Geschichte: Fanfiction / Prominente / Musik / Ed Sheeran / Blue

Blue

OneshotAllgemein / P6
Edward Christopher "Ed" Sheeran
13.12.2016
13.12.2016
1
1127
 
Alle Kapitel
2 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
 
„Entschuldigen Sie, können Sie uns sagen, wo die Griffin Street ist?“, erkundigte sich meine Cousine Laura. Wie auch alle anderen vor ihm ignorierte auch dieser Passant uns völlig und ging einfach an uns vorbei, als würden wir nicht existieren.
„Scheinbar nicht“, folgerte ich. „Wir werden uns den Weg selber suchen müssen. Hoffentlich spricht wenigstens deine Freundin mit uns.“
„Natürlich wird sie das, Aisling ist sehr nett“, stellte Laura klar.
Es dauerte eine Weile, bis wir das Haus gefunden hatten. Es stand auf einem kleinen Hügel am Rand des irischen Dorfes mit Blick auf das Meer, in dem sich die Sterne spiegelten. Hier würden wir also die nächsten Tage übernachten.
„Habt ihr alles gut gefunden?“, erkundigte sich Aisling freundlich.
Meine Cousine schüttelte den Kopf. „Mein Handy hat keinen Akku mehr und im ganzen Dorf wollte niemand mit uns sprechen. Da Ed immer noch fastet und sich weigert, sein Handy zu benutzen, haben wir ewig gebraucht.“ Sie warf mir einen bösen Seitenblick zu.
„Sind die immer so fremdenfeindlich in deinem Dorf?“, fragte ich Aisling verärgert.
Unsere Gastgeberin lachte nur. „Nein, eigentlich nicht. Das habe ich noch nie gehört.“
Die Freude darüber, endlich angekommen zu sein, überwog dann aber doch. Wir setzten uns gemeinsam ins Wohnzimmer. Neuigkeiten wurden ausgetauscht und Pläne geschmiedet.

Am nächsten Tag zogen Laura und ich zu zweit durch das Dorf, weil Aisling für diesen Tag leider nicht frei bekommen hatte. Ein kühler Wind wehte und wir zogen uns warm an. Viele der Gassen kannten wir inzwischen von unserer Irrfahrt am Vortag. Doch nun sahen wir das Ganze bei Tageslicht.
„Ich kann mich gar nicht erinnern, dass hier gestern so viele blaue Zettel gehangen hätten“, merkte ich an. Sie hingen überall, an den Hauswänden wie an den Zäunen der Schafweiden. Ich zog einen Pfeil aus einem Baum, an dem er einen festnagelte. „Hier hat wohl ein Indianer beim Aufhängen geholfen.“
„Zeig mal her.“ Laura nahm mir den Zettel aus der Hand. „Einfach nur ein blaues Blatt? Was hat das zu bedeuten?“
Ich seufzte. „Ich habe keine Ahnung.“

Erleichtert stellten wir fest, dass die Dorfbewohner offensichtlich ihr Schweigen aufgegeben hatten. Fröhlich grüssten sie uns, wenn wir an ihnen vorbeiliefen und auch in den Geschäften wurden wir zuvorkommend bedient. In vielen lagen Stapel von Zetteln im gleichen Blau aus, doch wenn wir die Verkäufer darauf ansprachen, antworteten sie uns stets ausweichend.
Am Nachmittag gingen wir am Strand entlang und sahen zu, wie die Felsen die Wellen brachen. Wolken waren aufgezogen und der Wind hatte noch zugenommen. Er wirbelte das Wasser auf, um es anschliessend unter Gespritze an die Klippen am Ende des Strandes zu werfen. So kannte ich Irland.

