Fick dich.

von - Finn -
GeschichteDrama / P16 Slash
Ian Gallagher Mickey Milkovich
17.12.2016
18.01.2017
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- 8 Jahre zuvor -

Herbst 2011, Chicago, Southside.
Southside bedeutet, dass man nicht hier her gezogen ist, weil man vielleicht schon immer davon geträumt hat, in der drittgrößten Stadt der USA zu leben.
Vielleicht weil man sich dort berufliche Chancen erhoffte oder gerne am schönen Michigansee wohnen wollte.
Nein, Southside bedeutet nicht, dass man irgendeine besondere Vorliebe für Illinoi hat, sondern vielmehr, dass man schon immer von hier kam. Dass man in Chicago geboren wurde und hier vermutlich auch irgendwann sterben würde.
Zumindest galt das für Familien wie die Gallaghers. Und was Franic Gallagher anging, dachte Ian, während er auf der alten abgewetzten Couch im Wohnzimmer saß und seinen schnarchenden, auf dem Fußboden liegenden Vater geistesabwesend mit Papierkügelchen bewarf, würde Letzteres vermutlich eher früher als später eintreffen.

Ian war fünfzehn Jahre alt, hatte rotes Haar und Sommersprossen im Gesicht, was er seinen irischen Wurzeln zu verdanken hatte.

Fancis, oder kurz Frank, hatte knapp schulterlanges straßenköterfarbenes Haar und Dreck im Gesicht, was er seinem Alkoholpegel zu verdanken hatte.
Außerdem roch er auch in etwa wie ein Straßenköter, dachte Ian, rupfte ein weiteres Stück Toilettenpapier von einer Rolle ab, drehte es zwischen den Fingern zu einem Kügelchen und warf es seinem Vater zielsicher in den leicht offen stehenden, schnarchenden Mund.
Dieser registrierte es nicht einmal.

Ian sah auf, als die alten Treppenstufen leicht knarrten, da jemand ins Wohnzimmer hinunter kam.
Die junge Frau, Anfang 20, schlank, hübsch, mit langem braunem Haar, trug ein altes Top und Shorts zum Schlafen.
Eine Weile lang sah sie ihren jüngeren Bruder nachdenklich an. Dann seufzte sie, ging zu ihm, setzte sich auf die Couch und betrachtete ihrerseits ihren Vater.
Mehrere dutzend kleiner Papierkügelchen dekorierten seinen Kopf und den Fußboden drum herum.

Ian schwieg und Fiona wusste, dass ihn schon seit Tagen etwas mehr als bedrückte.
Ein Blick zur Wanduhr verriet ihr, dass es bereits weit nach Mitternacht war und sie die Kids schon vor Stunden ins Bett geschickt hatte.
Die Kids, dass waren der 17 jährige Phillip, Ian, seine kleineren Geschwister Debbie und Carl, sowie der jüngste Gallagher Sprößling – Liam.
Der Zweijährige schlug als Einziger optisch ein klein wenig aus dem Rahmen, mit seiner schokoladenfarbenen Haut und dem dunklen, krausen Haar.
Und vielleicht, nur ganz vielleicht, sah er auch dem früheren Arbeitskollegen seiner Mutter ein klein wenig ähnlicher als Frank.

„Sag mir bitte, dass du kein Mädchen geschwängert hast.“
Fiona nahm ihrem Bruder, für den sie schon vor Jahren viel mehr die Rolle einer Mutterfigur übernommen hatte, das Toilettenpapier aus der Hand und drehte es nachdenklich hin und her.
Neben ihr auf der Couch stapelten sich drei Packungen weiterer Rollen, die sie von ihrer Arbeit, einem Nebenjob als Putze in einem Motel, hatte mitgehen lassen.
Zu ihrer Erleichterung lachte der Junge kurz leise auf und verneinte.

„Keine Angst.“, sagte er und dachte im Stillen, dass das wahrscheinlich die einzige Sorge war, die Fiona sich nicht zu machen brauchte.
Nicht, dass er noch nie ein Mädchen nackt gesehen hätte. Genau genommen war dies sogar erst vor kurzem der Fall gewesen.
Nur dass es verdammt unwahrscheinlich war, dass irgendjemand dabei schwanger wurde, wenn man versuchte mit einem Seil Billard zu spielen. So hatte sie es zumindest formuliert.
Und Ian war das Ganze mehr als peinlich gewesen.

Aber das alles war nichts, worüber man mit seiner großen Schwester reden wollte und zum Glück drängte Fiona ihn nicht zu einer Erklärung. Er hätte so wie so nur geantwortet, dass er Stress mit seinem Bruder Phillip hatte.
Stattdessen wechselte sie das Thema – nicht weil sie nicht interessiert genug wäre, sondern weil sie beide wussten, dass sie da war und Ian jederzeit zu ihr kommen konnte, wenn er denn wollte.

„Hast du das Geld für den Klassenausflug am Freitag zusammen?“
Der Rotschopf schüttelte langsam den Kopf, fügte aber im nächsten Moment hinzu:
„Mir fehlen noch 8$, aber ich bekomme noch das Wochengehalt von Kash, dann kann ich es selbst zahlen.“

Die Tatsache, dass die wenigsten Fünfzehnjährigen ihr Taschengeld freiwillig für die Schule ausgeben wollten, versetzte Fiona einen Stich ins Herz. Ebenso wenig, wie er etwas zum Mittagessen beisteuern sollte, dachte sie. Oder die zehnjährige Debbie...

Ihr Blick verfinsterte sich für einen Moment, als sie ihren nichtsnutzigen Vater betrachtete, der nach wie vor regungslos neben dem Couchtisch lag.

