Until It Beats No More

GeschichteDrama, Romanze / P18
16.12.2016
16.12.2019
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Hallo liebe Leser!

Schön, dass ihr euch zu meiner Geschichte verirrt habt! Ich bin sehr gespannt darauf, wie sie ankommt, denn ich habe hier einiges vor und würde mich freuen, wenn sie euch gefällt! Ich wünsche viel Spaß beim Lesen und bin über jegliches Feedback dankbar!

Liebe Grüße
Flowerista




Until It Beats No More
Tequila Sunrise


Monaco; Freitag, 27. Mai 2016  

Bereits von weitem höre ich die laute Musik aus den großen Boxen dröhnen. Die Amber Lounge Party am heutigen Freitagabend ist die Top-Adresse, wenn es um eine unvergessliche Nacht an einem Formel-1-Rennwochenende geht. Für jeden V.I.P., der einen Grand Prix in Monaco, Singapur oder Abu Dhabi besucht, ist es ein Muss diese Party zu besuchen. Viele möchten nur zu gern eine Einladung der Gastgeberin in Händen halten. Für uns Fahrer ist es fast schon zur Gewohnheit geworden an solchen Partys teilzunehmen. Auch wenn man eigentlich nicht so scharf darauf ist, hunderte Fotos mit irgendwelchen fremden Leuten zu machen, die womöglich nicht einmal Ahnung von unserem Sport haben.
Aber auch das ist Teil des Rennfahrerdaseins, zumindest hier in Monaco, daher mache ich mich auf den Weg zum Eingang. Es ist die erste Amber Lounge Party des Jahres 2016, aber nicht die letzte an diesem Wochenende. Heute feiert man den Grand Prix, am Sonntag den Gewinner des Rennens.
Bevor ich jedoch zu den anderen Gästen gelassen werde, muss ich über den roten Teppich gehen und das bekannte Blitzlichtgewitter prasselt sogleich über mich herein. Ich versuche es zu vermeiden, den wartenden Journalisten ein Interview zu geben, denn bei solchen Events ist die Frage nach meiner Begleitung nie weit entfernt. Vor allem die weiblichen Reporter interessieren sich sehr dafür. Doch meistens haben sie ein zufriedenes Lächeln im Gesicht, sobald ein Fahrer allein auftaucht.
Es muss wirklich verlockend sein sich als Reporterin einen Rennfahrer zu angeln. Nicht wenige haben es immer und immer wieder bei uns Fahrern versucht. Hin und wieder ist man darauf eingegangen und hat einen netten Abend verbracht, aber manchmal hat man die Frauen auch sanft zurückgewiesen und sie haben es akzeptiert.
Interviews gebe ich also keine, daher darf ich nun endlich vom roten Teppich hinein ins feiernde Volk gehen. Ich sehe bereits ein paar Fahrer miteinander plaudern und geselle mich zu Pablo Sanchez und Ryan O‘Connor, der wahrscheinlich mit seiner Freundin Jennifer hier ist.
„Du bist ja doch noch gekommen! Ich dachte, du wolltest nicht?“, meint Pablo verwundert, aber ich zucke nur mit den Schultern.
„Es ist schon besser hier zu sein, als allein im Hotelzimmer“, gebe ich zurück und beide nicken wissend.
„Schlafen kannst du bei dem Lärm sowieso nicht“, findet Pablo, der für das Maserati-Team fährt.
„Na ja, man muss nachts auch nicht unbedingt schlafen“, grinst Ryan schelmisch und wir amüsieren uns über seinen Kommentar. Scheint wohl momentan ziemlich gut mit Jennifer zu laufen. „Ich werde mal was zu trinken holen. Was darf ich euch bringen?“, fragt er und während ich noch überlege, weiß Pablo wohl schon, was er haben will.
„Einen Gin Tonic kannst du mir bringen“, entgegnet er und ich werde mich ihm anschließen. Mehr Alkohol genehmige ich mir an diesem Abend nicht.
„Darfst du diesen überhaupt schon?“, fragt Ryan grinsend und kassiert einen Seitenhieb von Pablo.
„Natürlich. Ich bin 21!“, erklärt er empört.
„Schon gut. Und was nimmst du, Javier?“, will mein Teamkollege von mir wissen.
„Das Gleiche“, entgegne ich kurz und Ryan macht sich auf den Weg.
„Andere sind noch viel jünger als ich“, murmelt Pablo.
