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♞ Carousel

von Shiv
OneshotSchmerz/Trost, Übernatürlich / P16
Atsushi Nakajima
11.12.2016
11.12.2016
1
1.315
7
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Dieses Kapitel
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11.12.2016 1.315
 
A/N:
Das hier ist meine erste Reader-FF in BSD, vor allem, da ich bemerkt habe, dass es hier so unglaublich wenig davon gibt. Dieser Anime hat einfach ein wenig mehr Aufmerksamkeit verdient und ich hoffe einfach einmal, dass es euch vielleicht gefallen wird.
Diese Idee ist einmal eine vollkommen andere, nach anderem Stil. Möglicherweise wäre es ganz gut, wenn ihr euch dabei Carousel von Melanie Martinez anhört, dieses Lied hat mir auch erst die Inspiration gegeben. (Y/N) bedeutet, das ihr dort euren Namen einfügen solltet und mehr Anmerkungen habe ich in diesem Sinne auch gar nicht mehr zu machen.
Jetzt wünsche ich euch auf jeden Fall viel Spaß beim Lesen und vielleicht gefällt es euch ja!

Eure Shiv :3

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♞ Carousel




Die Sonne war bereits untergegangen, als ihr euch treffen wolltet – die Nacht war unglaublich kalt und du konntest einfach nicht leugnen, dass die Kälte dich bereits zum Zittern brachte. Durch deine flachen Schuhe konnte man deine Schritte auf dem Asphalt nicht einmal hören, nachdem du dich durch den Haupteingang des bereits geschlossenen Jahrmarktes geschlichen hattest. Auch dort war alles dunkel und die ganzen Attraktionen waren bereits seit einer langen Zeit abgeschaltet. Als du auf die Uhr blicktest, realisiertest du erst, dass es bereits Mitternacht war – kurz vor dem Zeitpunkt, an welchem ihr euch treffen wolltet. Verabredet hattet ihr euch um ein Uhr nachts und dir blieb somit auch noch eine ganze Menge Zeit – zu viel zeit, wenn du noch einmal genauer darüber nachdachtest.

Eine Stunde.


Wenn du ehrlich zu dir selbst sein solltest, dann warst du dir in jenem Augenblick nicht einmal sicher, wie du dir eigentlich die Zeit vertreiben solltest, denn das Karussell, an welchem ihr euch treffen wolltet, hattest du bereits erreicht. Unweigerlich musstest du dich daran erinnern, wie am letzten Tag die Lichter dieses Karussells blinkten, wie es sich drehte. Auch wenn du bereits siebzehn Jahre alt warst, konntest du in diesem Augenblick nichts gegen deine Neugier tun, welche sich einfach wieder in den Vordergrund drängte. Du solltest dich nicht einmal um diese Zeit an diesem Ort befinden und dennoch warst du genau zu jener Zeit an jenem Ort. Du konntest es anscheinend einfach nicht lassen. Zu jenem Zeitpunkt konnte dir dies schließlich auch egal sein, deine Füße begannen sich ohnehin in jenem Moment schon beinahe von selbst zu bewegen. Langsam und beinahe mechanisch begannst du dich auf das Karussell zuzubewegen, legtest deine Hand auf das kalte Material, aus welchem eines der Pferde geschaffen war und ließt deine Finger quälend langsam darüber gleiten.

Warum du dich so fühltest, konntest du dir nicht erklären, doch in diesem Augenblick erschien dir all dies ein wenig irreal. Du begannst dir Gedanken darüber zu machen, was du tun solltest, wenn all dies nur eine Illusion sein sollte, welche nicht so grausam war, wie all die anderen – doch er, er war echt, das wusstest du. Selbst wenn er das einzige Echte in deiner verdrehten Traumwelt war, doch du konntest daran festhalten, sowie du in jenem Augenblick an diesem Karussellpferd festhalten konntest. Schließlich löstest du deine Hand jedoch einfach wieder von dem Material und versuchtest weiterzugehen, wolltest eine kleine Runde gehen, einfach nur vorbei an den ganzen Sitzmöglichkeiten dieses Karussells, wolltest es dir noch einmal einfach nur betrachten, doch schien es sich in diesem Moment im Kreis zu drehen. Obwohl es tatsächlich abgeschaltet war, es bewegte sich keinen einzigen Millimeter. Du hattest nicht das Gefühl, jemals wieder an dem Punkt anzukommen, an welchem du begonnen hattest, bis du dich einfach nur noch aus den Reihen fallen ließt und wirklich froh warst, wieder den ganz normalen Boden unter deinen Füßen spüren zu können.

