Fick dich.

von - Finn -
GeschichteDrama / P16 Slash
Ian Gallagher Mickey Milkovich
17.12.2016
18.01.2017
6
7651
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(So viel Spaß beim Lesen :)
btw: weiß jemand, wie ich die Kapitel vernünftig benenne? Da ich nen Epilog habe... sind die mehr oder weniger verkehrt nummeriert? ^^"
LG Finn)


Der uralte rote Van, der in der Einfahrt der Gallaghers stand, sprang schon seit Jahren nicht mehr an. Der einzige Grund, warum die Schrottkarre noch auf dem Grundstück parkte, war, dass sie keinen einzigen Meter mehr weit kommen würde und man sie kostenpflichtig hätte abschleppen und verschrotten müssen.
Und wer hatte schon Geld für so etwas übrig, wenn man schon kein Geld für die Reparatur oder einen neuen fahrbaren Untersatz hatte?
An sich war das aber nicht weiter tragisch, denn nahezu alles war zu Fuß oder mit der Hochbahn erreichbar und die Kids konnten problemlos den Schulbus nehmen.

Bis Ian an diesem Morgen zu Highscool musste, blieb ihm jedoch noch reichlich Zeit.
Er war schon vor seinen Brüdern Phillip und Carl, mit denen er sich ein Zimmer teilen musste, wach gewesen und bereits vor einer halben Stunde aus dem Haus verschwunden.

Und das war der zweite Grund, warum der alte Van noch an Ort und Stelle stand.
Wenn drinnen einmal dicke Luft herrschte und man seine Ruhe haben wollte, bot sich hier eine 1A Möglichkeit dem Trubel der siebenköpfigen Familie aus dem Weg zu gehen.

Mit Musik in den Ohren starrte der Junge aus der Windschutzscheibe und beobachtete einen streunenden Hund, der an ihrem Gartenzaun sein Bein hob, dagegen pisste und anschließend den Bürgersteig entlang davon trottete.

Allmählich kündigte sich der nahende Winter an und er zog den Reisverschluss seiner Jacke höher, blies den Rauch seiner Zigarette, die er zwischen zwei Fingern hielt, in die kalte Morgenluft, das Fenster des Vans einen Spalt breit geöffnet.

Als die Beifahrertür plötzlich auf ging, fuhr er erschrocken zusammen, aus seinen Gedanken gerissen und starrte Lip an, der neben ihn auf den Sitz rutschte und die alte Autotür geräuschvoll zu zog.

Lip, so wurde sein zwei Jahre älterer Bruder eigentlich nur genannt, der mit richtigem Namen Phillip hieß.
Er hatte blaue Augen und dunkelblondes Haar, dass ihm leicht kraus und derzeit völlig zerzaust vom Kopf abstand.

Ians Laune verschlechterte sich schlagartig, als er sah, was sein Bruder in der Hand hielt.
Dieses scheiß Magazin, dass ihm den ganzen Ärger eingebrockt hatte und wegen dem er in den letzten Nächten kein Auge mehr zu bekommen hatte.
„Willst du jetzt schon wieder damit anfangen?“, fragte er gereizt und stopfte seine Kopfhörer in die Jackentasche.

Lip starrte das Pornoheft an, dass er in den Händen hielt.
„Das kann doch nicht gut für dich sein.“
Ian starrte aus dem Fenster nach draußen.
Lip blätterte in der Zeitschrift, die Ian als Tarnung genutzt hatte und zwischen deren Seiten er Bilder nackter Männer versteckt hatte.
„Oder das hier... Gefällt dir das?“
Als er keine Antwort erhielt, klaute er seinem Bruder die Kippe aus der Hand und zog selbst daran.
Er hob fragend eine Augenbraue und sah Ian an, dem allmählich der Kragen platzte.
Er riss dem Älteren das Heft aus der Hand und pfefferte es auf die Rücksitzbank.