„Ich weiß, Pablo. Du kennst Ryan und seinen Humor doch mittlerweile“, versuche ich ihn zu besänftigen. Ich weiß, dass er es überhaupt nicht mag, wenn man ihn irgendwie auf sein Alter anspricht, da fast alle anderen Fahrer älter sind.
„Schon klar“, sagt Pablo und bevor ich noch etwas hinzufügen kann, kommt Ryan auch schon mit unseren Gin Tonics wieder. Er selbst hat sich auch einen geholt.
„So, hier sind eure Gins“, sagt er und wir nehmen ihm die Gläser entgegen.
In diesem Moment sehe ich sie. Ein paar Meter von uns entfernt. Eine braunhaarige Frau in einem lilafarbenen Cocktailkleid mit schwarzem Blütenmuster und Taillengürtel. Nicht nur wegen ihres kurzen Kleides fällt sie mir auf, auch ihre Ausstrahlung zieht mich in den Bann.
Plötzlich sieht sie in meine Richtung. Schaut mich ohne Zweifel genau an, doch dann wendet sie sich genauso schnell wieder anderen Gästen zu.
„Javier? Bist du noch unter uns?“, fragt Ryan und erst jetzt merke ich, dass die beiden mich fragend anschauen.
„Hm?“, murmele ich.
„Wir wollten anstoßen“, meint Ryan grinsend und Pablo fügt ebenso lachend an: „Vielleicht hättest du doch lieber im Hotelzimmer bleiben sollen. Du warst ja ganz woanders.“
„Ja. Also nein, ich war lediglich in Gedanken“, gebe ich zurück.
„Dann können wir ja jetzt anstoßen. Auf uns“, sagt Ryan und unsere Gin-Gläser finden den Weg in die Mitte, bevor wir den Inhalt trinken. Das kühle Getränk schmeckt gut, was man bei so einem Event nicht anders erwarten sollte.
Während Ryan und Pablo sich über etwas anderes unterhalten, schaue ich mich wieder unauffällig um. Aber die Frau ist nicht mehr da. Ich scanne den gesamten Raum ab, dennoch entdecke ich sie nicht mehr. Sie ist spurlos verschwunden. Also wende ich mich wieder den beiden Männern zu.
„Jungs, ich werde mal schauen, wo meine Freundin abgeblieben ist. Wir sehen uns“, entschuldigt Ryan sich und verlässt unsere kleine Runde, sodass ich nur noch mit Pablo hier stehe.
„Ich habe sie auch gesehen“, sagt er plötzlich und ich wende mich ihm zu, nachdem ich nochmals versucht habe sie wiederzufinden.
„Tatsächlich? Ich sehe sie nicht mehr“, entgegne ich ihm.
„Ich auch nicht. Aber eine sehr schöne Frau“, findet er.
„Oh nein, Pablo. Die ist eine Nummer zu groß für dich“, stelle ich mit einem Grinsen fest.
„Lass mal. Ich will auch gar nicht. Ich muss das mit meiner Freundin klären“, entgegnet Pablo.
„Läuft es nicht so rund?“, will ich wissen und nehme einen Schluck von dem Gin.
„Na ja. Wir sehen uns nicht so oft. Das gefällt ihr nicht so“, erklärt er.
„Hm. Dann nimm sie mit. Ich denke, sie wird mehr Verständnis haben, wenn sie sieht, wie wichtig dir das hier ist“, gebe ich ihm den Tipp. Ich habe seine Freundin noch gar nicht kennengelernt, was ich eigentlich schade finde. Immerhin kenne ich Pablo nun schon seit zehn Jahren.
„Hm. Es war ja geplant, dass sie zum Rennen nach Barcelona kommt, aber dann kam ihr doch etwas dazwischen.“
„Verstehe. Und wie wäre es diesmal? Für Sonntag. Dann macht ihr euch noch zwei oder drei schöne Tage hier“, schlage ich vor.
„Hm. Keine schlechte Idee. Vielleicht mache ich das. Ich muss dann nochmal zu Chris. Hab ihm versprochen, mit ihm ein bisschen abzuhängen“, sagt Pablo und will sich vorerst von mir verabschieden.
„Klar, mach nur und lass mich allein“, entgegne ich gespielt gekränkt, aber Pablo hat eine gute Antwort parat.
„Du wirst schon jemanden finden“, ist er sich sicher und zwinkert mir grinsend zu. Da Pablo sich also nun zu Chris, einem weiteren Kollegen von uns, begibt und ich auf Anhieb keinen neuen Gesprächspartner finde, gehe ich an die Bar und setze mich auf einen der sandfarbenen Hocker. Hier ist es ungewöhnlich leer, aber vielleicht ist es auch einfach noch zu früh am Abend.
