Ein liebevoller Abschied

von Julirot
OneshotRomanze, Schmerz/Trost / P16
Anthony "Tony" DiNozzo Ziva David
13.12.2016
13.12.2016
1
2159
1
Alle Kapitel
3 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
 
Hallo,

also eigentlich habe ich bis jetzt nur Geschichten bei dem Ableger NCIS:L.A. geschrieben, aber nun ist mir eine kleine Geschichte eingefallen, die sich um meine heimlichen Lieblinge Ziva und Tony dreht.  Ich war, wahrscheinlich, wie so einige andere auch, über Zivas "Ausstieg" aus der Serie damals sehr betrübt und habe dann die letzten Jahre kaum noch geguckt. Lediglich das letzte Staffelfinale mit Tony's "Ausstieg" hat es mir dann wieder angetan gehabt. Und ich muss sagen, ich bin ... ich weiß auch nicht ... enttäuscht, geschockt, keine Ahnung. Es sind so viele Fragen offen geblieben, so viele Lücken. Und mit dieser Geschichte wollte ich eine kleine schließen. Zumindest die Frage wie wohl Tali entstanden sein könnte ;-)
Mich haben Tony's Worte über den Abschied von Ziva auf die Idee zu dieser Geschichte gebracht.

Ich hoffe der kleine One-Shot gefällt und ihr sagt mir eure Meinung  dazu. Und nun viel Spaß beim Lesen.

Viele Grüße
Julirot

*************

Ein liebevoller Abschied


Er stand vor dem Farmhaus, welches sie die letzten drei Jahre bewohnt hatte und starrte auf das, was die Flammen davon übrig gelassen hatten. Es sah genauso aus wie er sich fühlte – kaputt und in Trümmern. Er hatte sie für immer verloren. Er stand hier, allein und blickte auf die schwarzen Balken, die drohend in den Himmel ragten. Seine Tochter Tali, die er gerade erst kennengelernt hatte, war bei einem alten Freund – in Sicherheit. Sie hatte viel durchgemacht in den letzten Tagen und brauchte ihren Schlaf und in diesem Moment beneidete er dieses kleine Mädchen, welches vor Erschöpfung einfach eingeschlafen war. Das hätte er auch gerne getan. Er wollte schlafen und die Realität vergessen, aber jedes Mal, wenn er die Augen schloss, sah er ihr Gesicht. Sie war seine große Liebe gewesen und nun war sie fort. Er war nach Israel gekommen, um Antworten zu finden und hatte stattdessen nur noch mehr Fragen gestellt bekommen. Er war nicht ein Stück weiter gekommen. Da waren Indizien, Merkwürdigkeiten, Ungereimtheiten, die ihn zweifeln ließen, aber all seine Nachforschungen liefen ins Leere und langsam musste er es sich wohl eingestehen. Sie war tot, verbrannt, in diesem Haus und er konnte es noch immer nicht glauben. Sein Verstand weigerte sich, es zu akzeptieren und sein Herz hoffte immer noch, dass das alles ein riesengroßes Missverständnis war. Ein leichter Wind kam auf und blies ihm ins Gesicht. Er spürte die Tränen, die aus seinen Augen quollen und merkte, dass sie ihm langsam die Sicht nahmen. Doch er wischte sie nicht weg. Der Schmerz war noch immer genauso tief wie in der Sekunde als man ihm gesagt hatte, dass sie in diesem Haus gewesen war, als es passierte. Etwas in ihm war zerbrochen in diesem Augenblick und dieses Gefühl des ‚Unvollständigseins‘ wuchs mit jedem Tage mehr. Er glaubte der Schmerz würde nie mehr enden. Er bohrte sich unaufhaltsam in sein Herz und ließ ihn weinen. Er sank auf die Knie und legte verzweifelt die Hände in den Schoß, in der Hoffnung es würde endlich aufhören. Doch die Erinnerungen stürmten auf ihn ein und ließen ihn erschaudern. Und während er so auf die Trümmer blickte, erinnerte sich irgendetwas tief in ihm an die Nacht, vor knapp drei Jahren, in der sie Abschied voneinander genommen hatten.