„Es ist nicht mehr witzig, okay?!“
Er verschränkte die Arme vor der Brust und konnte seinen Bruder nicht länger ansehen.
Dieses Mädchen von ihrer Schule, Karen... Lip hatte sie ihm klar gemacht. Das war seine Reaktion darauf gewesen, als Ians Geheimnis plötzlich platzte wie eine Seifenblase. Weil er dieses blöde Heft hinter seinem Schrank gefunden hatte.
Karan hatte versucht ihm einen zu blasen und er hatte nicht mal einen hoch bekommen.

Eine Weile lang saßen sie beide schweigend im Van.
Dann sah der Siebzehnjährige den Rotschopf an.
„Verrate mir eins.“, sagte er.

„Wann habe ich dich jemals endtäuscht?
Seit wann erzählst du mir nichts mehr?“

Hin und her gerissen spielte Ian mit seinem Feuerzeug herum. Er wünschte, er könnte sich eine neue Kippe anstecken, aber es war die letzte aus seiner Packung gewesen.
„Jetzt weißt du’s ja.“, meinte er leise.

Phillip blickte nachdenklich aus der Windschutzscheibe, ohne etwas Bestimmtes dabei anzusehen. Blies den Rauch aus seinen Lungen und drückte die Kippe aus.

„So richtig schwul, ja?“

Er zog eine neue Packung Zigaretten aus der Jackentasche, zündete sich eine der Fluppen an.
Zog daran, dann gab er sie Ian.

„Ja.“

„Aber mal im Ernst. Heißt das... Schubs in den Arsch? Hast du dich echt daran gewöhnt? Kann man sich daran überhaupt gewöhnen?“
Er warf seinem Bruder einen Blick zu, auf der einen Seite zwar verständnislos, auf der anderen jedoch umspielte ein Schmunzeln seine Lippen und Ian sah, dass Lip ihn nicht verurteilte, vielleicht sogar versuchte ihn zu verstehen.

Er beobachtete den Rauch, der ihm einen Augenblick lang die Sicht vernebelte, eher er sich auflöste und verschwand.
Dann lachte er auf einmal und erntete einen fragenden Blick darauf.
„Ist es so seltsam, weil der Verdauungsapparat eigentlich nur eine Einbahnstraße ist? Und sonst nichts?
So wie unsere Lungen einzig und allein dafür da sind, dass wir sie mit Rauch voll pumpen?“

Er sah seinen Bruder an, grinste.
Und auch Phillip fing an zu lachen.

Nach der Schule ging Ian nicht direkt nach Hause.
Er blieb auch nicht in der Stadt, um mit Freunden abzuhängen oder heimlich hinterm Sportplatz zu kiffen.
Die Eingangstür gab ein Klingeln von sich, als jemand den Laden betrat.
Das Geschäft in dem Ian nachmittags jobbte, war ein kleiner Familienbetrieb. Die Eigentümer, Kash und Linda, eine junge muslimische Familie, wohnten direkt über dem Supermarkt, in dem man quasi rund um die Uhr alles mögliche bekommen konnte, von Lebensmitteln bis Zigaretten.

Der Junge, der herein gekommen war, trug eine alte, viel zu große Jacke, die definitiv schon mal bessere Tage gesehen hatte und schwarzes, zerzaustes Haar, dessen Pony er hoch gegelt hatte.
Der Kühlschrank im hinteren Teil des Ladens wurde geöffnet und wieder zu geschlagen.
Ian kannte ihn vom Sehen aus der Schule. Er war eine Klasse über ihm.
Und obwohl sie im Prinzip sogar beinahe Nachbarn waren, hatte er nichts mit ihm zu tun.

Kash stand neben Ian hinter’m Tresen und rechnete die Kasse ab. Misstrauisch blickte er immer wieder auf und verfolgte, wie der Sechzehnjährige Energydrinks, Cornflakes und Chips auf seinen Armen stapelte.
Als er alles beisammen hatte, klatschte er seinen Einkauf vor den Beiden auf den Tisch.

