Life in hospital

GeschichteDrama, Freundschaft / P12
Emma Wolfshagen Leo Roland
15.12.2016
04.09.2017
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Ich wollte von all dem nichts hören. Ich... Ich hatte so etwas wie Angst, ich schloss die Augen und versuchte alles auszublenden. Ich bekam nur noch mit, wie Leo anfing zu erklären, dass wir Benitos letzten Wunsch erfüllen wollten.
Dass ich zusammengesackt war, bemerkte ich auch erst, als jemand an mir rüttelte und immer wieder meinen Namen sagte. Es war Dr. Gustl. Als ich wieder zu mir gekommen war, rückte ich direkt ein Stück von ihr ab und keifte sie an.
„Fassen Sie mich nicht an!“ „Emma, beruhige dich. Es ist alles gut.“ „Nein. Ist es verdammt nochmal nicht! Ich weiß nicht, was ich hier im Krankenhaus soll!“ „Emma, du bist krank. Du bist gerade total abgedriftet. Das kann so nicht weitergehen.“
Dann sah sie zu den Jungs und fragte sie, ob ich etwas gegessen hätte, während wir weg waren. Ich warf ihnen schnell einen bösen Blick zu und zu meinem Erstaunen war es Hugo, der Dr. Gustl antwortete.
„Ja, wir haben auf dem Rückweg an einer Tankstelle gehalten und sie hat ein Brötchen und dann ein paar von unseren Gummibärchen gegessen. Zuerst wollte sie nicht, aber alle zusammen konnten wir sie doch überzeugen. Vielleicht für die Zeit nicht viel, aber immerhin etwas und wir hatten auch alle nicht mehr.“
Frau Dr. Gustl sah mich an und ich musste mich zusammenreißen, dass mir die Kinnlade nicht runterklappte und nickte nur. Dann sah sie die anderen Jungs an, die auch nur schnell nickten.
„Sehen Sie? Es ist alles in Ordnung. Kann ich jetzt auf mein Zimmer gehen? Ich bin müde.“ Zum ersten Mal seit einiger Zeit sprach auch Dr. Reusch wieder „So einfach ist das leider nicht. Ihr habt einfach das Krankenhaus verlassen. Ihr seid alle in irgendeiner Form erkrankt. Wisst ihr eigentlich was hätte passieren können?“
Ich stöhnte genervt auf und sah zu den anderen.
„Dass Leo uns vor einen Baum setzt und wir alle sterben? Mein Gott, wäre mir auch egal gewesen. Lieber wäre ich tot, als mein Leben hier verbringen zu müssen.“
Wenn ich nicht mit Viktor zu meiner Mutter gefahren wäre, wäre alles in Ordnung. Ich wäre noch in Berlin, würde meine Ausbildung weitermachen und alles wäre gut. Wie konnte ich nur so blöd sein?
„Emma, es reicht. Geh auf dein Zimmer. Du kriegst was um dich zu beruhigen und dann reden wir später.“ „Ich hab keinen Bock auf irgendwelchen Medikamenten-Mist, wenn sie mir nicht genau sagen was es ist. Ach und auf reden übrigens auch nicht.“
Damit stand ich auf und ging auf mein Zimmer. Ich hatte die Schnauze voll von diesem ganzen Mist hier. Dann verstößt man einmal gegen die Regeln und alle machen einen Stress darum als sei irgendetwas schlimmes passiert. Natürlich hatten wir Glück und es hätte sonst was passieren können, das wusste ich natürlich auch, aber selbst wenn, wäre es mir egal gewesen. Ich legte mich auf mein Bett und legte die Hände übers Gesicht. Während der Fahrt hatte ich wirklich Kopfschmerzen bekommen. Also öffnete ich die Schublade meines Nachtschränkchens und nahm mein Portemonnaie heraus, in der Hoffnung, dass ich vielleicht noch ein paar Ibus darin hatte. Eine war noch da. Allerdings war es eine 800mg, welche ich meiner Mutter geklaut hatte, da die sehr oft mit Migräne zu kämpfen hatte. Ich überlegte erst, ob eine halbe nicht reichen würde, aber den Aufwand die Tablette zu teilen wollte ich mir jetzt nicht auch noch machen. Also steckte ich mir die Tablette in den Mund und ging ins Badezimmer um sie mit einem Schluck Wasser runter zu spülen.
