A Wolf´s heart

von Kaos
GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P12
Ame OC (Own Character)
12.12.2016
08.01.2017
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08.01.2017 1.262
 
1. Kapitel

Gehetzt rannte eine weiße Fellkugel durch den Wald. Die Augen weit aufgerissen, aus der Schnauze hing die Zunge und sie rannte immer weiter. Sie musste weg! Einfach weg von hier. Denn sie wurde verfolgt. Von ihrem eigenen Rudel. Welches sie verabscheute und niedermachte. Die junge Wölfin riskierte einen Blick hinter sich. Dort sah sie einen großen, muskulösen Wolf rennen und mit ihm drei weitere. In ihren Augen spiegelte sich die pure Sehnsucht nach ihrem Blut, ihre Zähne waren herausfordernd gebleckt und sie schauten sie mit einem Blick der Mordsucht an. Doch die weiße Wölfin wusste, warum sie verfolgt wurde: Weil alle sie hassten! Wäre sie tot, würde sie ihr Rudel nicht mehr ertragen müssen, nie mehr verfolgt werden, sich nie mehr von ihnen demütigen lassen. Doch irgendetwas in ihrem tiefsten Inneren trieb sie dazu an, weiterzuleben, ihnen allen zu trotzen und sich dem Hass zu stellen. Deshalb rannte sie jetzt um ihr Leben, wissend, dass wenn sie stehenblieb, man sie in Stücke reißen und sich ihr Mischlingsblut von den spitzen Zähnen lecken würde. Wissend, dass niemand ihr helfen würde. Und wissend, dass so ihr Leben enden würde: Im Magen eines ihrer Rudelgefährten.
Verängstigt richtete die Wölfin ihren Blick wieder nach vorn, doch was sie dort sah, ließ sie zusammenzucken: Wenige Meter von ihr entfernt befand sich eine riesige Steinwand ohne jegliche Fluchtmöglichkeit! Eine Sackgasse! Gehetzt sah sie sich um. Hier irgendwo musste es doch eine Fluchtmöglichkeit geben! Doch da war es schon zu spät! Abrupt blieb sie stehen um nicht vor die kalte Felswand zu rennen. Langsam drehte sie sich um; Und sah direkt in das Gesicht des riesigen Wolfes.
„Jetzt bist du fällig, du kleine Missgeburt! Niemand wird dich hören, und wenn, wird er dir nicht helfen. Du bist so gut wie tot, gib auf!“, knurrte er grinsend und zeigte dabei seine scharfen Zähne. Mit vor Angst angelegten Ohren wich sie einen winzigen Schritt zurück, doch viel Platz blieb ihr nicht mehr. Gleich würde sie hier ihr Ende finden. Gleich würde ihr Blut vergossen auf dem kalten Steinboden fließen und ihre Leiche verstümmelt im Maul des größeren Wolfes baumeln. Gleich würde sie die Stimme der Erlösung rufen und sie einladen, mit ihr zu kommen und ihr für immer währende Zeit Gesellschaft zu leisten. Mit ihr das Reich der Toten zu teilen…
Doch genau das wollte ihr Innerstes nicht zulassen! Und eigentlich wollte sie selbst das ja auch nicht. Aber sie sehnte sich so sehr nach dem Tod! Ihre Familie war schon lange tot; war ihr genommen worden. Ihr Rudel hatte sie schon immer gehasst, nicht ein Einziger hatte sich je um sie geschert. Hilflos war sie den Befehlen von Alpha, der Anführerin des Rudels, ausgesetzt, und wenn sie sich widersetzte, drohten ihr schmerzhafte Strafen. Sie selbst hatte nie das Recht zu erfahren gehabt, weshalb sie nicht sofort getötet worden war, und warum man sich die Mühe gemacht hatte, sie großzuziehen und sie zu ernähren. Ihr wurde doch immer nur Hass entgegengebracht worden! Wie es war, geliebt zu werden, hatte sie schon lange vergessen. Und trotz Allem wollte sie nicht sterben! Irgendwo tief in ihr wurde ihr gesagt, sie sollte leben. Auch wenn es bedeutete, immer nur gedemütigt zu werden! Und wenn sie es nicht mehr aushielt, solle sie rennen! Einfach flüchten vor der Welt! Jede Nacht träumte sie von der Unbeschwertheit und Freiheit, jedoch von dem Unwirklichen. Vielleicht gab es ja irgendwo die Freiheit in Wirklichkeit! Doch das war alles nur immer wieder absterbende Hoffnung. Wenn sie versuchen würde, wegzurennen, würde man sie aufspüren und ihr wieder wehtun; sie vielleicht für immer einsperren.
Ich darf jetzt noch nicht sterben!