>Langsam klopfte er an die Tür zum Farmhaus und wartete. Er wusste nicht genau was ihn erwarten würde, ob sie ihn empfangen oder ob sie ihn wieder wegschicken würde. Er war weit gereist um sie zu finden. Das tat er oft, viel zu oft, doch bisher hatte es jedes Mal geklappt. Er hatte sie stets gefunden und zurück gebracht. Und das wollte er auch dieses Mal. Nur wusste er nicht wie groß seine Chancen waren. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit bis sich die Tür öffnete und er ihr endlich gegenüber stand.
„Tony?“ fragte sie, überrascht ihn zu sehen.
„Ziva“, antwortete er und lächelte.
„Was machst du hier?“ fragte sie und schaute ihn nun genauer an. Er wusste, er sah verändert aus, beinahe ein wenig verwahrlost. Er hatte sich einen Bart stehen lassen, was er sonst nie tat und er trug weder einen Anzug noch einen feinen Pulli. Jeans und T-Shirt hatten ausreichen müssen auf seiner Suche nach ihr.
„Du bist schwer zu finden“, sagte er. Sie nickte.
„Du siehst … ungewohnt aus“, meinte sie. Er fuhr sich mit der Hand über den Bart und lächelte erneut.
„Ich wollte mal sehen wie sich sowas anfühlt.“
„Komm rein“, war ihre Antwort und gleichzeitig schob sie die Tür ein Stück weiter auf damit er eintreten konnte.
„Wie geht es dir? Wie geht es den anderen?“ fragte sie weiter und führte ihn dann ins Wohnzimmer. Er blieb ein wenig schüchtern mitten im Raum stehen und sie deutete auf die Couch.
„Setz dich“, forderte sie ihn auf und er nahm Platz, legte seine Jacke über die Lehne und schaute sie wieder an.
„Den anderen geht es gut. Sie vermissen dich. Und ich …“ Weiter kam er nicht, denn in ihre Augen war ein Glanz getreten, der ihn traurig machte.
„Was ist mit dir Tony?“ fragte sie weiter.
„Ich weiß nicht“, gestand er. Und er wusste es tatsächlich nicht. Er wusste nicht was er ihr sagen sollte, wie er es ausdrücken sollte. Er hatte keine Ahnung wie man einem Menschen sagen sollte, dass man ihn liebt, dass man mit ihm sein Leben verbringen möchte und dass man ihn vermisst mit jeder Faser seines Seins. Das alles hatte er nie gelernt. Er hatte nie richtig geliebt, bis sie gekommen war und ihm sein Herz gestohlen hatte.
„Du hättest nicht herkommen dürfen“, sagte sie und ihre Finger zitterten als sie sich die Haare aus der Stirn strich und ihn wieder ansah mit diesem Blick, den er nicht deuten konnte.
„Ich konnte nicht anders“, entgegnete er und verlagerte sein Gewicht, so dass er näher an sie heran rückte.
„Warum?“ fragte sie.
„Weil …“ Sie hob eine Augenbraue und sah ihn herausfordernd an. War es das? Wollte sie einfach nur wissen was er empfand, wie seine Gefühle, die er schon ein paar Jahre mit sich herumschleppte sich entwickelt hatten. Wie stark sie geworden waren? Erst recht seit sie gegangen war? Doch was sollte er sagen, was konnte er sagen? Hatte es überhaupt einen Sinn?
„Tony…“, setzte sie an nur um kurz darauf wieder zu verstummen.
„Komm mit mir zurück … Ziva“, sagte er schließlich leise und verflocht die Finger ineinander, senkte den Blick und wartete voller Angst auf ihre Antwort. Sie sagte nichts und so wiederholte er seine Bitte.
„Komm mit mir zurück nach D.C. – nach Hause.“ Wieder dauerte es eine Ewigkeit bis sie schließlich reagierte.
„Ich kann nicht“, flüsterte sie und er hob den Kopf, schaute sie an und erkannte Tränen in ihren schönen dunklen Augen.
