Mittelerde-Adventskalender 2016 - Tag 18 - "Fest der Hobbits"

KurzgeschichteHumor, Familie / P6
Frodo Meriadoc / Merry Brandybock Peregrin / Pippin Tuk Samweis / Sam Gamdschie
18.12.2016
18.12.2016
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Fest der Hobbits




Disclaimer: Mir gehören keine Figuren, ich verdiene damit kein Geld! Ich will euch nur erfreuen und es ist ein Beitrag zum Mittelerde-Adventskalender 2016

Ort: Hobbingen, mitten im Dorf
Zeit: Ein paar Tage nach „Eisblumen“ – also post-HdR


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„Wohin mit all dem Kram?“ – oder „Essen wir das wirklich alles auf?“



Meriadoc stöhnte und ächzte, als er zusammen mit Peregrin eine schwere Bank aus feinstem, abgeschliffenem Bocklandholz aus seinem Smial trug, um dann durch den tiefen Schnee zu waten und die Festwiese unterhalb von Beutelsend anzusteuern. Noch immer fragte er sich, wie die vier Freunde auf diese Idee gekommen waren. Ob doch das Übermaß an Bier, getrunken aus den menschlichen Humpen, daran Schuld trug, dass er nun bis zur Hose im Schnee versank, während es auch Pipp kaum besser erging? Anders war es kaum zu begreifen.
Der Alkohol musste es gewesen sein. Denn nach dem übermäßigen Genuss des Gebräus aus Gerste, Malz und Hopfen hatte Sam ihm sein Leid geklagt, darüber, wie schlimm er doch bei der Suche nach irgendeinem Gestrüpp für Rosie versagt hatte. Merry hatte gelacht, denn er selbst wusste nichts mit derlei Herzensangelegenheiten anzufangen. Der, den er gewollt hatte, war zu groß, um als Hobbit oder Zwerg durchzugehen und nun mit seiner Herrin glücklich.
Dennoch bedauerte er das Gesicht, welches Sam gezogen hatte und sprach mit schwerer Zunge aus, dass sie doch in diesem Jahre einmal ein großes Winterfest begehen konnten, um derer zu gedenken, die den Festbaum hatten fallen sehen, oder wie er selbst gefallen waren. Es sollte dennoch auch gleichzeitig ein Fest werden, an dem man fröhlich unter freiem Himmel schmauste und sich gegenseitig mit Liedern unterhielt. Sofort stimmten alle begeistert zu.

Doch dass man dafür in den Wintermonaten hinaus in den Schnee musste und dort Tische und Stühle zusammentragen, daran hatte keiner der Halblinge gedacht, als sie frohen Mutes in ihren Heimen ankamen und den Familien davon berichteten. Viel zu sehr waren sie damit beschäftigt, auch die Verwandtschaft, die in anderen Dörfern des Auenlandes lebte, einzuladen und sie doch zu bitten, dass sie an jenem Tage etwas Schmackhaftes bei sich führen würden. Bevorzugt wären dabei Töften, Braten und Kuchen. Doch auch Brot, Wein, Gemüse oder Obst, feine Pasteten, Brötchen und Brot oder Backwerk jeglicher Art waren gern gesehen, so zumindest schrieb man es der lang nicht gesehenen Sippe und hoffte, sie möge dem Treiben absagen, doch als Entschuldigung etwas Leckeres hinterher schicken.
Man selbst, so schrieben es Merry und Pippin, würde für Wein, Bier und Sitzgelegenheiten sorgen. Auch Felle lagen nun bereit, um die kalten Glieder zu wärmen, wenn man sich doch den ganzen Weg durch die weiße Winterwelt gewagt hatte und mitten in der Nacht bräuchte nicht einer zu gehen, denn Betten wurden bereitgestellt. Wen wunderte es also, dass sogar der alte Ohm begeistert zustimmte und sich schon drei Tage früher auf den Weg begab, um auch ja rechtzeitig anzukommen.