Dann legte ich mich wieder aufs Bett und merkte wie mir schwindelig wurde. Ich schloss die Augen und konzentrierte mich auf meine Atmung. Ganz normal Emma. Die 800er nimmst du ja auch sonst nicht wegen ein paar Kopfschmerzen. Ich versuchte ruhig zu atmen, bis sich kurz darauf alles drehte und ich zur Toilette wankte und ich mich erbrach.
Ich legte die Arme auf die Klobrille und legte meinen Kopf darauf. Vielleicht waren meine Kopfschmerzen jetzt weg, dafür war mir jetzt total schwindelig und ich blieb einfach so vor dem Klo sitzen und tat sonst gar nichts. Ich starrte einfach nur auf den Boden.
Oh verdammt, kann mal wer das Karussell in meinem Kopf anhalten?
Mir war total schwindelig und als ich einmal hustete, musste ich mich sofort wieder übergeben.
„Emma! Was machst du da?“ „Kotzen. Sehen Sie doch.“ „Emma...“ „Moment noch.“
Ich schloss die Augen, atmete einmal tief durch, betätigte die Klospülung und setzte mich langsam auf den Klodeckel.
„Wieso erbrichst du dich?“ „Es war keine Absicht. Ich hatte Kopfschmerzen und hab ne Tablette genommen.“ „Was für eine und wo hast du die hier?“ „Keine Ahnung. Eine Ibuprofen halt. Die hatte ich noch in meinem Portemonnaie. Die Verpackung liegt auf dem Nachtschrank wenn Sie es genau wissen wollen.“
Dr. Gustl stand auf und guckte nach der Verpackung. Ich hatte die Hoffnung, dass es half auf ahnungslos zu tun. Dr. Gustl kam zurück ins Bad und sah mich skeptisch an.
„Emma, das sind 800mg. Wie kommst du an die überhaupt ran? Die sind verschreibungspflichtig. Hast du noch mehr Medikamente irgendwo versteckt?“ „Nein. Die sind von meiner Mutter. Sie hat Migräne.“ „Okay. Und wieso lügt Hugo uns an?“ „Was? Wovon reden sie da bitte?“ „Wenn du etwas gegessen hättest, wäre dir die Tablette nicht so schlimm auf den Magen geschlagen, dass du dich hättest übergeben müssen und dir so schwindelig ist.“ „Ja mein Gott, haben Sie wirklich geglaubt, dass ich etwas esse wenn ich aus dem Krankenhaus raus bin? Ich habe einfach keinen Hunger.“
Sie schüttelte einmal den Kopf und seufzte. Dann stand sie auf und reichte mir die Hand. Als ich sie fragend ansah, erklärte sie mir, dass sie mich zurück ins Bett bringen wolle, da sie Angst hatte, dass ich nicht genügend Kraft hätte. „Nein danke, geht schon.“ antwortete ich leicht patzig, stand auf und wankte zurück zum Bett.
Ich war froh, als ich auf meinem Bett saß, denn die paar Meter waren anstrengender als ich erwartet hatte. Ich zog mir die Decke über die Beine, denn auf einmal war mir eiskalt und ich begann zu zittern.
„Emma!“
Na toll, was suchte meine Mutter denn jetzt hier? Schlimmer konnte es ja wohl nicht mehr werden.