Ein Blick auf die Armbanduhr sagt mir, dass es gleich zehn ist. Noch sind sicher nicht alle Gäste da. Lang werde ich hier aber sowieso nicht bleiben, denn morgen steht die Qualifikation an und die ist hier in Monaco nun einmal ziemlich wichtig.

Nachdem mein Gin Tonic ausgetrunken ist, bestelle ich ein Glas Cola. Als der Kellner mir das Getränk auf den Tresen stellt, setzt sich jemand neben mich. Ich beachte die Frau erst gar nicht, doch dann werfe ich einen Blick auf ihre Hand, die auf dem Tresen weilt. Ein silbernes Armband ziert ihr Handgelenk, die Nägel sind sehr gepflegt und mit einem sehr hellen Lack lackiert. Als mir die Farbe ihres Kleides ins Auge fällt, sehe ich sie mir genauer an. Es ist tatsächlich die Frau von vorhin. Was für ein Zufall! Ich bin kurz davor sie anzusprechen, als auch sie mich ansieht. Sie schaut mir direkt in die Augen, unverschämt tief.
„Wie schön Sie hier anzutreffen, Maestro.“ Ihre Stimme verursacht bei mir eine leichte Gänsehaut und ich frage mich, was das zu bedeuten hat, denn solch eine Reaktion meinerseits ist mir eher fremd. Dennoch bin ich überrascht, dass sie Spanisch spricht. Aber wenn ich sie mir so ansehe, ist sie auf jeden Fall der südländische Typ.
„Die Freude ist ganz meinerseits“, antworte ich. Sie sagt nichts, stattdessen huscht ein Lächeln über ihre Lippen. „Darf ich… Ihnen einen Drink spendieren?“, frage ich, um mit ihr ins Gespräch zu kommen.
„Gerne. Und Sie trinken nichts Alkoholisches?“, fragt sie zurück.
„Nein, ich hatte bereits einen Gin. Und ansonsten trinke ich selten Alkohol an einem Rennwochenende. Was darf ich Ihnen bestellen?“ Meine Sitznachbarin schaut kurz in eine Cocktailkarte.
„Sehr anständig. Ich bin offen für alles. Suchen Sie sich etwas für mich aus“, bittet die braunhaarige Frau mich schließlich, legt die Karte wieder beiseite und ich erfülle ihr den Wunsch.
„Wie wäre es mit einem Tequila Sunrise?“, schlage ich vor.
„Sehr gerne“, nickt sie und ich bestelle ihr den Cocktail. Nachdem ich das erledigt habe, bleibt mir ein wenig Zeit mein Gegenüber genauer zu mustern. Sie hat eine unglaublich schöne Figur, weibliche Rundungen an genau den richtigen Stellen und wunderschöne, schwungvolle Lippen. Sehr elegant sitzt sie auf diesem Hocker und trotz des kurzen Kleides sieht es überhaupt nicht billig aus und einen tieferen Blick kann ich auch nicht werfen.
Doch lange bleibe ich nicht unbeobachtet, auch sie schaut mich ohne Scheu an. Ihre dunkelblauen Augen wirken anziehend auf mich, aber auch geheimnisvoll.
„Sie sprechen Spanisch…“, fange ich an, um sie weiter in ein Gespräch zu verwickeln und ihre Stimme hören zu können, nachdem der Cocktail serviert wurde.
„Spanisch ist eine schöne Sprache. Sehr feurig und leidenschaftlich. Wie die Spanier selbst“, entgegnet sie.
„Kommen Sie aus Spanien?“, frage ich interessiert nach.
„Finden Sie also, dass ich leidenschaftlich bin?“, fragt sie frech zurück.
„Möglich“, erwidere ich ebenso keck und grinse verschmitzt.
„Ja, ich komme aus Madrid. Und Sie?“, fragt die brünette Frau und nippt an ihrem Cocktail. Mir fallen ihre glänzenden Lippen auf, die in ein zärtliches rosa getaucht sind.
„Gijón“, antworte ich kurz.
„Asturien also. Es soll sehr schöne Strände dort geben“, meint sie und trinkt wieder ihren Cocktail.
„Richtig. Waren Sie schon einmal dort?“, will ich wissen.
„Nein, noch nicht. Aber wer weiß, wann sich mir die Möglichkeit bietet?“, überlegt sie.
„Vielleicht schneller als Sie denken“, werfe ich ein.
„Vielleicht?“, entgegnet die Frau und ihre Augen scheinen zu funkeln.