Um sieben trafen wir uns mit Aisling bei einem Pub. „Die Tür hat das gleiche Blau wie die Zettel“, flüsterte Laura. Tatsächlich. Die hatte ich schon fast wieder vergessen.
Unsere Gastgeberin lehnte neben der Tür mit dem Handy in der Hand. Als sie uns bemerkte, tippte sie schnell ihre Nachricht fertig und kam dann auf uns zu. „Wie war euer Tag?“, fragte sie und blickte dann wieder auf das Telefon. Da sie uns nicht richtig zuzuhören schien, ging ich vor und liess Laura antworten. Leise drang Musik von innen zu uns durch.
„Hey, sie spielen Thinking Out Loud da drinnen“, bemerkte ich grinsend. Amüsiert kamen die anderen zu mir und lauschten auch an der Tür. „Kommt, gehen wir rein“, beschloss ich.
In dem Moment, in dem ich die Türklinke herunterdrückte, wechselte das Lied. Ich trat als Erster in den überfüllten Pub, dicht gefolgt von Laura und Aisling. Zu meiner Überraschung stand nicht irgend ein Niemand aus dem Dorf auf der Bühne. Keineswegs. Zwei von ihnen waren irische Musiker. Der eine war der Gitarrist der Band The Script, Mark Sheehan. Im anderen erkannte ich den Frontsänger der Band Walking On Cars aus Dingle. Patrick Sheehy hiess er. Ich warf einen amüsierten Blick auf Laura. Diese Musiker waren mit Sicherheit nicht zufällig ausgewählt worden.
Doch es war nicht Sheehy, der sang, er war der Perkussionist. Die Gesangsstimme hatte der Schauspieler Jeremy Lee Renner. Hawkeye. Das erklärte dann wohl auch die Pfeile.
Ich hatte das Lied noch nie gehört, doch das ganze Publikum sang mit. Auch Aisling stimmte mit ein. Es gefiel mir sehr.

Leaves are falling in the summertime and the days and nights feel the same
I’m looking for the mask I hide behind
So then how’d you go and rain on this parade
Now I guess there’s nothing more that I can say
So why’d you leave my world when you turned your back and left me far behind
Saved me from the front line...


In der Menschenmasse bildete sich langsam eine Gasse von uns bis nach vorne zur Bühne, als hätten sich alle abgesprochen und wollten uns dazu bringen, nach vorne zu gehen und auch ein paar Lieder zu spielen. Aisling ermutigte uns und schob uns in diese Richtung. Auch die Band hatte aufgehört zu spielen. Renner sprach zum Publikum.
„Ladies and gentlemen, dies ist der Moment, auf den wir alle gewartet haben“, kündigte er an. „Heisst mit mir unsere Gäste willkommen: Ed und Laura Sheeran!“
Mit diesen Worten stieg er von der Bühne und überliess uns den Platz. Verwirrt stiegen wir die kurze Treppe hinauf und gesellten uns zu Sheehan und Sheehy.
„Hi“, begrüsste ich das erwartungsvolle Publikum und holte Luft. „Sagt mal, wer ist auf die Idee gekommen, das ganze Dorf mit blauen Zetteln zuzupflastern und diese genialen Leute einzuladen – war das alles unseretwegen?“
„Deinetwegen, Ed“, sagte Mark grinsend in sein Mikrofon. „Morgen ist es ein Jahr, seit du dein Handy und Social Media nicht mehr benutzt. Da wollten dich deine Fans daran erinnern, dass es sie noch gibt.“
Überwältigt lächelte ich. „Das ist süss von euch. Ich habe euch gewiss nicht vergessen. Ich habe fleissig an meinem nächsten Album gearbeitet.“
Sheehy reichte mir eine Gitarre und Sheehan stellte Laura seinen Mikrofonständer hin. „Wir spielen als erstes She“, flüsterte er uns zu.
„She? Wie das She von meiner EP Songs I Wrote With Amy?“, fragte ich zweifelnd zurück. Mark nickte nur und begann, die zweite Gitarrenstimme zu spielen.
Wir spielten bis spät in die Nacht Lieder, hauptsächlich von mir, aber auch von The Script und Walking On Cars. Je nach Lied wechselten wir uns mit der ersten Stimme ab und Laura sang die zweite. Renner führte uns mit Humor durch den Abend. Das Publikum liebte uns.
Später sprach man im Dorf von diesem Abend nur noch als dem Sheehary-Abend. Der Abend, bevor Ed Sheeran aus dem Winterschlaf erwachte und überall im Social Media kommentarlos blaue Rechtecke teilte, wie es das Dorf vor ihm getan hatte.

~~~

Ich hoffe, euch hat mein kleiner Oneshot gefallen!
Die Lyrics stammen aus My World von Jeremy Lee Renner.
Review schreiben