A Wolf´s heart

von Kaos
GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P12
Ame OC (Own Character)
12.12.2016
08.01.2017
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1.893
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12.12.2016 631
 
Prolog
Ein schmerzerfülltes Jaulen zerriss die Luft des herbstbunten Waldes und hallte an den steinigen Wänden der Schlucht wieder. Eine junge Wölfin brach auf dem kalten Steinboden zusammen und kauerte sich unterwürfig auf alle Viere. Über ihr stand eine ältere Wölfin, welche sie mit einer grau-weißen Pfote drohend zu Boden drückte. Sie knurrte einmal tief, dann nahm sie ihre Pfote von dem jüngeren Wolf.
„Sei gefälligst dankbarer, du dreckiger Mischlings-Abschaum!“, rief sie herrisch. Die kleinere Wölfin drückte sich noch tiefer an den harten Boden und biss die spitzen Zähne zusammen.
Langsam öffnete sie die grünen Augen als sie spürte, dass die andere Wölfin verschwunden war. Panisch blickte sie sich noch einmal um, dann richtete sie sich langsam auf und rannte, so schnell sie ihre weißen Pfoten trugen, tief in den dichten Wald hinein. Immer schneller lief sie, bis ihre Pfoten zu schweben schienen. Immer weiter, immer schneller, immer dorthin, wohin sie getragen wurde; in Sicherheit, weg von der Welt, weg von ihrem Rudel. Sie hasste dieses unterdrückte Leben, hasste diese bösartige Welt! Nirgendswo gab es eine Höhle in der sie sich hätte vor allem verstecken können. Niemanden gab es, dem sie es hätte erzählen können. Niemand half ihr. Niemand holte sie aus diesem Teufelskreis. Niemand…

Keuchend blieb die junge Wölfin stehen. Um sie herum ragten Tannen in die Höhe, immer der Sonne entgegen, die gegen Ende Herbst immer weiter vom Himmel zu verschwinden schien. Auf der Lichtung wuchs das Moos auf den Steinen, so grün und weich, selbst auf dem harten Waldboden. Erschöpft ließ sich das junge Tier im weichen Moos nieder. Sie ließ ein zufriedenes Seufzen erklingen. Im Gegensatz zum harten Stein auf den sie gedrückt worden war, fühlte sich das flauschige Grün an, wie eine leichte, warme Wolke, in der sie einfach nur versinken und nie wieder herauskriechen wollte. Doch sie wusste, morgen war ein neuer Tag. Wieder Schmerz, Unterwerfung und Strafen. Dennoch war das ihr Alltag, von dem sie sich wünschen würde, dass er sich gleich mit ihrem Leben verabschieden würde, damit sie im Himmel frei und wild sein konnte. Wo sie in Wolken liegen und sich verstecken konnte; in ihnen für immer versinken könnte…

Wohlig kuschelte sich die schneeweiße Wölfin in ihr grünes Nest. Nun war wieder für ein paar Stunden Ruhe und niemand würde sie quälen, weder noch sich unterwerfen. Sie konnte ruhig einschlafen und ihren ewigen Traum vom Wolkenhimmel und dem unversehrtem Nichts träumen; ihrem Tod. Leise kramte sie mit der verdreckten und wunden Pfote zwischen den Wurzeln einer Tanne, welche etwas zur Seite gekippt war, und holte eine grün-braune Decke heraus. Sie war das Wärmste und Weichste was sie besaß und es war, abgesehen von Moos, das Einzige, was sie in den kalten und grausamen Nächten warm hielt. Diese wickelte sie sich eng um den zusammengekauerten Leib und begann ab dem Moment sich zu verändern: Ihre spitzen, felligen Ohren wurden hell Hautfarben und legten sich seitlich an den Kopf. Die blattgrünen Augen veränderten ihre Form. Die lange Schnauze mit der schwarzen Wolfsnase wurde kurz und hell. Die vier Beine mit den krallenbesetzen Pfoten wurden zu zwei Armen mit Händen und zwei langen Beinen mit Füßen. Der dichte, wuschelige Schwanz ging komplett weg und das lange, schneeweiße Fell wurde zu bleicher Haut. Um ihr Gesicht jedoch wurde es zu hüftlangen Haaren, blieb aber genauso weiß wie ihr vorheriger Pelz. Zufrieden seufzend kuschelte sich das Mädchen tief in die nach Wald riechende Decke, dann schloss sie die Augen, schritt durch die Tür, welche zur Unbeschwertheit führte, nach der sie sich so sehnte. Nach der Wolkenwelt in der sie einfach nur glücklich und unversehrt sein würde. Mit einem wohligen Lächeln auf den von der Kälte geröteten Lippen ließ sie sich vom Strom der Träume mitziehen, bis sie schließlich komplett darin versunken war…
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