„Wollen Sie mir vielleicht Ihren Namen verraten?“, frage ich nach. Ich wette, sie hat einen ziemlich erotischen, leidenschaftlichen Namen. Es würde auf jeden Fall zu ihr passen.
„Weiß nicht. Ist es nicht aufregender eine hübsche Unbekannte neben sich sitzen zu haben?“, fragt sie. Ich habe bereits geahnt, dass sie mir ihren Namen nicht so leicht verraten wird.
„Schon. Aber es ist ziemlich unfair, denn Sie wissen wahrscheinlich, wer ich bin“, entgegne ich.
„Das weiß ich in der Tat. Aber ich kenne nur Ihren Namen, nicht die Person, die dahinter steckt. Selbst wenn wir uns schon einmal begegnet sind“, lächelt sie.
„Das heißt, wir kennen uns?!“, frage ich überrascht nach. Ich kann mich gar nicht daran erinnern, sie schon einmal gesehen zu haben. Aber vielleicht ist es auch schon länger her?
„Kennen ist das falsche Wort. Wir sind bloß einander vorgestellt worden. Das heißt, dass Sie meinen Namen eigentlich kennen müssten“, neckt sie mich. Oh, ich merke schon, sie wird definitiv nicht leicht zu knacken sein. Aber ich muss sagen, es gefällt mir!
„Wo und wann?“, frage ich nach und hoffe, dass sie mir wenigstens das verrät.
„In Madrid bei einer Preisverleihung. Im Dezember 2012“, sagt sie und ich fange an zu überlegen. Das ist über drei Jahre her. Ich weiß zwar, um welche Preisverleihung es sich dabei wohl handelt, aber mir wurden so viele Leute vorgestellt, da kann ich mich nicht mehr an jeden einzelnen erinnern.
„Sie sind aber keine Journalistin?“, frage ich sicherheitshalber nach. Sie grinst mich amüsiert an, sagt aber: „Nein, keine Sorge, bin ich nicht. Es war auch wirklich nur sehr kurz damals. Jemand vom TV-Sender Telecinco hat Sie zu uns geschleppt und uns nacheinander allesamt vorgestellt. Kein Wunder, dass Sie sich nicht mehr erinnern können“, erzählt sie mir. Also arbeitet sie vielleicht doch fürs Fernsehen! Dennoch kann ich mich erinnern, dass einer der Chefs des Senders mir damals viele Leute vorgestellt hat, weil dieser Sender Gastgeber in dem Jahr war. Und da war auch tatsächlich eine wie sie dabei…
„Ich kann mich vage erinnern. Aber das heißt, dass Sie doch fürs Fernsehen arbeiten“, entgegne ich, aber anstatt mir zu antworten, lächelt sie nur. „Also?“, dränge ich sie zu einer Antwort.
„Sie fragen zu viel. Entspannen Sie sich. Ich bin keine Reporterin oder Journalistin und arbeite auch für keine Klatschblätter. Ja, ich habe mit dem Fernsehsender zusammengearbeitet, aber es ging dabei im Prinzip nur um mich. Mittlerweile arbeite ich aber eher mit TVE zusammen. Zufrieden?“, fragt sie und sieht mich mit überzeugendem Blick an.
„Ja. Zufrieden. Was genau machen Sie bei diesem Sender?“, frage ich nach.
„Sie sind ziemlich neugierig. Wie wäre es, wenn Sie es einfach selbst herausfinden, hm? Und jetzt reden wir nicht über mich, Sie wissen schon viel zu viel. Reden wir lieber über Sie“, entgegnet die Frau fest entschlossen und trinkt ihren Cocktail, der bereits zur Hälfte ausgetrunken ist.
„Was wollen Sie denn wissen?“, frage ich.
„Was ich wissen möchte? Hm. Sind Sie spontan?“ Spontan?! Ich nicke leicht, weiß jedoch nicht, was sie mit dieser Antwort anfangen will. „Schön. Ich nämlich auch“, lächelt sie.
„In welche Richtung spontan?“, will ich wissen.
„Was würden Sie denken?“, antwortet sie mit einer Gegenfrage. Und ich hasse Gegenfragen. Dennoch macht diese Frau mich nur neugieriger mit ihrer Art.
„Unternehmungslustig und immer für ein Abenteuer zu haben“, antworte ich. Ein Lächeln ziert ihre vollen Lippen und sie legt ihre Hand auf ihren Oberschenkel, beginnt kleine Kreise mit dem Zeigefinger auf ihre Haut zu zeichnen.