„Wieso noch eins konnten wir nicht einfach still sein?“, fragte Sam Pippin, als der neben ihm vorbei lief, ein Fass Bier vor sich her rollend.
„Weil du unbedingt von deinem Misserfolg berichten musstest“, zischte der Dunkelhaarige.
„Wer konnte schon ahnen, dass jetzt die komplette Ahnenreihe bei uns Einzug hält?“, grummelte der Gärtner in den nicht vorhandenen Bart und schleppte die Felle aus seinem Smial hin zu einer der Bänke, um sie darauf zu verteilen.
Frodo hatte derweil ganz andere Sorgen, denn er wurde unter Bergen an Essen begraben, von denen er weder wusste, wohin er sie geben sollte, noch, ob sie in der Lage waren, das alles wirklich aufzuessen und wer auch nur entfernt etwas von der Menge verstand, die Hobbits vertilgen konnten, der ahnte, wie groß der Berg sein musste, damit man sich ernsthaft fragte, ob es zu viel war. Doch Frodo tat es, mit jedem Stück Gebäck, jeder Kartoffel die heran getragen wurde, mehr und mehr. Einzig, dass sein Freund Gandalf heute kurz vorbei geschneit war, einen wärmenden Zauber sprach und dann weiter zog, ließ ihn ein wenig aufatmen, denn so blieben die Speisen warm.
„Das kann etwas werden“, meinte er leise zu sich selbst und steckte seine neun Finger in die Hosentaschen rechts und links an seiner Seite, damit sie nicht abfroren, wenn er den Weg zu seinem Heim bewerkstelligte, um sich dort einen wärmeren Mantel zu besorgen.
„Was meinst du, Herr Frodo?“, fragte Sam und blickte leicht verwirrt von seinem ersten Becher Wein auf.
Das Elend war anscheinend nur im Suff zu ertragen.
„Nichts, mein Freund. Es ist alles gut. Aber lass' mir doch bitte etwas gegorenen Traubensaft übrig, damit ich nicht schreiend vor den Schlaffburgers aus Straffbüttel davon rennen muss. Sie sind sicher gleich hier und dann muss ich sie beschäftigen, oder das Fest ist vorbei, bevor es begonnen hat.“

Es war zu vorangegangener Stunde, als nun endlich wohl auch die letzten Hobbits aus den entlegensten Winkeln des Auenlandes eintrafen und ihre Speisen auf den vorbereiteten Tischen ablegten. Wieder sah Merry voller Argwohn, wie sich das Holz immer mehr darunter bog.
„Wollen wir das alles wirklich essen?“, fragte Pipp in diesem Augenblick neben ihm, legte seine Hand auf den prall gefüllten Bauch und tätschelte ihn ein wenig. „Ich hatte genug, um bis übermorgen satt zu sein.“
„Dann hast du wahrlich viel zu dir genommen“, lachte Merry, der solche Worte noch nie aus Peregrin Tuks Mund gehört hatte. „Mit schwant viel mehr, dass sich das Essen bald zum Schnee zu unseren Füßen gesellt, wenn wir nicht noch ein paar Stützen besorgen.“
„Stützen? Ich kann keinen Meter mehr gehen – oh, Bier!“, tippelte Pippin davon.
„Was habt Ihr, werter Herr Meriadoc?“, fragte es hell neben ihm.
Als er seinen Blick hob, sah er, wie sich Goldlöckchen Stolzfußens an ihn heran schlich, eine ihrer goldenen Locken kokett um den Finger wickelnd.
„N… nichts von Belang“, erwiderte er hektisch, drehte sich um und rannte davon, nur um im Schnee auszurutschen und dann den Hang ein wenig hinab zu schlittern, bis er mit weißem Pulver in den Haaren auf der Mitte des Festplatzes zur Ruhe kam.
Als er endlich wieder stand und sich das kalte Zeug vom Kopf schüttelte und aus der Kleidung klopfte, bemerkte er, dass es mucksmäuschenstill geworden war. Verwundert drehte Merry sich einmal im Kreis, bis er es erkannte. Alle starrten auf ihn. Sichtlich unangenehm davon berührt, fuchtelte er wild mit seinen Armen in die Richtung, in der einige Männer mit Bratschen, Gitarren, Flöten und Pfeifen saßen, dem Bier und Wein sichtlich angetan. So bemerkten sie erst, dass ihr Einsatz wohl gefragt sei, als Merry selbst begann, ein Lied zu singen.