„Hallo Mama.“ „Was ist passiert? Du bist total blass.“ „Wenn du es genau wissen willst, ich hab gekotzt und wir waren mit Benitos Auto am Meer.“
Meiner Mutter klappte die Kinnlade runter und sie starrte mich mit offenem Mund an, wandte sich dann aber an Dr. Gustl.
„Frau Dr. wieso erbricht Emma sich schon wieder?“ „Ihr ging es nicht gut. Dieses eine Mal hing es nicht mit ihrer Krankheit zusammen.“ „Ich bin nicht krank!“ „Emma bitte... Du musst einsehen, dass es dir nicht gut geht, damit dir geholfen werden kann.“ „Es geht immer nur um dieses beschissene, angebliche Krank sein! Ich hab da keinen Bock mehr drauf! Was mit mir ist und wie es mir geht ist allen scheiß egal!“
Ich legte mich hin, drehte mich von meiner Mutter und meiner Ärztin weg und zog mir die Decke über den Kopf. Ich wollte das alles nicht mehr, ich wollte hier einfach nur raus. Ich hasste dieses Krankenhaus so sehr. Es ging mir gut und ich verstand nicht, warum mir das niemand glauben wollte.
Ich konzentrierte mich auf einen Punkt an der Wand auf die ich blickte und blendete meine Mutter und meine Ärztin aus. Ich zog die Knie an die Brust und driftete weiter ab, bis ich merkte, dass die beiden aus meinem Zimmer verschwunden waren und ich versuchte ein bisschen zu entspannen.
Vielleicht konnte ich ja jetzt wenigstens fünf Minuten Ruhe haben. Aber nein, denn kurz darauf war Leo im Zimmer, dessen Ankündigung ein von Dr. Gustl gerufenes „Leo, du gehst da jetzt nicht rein!“ war.
Ich drehte mich zu ihm um und lächelte ihn kurz an, bevor er mir einen sanften Kuss zur Begrüßung gab.
„Habt ihr Ärger bekommen?“ „Nope. Hein und Dietz waren eigentlich ziemlich locker. Sie haben uns zwar erzählt, dass das alles nicht in Ordnung war und sowas. Aber Ärger gab es keinen. Und bei dir?“ „Auch nicht. Naja, noch nicht.“ „Wie meinst du das?“ „Ich durfte mir mal wieder anhören, dass ich krank bin und den ganzen Mist.“
Leo umarmte mich ganz vorsichtig und ich musste lächeln. Es tat gut, ihn bei mir zu haben. Ich konnte für einen Moment alles vergessen, was hier gerade so abging. Zumindest, bis Gustl wieder ins Zimmer kam.
„Leo, hörst du mir eigentlich nicht zu? Ich habe dir gesagt, dass du nicht zu Emma sollst.“ „Aber Frau Dr. Gustl, Sie können mir doch nicht verbieten meine Freundin zu sehen.“ „Doch, das kann ich. Solange Emma meine Patientin ist, kann ich auch ihren Besuch rauswerfen. Außerdem gibt es gleich essen und das solltest du genauso einnehmen wie sie. Wenn es so weiter geht, darfst du sie sowieso nicht mehr sehen.“
Meine Mutter schaute zu meiner Ärztin und fragte sie, was sie damit meinen würde.
„Nun, wenn Emma weiter nichts isst, werden wir sie zwangsernähren müssen und wenn sie das auch verweigert, werden wir sie auf die Psychiatrische verlegen. So kann es nicht weitergehen.“ „Das... Das können Sie nicht machen! Ich hab Emma dort gesehen, also ähm, es war so etwas wie ein Traum und es war grausam. Ihr ging es super schlecht. Das geht nicht.“ „Glaub mir Leo, das geht. Und wenn es nicht besser wird, wird uns nichts anderes übrig bleiben.“
Pah, als wenn. Dazu sollte es erst einmal kommen, vorher würde ich mich hier verpissen. Sie konnten doch nicht einfach über meinen Kopf hinweg entscheiden.
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