„Ziva…“ Er rutschte an sie heran und wollte ihre Hände nehmen, doch sie sprang auf und drehte sich von ihm weg. Er hörte sie schluchzen und stand nun ebenfalls auf, trat hinter sie und legte dann seine Arme um sie herum. Er schloss sie ein mit seiner Wärme und seiner Liebe und plötzlich merkte er wie sie sich an ihn lehnte, wie sie immer näher kam und mit einem Mal spürte er ihre Hände auf seiner Brust. Sie hatte sich in seinen Armen herumgedreht und schaute ihn nun an. Ihr Blick war zärtlich und doch voller Trauer, er war so liebevoll und doch distanziert. Er schaute sie an und ihre Augen fesselten ihn, ließen ihn bis in ihr tiefstes Inneres blicken. Fast wie in Zeitlupe senkte er den Kopf und berührte ganz sacht mit den Lippen ihren Mund. Sie zuckte zurück, aber nur kurz und wenig später spürte er wie sich ihre Lippen teilten und ihn ebenfalls zu küssen begannen. Ihre Lippen waren warm und weich und schmeckten leicht salzig. Er hob die Arme und nahm dann ihren Kopf in seine Hände, streichelte ihr ganz sanft über die Wangen und küsste sie weiter. Ihre Zungen hatten sich gefunden und umspielten einander, zogen leicht daran und er merkte wie ein Gefühl der Glückseligkeit in ihm hochstieg. Er zog sie näher an sich heran, strich ihr über den Rücken und fuhr langsam mit dem Mund über ihren Hals und hinab in Richtung ihres Brustansatzes. Ihr Atem ging schnell und sie schmiegte sich an ihn, schob ihre Hände unter sein Shirt und fuhr dann ganz langsam über seinen nackten Rücken nach oben bis sie seinen Hals fand und diesen sanft streichelte. Er dirigierte sie zur Couch und ließ sie dann ganz langsam nach hinten gleiten, hielt sie fest und bettete sie schließlich in die Sofakissen. Dann legte er sich über sie und streichelte sie weiter, zog ihr das Shirt über den Kopf und begann dann ihren Körper zu erkunden. Sie seufzte und schloss die Augen, fuhr mit ihren Fingern über seinen inzwischen entblößten Oberkörper und streckte sich ihm entgegen. Sie konnten es nicht aufhalten und sie wollten es nicht. Sie wollten den jeweils anderen spüren, jetzt, sofort und mit allen Konsequenzen. Er zog ihr die Hosen aus und streifte ihr den BH von den Schultern. Dann vergrub er seinen Kopf an ihrer Brust und sie griff in sein Haar, zog leicht daran und zerwühlte ihn vollkommen. Er entledigte sich seiner Schuhe und seiner Jeans und wenig später als sie nackt übereinander lagen, konnten sie sich das erste Mal seit Minuten wieder in die Augen sehen.
„Ich habe dich so vermisst Tony“, flüsterte sie und zog seinen Kopf wieder näher an sich heran.
„Ich habe dich auch sehr vermisst“, entgegnete er und stützte sich mit dem rechten Arm ab um sie nicht mit seinem Gewicht zu erdrücken. Er spürte wie sie ihre Beine um ihn herumschlang und so ihre Positionen genauer beschrieb.
„Bist du sicher, dass du das willst?“ fragte er schon ein wenig außer Atem. Sie blinzelte leicht und schaute ihn dann offen an. Und in ihrem Blick lag all die Sehnsucht der letzten Jahre, all die Entbehrungen, all die Hoffnung und all die Verzweiflung, die sie hatte durchmachen müssen. Sie nickte und half ihm dann den richtigen Weg zu finden. Ganz langsam glitt er in sie hinein und musste ein Stöhnen unterdrücken. Endlich konnte er sie so spüren. So nah, so intim, so bei ihm. Sie fanden einen gemeinsamen Rhythmus und trieben sich gegenseitig zum Höhepunkt, hielten sich fest und sanken schließlich aufeinander, stöhnend, keuchend und so voller Zufriedenheit. Eine ganze Weile lagen sie danach nebeneinander und sie hatte den Kopf auf seine Brust gebettet. Er streichelte ihre Schulter und spielte mit ihren Haaren während sie die Augen geschlossen hatten und den Geräuschen des Nachmittags lauschten.
„Ich danke dir Tony“, sagte sie plötzlich und er richtete seine Aufmerksamkeit auf sie und ihre Stimme.
„Wofür?“ fragte er schon ein wenig schläfrig.
„Dass du mich gefunden hast.“ Er drehte sich auf die Seite und schaute sie nun vollends an. Sie drehte sich zu ihm herum und strich ihm eine Strähne aus der Stirn, die ihm immer wieder ins Gesicht rutschte.
„Wie sieht es aus. Erzählst du mir warum du hier bist?“ fragte er.
„Später“, meinte sie und lächelte ihn an. Dann schob sie ihn auf den Rücken und kletterte auf seinen Schoß. Sie legte sich auf ihn und schließlich begannen sie sich erneut zu lieben.

