wäre doch auch was feines, dachte er. Schön, dass Bella auch sportlich zu sein schien. Vielleicht würde sie mit ihm auch mal Kricket spielen, oder Golf. So rollten die beiden das Brett raus auf den Weg. Bella stieg auf, Henry schubste sie an und sprang dann ebenfalls auf. So fuhren sie einmal um den Block, wo die letzten Sonnenstrahlen gerade hinter den Häusern verschwanden und im Osten schon der volle Mond zu sehen war. Bella kreischte vergnügt auf und Henry war einfach nur glücklich. Dieses Erlebnis machte den Tag perfekt, diese Begegnung mit ihr lies ihn alles andere vergessen, auch seinen kaputten Holzboden und die zerbrochene teure Kanne. Es gab eben auch Scherben, die wirklich Glück brachten. Henry hoffte, dieses Glück würde für immer halten. So lange er lebte.

- ENDE     -


Ja, das wars. Schön, gell? Wenn es euch gefallen hat, dann freu ich mich wie immer über ein paar liebe Worte.
Bis zum nächsten Mal, ciao.











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