Dann stand sie mit einem verschmitzten Lächeln auf, kniete sich neben Frank auf den Fußboden und hob kurzentschlossen eines seiner Beine an, schüttelte daran.

„Das musst du nicht.“
Mit leisem Klimpern fielen einige Münzen aus Franks Hosentasche und Fiona sammelte das Kleingeld auf, zählte ganze 14$.
„Da!“
Mit einem Grinsen steckte sie ihrem Bruder als Geld zu, stand auf und zauste ihm im Vorbeigehen liebevoll durchs Haar.
„Und jetzt ab ins Bett mit dir.“

02:05Uhr war es inzwischen und vierzehn Häuser die Straße weiter runter wurde ein Junge, etwa ein Jahr älter als Ian, in einem anderen Wohnzimmer unsanft gegen einen Türrahmen gestoßen.

„Dein Sportlehrer hat mich heute Nachmittag angerufen.“, fuhr Terri Milkovich seinen Sohn an.
„Zu nichts bist du zu gebrauchen! Was sollte die Aktion wieder?“
Er stank nach altem Rauch und billigem Bier, wankte leicht und musste sich an der vergilbten Tapete abstützen, doch seine Hand traf noch zielsicher Mickeys Gesicht.

Er nahm den kupferartigen Geschmack von Blut in seinem Mund wahr, den Schmerz und das dumpfe Geräusch, mit dem sein Hinterkopf gegen die Tür schlug, doch er ließ sich nichts anmerken, hielt dem Blick seines Vaters provokant stand.

„Ist mir scheiß egal, ob du irgendwo auf’s Baseballfeld pisst, aber sieh zu, dass mich niemand mehr anruft, wenn ich schlafe.“

Mickey sagte nichts.

„Hast du das kapiert?!“

Er riss sich los, kehrte seinem Vater und der heruntergekommenen Wohnung den Rücken zu, als er auf die Veranda stapfte und schlug die Haustür laut hinter sich zu.

Hier draußen war es still.

Das Ratschen seines Feuerzeugs war das einzige Geräusch, dass in diesem Moment die Nacht durchdrang.
Er sog den Rauch seiner Zigarette ein und blies ihn in die Dunkelheit hinaus. Ließ sich auf die Verandastufen fallen und fuhr sich über’s Gesicht.
Fuck, dachte er, als Blut an seiner Hand kleben blieb und wischte sich erneut über’s Gesicht.

Er wusste nicht, wie lange er hier saß. Irgendwann fuhr ein Auto vor, setzte ein Mädchen vor ihrer Haustür ab, fuhr wieder davon.
Die Nächte wurden kälter und Mickey, der nur in einem ärmellosen Shirt draußen saß, bekam eine Gänsehaut.
Sie war viel zu dünn angezogen, dachte er, als er Mandy entgegen sah, die im Minirock und bauchfreiem Top mit gewagtem Ausschnitt auf ihn zu kam.

„Hey!“, fuhr er sie an, als sie an ihm vorbei gehen wollte und zog an ihrem pinkschwarz karierten Rock.
„Wollte dein Stecher dich nicht über Nacht da behalten?“, fragte er provozierend.
Verärgert stieß das dunkelhaarige Mädchen die Hand ihres Bruders fort.
„Was geht’s dich an Mick, lass mich in Ruhe!“

Mickey spuckte auf den Boden und schnipste die abgebrannte Kippe auf die Straße.
„Penn wo anders.“, sagte er und ließ sie los, ließ den Blick wieder irgendwo in die Dunkelheit wandern.
„Er hat getrunken.“

Eine Weile sagte keiner der beiden ein Wort. Dann hörte er Schritte hinter sich und das Öffnen und Schließen der Haustür. Leise Schritte im Haus, dann wurde es ruhig.

Noch lange blieb er hier draußen sitzen und wieder war es so verdammt still. Bis die Hochbahn nur wenige Meter entfernt über eine Brücke ratternd vorbei rauschte. Ein Geräusch, dass ihm längst so verdammt vertraut war.


(Hi an alle, die bis hier gekommen sind! ^^

Ich hoffe es interessiert jemanden, was ich so schreibe haha
Eigentlich schreibe ich diese FF eher nur für mich selbst.
Ich war mir unsicher, ob ich sie überhaupt hochladen soll, da ich im Prinzip "nur" Mickeys (und Ians) Geschichte erzähle und auch wenn ich es in eigenen Worten tu, nicht 1 zu 1, hier und da etwas hinzufüge und über Mickeys Gefühlswelt schreibe, die grobe Handlungslinie beibehalte.
Der Grund dafür ist, dass ich oft gefragt werde, wofür mein Tattoo steht. Warum zur Hölle ich mir FUCK U-UP auf die Finger geschrieben habe.
Ich werde diese Frage nie mit ein, zwei Sätzen beantworten können. Und wer die Serie Shameless nicht kennt und es wirklich wissen möchte... Für den schreibe ich es nun auf.
Denn mich hat der Charakter Mickey extrem berührt, ich kann mich selbst in ihm wieder erkennen und verbinde mit dieser gesamten Story sehr, sehr viel.

So... habe mich motivieren lassen, einfach mal den Anfang hier hochzuladen. ;)
Also lasst mir doch ein Feedback da, wie es so ankommt und ob ich mehr posten soll, oder es "langweilig" für diejenigen ist, die die Story in und auswendig kennen.
Aber bei dem Gallavich FF Mangel hier... vielleicht besser als nichts? xD

Liebe Grüße,
Finn)