Ein paar Tage später begleitete sie ihn zum Flughafen. Er hatte sie noch mehrfach gefragt ob sie ihn begleiten würde, doch sie hatte stets abgelehnt. Er konnte ihre Gründe verstehen, wenngleich sie ihm wehtaten. Er wusste nicht ob und wann er sie jemals wiedersehen würde und  so blieb ihm nur die Erinnerung an ihre gemeinsame Nacht und an ihre Gespräche, die sie in ihrem Haus geführt hatten. Es war längst nicht alles gesagt, längst nicht alles geklärt und doch gab es keine andere Lösung. Sie hatte ihm ihre Kette geschenkt. Die goldene Kette mit dem Davidstern, die sie immer getragen hatte. Er konnte sie in seiner Hand fühlen. Er würde sie gut aufheben und vielleicht konnte er sie ihr eines Tages wieder um den Hals legen. Ihre letzten Worte drangen immer wieder in sein Ohr als er jetzt ins Flugzeug stieg und nach Hause flog.
„Tony … du wirst so geliebt.“<



Er hob den Kopf und merkte erst jetzt, dass er immer noch auf den Knien im Staub hockte. Die schönen Bilder waren verschwunden, seine Erinnerungen verflogen wieder in die hinteren Regionen seines Gehirns, um dort für immer begraben zu werden. Er blinzelte ins Sonnenlicht und spürte die brennende Hitze auf seiner Haut. Es war nicht sein Land, nicht seine Heimat und er zweifelte noch immer daran, dass Ziva hier tatsächlich glücklich gewesen war, aber sie hatte es sich so ausgesucht. Sie hatte ein Kind geboren, ohne es ihm zu sagen. Hatte es aufwachsen lassen, ohne ihm Bescheid zu geben. Er sollte wütend auf sie sein, doch das war er nicht. Er konnte nicht, denn sie war nicht mehr da. Er griff in seine Tasche und holte ihre Kette hervor, ließ sie vor seinem Gesicht baumeln und schaute sie lange an. Das Leben würde weiter gehen. Das Leben ohne sie, das wusste er. Es würde nicht einfach werden. Es würde noch eine ganze Weile wehtun, aber er wusste auch sie hatte ihm eine Aufgabe hinterlassen. Eine Aufgabe fürs Leben. Er hatte ein Geschenk bekommen. Ein Geschenk in Form seiner Tochter Tali. Sie war es, für die es sich zu leben lohnte, für die es sich lohnte wieder glücklich zu sein. Er hatte sich immer eine Familie gewünscht und Ziva hatte sie ihm gegeben. Langsam stand er auf, warf einen letzten Blick zurück zum Farmhaus und nahm Abschied. Dann drehte er sich um und machte sich auf den Weg.

ENDE
Review schreiben