Doch die aufkeimende Hoffnung wurde sofort wieder erstickt, als sie mit einer mächtigen Pfote zu Boden gedrückt wurde. Einer der herumstehenden Wölfe hatte sich aus der Gruppe gelöst, hielt sie nun fest und grinste dabei. Dabei entblößte er scharfe Reißzähne, welche sie zusammenzucken ließen. Heißer Speichel tropfte auf das schneeweiße Wolfsgesicht und er schaute sie gierig an. Nur mit Mühe konnte sie ihren Körper davon abhalten, das warme Wasser, welches aus dem geöffneten Maul des Wolfes kam, abzuschütteln und ihm in den Vorderlauf zu beißen. Wenn sie das wagen würde, stände ihr Name schon auf der Todesliste, bereit, ihn ins Jenseits zu befördern. Also hielt sie bemüht still und wich nur den langen, spitzen Zähnen des großen Wolfes aus.
„Du kleine Göre hast es nicht verdient, hier im Wald zu leben und von uns versorgt zu werden!“, knurrte er hämisch und der Druck auf seinen Pfoten verstärkte sich.
„Hör zu, du weißt es nicht, weil du nun wirklich viel zu dumm bist, aber du hattest Glück, von Alpha gefunden und aufgezogen zu werden. Doch weißt du was? Sie hat es satt, sich mit dir abgeben zu müssen! Du leistest keinen Beitrag zu unserem Rudelleben, wir müssen dir alles selbst beschaffen, weil du Schwächling zu dumm bist, um zu jagen!“
Das stimmte nicht! Ihre Beute war immer sofort verschlungen worden und mit gierigen Mäulern entgegengenommen worden! Den ganzen Tag jagte sie oder gehorchte den Befehlen von Alpha! Doch das ignorierte der Wolfsrüde gekonnt und stellte es nun so da, als wäre sie ein Feigling welcher sich im Rudel bemuttern ließ und nur Last war! Doch was sollte sie denn bloß sagen? Sie war doch nur ein kleiner Mischling, welcher in einem Rudel lebte, in welchem sie verabscheut, gehänselt und bestraft wurde. Was wusste sie als junge, unerfahrene Wölfin denn schon vom Leben? Im Griff des älteren Rüdes wurde ihr Körper langsam schlaff vor Erschöpfung. Bald würde man ihrem Leben ein Ende setzen und ihre Leiche dem ganzen Rudel präsentieren. Und alle würden über ihren Tod lachen und feiern, dass das lästige Mischlingsbalg nicht mehr existierte! Vielleicht sollte sie es einfach über sich ergehen lassen, dann würde sie ihre Eltern schnell wiedersehen. Doch was hätte sie dann im Leben geleistet? Ihre Eltern wollten sicher nicht, dass sie in ihrem Leben nicht einmal versucht hatte, etwas zu erreichen. Enttäuscht würden sie sein!
Wenn ich sie stolz mache kann ich endlich ins Paradies!
„Hör mir gefälligst zu, du nutzloser Bastard!“ Der Rüde beugte sich vor, wobei seine gewaltigen Pranken schmerzhaft auf der weißen Brust der Wölfin lasteten.
„Ich will dass du weißt, dass Alpha es egal ist, wenn wir dich töten! Sie lässt dir ausrichten, dass du die Wahl hast zwischen der Hochzeit mit Yuuto, oder dem Tod. Solltest du die Hochzeit wählen, würde sie euch beide in Ruhe lasse, jedoch müsstet ihr das Rudel verlassen. Und wenn du den Tod wählen solltest, dürften alle aus den Rudel ein lebendiges Stück aus dir herausreißen, solange, bis nichts mehr von dir übrig ist!“ Sein stinkender Atem kratzte in der Nase der jungen Wölfin. Weshalb ließ Alpha ihr die Wahl sich mit einem Rudelrüden zu paaren und vom Tod davonzukommen? Warum ließ sie sie nicht sofort töten, dann wäre sie sie los? Die schneeweiße Mischlingswölfin schluckte.
„Warum sollte Alpha mir die Wahl geben, mich mit Yuuto zu verheiraten und dann dem Tod zu entkommen?“, sprach diese ihre Gedanken mutig aus. Ihre Stimme zitterte, doch sie hielt dem irren, drohenden Blick ihres Gegenübers stand. Doch dieser knurrte tief und rief wütend: „Du hast hier nicht mitzureden, dumme Missgeburt!“ Dann bleckte er angriffslustig die Zähne.
„Weißt du, vielleicht sollte ich dich einfach direkt töten“, meinte der grau-weiße Rüde über ihr, „was Alpha nicht weiß, macht sie nicht heiß.“
Mit diesen Worten beugte er sich runter, bereit, seine Zähne in das Fleisch seiner Rudelgefährtin zu schlagen und ihre Kehle zu durchtrennen. Doch da wurde die Luft von einem lauten Ruf durchschnitten:
„Lasst die Wölfin in Ruhe!“
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