Wenn wir heut' hier zusammen sitzen,
kommt keiner gar zu sehr ins Schwitzen.
Wir wollen alle fröhlich sein,
bei Bier, Tanz, Gesang und Wein.



Es war ein hanebüchener Reim, den er dort aus vollem Halse sang, doch musste man Merry zu Gute halten, dass er weder davor, noch jemals wieder, aus dem Stehgreif ein Liedchen erfinden musste, um von sich selbst abzulenken. Dennoch zeigte es die gewünschte Wirkung, denn es stimmte eine rege Schar an gut Alkohol geschwängerten Fahnen in die Liedzeilen ein und wiederholte sie so lang, schief und laut, bis die Musik sich genötigt sah, sie zu übertönen. Nun aber wurde das Volk nicht mehr auf den Bänken gehalten, denn es wollte sich die tauben Füße warm tanzen.
Als wäre es mitten im Thrimidge*, wurde nun um die Tanne getanzt, die man an der Stelle aufgestellt hatte, an der einst der Festbaum wuchs. Schön geschmückt war sie, mit Girlanden, Süßigkeiten und kleinen Kuchen. Überall im Geäst blinkten kleine Kristalle und Kerzen spendeten ein wohliges Licht. Einfach herrlich fanden es Frodo, Sam, Merry und Pipp, den anderen Halblingen dabei zuzusehen, wie sie tanzend und kreisend um den Baum herum sprangen. Eine junge Dame sprang Merry dabei besonders ins Auge, doch traute er sich, Sam gleich, nicht, sich ihr zu nähern, bis Peregrin ihm einen Schubs gab, in die richtige Richtung, wie er hoffte, hin zu Estella. Der Jüngere selbst aber drehte sich, gerade rechtzeitig, um zu sehen, wie Rosie mit Elanor am Gabentisch stand und versuchte, zu ergründen, was sie wohl noch nehmen sollte, um sich den Magen zu füllen.

Während Rosie versuchte, sich etwas der Pastete auf einen Teller zu tun, tatschte Elanor vergnügt auf den Tisch und stemmte sich ab, im Versuch, einen Apfel zu erhaschen. Es war dieser Moment, der das Fass zum Überlaufen brachte, oder eher den Tisch zum Bersten, denn das Gewicht des Säuglings reichte aus, dass das feine Holz ächzte und knirschte, schließlich vollends nachgab und entzwei brach.
Mit einem Schrei sprang die Hobbitdame geradewegs ins Sams Arme hinein, der ebenso erschrocken schaute, wie seine Frau, als auch schon der erste Kuchen an ihm vorbei rollte, gefolgt von einem fetten, runden Braten, Nüssen, Birnen und Äpfeln. In einem wilden Durcheinander kullerten die Speisen auf die Mitte der Festwiese zu, geradewegs hinein in die Tänzer, die nun in einem wilden Rufen und Lachen den Speisen auswichen, etwas vom Boden fischten und genüsslich aßen, was ihnen vor die Füße kam.
„Aber … das Fest! Es ist ganz ruiniert“, meinte Samweis nun traurig darüber, dass all das schöne Essen nun verdorben war.
„Das ist nicht wahr, Herr Gamdschie“, kaute ihm der Gutsherr des Brandyguts aus Bockland gerade vor. „Ich fragte mich schon, wohin ihr noch mit all dem Essen wolltet. So aber haben wir alle ein weiteres Abendmahl, von dem wir zehren können. Gelobt sei dieser Festtag bis in alle Zeiten! Jedes Jahr wollen wir ihn nun erneut zelebrieren, hier an diesem Platz und zu jener Stund'! Wir alle wollen es das Fest der Hobbits nennen, auf das ein jeder von uns mit den anderen zusammen käme und ordentlich feiere!“
„Hört, Hört!“, rief es nun im Chor und zur allgemeinen Zufriedenheit, bevor eine Woge aus Applaus aufbrandete und man sich einig war, dass dieses Fest es wert war, ein jedes Jahr erneut begangen zu werden! Oh, wie schön es doch Zuhause war, wenn man die ganze Familie bei sich hatte….


Und wenn sie nicht gestorben sind, dann essen sie noch heute!


***** Ende *****



* Mai
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