„Da könnten Sie sogar Recht haben“, sagt sie und bringt mich dazu, wieder in ihre Augen zu schauen. Lange Wimpern umrunden ihre dunkelblauen Augen und die Brauen sind meiner Meinung nach perfekt geschwungen. Überhaupt, alles an dieser Frau scheint nach meinem Geschmack zu sein. Schon lange hatte ich dies nicht für möglich gehalten so eine Frau zu treffen. „Haben wir noch etwas vor heute Abend?“, fragt sie neugierig.
„Nein. Morgen ist ein wichtiger Tag. Und übermorgen sowieso“, antworte ich.
„Sehr diszipliniert“, findet sie beeindruckt und trinkt ihr Glas leer.
„Das ist mein Job“, entgegne ich ihr.
„Gefällt mir. Sind Sie in allem so diszipliniert?“, will sie wissen.
„Was heißt diszipliniert… Ich kann auch ganz entspannt sein und einfach nur das tun, wonach mir gerade ist.“
„Und wonach ist Ihnen gerade?“, fragt sie und lächelt mich schelmisch an.
„Im Moment bin ich vollkommen zufrieden. Außer dass ich Ihren Namen nicht weiß, das wurmt mich etwas“, antworte ich.
„Treffen wir uns morgen?“, fragt sie, statt auf meine Aussage einzugehen, und bringt mich damit leicht aus dem Konzept.
„Ähm. Ja. Können wir“, stimme ich dennoch zu.
„Schön. Vielleicht verrate ich Ihnen ja dann meinen Namen. Aber spätestens morgen Abend wissen Sie ihn“, ist sie sich sicher.
„Okay, wenn Sie das sagen. Wo treffen wir uns?“, frage ich nach, ohne wirklich zu wissen, warum ich ausgerechnet morgen Abend über ihren Namen Bescheid wissen werde.
„Irgendwo… wo wir allein sind?“, schlägt sie vor und ich schaue sie überrascht an. Sie will also unbedingt mit mir allein sein? Das beruht auf Gegenseitigkeit!
„Ich werde mir etwas überlegen“, verspreche ich.
„Sehr schön“, sagt sie und steht überraschend auf.
„Sie wollen schon gehen?“, frage ich nach, doch sie sagt nichts, lächelt mich nur an, dreht sich um und geht. Doch das kann ich nicht auf mir sitzen lassen, stehe also ebenfalls auf und folge ihr. „Sie können doch jetzt nicht gehen?“, spreche ich sie an und sie dreht sich zu mir um.
„Wir sollten die Party nun wirklich nicht gemeinsam verlassen. Es würden nur Gerüchte entstehen“, flüstert sie mir zu und lässt mich stehen. Hm, wo sie Recht hat… Ich lasse sie gehen, doch lange warte ich nicht. Ein paar der anderen Fahrer wollen auch gehen, perfekte Gelegenheit also, ebenfalls die Party zu verlassen.
„Gehst du auch schon?“, fragt Fabian Wagner mich. Ich nicke ihm zu und sage: „Sonntag ist auch noch da.“
„Hast Recht. Bis morgen“, meint er und auch die anderen heben die Hand zum Abschiedsgruß. Ich folge einigen Fahrern nach draußen, sehe meine neue Bekanntschaft aber nicht gleich.
Ich gehe langsam zum Hotel rüber, welches nicht weit von der Party-Location entfernt ist. Fast genau gegenüber. Vor dem Eingang entdecke ich sie wieder.
„Lange haben Sie es aber nicht ohne mich ausgehalten“, sagt sie neckend.
„Ich wollte Sie nicht so lange warten lassen“, entgegne ich.
„Oh, ganz der Gentleman. Ich habe da etwas für Sie vorbereitet“, sagt die Frau, als wir ins Hotel gehen.
„Ach, echt?“, frage ich nach.
„Echt“, antwortet sie und zieht mich an meinem Hemd etwas beiseite. Sie holt einen Zettel aus ihrer kleinen Clutch heraus und sagt: „Hier ist meine Handynummer. Rufen Sie mich an, wenn Sie morgen Zeit haben.“ Ihre Handynummer? Sie kommt mir näher und steckt mir den mehrfach gefalteten Zettel in die Brusttasche meines Hemdes, schaut mir dabei wieder tief in die Augen. „Passen Sie gut darauf auf“, mahnt sie mich und bevor ich noch etwas sagen kann, dreht sie sich um und verschwindet zu den Zimmern.
Mysteriös diese Frau. Mysteriös. Aber unheimlich attraktiv und interessant.
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