Shan’Dur {04} Gedanken eines Ritters

GeschichteFantasy, Schmerz/Trost / P16
OC (Own Character)
18.12.2016
16.04.2017
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Es war ein kalter Morgen im Herbst. Der Winter schien dieses Jahr sehr früh vor dem Tor zu stehen und anzuklopfen, aber das war nicht das einzige was dieser Tage nicht stimmte. Da Nacht war genauso finster wie die Stimmung die auf den Herzen der Menschen lag.  
Als die ersten Fanfaren ertönten um die Männer des Herzogs zu wecken war ich schon lange wach, die Nacht hatte ich nicht schlafen können. Während die ersten Ritter und Soldaten aus den Zelten und versuchten die Kälte aus ihren Knochen zu vertreiben war ich bereits angerüstet. Nachdem ich mir mein Schwert, ein altes Familienerbstück mit einem wunderbar gearbeiteten silbernen Knauf in Form eines Löwenkopfes, umgegürtet hatte nahm ich meinen schweren schwarzen Wollumhang und legte ihn mir um die Schultern. Er würde vielleicht ein wenig vor dem Wind und der Kälte schützen, doch mein dunkel brünierter Feldharnisch war nicht gerade das passendste Kleidungsstück für solch kühle Tage denn das dunkle Metall zog die Kälte förmlich an. Mein Knappe Helmbrecht war nicht gerade begeistert gewesen als ich ihn in der Frühe weckte damit er mir beim Anrüsten helfe. Ich bin mir noch nicht einmal sicher ob er überhaupt wach geworden war, doch mein Harnisch saß nun fehlerfrei, und Helmbrecht hatte sich wortlos wieder unter die Decken und Felle seiner Schlafstätte in der Ecke meines Zeltes verkrochen. Von meinem Mietkriegsknecht Erryn jedoch fehlte jede Spur, seine Schlafstätte war leer. Wahrscheinlich war er bei den Marketenderinnen und Waschweibern des Trosses untergekommen, trotzdem war er ein guter Kerl und verrichtete die ihm aufgetragenen Dienste mit großer Sorgfalt und ohne Murren. Ich spürte das Gewicht meiner Rüstung, meine Glieder waren noch steif von der Nacht. Es war dieser Tage jedoch nötig sich zu rüsten, des es herrschte Krieg, und der Feind konnte jederzeit und überall zuschlagen. Eine unbekannte dunkle Macht war es die uns angegriffen hatte, plündernd und mordend fiel in unsere Ländereien ein, verbreitet Angst und Schrecken, vorallem aber den Tod. Deshalb ließ unser Herzog den Heerruf erschallen, und ich als Ritter und Vasall seines Grafen war ihm gefolgt. Es fiel mir leicht aufzubrechen und in den Krieg zu ziehen, denn ich ließ nichts zurück. Niemand wartete auf mich, es gab niemanden der mir oder dem ich am Herzen lag. So würde bei meiner Rückkehr auch niemand da sein der mich in die Arme nehmen und küssen würde, niemand der meine Wunden pflegen würde, und wenn ich nicht zurückkehrte sondern auf dem Schlachtfeld verliebe um mich trauerte. Als Ritter blieb mir nur der Kampf, doch Poesie und Romantik waren dieser Tage auch fehl am Platze da Krieg herrschte. Mein Platz war vorn im Heer des Herzogs von Valoret und des Grafen von Liorenel. Ich kämpfte oft in der ersten Schlachtreihe, den Tod fürchtete ich nicht, und war dem Grimmigen Schnitter schon oft begegnet, wovon zahlreiche Narben auf meinem Körper erzählen konnten. Doch wenn man auf niemanden Rücksicht nehmen muss fällt es einem leicht sein Leben in der Schlacht zu riskieren und heldenhaft an vorderster Front zu kämpfen. Was hatte man schon zu verlieren? Und wenigstens würde man so vielleicht in der Erinnerung derer bleiben für die man kämpfte und nicht vollkommen vergessen werden. Oder eines fernen Tages einsam und verlassen in seinem Bett an Krankheiten oder Altersschwäche zu sterben. Vielleicht war mein Herz über all die einsamen Jahre verkümmert oder so kalt geworden wie dieser Morgen, ich vermag es nicht zu sagen.
Was hatte ich schon alles erlebt, hatte gegen die abscheulichsten Ungeheuer, böse schwarze Ritter und selbst grausame Drachen gekämpft, war gegen Orks, Oger und sogar Riesen ins Feld gezogen, hatte die schwierigsten Aufgaben gemeistert und die verhängnisvollsten Rätsel gelöst. Doch für was war ich ein Held geworden, wenn es niemanden gab dem dieses alles, und vorallem dem ich etwas bedeutete. Es gab so gut wie nichts was ich nicht schon versucht hätte, doch meine wahre Liebe hatte ich nicht finden können. Doch nun war wieder eine dieser ungemütlichen, schlaflosen Nächte zu Ende, und ein neuer Tag brach an der Ungewisses verheißen wird.
Ich schob meine düsteren Gedanken beiseite und nahm meinen dunkel brünierten Schaller vom dem Rüstständer bevor ich das Zelt verließ und ins Freie trat. Die ersten Sonnenstrahlen huschten über den Horizont und brachen sich in dem feinen Bodennebel welcher die mir Raureif überzogene Wiese bedeckte auf welcher das Heer lagerte. Derweil erwachte langsam das Heerlager des Herzogs, überall versammelten sich die Männer um die wenigen Lagerfeuer die noch brannten, nahmen ihre Holzbecher und warteten auf etwas Warmes, rieben sich die Hände und traten mit einem Bein auf das andere um die Käte zu vertreiben. Man konnte ihren Atem in der Morgenluft sehen. Ich schaute mich um, mein getreues Schlachtroß, ein großer feuriger Piercheron-Rappe, stand neben meine Zelt. Ich hatte warme Decken über ihn gelegt, damit der die Nacht nicht so fröre. Als ich zu ihm ging hob der Kopf und trabte mir entgegen, und man könnte spüren wie sehr auch im die Kälte in den Knochen steckte. Während ich ihm die großen Kopf streichelte dachte ich darüber nach was einem dieser Tag wohl bringen würde, es lag eine große Spannung in der Luft den wir wussten das der Feind nicht weit war. Ich hatte mich anderen tapferen Ritter freiwillig dazu gemeldet einen der Spähtrupps anzuführen. Mein Schlachtroß schnaubte. Ich ging zu der Proviantkiste neben meinem Zelt und holte etwas Hafer und eine Apfel heraus. Den Apfel gab ich dem Roß sofort, und tat etwas Hafer in seinen Trog, was meine Großen veranlasste zufrieden zu schnauben. Ich klopfte ihn auf die Seite, dann machte ich mich zum dem Zelt der Hauptleute des Grafen von Liorenel auf um mein Morgenmahl einzunehmen und die Tagesbefehle zu empfangen.
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