Schwer atmetest du durch und drücktest dir die Hand auf die Brust, wolltest einfach nur verhindern, dass diese genauso bebte, wie sie es in jenem Augenblick bereits tat.
Was hattest du da gerade eigentlich miterlebt?
In diesem Moment konntest du nicht anders, als dir diese Frage zu stellen, selbst wenn du wusstest, dass du sie dir selbst niemals hättest beantworten können. Vielleicht solltest du dich daran gewöhnen, das die Welt nachts eine andere sein konnte oder das du dir wieder einmal nur Dinge einbildetest. In der Zwischenzeit solltest du dich vielleicht einfach daran gewöhnen, statt es weiterhin in Frage zu stellen, doch warum tat es dann weh, darüber nachzudenken, die Antwort nicht zu kennen? Ein weiteres Mal blicktest du anschließend auf deine Uhr, einfach nur, um dich noch einmal zu versichern, dass die Zeit weitergelaufen und nicht angehalten war, doch die Zeiger auf der schmalen Uhr bewegten sich noch immer kontinuierlich.

Einige Minuten, du musstest dich beeilen.


Bis zu dem Ticketschalter war der Weg für dich wirklich nicht mehr weit – nur einige Schritte, nicht mehr und dann konntest du dich auch schon direkt davor wiederfinden. Auch wenn es dir in diesem Moment doch ein wenig unangenehm wurde, an diesem Platz zu warten, selbst wenn du wusstest, das dort eigentlich alle Attraktionen ausgeschaltet waren.
Doch konntest du dir dabei wirklich sicher sein?
Ein eiskalter Schauer lief dir über den Rücken, während du dir leicht auf die Lippe beißen musstest. Langsam rieben deine Hände über deine kalten, blassen Oberarme und du konntest deinen Atem deutlich sehen, als du ausatmetest. Dein Blick richtete sich auf die dunkle Ferne, bis du ihn endlich entdecken konntest. Er lief direkt auf dich zu und schließlich doch an dir vorbei, auch wenn du ihm zugewinkt hattest. Leicht fragend sahst du ihn an, als er auf der anderen Seite des Ticketschalters zum Stehen kam, dir genau gegenüber, und sich umzusehen schien. Er wirkte, als würde er etwas suchen.

Leicht hobst du eine deiner Augenbrauen. Worte konntest du dir dennoch nicht verkneifen, auch wenn du es eigentlich wolltest. Du wolltest einfach nur verhindern, dass du ihn überfielst, überraschtest oder erschrakst.
„Es ist wirklich schön, dass du erschienen bist.“, lächeltest du leise und blicktest noch im gleichen Augenblick zum Boden, wolltest ihn auch nicht allzu lang ansehen, wolltest nicht, dass er sich angestarrt fühlte.
Dennoch schien er sich schließlich genau zu dir umzudrehen, blickte dich sogar für einen Moment direkt an.
„(Y/N)?“, fragte er und du nicktest noch im gleichen Augenblick, als du auch schon unweigerlich zu weinen begannst.
Dein Unterbewusstsein wusste in diesem Augenblick viel mehr als du selbst, bis es dir dieses Geheimnis endlich entschlüsselte und dich nicht mehr im Dunkeln tappen ließ, selbst wenn du dies immer tatst.

Du hättest den Worten der anderen, welchen es genauso erging, Gehör schenken sollen, statt sie zu ignorieren, doch war es in diesem Augenblick zu spät. Vielleicht hättest du dich wirklich daran halten sollen, an diesem Tag keinen Kontakt zu einem Menschen aufzunehmen und dennoch hattest du es getan, nur, weil du Atsushi noch einmal sehen wolltest, auch wenn es dein Herz brach. Ihr standet euch genau gegenüber, doch in jenem Augenblick, als du deine Hand nach ihm ausstrecken wolltest, drehte er sich um und schien dich weiterhin zu suchen. Er musste sich Sorgen machen, da du nicht erschienen warst, obwohl du direkt vor ihm standst und dies ließ dich schlecht fühlen. Obwohl ihr euch getroffen hattet, hattet ihr euch dennoch im Dunkel der Nacht verfehlt. Nur in der letzten, vergangenen Nacht konnten sich das Diesseits und Jenseits überschneiden – eine Nacht im Jahr, wie immer. Es hätte dir bewusst sein sollen, dass ihr dies nicht aufrechterhalten konntet – du warst in der letzten Nacht einfach zu egoistisch und nun musstest du den Schmerz fühlen, als ihr euch verpasstet, selbst wenn ihr euch am gleichen Ort, nur in anderen Welten befandet.
Ob das Karussell in diesem Moment auch so unheimlich und lebendig auf ihn wirkte, wie es das bei dir tat?
Du konntest ihn unmöglich fragen, er hätte dich nicht einmal gehört.

Vielleicht hattet ihr eine Chance, wenn du bis zum nächsten Jahr warten würdest.
Doch woher solltest du dir sicher sein, das er dann noch da war, das er dann noch an dich dachte?
Du konntest dir nie sicher sein.
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