Er schaute auf und als er Ian ins Gesicht sah, funkelten ihn zwei freche, blaue Augen direkt an.
Und er wusste nicht, womit er weniger gerechnet hatte. Der klaren, hellen Farbe oder der Art, wie sie ihn ansahen.

Ian wollte die Sachen eintippen, doch Kash war noch nicht fertig und hatte keine neue Kasse angemeldet.

Etwas unsicher blickte Ian zu seinem Chef, der keine Anstalten machte, die Lebensmittel abzukassieren, während der Junge sich einen Karton mitten vom Tresen griff, ihn kurzerhand umdrehte und den Inhalt einfach auskippte.
Dann räumte er mit aller Selbstverständlichkeit seine Sachen hinein, schmiss noch eine Packung Kaugummis dazu, überlegte kurz, schien alles zu haben was er brauchte und ging.

„Ach Kash?“
Er drehte sich noch einmal um.
„Ihr habt keine Barbecue Pringles mehr!“

Die Tür bimmelte erneut, fiel hinter ihm zu und der Junge verschwand.
Und mit ihm ein Paar hellblaue Augen und sein unbezahlter Einkauf.

Irritiert starrte Ian Kash an.
„Was war das jetzt?“
Er bekam nicht direkt eine Antwort und harkte nach.
„Hat er das gerade geklaut?“, fragte  er ungläubig. „Willst du ihm das einfach so durchgehen lassen?“

Kash schloss die Kasse mit neuem Wechselgeld und fuhr sich durchs Haar.
„Was hätte ich denn sagen sollen?“, gab er müde zurück, so als sei er es leid jedem Teeny hinterher zu rennen, der hier Süßkram mitgehen ließ.
So als sei er es gewohnt und seine Chancen etwas dagegen zu unternehmen die Mühe einfach nicht wert.

„Du könntest ihm drohen die Polizei zu rufen.“, warf Ian ein.
„Macht der das öfters?“

Kash Verzog das Gesicht und wollte eigentlich nicht mit dem Jungen darüber diskutieren. Aber er mochte Ian und wusste, dass dieser nicht einfach so ohne eine Antwort locker lassen würde.
„Das hab ich ein mal mit seinem Vater versucht.“, gab er deshalb ehrlich zu.
„Ein mal. Danach hatte ich ’ne gebrochene Nase und ’ne leichte Gehirnerschütterung.“

Auf die zweite Frage ging er bewusst nicht ein.

Das erneute Klingeln der Eingangstür riss die beiden aus ihrer Unterhaltung und erneut lief der schwarzhaarige Jugendliche einmal quer durch den Laden, griff sich etwas aus dem Kühlregal und ging schnurstracks wieder hinaus.
„Hab den Dipp vergessen!“, rief er über die Schulter, ohne sich umzusehen.

Einen Augenblick herrschte Stille.
Bis Ian mit der Faust auf den Tresen schlug und aufstand.
„Jetzt reicht’s.“, meinte er und ging auf die Ladentür zu.
Kash wollte etwas sagen, aber der Rotschopf war bereits nach draußen verschwunden und so fluchte er nur leise und folgte ihm.

„Hey! Mickey!“

Der Angesprochene blieb stehen und drehte sich um.

„Geh wo anders klauen verdammt! Findest du es okay deine eigenen Nachbarn zu bescheißen?“

Blaue Augen blitzten ihm provokant entgegen.
Im nächsten Moment flog der Kräuterquark auf Ian zu, der gerade noch ausweichen konnte, um die Packung nicht an den Kopf zu kriegen, die in der nächsten Sekunde neben ihm an die Hauswand klatschte, dabei natürlich kaputt ging und überall hin spritzte.

Mickey drehte sich um und ging nach Hause.
„Wenn du irgendein Problem hast, du weißt wo ich wohne!“